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Venatrix

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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 26.06.2023

Fesselnd bis zur letzten Seite

Obsidiangold
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Dieser 12. Fall für Franz Haderlein & Co. spielt nicht nur in Franken, sondern in einem zweiten bedeutsamen Handlungsstrang in Afghanistan.

Worum geht’s?

Zunächst verschwindet eine junge, namenlose Frau ...

Dieser 12. Fall für Franz Haderlein & Co. spielt nicht nur in Franken, sondern in einem zweiten bedeutsamen Handlungsstrang in Afghanistan.

Worum geht’s?

Zunächst verschwindet eine junge, namenlose Frau aus der Klinik im unterfränkischen Ebern, nachdem sie monatelang im Koma gelegen ist. Fast gleichzeitig brennt ein nagelneuer Mähdrescher, in dem sich eine bis zur Unkenntlichkeit verstümmelte, männliche Leiche befindet. Das Einzige, was sicher ist: Er ist mit Weltkriegsmunition erschossen worden und zur Entsorgung im Mähdrescher abgelegt. Dieser Tote wird nicht der Einzige bleiben. Und auch die Serie der abgefackelten Autos reißt nicht ab.

Während Haderlein & Co. jeder noch so kleinen Spur nachgehen, tauchen die Leser in den zweiten Handlungsstrang nach Afghanistan ab, der einige Zeit vorher spielt.

Wie die beiden Handlungsstränge zusammenhängen, die in einem furiosen Showdown in Franken enden, lest bitte selbst.

Meine Meinung:

Zunächst einmal müssen sich die Leser auf eine Reihe von Toten einstellen, sowohl in Deutschland als auch in Afghanistan. Hier wie dort werden rücksichtslos Ziele verfolgt.

Wie wir es von Helmut Vorndran gewöhnt sind, besticht auch dieser 12. Fall für die Bamberger Ermittler durch schwarzen Humor und die beiden Ermittlerschweine Riemenschneider und Presssack. Wobei Presssack seiner Mutter Riemenschneider beinahe die Show stiehlt.

Neben den üblichen humorigen Einlagen rund um Chef Robert „Fidibus“ Suckfüll, finden sich auch ernste Themen wie die Machenschaften rechtsextremer Gruppen sowie das Leben der Frauen in Afghanistan nach Abzug der diversen Truppen.

Obwohl ich recht bald die beiden Handlungsstränge in meinem Kopf zusammenführen konnte, ist dieser Krimi für mich überaus spannend gewesen, sodass ich ihn kaum aus der Hand legen konnte.

Fazit:

Wer einen fesselnden Krimi lesen will, ist hier genau richtig. Gerne gebe ich hier 5 Sterne.

Veröffentlicht am 26.06.2023

allerletzter Tanz auf dem Vulkan

Pompeji oder Die fünf Reden des Jowna
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Der allerletzte Tanz auf dem Vulkan

Autor Eugen Ruge erzählt eine Geschichte von Dekadenz, von Populisten und einem, der mehr erreichen will, als ewig Sklave zu bleiben.

Jowna oder Josse imitiert die ...

Der allerletzte Tanz auf dem Vulkan

Autor Eugen Ruge erzählt eine Geschichte von Dekadenz, von Populisten und einem, der mehr erreichen will, als ewig Sklave zu bleiben.

Jowna oder Josse imitiert die aktuellen Machthaber, lernt verbissen Griechisch und liest Philosophen, um mitreden zu können. Er macht sich die Trägheit der Menschen und deren Kurzzeitgedächtnis zunutze. Er schart zahlreiche Anhänger, unter ihnen hauptsächlich Arbeitslose, Gauner und andere Erfolglose um sich. Zu Beginn seiner „Karriere“ weist er auf den möglichen Ausbruch des Vulkans hin, was aber niemand hören will. Dann ändert er seine Meinung und ruft die Bürger Pompejis zum Bleiben auf, obwohl er sie zuerst zum Fortgehen überreden wollte.

