Platzhalter für Profilbild

Venatrix

Lesejury Star
offline

Venatrix ist Mitglied der Lesejury

Melde dich in der Lesejury an, um dich mit Venatrix über deine Lieblingsbücher auszutauschen.

Anmelden

Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 30.06.2023

Nicht der beste Roger-Blanc-Krimi

Stille Sainte-Victoire
0

In seinem 10. Kriminalfall bekommen es Captaine Roger Blanc und sein Team mit mehreren Paläontologen zu tun, die sich gegenseitig bei ihren Ausgrabungen übertrumpfen wollen. Nur blöd, dass der Zwillingsbruder ...

In seinem 10. Kriminalfall bekommen es Captaine Roger Blanc und sein Team mit mehreren Paläontologen zu tun, die sich gegenseitig bei ihren Ausgrabungen übertrumpfen wollen. Nur blöd, dass der Zwillingsbruder von Prof. Christophe Dallest, plötzlich erstochen am Fuß der Saint-Victoire liegt und statt eines Messers steckt ein rasiermesserscharfer, fossiler Saurierzahn in seine Brust. Dabei ist Roland Ingenieur und untersucht die Staumauer des nach dem Zweiten Weltkrieg errichteten Stausees.

Ist Roland Opfer einer Verwechslung geworden? Und was hat der militante Blogger, der seine eigenen Wanderwege quer durch das Naturschutzgebiet spurt damit zu tun?

Meine Meinung:

Die Idee hat mir ja ausgezeichnet gefallen. Das ewige Spiel mit Zwillingen, die einander zum Verwechseln ähnlich schauen, zwei überaus ehrgeizige Frauen, die über die sprichwörtlichen Leichen gehen würden, um ihre Ziele zu erreichen und die bezaubernde Landschaft der Provence, die durch einen möglicherweise schlampig, kurz nach dem Krieg errichteten Stausee, in Gefahr ist.

All das sind Zutaten, die einen komplexen Krimi versprechen. Doch leider hat mich Autor Cay Rademacher diesmal enttäuscht. Ich kenne so ziemlich alle Krimis sowie die historischen Romane, aber dieser Krimi hat mich nun nicht vom Hocker gerissen.

Gut gefallen hat mir, dass Roger Blanc sein Geheimnis, nämlichen seinen eigenen toten Zwillingsbruder offenbart hat. Aber auch das wirkt irgendwie nur angerissen, ein wenig unfertig.

Fazit:

Diesmal bin ich ein wenig enttäuscht, dass Roger Blanc nicht zu seiner gewohnten Form gefunden hat. Daher kann ich diesmal nur 3 Sterne vergeben.

Veröffentlicht am 30.06.2023

Penibel recherchiert und opulent erzählt

Bergleuchten
0

Dieser historische Roman entführt uns in das 19. Jahrhundert zum Bau des Gotthardtunnels. Neben der der imposanten Tunnelbaustelle spielen die Schweizer Landschaft sowie die Liebesgeschichte zwischen der ...

Dieser historische Roman entführt uns in das 19. Jahrhundert zum Bau des Gotthardtunnels. Neben der der imposanten Tunnelbaustelle spielen die Schweizer Landschaft sowie die Liebesgeschichte zwischen der Schweizer Fuhrhalterstochter Helene und dem Italienischen Mineur Piero eine große Rolle.

Der historische Roman ist penibel recherchiert und gekonnt erzählt. Wir erfahren von Alteingesessenen, die jeden Fortschritt ablehnen und dafür auch den Riss in der Dorfgemeinschaft hinnehmen. Wieder andere sind die großen Profiteure des acht Jahre langen Bauvorhabens. Daneben erhalten wir Einblick in die gefährliche Arbeit der Tunnelbauer, deren Leben oft aufgrund von technischen und finanziellen Problemen aufs Spiel gesetzt wird. Die Ausbeutung der Arbeiter ist obligat, Sicherheitsvorschriften werden, wenn überhaupt vorhanden, nicht eingehalten bzw. ignoriert. Als dann die vorwiegend italienischen Arbeiter streiken, werden sie niedergeschossen bzw. als Aufwiegler des Landes verwiesen.

