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Venatrix

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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 26.06.2023

Eine gelungene Fortsetzung

Salzburger Saitenstich
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In ihrem dritten Krimi kommt Arzthelferin Rosemarie Dorn, die einst als Baby auf den Stufen einer Kapelle abgelegt worden ist, ihrem brennenden Wunsch, zu erfahren, wer ihre Eltern sind, ziemlich nahe. ...

In ihrem dritten Krimi kommt Arzthelferin Rosemarie Dorn, die einst als Baby auf den Stufen einer Kapelle abgelegt worden ist, ihrem brennenden Wunsch, zu erfahren, wer ihre Eltern sind, ziemlich nahe. Leider ist das Ergebnis nicht so, wie sie erhofft hat.

Doch von Beginn an:

Hypochonder und Dauergast in der Arztpraxis, der Rettenbacher, wird tot aus dem nahen Almkanal gefischt. Fremdverschulden ja oder nein? Doch die Überraschung ist gleich noch einmal größer, denn zum einen gibt es den Rettenbacher noch einmal, allerdings lebendig, und zum anderen findet sich ein Duplikat jenes Anhängers, der dem Findelkind Rosemarie ins Baby-Körbchen gelegt worden ist. Zuerst gar kein Vater, dann gleich zwei Kandidaten?

Rosemarie ermittelt wieder auf eigene Faust, wird aber von ihrem Ehemann diesmal zumindest mental unterstützt. Ihre Recherchen führen sie in die Welt der Musiker und deren beinharten Konkurrenzkampf.

Meine Meinung:

Der rote Faden dieser Krimi-Reihe ist Rosemaries Sehnsucht nach dem Wissen um ihre Herkunft, die diesmal eine recht große persönliche Rolle spielt. Um dieses Geheimnis zu lüften, ist sie auch bereit, an der Grenze zur Legalität zu recherchieren. So bringt sie die Gerichtsmedizinerin dazu, die DNA des toten Rettenbachers und ihre eigene auf Übereinstimmung zu prüfen.

Die Charaktere sind uns schon aus den Vorgängern bekannt. Manche, wie Rosemaries Ehemann haben sich zu ihrem Positiven hin entwickelt. Auch Fr. Dr. Fleischer (herrlich dieser Name für eine Ärztin) ist meiner Ansicht ein wenig freundlicher zu Rosemarie. Gewohnt anstrengend ist Hermi, die Schwiegermutter, die nur um sich selbst kreist.

Neben all den humorvollen Passagen beschäftigt sich Katharina Eigner auch mit einem recht ernsten Thema: Pflegende Angehörige, die oft am Rande der Erschöpfung balancieren.

Die Reihe rund um Rosemarie Dorn ist in das Sub-Genre „Cosy-Krimi“ einzuordnen. Ernsthafte Polizeiarbeit darf man hier nicht erwarten, sondern eher die zufällige Aufklärung durch Rosemaries Kombinationsgabe. Der Schreibstil ist flott und der Krimi lässt sich leicht lesen. Gut gefällt mir, dass in manchen Passagen durchaus Salzburger Dialekt gesprochen wird, der für Unkundige im Glossar im Anhang erklärt wird. Aufgefallen sind mir die vielen Anglizismen, die wie „same procedure as ..“ oder „full house“ längst Eingang in unsere Sprache gefunden haben. Dass jedes der 15 Kapitel mit einer Art Zusammenfassung überschrieben ist, gefällt mir recht gut. Der Leser erhält, quasi als Aperitif eine Kurzinfo, was ihn erwartet.

Das Cover passt sehr gut zum Titel, denn Rosemaries Hobby ist, wenn sie nicht gerade ermittelt, sticken.

Fazit:

Gerne gebe ich diesem dritten Krimi rund um Rosemarie Dorn, der sich perfekt als Urlaubslektüre eignet, 4 Sterne.

Veröffentlicht am 26.06.2023

Ein penibel recherchierter hist. Roman

Die Elbflut
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Dieser historische Roman, der Fakten und Fiktion sehr gut verquickt, besteht aus zwei Erzählsträngen. Zum einen jenen um den Fischer Jakob, der vor dem Eisstoß auf der Elbe warnt und zum andern jenem seiner ...

Dieser historische Roman, der Fakten und Fiktion sehr gut verquickt, besteht aus zwei Erzählsträngen. Zum einen jenen um den Fischer Jakob, der vor dem Eisstoß auf der Elbe warnt und zum andern jenem seiner Tochter Luise, die davon träumt, dem kargen, aber schweren Leben der Fischer zu entfliehen und Stickerin zu werden.