Obwohl man Ärger über den Verlust so mancher Annehmlichkeit verspürt (die öffentliche Thermen sind aufgrund geborstener Wasserleitungen nicht benutzbar), will man den Kassandra-Rufen des Jowna nicht wirklich folgen. Man müsste da das bequeme Leben schon aufgeben. Aber, wie man weiß ist der Mensch ein Gewohnheitstier und so nehmen nur die wenigsten die Warnungen vor dem Monte Summa, wie man den Gipfel des Vulkans nennt, ernst. Selbst Jowna ist nach seinem 180°-Schwenk nicht bereit, die rechtzeitig zu verlassen. Nur wenige entkommen dem Inferno wie wir wissen.

Meine Meinung:

Dieser historische Roman hat mir sehr gut gefallen, spielt er doch im antiken Pompeji, kurz vor dem Ausbruch des Vesuvs, der die Stadt bekanntlich zerstört hat.

Der Roman ist eine Beschreibung von Sein und Schein, mehr Satire als Berichterstattung. Natürlich werden hier alle möglichen Vorurteile der Zeit ausgewalzt: Die Christen waren’s! Dabei hält uns Autor Eugen Ruge einen blank polierten Spiegel vor Augen. Korruption und politische Agitation, wohin man schaut.

Herrlich sind die Charaktere beschrieben - hier werden alle Klischees bedient! Der populistische Jowna, der lange Zeit Erfolg hat, um letztlich über seine eigenen Füße zu stolpern oder Livia, eine reiche wie intrigante Strippenzieherin, die die Gerüchte um den bevorstehenden Ausbruch des Vulkans ernst nimmt.

Gut gefällt mir, dass Eugen Ruge nicht die Geburt Christi als Zeitrechnung hernimmt, sondern „ab urbe condita“ (also „nach der Gründung der Stadt Rom“) rechnet. Ein bisschen hätte er noch auf den julianischen Kalender achtgeben können und statt 28. Februar die richtigen Kalenden nehmen können, aber das ist Jammern auf allerhöchstem Niveau.

Fazit:

Gerne gebe ich diesem historischen Roman 5 Sterne.

Veröffentlicht am 26.06.2023

Eine gelungene Fortsetzung

Madame le Commissaire und die Mauer des Schweigens
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In ihrem 10. Fall bekommt es Isabelle Bonnet mit einem eingemauerten Skelett zu tun. Wobei, so ganz klar ist nicht, ob es sich um einen „echten Fall“ handelt. Aber nachdem in Fragolin die kriminalistische ...

In ihrem 10. Fall bekommt es Isabelle Bonnet mit einem eingemauerten Skelett zu tun. Wobei, so ganz klar ist nicht, ob es sich um einen „echten Fall“ handelt. Aber nachdem in Fragolin die kriminalistische Flaute herrscht, beschäftigen sich Isabelle Bonnet und Appolinaire Eustache mit dem Skelett.

Obwohl, es ist eher ihr Mitarbeiter ist, der die Arbeit macht, denn Isabelle ist mit ihrem Privatleben beschäftigt. Sie hat schon länger weder von Rouven noch von Nicolas etwas gehört. Mitten in diese grüblerischen Gedanken meldet sich Nicolas aus einem marokkanischen Gefängnis. Stante pede fliegt sie nach Marrakesch, aktiviert alte Kontakte und bringt Nicolas und seine bislang unbekannte Tochter nach Fragolin zurück.

Noch ist der Skelettfund nicht aufgeklärt, als sich eine überraschende Wendung ergibt: Der verschwundene Verdächtige ist nicht Täter, sondern Opfer. Heureka! Nun heißt es, den richtigen Täter zu fassen.

Meine Meinung:

Diese Idee von Täter/Opfer-Umkehr hatte ich recht bald. Mir macht es nichts aus, mehr zu wissen als die Ermittler. Ich finde, dass der Weg das Ziel ist, und vergleiche meine Erkenntnisse mit den Ermittlungen der Polizei. Auch den wahren Täter habe ich viel schneller als Isabelle ausgemacht, was natürlich daran liegt, dass ich mich nicht um meine beiden Liebhaber kümmern muss. ä

Anders als in den Vorgängern stochert Isabelle eher lustlos in diesem Fall herum, ist unaufmerksam und übersieht so einiges.