Gleichzeitig erleben wir den erhebenden Augenblick des Durchstichs mit, als sich die beiden Tunnelröhren an der richtigen Stelle treffen.

Im Anhang finden sich Zahlen, Daten und Fakten zu diesem Bauwerk.

Fazit:

Ein gelungener historischer Roman, der Fakten und Fiktion geschickt verquickt. Gerne gebe ich hier 5 Sterne.

Veröffentlicht am 26.06.2023

Eine gelungene Fortsetzung

Das Nordseekind
0

In diesem 4. Fall für Peter Söt und den jungen Anwalt Theodor Storm bekommen sie es mit einer Frau zu tun, die behauptet, sie wäre als Kind entführt worden. Außerdem würden ihr die Besitztümer ihrer Familie ...

In diesem 4. Fall für Peter Söt und den jungen Anwalt Theodor Storm bekommen sie es mit einer Frau zu tun, die behauptet, sie wäre als Kind entführt worden. Außerdem würden ihr die Besitztümer ihrer Familie vorenthalten. Storm und sein Schreiber Söt haben schon in einigen abenteuerlichen Kriminalfällen ermittelt, doch diesmal halten sie die Geschichte für ziemlich abstrus. Obendrein scheint es auch kein Fall zu sein, der sich in klingende Münze verwandeln lässt.

Als dann aber einige Personen ermordet werden, die einen möglichen Zusammenhang mit der geheimnisvollen Frau haben könnten, beginnen Storm und Söt doch noch mit ihren Nachforschungen und stoßen auf eine schier unglaubliche Geschichte.

Meine Meinung:

Autor Tilman Spreckelsen schafft es wieder mühelos, seine Leser in das Husum des 19. Jahrhunderts mitzunehmen.

Die Geschichte wird, so wie bisherigen Fälle, aus der Sicht von Peter Söt, dem Schreiber Theodor Storms, der eine nicht unbedingt lupenreine Vergangenheit hat, wie die Leser wissen. Nebenbei erhalten wir Einblick in die Lebensweise der Menschen dieser Zeit. So ist das Rollenverständnis zwischen Mann und Frau ganz klar: SIE ist Ehefrau, Mutter und schupft den Haushalt, während ER das bringt Geld nach Hause bringt und dafür gutes Essen, gefegte Stube und eine entspannte Gemahlin vorzufinden wünscht. Der Nachwuchs möge bitte gut erzogen, geschneuzt und gekampelt sein. Dass dem nicht so ist, muss Peter Söt leidvoll feststellen.

Sehr interessant ist, dass diesem historischen Krimi nicht nur eine Sage aus Eiderstedt, sondern auch Storms Novelle „Auf dem Staatshof. Aufstieg und Niedergang einer Familie“ zugrunde liegt. Geschickt verwebt Spreckelsen Sage, Novelle und seine eigene Fantasie zu einem durchaus fesselnden Krimi.

Jedem Kapitel ist ein Originalzitat von Theodor Storm vorangestellt.

Fazit:

Wer gerne historische Kriminalromane, die durch Kombinationsgabe gelöst werden, lesen will, ist hier genau richtig. Gerne gebe ich hier 5 Sterne.

Veröffentlicht am 26.06.2023

Wissenswertes über die "Zelle"

Das Lied der Zelle
0

Das Buch ist eine Mischung aus Geschichte und Wissenschaft über die Zelle. Viele Funktionen und Krankheiten werden verständlich dargestellt. Nicht verschwiegen wird, dass es auch Fehlschläge und Nebenwirkungen ...

Das Buch ist eine Mischung aus Geschichte und Wissenschaft über die Zelle. Viele Funktionen und Krankheiten werden verständlich dargestellt. Nicht verschwiegen wird, dass es auch Fehlschläge und Nebenwirkungen bei Medikamenten gibt. Um dieses fesselnde Buch in seinem vollen Umfang verstehen zu können, ist ein wissenschaftliches Grundwissen von Vorteil.

Die 22 Kapitel des Buches sind in 6 Abschnitten zusammengefasst. Im Anhang finden sich zahlreiche Fotografien von Ärzten und Patienten.

Autor Siddhartha Mukherjee ist praktizierender Onkologe am Columbia University Medical Center und weiß somit, worüber er schreibt.