Man schreibt das Jahr 1784. Der Winter ist lang und so kalt, dass die Elbe zufriert. An sich nichts Ungewöhnliches, doch diesmal wechseln sich eiskalte Wochen und einzelne warme Tage ab, sodass sich die Eisdecke bricht, wieder friert und Eisschollen vor allem im Bereich der Dresdener Brücken gefährlich stauen. Elbfischer Jakob kennt seine Elbe genau und warnt vor einem plötzlich einsetzenden Tauwetter, das eine Flutkatastrophe auslösen wird. Man müsse die Eisberge vor den Brücken umgehend sprengen, drängt er die Verantwortlichen. Doch blöderweise ist Jakob, dessen Frau seit 15 Jahren verschwunden ist, als sturer Querulant bekannt und seine Mahnungen werden nicht beachtet. Lediglich der Landvermesser und Geograf Conrad teilt Jakobs Meinung.

Als dann Ende Februar/Anfang März die Katastrophe eintritt und eine vornehm aussehende Dame gerettet und in Jakobs Fischerhütte Unterschlupf findet, glaubt Luise ihrem Ziel, eine Stickerin in Dresden zu werden, nahe zu sein. Denn die Dame spricht eine unverbindliche Einladung in ihr Haus aus, der die arglose Luise folgt. Doch der Traum von einem besseren Leben zerplatzt, als sich die vornehme Dame als nicht ganz so edel entpuppt.

Meine Meinung:

Autorin Birgid Jasmund versteht es, die Lebensumstände der Menschen um 1784 sehr gut darzustellen. Es ist kaum möglich, seine Standeszugehörigkeit zu überwinden. Frauen haben noch weniger Rechte als ihre Männer.

Der Autorin ist ein interessantes Bild dieser Zeit gelungen. Es sind nur mehr fünf Jahre bis zur Französische Revolution und auch in den vielen kleinen Fürstentümern Deutschlands gärt es. Die reichen Adeligen und Bürger prassen, während die Bauern und Armen wie die buchstäblichen Fliegen des Hungers und der Kälte wegen sterben.

Ich finde die Geschichte über die Arbeit der Kommission, die die Hochwasserschäden dokumentiert und Vorkehrungen gegen eine mögliche Wiederholung zu treffen soll, sehr interessant beschrieben. Die unterschiedlichen Interessen und Ansichten sowie die Streitereien lesen sich authentisch. Immerhin, Jakob ist Teil dieser Kommission, da er mit dem einfachen Menschen spricht. Dass er sich dort nicht wirklich wohl fühlt, ist klar.

Der Schreibstil ist der Zeit gut angepasst und lässt sich gut lesen. Die Charaktere sind sehr gut herausgearbeitet. Bei Luise bin ich anfangs ein wenig zwiegespalten gewesen. Einerseits wird sie als intelligent beschrieben, andererseits handelt sie ziemlich naiv und fällt auf die losen Versprechungen einer Unbekannten herein. Doch im Laufe der Erzählung habe ich mich Luise wieder versöhnt. Conrad hingegen, der anfangs sympathisch wirkt und als passender Ehemann für Luise erscheint, verändert sich zu seinen Ungunsten.

Fazit:

Gerne gebe ich diesem historischen Roman, der eine gelungene Mischung aus Fakten und Fiktion ist, 4 Sterne.

Veröffentlicht am 26.06.2023

Ein komplexer Krimi

Die Richterin und das Erbe der Toten
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In ihrem nunmehr sechsten Fall muss sich die Untersuchungsrichterin Mathilde de Boncourt gemeinsam mit ihrem polizeilichen Team mit einem tragischen Brand, der vor über zwanzig Jahren vier Tote gefordert ...

In ihrem nunmehr sechsten Fall muss sich die Untersuchungsrichterin Mathilde de Boncourt gemeinsam mit ihrem polizeilichen Team mit einem tragischen Brand, der vor über zwanzig Jahren vier Tote gefordert hat, auseinandersetzen.

Wie das?

In Nîmes wird ein junger Mann ermordet aufgefunden. Schon bald ist klar, dass es eine Verbindung zur Familie Savigny, die ihren Reichtum der Produktion von Olivenöl verdankt, gibt. Nur, bis auf Valerie sind alle Familienmitglieder bei dem verheerenden Brand ums Leben gekommen. Valerie selbst lebt seit dem Unglück im Wachkoma. Als dann wenig später Valerie stirbt, scheint ihr Tod für die Ärzte nicht allzu überraschend zu sein. Nur Mathilde de Boncourt glaubt nicht an Zufälle. Und siehe da, ihr Bauchgefühl hat sie nicht im Stich gelassen - hier hat jemand nachgeholfen.
Die Frage ist nur, wer?

