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Venatrix

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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 29.08.2023

Ein komplexer Krimi

Verlogen
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Bereits der Titel „Verlogen“ deutet darauf hin, dass hier die Unwahrheit gesagt wird. Nur von wem und warum? Wie schon im ersten Fall „Verschwiegen“ ist der Krimi wieder in der isländischen Kleinstadt ...

Bereits der Titel „Verlogen“ deutet darauf hin, dass hier die Unwahrheit gesagt wird. Nur von wem und warum? Wie schon im ersten Fall „Verschwiegen“ ist der Krimi wieder in der isländischen Kleinstadt Akranes angesiedelt.

Als man in einer Lavahöhle die halb verweste Leiche eine Frau findet, ist schnell klar, dass es sich um die seit Monaten vermisste Maríanna, eine alleinerziehende Mutter, handelt. Ursprünglich hat man das Verschwinden der Frau als Selbstmord klassifiziert. Doch nun sind alle Zweifel beseitigt - Maríanna wurde ermordet.

Parallel zu den Ermittlungen, die sich schwierig gestalten, wird, in mehreren Abschnitten, die Geschichte einer jungen Frau erzählt, die ein ungewolltes Kind zur Welt bringt. Obwohl man annehmen könnte, dass es sich um Maríanna handelt, die mit fünfzehn Jahren ebenfalls eine Tochter geboren hat, merkt man schnell, dass es eine andere Frau sein muss.

Das Ermittlerteam mit Elma und Sævar sowie dessen Chef Hörður, den aber ganz andere Sorgen plagen, tragen Puzzleteil für Puzzleteil zu diesem Kriminalfall zusammen, bis ein stimmiges Bild entsteht. Doch ist es wirklich die Wahrheit?

Meine Meinung:

Der Beginn ist zwar ein wenig zäh, doch dann hat der Krimi recht bald Fahrt aufgenommen und der Spannungsbogen ist recht hoch gehalten.

Der Schreibstil ist fesselnd, und wie schon im ersten Fall, tappen Ermittler und Leser recht lange im Dunkeln. Es gibt jede Menge Lügen und Halbwahrheiten sowie allerlei Geheimnisse, die wohl besser nicht ans Tageslicht gekommen wären.

Kaum einer der Charaktere ist der, der er oder sie zu sein vorgibt.

Fazit:

Ein komplexer Krimi, der Lust auf Band 3 („Verborgen“) macht. Gerne gebe ich hier 5 Sterne.

Veröffentlicht am 28.08.2023

Fesselnd bis zur letzten Seite

Brudermord
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Die Rechtsanwältin Clara Niklas gerät eher zufällig als geplant in einen mysteriösen Kriminalfall. Sie soll die Erwachsenenvertretung von Ruth Imhofen, einer Frau übernehmen, die mehr als vierundzwanzig ...

Die Rechtsanwältin Clara Niklas gerät eher zufällig als geplant in einen mysteriösen Kriminalfall. Sie soll die Erwachsenenvertretung von Ruth Imhofen, einer Frau übernehmen, die mehr als vierundzwanzig Jahre in einer geschlossenen psychiatrischen Einrichtung verbracht hat, weil sie damals in einem Anfall geistiger Umnachtung ihren Liebhaber getötet haben soll. Noch bevor Clara von deren Arzt, der Ruths Entlassung betrieben hat, Einzelheiten über ihre Mandantin erhalten kann, stirbt der Arzt bei einem Autounfall, der sich wenig später als gut getarnter Mord entpuppt.

Der Bruder der Mandantin wird kurz darauf tot in der Tiefgarage seines Hauses erschlagen aufgefunden. Hat die zuvor aus der Psychiatrie entlassene Schwester ihren Bruder umgebracht?

Auch der ermittelnde Kommissar Gruber hat sich auf Ruth als Täterin festgelegt. Wer einmal mordet, tut es wieder, oder so ähnlich. Außerdem kann er Rechtsanwälte und insbesondere Anwältinnen nicht leiden, weil die immer seine Arbeit sabotieren, indem sie Verdächtige entlasten.

Je tiefer Clara Niklas in den Fall eindringt, desto mehr verhärtet sich der Verdacht, dass Ruth schon vor Jahren einem Komplott zum Opfer gefallen ist, denn es verschwinden neben Ruths Krankenakte auch Ermittlungsunterlagen. Erst als die Ehefrau des getöteten Arztes Kopien der verschwundenen Aufzeichnungen entdeckt, kommt das ganze Ausmaß der Intrige ans Tageslicht.