Der abwechslungsreiche Schreibstil spannt den Bogen der Medizin vom 16. Jahrhundert bis in die Gegenwart, ja er zeigt uns auch einen Ausblick in die Zukunft. Dazu mischt er medizinische Theorie gekonnt mit interessanten Fallbeispielen aus seinem Berufsalltag sowie ergänzt seinen Text mit passenden Abbildungen.

Der Leser spürt, dass Autor Siddhartha Mukherjee für die „Zelle“ lebt.

„Wie wir uns auch drehen und wenden, wir kommen zuletzt auf die Zelle zurück.“ (Rudolf Virchow, 1858)

Fazit:

Diesem umfassenden und sehr informativen Ausflug in die Geschichte der Medizin, bei dem ein rundes Bild der Zelle entsteht, gebe ich gerne 5 Sterne.

Veröffentlicht am 26.06.2023

Sein Ruhm eilt ihm voraus

Bretonischer Ruhm
0

Georges Dupin hat endlich seine Claire geheiratet und sind auf Hochzeitsreise. Wie es sich für die beiden Gourmets gehört, spielen die französische Küche und der passende Wein eine große Rolle. So flittert ...

Georges Dupin hat endlich seine Claire geheiratet und sind auf Hochzeitsreise. Wie es sich für die beiden Gourmets gehört, spielen die französische Küche und der passende Wein eine große Rolle. So flittert man an der Loire und besucht Weingut um Weingut. Beiden tut es gut, sich vom Alltag zu lösen, bis, ja bis Brian Katell, der Ex-Mann von Cécile, Claires Freundin und Weingutbesitzerin, mit einem Schrotgewehr erschossen aufgefunden wird. Der zuständige Kommissar geht anfangs von einem Jagdunfall aus und schießt sich wenig später auf Cécile ein, als sich herausstellt, dass sie das Weingut ihres Ex-Mannes erben wird.

Cécile bittet Georges um Unterstützung. Der will aber nicht so recht. Zum einem, weil er in Ruhe seine Hochzeitsreise genießen will und zum anderen, weil die Loire weit ab seines Zuständigkeitsbereiches liegt. Das ist allerdings eine billige Ausrede, denn von „zuständig oder nicht“, hat er sich bislang noch nie von Ermittlungen abhalten lassen. Doch als es einen zweiten Toten gibt und Claire damit droht, notfalls nur mit Cécile alleine Recherchen anzustellen, beginnt Georges seine Fühler auszustrecken.

Dem ermittelnden Kommissar ist das natürlich so gar nicht recht, doch Dupins Ruhm ist ihm zu Ohren gekommen. Als dann Georges und Claire selbst in Lebensgefahr geraten, ist Dupins bretonisches Team, wenn auch im Hintergrund, wieder gefragt.

Meine Meinung:

In diesem 12. Fall tritt der Krimi anfangs ob der kulinarischen Hochzeitsreise ziemlich in den Hintergrund. Es dauert eine geraume Zeit, bis der Kriminalfall so richtig in Gang kommt.

Interessant ist die „Job-Umkehr“, denn nicht Georges ist diesmal die treibende Kraft, sondern Claire. Sie darf diesmal eine größere Rolle spielen, die ich ihr allerdings nicht ganz abnehme. Die intensive Freundschaft zu Cécile, die Claire veranlasst, hier selbst tätig zu werden, kann ich nicht ganz nachvollziehen. Ich kann mich nicht erinnern, ihren Namen in einem der Vorgänger gelesen zu haben.

Die Story selbst ist, wie wir es vom Autor gewöhnt sind, gut strukturiert, enthält alle Elemente, die einen Krimi spannend machen wie Sackgassen, Kompetenzgerangel und ein bzw. mehrere (Familien)Geheimnisse. Dieser 12. Fall für Georges Dupin reiht sich nahtlos an seine Vorgänger an, wenn ich auch sein bretonisches Team ein wenig vermisse.
Auffallend ist, dass Dupin seit einiger Zeit weniger flucht und sein gewohntes „So ein Scheiß“ nicht mehr so oft vorkommt. Der Drang nach starkem Kaffee ist allerdings ungebrochen.

Fazit:

Ein etwas anderer Dupin-Krimi, dem ich gerne 4 Sterne gebe.