Je tiefer die Ermittler in die Familiengeschichte eindringen, desto mehr Fragen tauchen auf, die nur teilweise beantwortet werden können. Und welche Rolle spielt das Hausmeisterehepaar, das ausgerechnet am Abend des Brandes nicht anwesend war? Und was ist mit den wertvollen Gemälden passiert, die einst Urgroßvater Eustache Savigny zusammengetragen hat?

Werden Mathilde de Boncourt und ihr Team die Rätsel der Vergangenheit lösen können?

Meine Meinung:

Auch dieser 6. Band dieser Reihe ist fesselnd geschrieben. Der Krimi ist komplex. Akribisch wird im Team gearbeitet und der Erfolg gibt Mathilde de Boncourt recht. Die Ermittlungen sind gut beschrieben.

Die Charaktere dürfen sich weiterentwickeln und so sind Mathilde de Boncourt und Rachid nun ein Paar. Natürlich darf das französische savoire vivre nicht fehlen: gute Küche mit lokalen Spezialitäten. Wir dürfen wieder an Mathildes Familienleben, das diesmal dezent in den Hintergrund gerückt ist, teilhaben.

Fazit:

Gerne gebe ich diesem komplexen Krimi, der eine gelungene Fortsetzung der Reihe ist, allerdings auch einzeln gelesen werden kann, 5 Sterne.

Veröffentlicht am 26.06.2023

Fesselnd bis zur letzten Seite

Die Tote am Fastensee
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Ich habe schon einige Krimis aus der Reihe mit Lena Lorenzen gelesen, die üblicherweise an der Nordsee spielen. Doch diesmal verschlägt es Lena Lorenzen und ihre neue Kollegin Naya Olsen aus dem LKA Kiel ...

Ich habe schon einige Krimis aus der Reihe mit Lena Lorenzen gelesen, die üblicherweise an der Nordsee spielen. Doch diesmal verschlägt es Lena Lorenzen und ihre neue Kollegin Naya Olsen aus dem LKA Kiel nach Fehmarn, das bekanntlich in der Ostsee liegt.

Worum geht’s?

Merle Harmsen, eine Polizistin, die sich gerade im Krankenstand befindet, wird auf Fehmarn erstochen aufgefunden. Ein Motiv für das Verbrechen könnte neben dem geplanten Windpark, von dem auch Merles elterlicher Ferienhof betroffen ist, als auch ihre Ermittlungen zu Korruption innerhalb der eigenen Dienststelle sein. Und was ist dran an den Vorwürfen der sexuellen Belästigung? Davon kann Lena Lorenzen ein Lied singen, denn - wie man aus den Vorgängerfällen weiß, war sie eine Betroffene. Seither gilt sie bei vielen männlichen Kollegen als Nestbeschmutzerin. Dementsprechend mühsam sind die Befragungen.

Als dann ein weiterer Polizist ermordet wird, bekommt der Mord an Merle eine besondere Wende. Es werden mehr Fragen aufgeworfen als Antworten gefunden. Immer wieder löst sich eine anfangs gut geschmiedet geglaubte Indizienkette mangels echter Beweise auf. Ermittler wie Leser tappen im Dunkeln, bis sich eine überraschende, aber schlüssige Auslösung ergibt.

Meine Meinung:

Dieser Krimi wirft nicht nur den manchmal falsch verstanden Korpsgeist auf, bei Verfehlungen von Kollegen der eigenen Dienststelle um jeden Preis decken zu wollen, sondern auch (wieder einmal) Vorurteile Frauen gegenüber auf sowie rassistische Bemerkungen. Nayla ist gleich zweifach betroffen, stammt doch ihr Großvater aus Grönland und ist ein Betroffener jenes Experimentes der dänischen Regierung, Waisenkinder aus Grönland, durch einen Aufenthalt in Dänemark, zu einer neuen (grönländischen) Elite zu formen. Nayla wird regelmäßig auf ihr grönländisches Aussehen angesprochen. Sie entpuppt sich als tolle Partnerin für Lena.

Anna Johannsen legt zahlreiche Spuren, die in Sackgassen münden und sowohl Ermittler als auch Leser auf den Holzweg führen.

Ein klein bisschen geht mir das hin-und-her Lenas in Privatleben auf die Nerven. Ich verstehe natürlich ihre Bedenken, Beweggründe und auch ihre Liebe zu Job, Mann und Kind. Vielleicht sollten sich Erck und Lena einmal ordentlich zusammensetzen und über ihre Zukunft sprechen. Aber das ist vermutlich Thema des nächsten Krimis.

Fazit:

Gerne gebe ich diesem Krimi, der bis zur letzten Seite spannend bleibt, 5 Sterne.