Meine Meinung:

Veronika Rusch widmet sich in diesem zweiten Fall für Rechtsanwältin Clara Niklas gleich mehreren heiklen Themen: illegale Versuche an Psychiatrie-PatientInnen sowie dem Umgang mit Personen mit labiler Psyche überhaupt. Obwohl man meinen könnte, die Zeiten, in denen Menschenversuche durchgeführt werden, schon hinter uns gelassen zu haben, belehrt uns dieser Krimi eines Besseren.

Es ist nur zu hoffen, dass es sich um Einzelfälle handelt.
Auch unsere wackere Clara Niklas hat mit ihren eigenen Dämonen zu kämpfen. Wobei die Beschreibung an der einen oder anderen Stelle ein wenig zu lange geraten ist. Da wäre für mein Empfinden durchaus eine Straffung angebracht gewesen.

Obwohl die Autorin sich bemüht, den Kriminalkommissar Gruber als unsympathisch zu präsentieren, muss ich mich manchmal auf seine Seite schlagen. Dass Kriminelle durch juristische Winkelzüge die Arbeit der Ermittler zunichtemachen und deshalb entweder gar nicht angeklagt oder nur mit einer geringen Strafe davon kommen, ist für die Polizisten ziemlich frustrierend. Da kann ich sein Vorurteil Clara gegenüber sehr gut verstehen.

Fazit:

Alles in allem ein gut gelungener zweiter Fall für Clara Niklas, dem ich gerne 4 Sterne gebe.

Veröffentlicht am 28.08.2023

Auf den Spuren der Vergangenheit

Die Bücherjägerin
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Als die Eltern von Sarah und Milena bei einem Flugzeugabsturz in Südamerika ums Leben gekommen sind, wurden sie von ihrer Tante, einer Buchhändlerin und Restauratorin aufgenommen. Die beiden Mädchen wachsen ...

Als die Eltern von Sarah und Milena bei einem Flugzeugabsturz in Südamerika ums Leben gekommen sind, wurden sie von ihrer Tante, einer Buchhändlerin und Restauratorin aufgenommen. Die beiden Mädchen wachsen in einem unkonventionellen Frauenhaushalt auf. Milena heiratet einen Banker und scheint mit ihrem Leben zufrieden zu sein.

Sarah tritt in die Fußstapfen der Tante und gemeinsam jagen sie seltenen Büchern und alten Landkarten nach, die liebevoll restauriert und verkauft werden. Nach dem Tod der Tante erben die Schwestern die Villa, in dem sie aufgewachsen sind, und leider auch die Schulden. Um diese begleichen zu können, begibt sich Sarah gemeinsam mit einem charismatischen englischen Bibliothekar auf die Jagd nach dem verschollenen Teil der Tabula Peutingeriana, der wohl berühmtesten Straßenkarte, die in der Österreichischen Nationalbibliothek aufbewahrt wird.

Durch das gemeinsame Interesse an alten Karten und Büchern entspinnt sich zwischen den beiden höchst unterschiedlichen Menschen eine zarte Beziehung. Werden die beiden den verschollenen Teil der Tabula Peutingeriana finden?

Meine Meinung:

Dieses Buch zu lesen, hat mich gleich mehrfach gereizt. Zum einen bin ich je selbst Geodätin kartenaffin und liebe Bücher. Und zum anderen lebe ich in Wien und gehe gerne in die Nationalbibliothek, die immer wieder imposante Kartenwerke ausstellt. Die letzte war die sogenannte „Pasetti-Karte“, deren 54 aneinandergereihte Kartenblätter im Original-Maßstab von 1:28.800 eine Länge von 36m ergibt. Sie zeigt den Verlauf der Donau innerhalb des Habsburgerreiches von Passau bis zur Eisernen Pforte und bildete die Grundlage zur Donauregulierung von 1862

Der Aufhänger, nach dem verschollenen Teilstück der Tabula Peutingeriana, zu suchen hat mir natürlich sehr gut gefallen. Davon hätte es durchaus mehr sein können. Obwohl, die Familiengeschichte von Sarah und Milena auch recht interessant ist. Auf den ersten Blick scheinen die Schwester ziemlich diametrale Lebensvorstellungen zu haben. Milena eben bei Mann und Kindern, während Sarah nicht nur unter Bindungsängsten leidet. Bücher oder Landkarten sind ihr lieber als Menschen. Die aufopfernde Fürsorge der Tante, die auf ihr eigenen Privatleben verzichtet, kann die Selbstzweifel und die nicht wirklich verarbeitete Trauer um die Eltern von Sarah nicht ganz heilen.