Dass dann so nebenbei Fälle von Brandstiftungen aufgeklärt werden, ist wohl ein Zufallstreffer, denn echte Ermittlung.

Außerdem fehlt mir diesmal der Wortwechsel mit der Grauen Eminenz in Paris.

Allerdings scheint es im nächsten Fall wieder ein wenig turbulenter zuzugehen, wie die Andeutungen in den letzten Zeilen suggerieren.

Fazit:

Diesmal ist Madame le Commissaire ermittlungstechnisch nicht ganz so tough, sondern eher mit ihrem komplizierten Privatleben, das ja grundsätzlich auch spannend ist, beschäftigt. Daher gibt es diesmal nur 4 Sterne.

Veröffentlicht am 26.06.2023

EIn Polizist mit Leichenphobie ermittelt

Seelenfriede
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Seelenfriede ist der erste Fall für Revierinspektor Werner Zufall, der im schönen Salzkammergut ermittelt.

Worum geht’s?

Der in Natascha verliebte Rudi sucht sich für das Liebesspiel eines der zahlreichen ...

Seelenfriede ist der erste Fall für Revierinspektor Werner Zufall, der im schönen Salzkammergut ermittelt.

Worum geht’s?

Der in Natascha verliebte Rudi sucht sich für das Liebesspiel eines der zahlreichen Bootshäuser am Attersee aus. Es ist natürlich nicht sein eigenes. Die Zärtlichkeiten werden jäh unterbrochen, als die ziemlich angeheiterte Natascha ein grausliche Entdeckung macht und das Liebespaar schlagartig nüchtern wird, um wenig später in einer Schwärze zu versinken.

Nahezu gleichzeitig findet die vierjährige Claudia beim Spielen an der Wasserlinie des Attersees eine männliche Leiche.

Ausgerechnet Revierinspektor Werner Zufall, der eigentlich keine Toten sehen kann, was für einen Polizisten eher blöd ist, muss zu der Wasserleiche.

Doch dieser unbekannte Tote wird nicht das einzige Problem sein, mit dem sich Werner Zufall, herumschlagen muss: Da wären dann noch sein Vater, der ihn unbedingt an die Frau bringen will, seine kiffende Tante und dann die ständigen Wortspiele mit seinem Namen sowie Rudi, der seine Freundin Natascha vermisst.

Meine Meinung:

Autor Erich Weidinger liebt das Salzkammergut und kennt sich hier bestens aus, führt er doch in Seewalchen eine Buchhandlung. Daher dürfen präzise Beschreibung von Land und Leuten nicht fehlen.

Dieser Krimi ist der erste, einer vorerst als Trilogie angelegten Reihe. Werner Zufall ist grundsätzlich gerne Polizist, nur mit Leichen hat er wenig am Hut. Denen geht er am liebsten aus dem Weg, was aber als Polizist bekanntlich nicht immer möglich ist.

Die Charaktere sind durchaus Menschen wie du und ich, wobei manche Eigenschaften einen Hauch überzeichnet dargestellt werden.

Neben der Krimihandlung erfahren wir einiges aus Werner Zufalls Privatleben, das so gut wie nicht existent ist. Er kann einem fast ein bisschen leidtun. Doch als er den Baumeister Baumann kennenlernt, der ebenfalls wegen seines Namens gehänselt wird, beschließt er zum einem, etwas gegen seine Ängste zu unternehmen und zum anderen, seinen Familiennamen zu ändern. Das wird dann bestimmt Thema in den nächsten Krimis „Seelenblick-2“ und „Seelensturm-3“ sein.

Fazit:

Ein Auftakt, einer Regionalkrimi-Reihe aus dem Salzkammergut, der Potenzial hat und von mir 3,5 Sterne erhält.

Veröffentlicht am 12.06.2023

Eine unbedingte Leseempfehlung!