Veröffentlicht am 26.06.2023

Eine Hommage an eine fast Vergessene

Emmy Noether. Ihr steiniger Weg an die Weltspitze der Mathematik
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Emmy Noether - Ein Leitstern für die theoretische Physik

Lars Jaeger, Autor und Naturwissenschaftler, nimmt sich in diesem Buch einer fast vergessenen Frau an: der brillanten deutschen Mathematikerin ...

Emmy Noether - Ein Leitstern für die theoretische Physik

Lars Jaeger, Autor und Naturwissenschaftler, nimmt sich in diesem Buch einer fast vergessenen Frau an: der brillanten deutschen Mathematikerin Emmy Noether (1882-1935). Sie gilt als Begründerin der Modernen Algebra, ohne die zahlreiche Erkenntnisse in der Physik nicht möglich (gewesen) wären.

Emmy Noether wächst in einer liberal-jüdischen Familie auf und hat, wie Vater Max und Bruder Fritz einen messerscharfen, brillanten mathematischen Verstand. Nach einem Abschluss als Sprachlehrerin nimmt sie mit einer Sondererlaubnis ein Mathematikstudium auf. Lange verwehrt man ihr die Promotion. Sie geht nach Göttingen und arbeitet dort mit den Koryphäen ihrer Zeit. Weil sie eine Frau ist, erhält sie weder Gehalt noch eine akademische Position. Dennoch sind ihre Vorlesungen bestens besucht. Ihre, für die Physik, bahnbrechenden Arbeiten werden von Kollegen und Professoren ohne Nennung ihres Namens und Mitwirkens veröffentlicht.

Mit der Machtübernahme der Nationalsozialisten 1933 wird sie der Universität verwiesen. Unbeirrt lehrt sie in ihrer kleinen Dachkammer weiter, muss aber einsehen, dass sie Nazi-Deutschland verlassen muss. Sie überlegt in die Sowjetunion zu emigrieren, nimmt aber dann die Einladung in die USA an und lehrt u.a. in Princeton.

Emmy Noether stirbt wenige Tage nach einer Unterleibsoperation im April 1935 mit nur 53 Jahren.

Meine Meinung:

Das Buch ist eine wissenschaftliche Biografie, vielleicht weil es über den privaten Menschen Emmy Noether wenig bekannt ist. Sie lebt für die Mathematik. Zeit ihres Lebens bleibt ihr die gebotene Anerkennung versagt. Selbst ihre engsten Kollegen mokieren sich in despektierlicher Weise über ihre Lebensweise und ihr Aussehen. Emmy Noether muss, weil ja ihre Arbeit nicht bezahlt wird, von ihrem schmalen Erbe leben. Da sind keine großen Sprünge möglich.

„Als Studentin und junge Mathematikerin wurde sie von ihren männlichen Kollegen nach den Maßstäben der damaligen Zeit beurteilt. Fast ausnahmslos gingen sie bei der Einschätzung ihrer beruflichen Leistungen auf die Tatsache ein, dass es sich bei Emmy Noether um eine Frau handelte - immer mit dem Ergebnis, dass weniger talentierte Mathematiker ihr vorgezogen wurden.“ (S. 166)

Und selbst in ihrer Trauerrede wird sie klein gemacht und ihre wissenschaftliche Arbeit herabgewürdigt.-

Um das Buch wirklich genießen zu können, ist einerseits eine hohe Konzentration und andererseits gewisse Vorbildung in Mathematik und Physik notwendig. Der Autor setzt doch ein wenig mehr als Abiturwissen voraus. Manchmal schweift er von Emmy Noethers Biografie ab, um später nachfolgenden Wissenschaftlern breiten Raum zu geben. Überhaupt liest sich das Buch wie das Who-is-Who der Mathematik und Physik. Von Albert Einstein, Erwin Schrödinger, Max Planck zu Ernst Mach oder den wenigen Mathematikerinnen wie Grete Herrmann (Noethers erste Doktorandin) und Olga Taussky-Todd bis zu Kenjiro Shoda oder Baartel Leendert van der Waerden.

Sehr gut, weil kritisch, sind die Anmerkungen des Autors zu den diskriminierenden Aussagen von Emmy Noethers Zeitgenossen.

Ergänzt wird diese Biografie von zahlreichen Abbildungen, eine Vielzahl von Fußnoten sowie ein ausführliches Quellenverzeichnis und Hinweise auf weiterführende Literatur.

Fazit:

Dieser Hommage an eine zu Unrecht fast vergessene brillante Mathematikerin, ohne deren Kunst zur mathematischen Abstraktion, zahlreiche Erkenntnisse für die Physik und Mathematik nicht möglich gewesen wären, gebe ich gerne 5 Sterne.