Das Buch lässt sich ob des flüssigen Schreibstils sehr gut lesen. Die Charaktere sind glaubwürdig dargestellt. Der interessierte Leser erfährt einiges über die Restaurierung von Büchern und Landkarten. - jz

Schmunzeln musste ich über das Ende der Jagd nach dem verschollenen Kartenteil.

Meine Meinung:

Ein gelungener Ausflug in die Welt der antiquarischen Bücher und alten Landkarten, dem ich gerne 5 Sterne gebe.

Veröffentlicht am 28.08.2023

Ein verdrängtes Thema penibel recherchiert

In den Häusern der anderen
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Dieses Sachbuch der polnischen Historikerin Karolina Kuszyk beschäftigt sich mit einem Tabu-Thema, nämlich mit der Beschlagnahme und In-Besitznahme von Eigentum der vertriebenen Deutschen durch den polnischen ...

Dieses Sachbuch der polnischen Historikerin Karolina Kuszyk beschäftigt sich mit einem Tabu-Thema, nämlich mit der Beschlagnahme und In-Besitznahme von Eigentum der vertriebenen Deutschen durch den polnischen Staat im ehemals deutschen Westpolen.

Die Autorin ist mit einem Deutschen verheiratet und hat zahlreiche Familienschicksale penibel recherchiert. Sie spricht mit Augenzeugen bzw. deren Nachkommen. Dabei schafft sie es, dieses emotionsbeladene Thema sachlich und in angemessenen Ton darzustellen. Die Übersetzung aus dem Polnischen hat sicherlich auch großen Anteil daran, weswegen Bernhard Hartmann hier vor den Vorhang geholt werden muss.

Es gibt zwar meterweise Bücher über Flucht und Vertreibung der Deutschen aus Polen um und nach 1945, doch wenige Bücher widmen sich diesem Thema aus polnischer Sicht. Dass viele Menschen aus Ostpolen, das von der UdSSR annektiert worden ist, nach Westpolen zwangsweise umgesiedelt worden sind, ist vermutlich nicht allgemein bekannt. Diese Familien kamen, da selbst vertrieben, oft nur mit wenigen Habseligkeiten an und mussten mit den deutschen Hinterlassenschaften vorliebnehmen und damit zu leben lernen.

„Es war nicht schön, das deutsche Zeug zu benutzen, aber was hätten wir tun sollen?“

So kommt es, dass bei einem Besuch des Ehemanns der Autorin bei den Schwiegereltern zu der kuriosen Situation, dass aus einer Schüssel mit dem Hakenkreuz gegessen wird.

Zahlreiche polnische Familien lebten Jahrzehnte lang in der Angst, die Deutschen kämen zurück und würden sich ihr ehemaliges Eigentum wieder zurückholen wollen. Daher unterließ man häufig, die Gebäude zu verändern, ja selbst dringend notwendig Instandhaltungsmaßnahmen vorzunehmen, was wiederum das Vorurteil, Polen wären faul, befeuert hat. Aber, wer würde schon freiwillig eigenes Geld in fremdes Eigentum investieren? Eben.

Erst die Nachkommen der vertriebenen Polen beginnen „alles Deutsche“ zu tilgen. Diesem „sozialistischem Bauboom“ fallen Jugendstilvillen, Denkmäler und Friedhöfe zum Opfer. Erst ab 1990, dem Zerfall der UdSSR und dem Hinwenden zum Westen (NATO statt Warschauer Pakt) besinnt man sich des deutschen Erbes. Es ist nun an der dritten Generation, zu der sich die Autorin zählt, die „Spuren deutscher Vergangenheit in Westpolen“ wieder zu entdecken und zu bewahren. Wo früher deutsche Denkmäler abgerissen worden sind, ereilt dieses Schicksal nun jene aus den Sowjetzeiten.

Vermutlich wird erst die vierte Generation durch Bücher wie das vorliegende, ohne die üblichen Vorurteile erkennen, dass die beiden, durch ihre Geschichte eng verwobenen Länder mehr Gemeinsamkeiten als Unterschiede haben. Möge es durch Bücher wie dieses gelingen, gegenseitigen Respekt und Vertrauen aufzubauen. Aufrufe der aktuellen nationalistisch eingestellten Politiker nach Entschädigungszahlungen sind hier kontraproduktiv.

Fazit:

Wer sich für die Geschichte interessiert und im Speziellen für diejenige von Deutschland und Polen, kommt an diesem Buch nicht vorbei. Gerne gebe ich diesem interessanten Blick auf jene Menschen, die „in den Häusern der anderen“ leb(t)en, 5 Sterne.