Kriegspropaganda und Medienmanipulation
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"Propaganda wirkt nur so lange, bis man sie als solche entlarvt"

Bücher, wie das vorliegende von Christian Hardinghaus sind absolut notwendig. Denn, wer kann sich der Dauerberieselung von Nachrichten ...

"Propaganda wirkt nur so lange, bis man sie als solche entlarvt"

Bücher, wie das vorliegende von Christian Hardinghaus sind absolut notwendig. Denn, wer kann sich der Dauerberieselung von Nachrichten wirklich entziehen? Wohl niemand. Und wer kann schon eindeutig und von sich aus beurteilen, was von den vielen Informationen, die auf uns einprasseln, Propaganda und Medienmanipulation ist oder nicht? Und wie ist es möglich, diese von sauber recherchierten Aussagen zu unterscheiden?

Dazu braucht es ein Rüstzeug, das uns Autor Christian Hardinghaus mit diesem Buch in die Hand gibt.

In folgenden Kapiteln erhalten wir Werkzeuge, die uns helfen können, Propaganda und ihre Mechanismen zu entlarven:

Propaganda erkennen
Propaganda verstehen
Propaganda entlarven
Kriegspropaganda
Propaganda im Ukrainekrieg
Ukraine-Berichterstattung in deutschen Medien und ein Plädoyer für einen besseren Journalismus

Wenn uns der Autor am Ende des ersten Kapitels (S. 28) rät, die Vielfalt der Medien zu nutzen, ist das natürlich anstrengend, lohnt sich aber, um den Propagandisten und ihren Machenschaften nicht auf den Leim zu gehen. Und, es ist nicht verboten, etwas Neues zu lernen und seine bisherige Meinung zu ändern.

„Alle Medien sind zwar abhängig von Ihrer Gunst,
Sie aber sind unabhängig und dürfen alle Medien zurate ziehen!
Nutzen Sie diesen Vorteil unbedingt aus!“

Als Österreicherin bin ich mit der deutschen Medienlandschaft nicht ganz so vertraut, aber was ich so en passant in den letzten Jahren mitbekommen habe, ist das Wort „Qualität“ aus dem Vokabelschatz der meisten Journalisten gestrichen worden.

Wenn ich auf die österreichischen Medien blicke, wo es einerseits manchen Zeitungen oder Magazinen durch Entzug von Geldern aus der Presseförderung extra schwer gemacht und anderen durch großzügige Inseratenschaltung mehr Geld zugeschossen wird, wird mir ziemlich übel. Diese mehr oder weniger versteckten Subventionen sind nichts anders als gekaufte Berichte, um die Leser in eine bestimmte Richtung zu drängen. Mehr oder weniger nachdrücklich, und wenn dann noch selbst ernannte Experten ihren Senf zu einem vielleicht heiklen Thema abgeben, haben wir die reinste Meinungsmanipulation. Denn, „Sie wissen ja, die Leute glauben gleich alles, nur, weil′s in der Zeitung steht!" (© Reinhard Mey).

Ein wichtiges, wie notwendiges Anliegen ist es, Kindern und Jugendlichen das Wesen der Propaganda und den damit verbundenen Manipulationen zu erklären. Daher führt kein Weg an Vorträgen und Workshops in Schulen vorbei. Doch zuvor muss man noch die Lehrkräfte aufklären, denn die sind ja auch Betroffene und Opfer der immer wiederkehrenden Strategien und Prinzipien der Propaganda.

Christian Hardinghaus klärt über die Mechanismen der Propaganda auf, die nicht nur in Kriegs- oder Krisenzeiten verwendet werden, sondern auch in Friedenszeiten zum Repertoire der Politiker gehören. Manchmal hilft es schon, den Spruch aus dem Römischen Recht „audiatur et altera pars“ (in etwa: „man höre auch die andere Seite/Meinung“) zu beherzigen.

Fazit:

Durch Aufklärung, Bildung und Bücher wie dieses ist es möglich, den Manipulationen entgegenzutreten, denn "Propaganda wirkt nur so lange, bis man sie als solche entlarvt". Gerne gebe ich diesem Buch 5 Sterne und eine absolute Leseempfehlung.