Veröffentlicht am 28.08.2023

Hat noch ein wenig Luft nach oben

Einer muss den Job ja machen
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Schauplatz dieses Krimis ist Hamburg im Jahr 2017. Der eben zu Ende gegangen G20-Gipfel hat in der Stadt und in der Bevölkerung tiefe Risse hinterlassen. Die einen wollen Sympathisanten der extremen Linken ...

Schauplatz dieses Krimis ist Hamburg im Jahr 2017. Der eben zu Ende gegangen G20-Gipfel hat in der Stadt und in der Bevölkerung tiefe Risse hinterlassen. Die einen wollen Sympathisanten der extremen Linken verhaftet wissen, die anderen schätzen Hamburgs Weltoffenheit. Der fiktive Oberbürgermeister Julius Wolff hat Ambitionen, Angela Merkel als Bundeskanzler zu beerben und will es sich daher mit keiner Gruppierung verscherzen. Wie es für Politiker dieses Ranges üblich ist, ist er von Speichelleckern und Einflüsterern umgeben. Entspannen kann er sich nur mehr im Kreise seiner Freunde Lukas Hammerschmidt, Clemens Engel und Niklas Claasen, bekannt als die Vier Flaschen, die einst die Welt verbessern wollte und mit denen er nun sündhaft teure Weine verkostet.

Lukas, Journalist, nimmt sich gerade eine Auszeit, um gemeinsam mit seiner schwangeren Frau das Kinderzimmer einzurichten und einen Namen für den zu erwartenden Sohn zu finden, als die Nachricht über den Tod eines bekannten Journalisten in seinen Alltag hineinplatzt. Ohne lange zu überlegen, beginnt er heimlich Recherchen anzustellen. Dazu benutzt er die Dackeldame Fini, den Hund seiner Schwiegereltern, der während deren Kreuzfahrt bei Hammersteins logiert, als Alibi. Als wenig später ein zweiter Journalist getötet wird und eine Kollegin beinahe einem Autounfall zum Opfer fällt, ist klar, dass es jemand auf die schreibende Zunft abgesehen hat. Nur wer? Und was hat es mit der geheimnisvollen Liste aus dem Pressehaus auf sich?

Meine Meinung:

Ich habe mich auf diesen Hamburg-Krimi sehr gefreut, da ich die Hanseaten und ihre Stadt sehr schätze. Doch leider bin ich ein wenig enttäuscht zurückgelassen worden. Warum?

Da ist zum einem diese Dackeldame Fini, die durch ihr neurotisches Gehabe wie alle Fußböden abschlecken oder in die eigene Pfote beißen, ziemlich nervt oder das Ehepaar Hammerstein selbst, das sich gegenseitig ziemlich inflationär als „Hasenzahn“ bezeichnet. Auch das andauernde Gendern der Polizeireporterin Kaja, die mit Enno, dem Leiter der SoKo ein Gspusi hat, ist über Gebühr anstrengend, zumal sie teilweise Nomen gendert, die nicht gegendert werden, weil sie erstens keine Personen bezeichnen oder zweitens sächlichen Geschlechts sind wie z.B. das Mitglied.

Außerdem finde ich es ziemlich degoutant, dass die vier Freunde ihre Vorliebe für unverschämt teuren Wein so hervorkehren. Ja natürlich hat Niklas Claasen als Sohn einer Reederdynastie mehr Geld als er ausgeben kann, aber wäre ein Teil des verprassten Geldes nicht besser in Nützliches investiert? Auch ihn Hamburg gibt es Menschen, die an der Armutsgrenze leben. Dieses Hervorkehren des Vermögens passt irgendwie nicht zum hanseatischen Understatement.

Die Charaktere wirken in ihrem Tun oberflächlich. Lediglich die Konkurrenzsituation zwischen den Journalisten der unterschiedlichen Blätter scheint der Wirklichkeit zu entsprechen.

Die polizeiliche Ermittlungsarbeit wird durch Schilderungen von zahlreichen Nebensächlichkeiten überlagert.

Sehr gut hat mir hingegen die Idee, Zitate aus Udo Lindenbergs Lieder zu verwenden, gefallen. sowie den Star zwischendurch auch vorbeischauen zu lassen, und sei es auch nur als „Whatsapp“-Freundschaft von Lukas Hammerstein.
Ich werde dem Autor mit seinem nächsten Krimi, der „Ich lieb’ dich überhaupt nicht mehr“heißen wird und bald erscheinen soll, noch eine Chance geben.

Fazit:

Dieser Krimi hat leider meine Erwartungen nicht erfüllt und bekommt daher nur 3 Sterne.