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Venatrix

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Veröffentlicht am 09.02.2026

Galavakis letzter Fall?

Undurchsichtiges Kreta
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In diesem 8. und vermutlich, wie die Autorin andeutet, letzten Krimi für Kommissar Hyeronimos Galavakis kommt es für den als schrullig verschrieenen Ermittler knüppeldick. Zum einem liegt seine Yaya, also ...

In diesem 8. und vermutlich, wie die Autorin andeutet, letzten Krimi für Kommissar Hyeronimos Galavakis kommt es für den als schrullig verschrieenen Ermittler knüppeldick. Zum einem liegt seine Yaya, also Großmutter, knapp vor ihrem 100. Geburtstag im Sterben und zum anderen erreicht ihn, kaum dass der Mordfall gelöst ist, eine weitere Hiobsbotschaft. Grund genug für Nikola Vertidi, den Ermittler in ein Sabbatical zu schicken. Doch von Beginn an!

Die Ägäis und damit die Insel Kreta werden häufig von Erdbeben unterschiedlicher Stärke heimgesucht. Das wäre nun nichts Besonderes, doch diesmal wird in einem eingestürzten Haus im verlassenen Bergdorf Kalami die Leiche eines jungen Mannes gefunden. Der ist allerdings nicht durch das Erdbeben ums Leben gekommen, sondern ist nicht nur kaltblütig erschossen. sondern zuvor auch gefoltert worden. Als sich ein Zusammenhang mit dem verlassenen Ort Kalami ergibt, denkt man an einen Racheakt. Denn die Familie des Toten ist mit der Geschichte Kalamis unrühmlich verbunden: Vor vielen Jahren hat man die gesamte Bevölkerung zwangsenteignet und abgesiedelt, um ein dort ein Stauseeprojekt zu verwirklichen, für dass viel Fördergeld aus der EU geflossen ist. Wie häufig in Griechenland, ist aus dem Stausee-Projekt nichts geworden und die Geldmittel in dunklen Kanälen versickert.

Galavakis sieht sich in einen undurchsichtigen und emotionalen Fall voller Intrigen und politischer Verwicklungen verstrickt. Kann er die losen Fäden verknüpfen, obwohl er auch privat extrem gefordert ist?

Meine Meinung:

Autorin Nikola Vertidi spricht in ihren Kreta-Krimi immer wieder die mafiösen Strukturen in Griechenland an, in denen sich einige wenige Familien schamlos auf Kosten der EU und/oder der armen Bevölkerung bereichern. Diesmal erwähnt sich nicht nur das Bauprojekt Stausee in Kalami sondern den Betrug mit Schafherden, die nur auf dem Papier weiden und für die dennoch Fördergelder der EU kassiert werden. Die Chuzpe, mit der hier kassiert wird, ist schier unerträglich.

Obwohl Galavakis durch den nahen Tod seiner Großmutter emotional schwer angeschlagen ist, ermittelt er wie gewohnt, unterstützt von Penelope Demostaki, der Gerichtsmedizinerin sowie seinem Mitarbeiter Zacharis Zentakis.
Das unerwartete Auftauchen einer früheren Freundin, die schon als Stalkerin unangenehm aufgefallen ist, bringt Galavakis Gemütszustand in zusätzliche Troubles.

Berührend ist der Brief seiner Yaya, die Hyeronimus erhält. Grundsätzlich ist dieser Band ein würdiger, wenn auch trauriger Abschluss der Reihe. Allerdings hätte dieser Brief genug Potenzial und vielleicht auch Sprengkraft, die Reihe fortzusetzen. Aber, schauen wir einmal, ob und wie es nach dem Sabbatical weitergeht.

Fazit:

Gerne gebe ich diesem emotionalen Krimi 5 Sterne.

Veröffentlicht am 09.02.2026

Eine Leseempfehlung!

Der letzte Sommer der Tauben
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Eine Parabel auf das Beschneiden der Freiheit
Dieser Roman, in dem der 14-jährige Noah vom letzten Sommer seiner Tauben erzählt, kann als Parabel für die Menschen im Irak ab dem Jahr 2006 gelten. Nach ...

Eine Parabel auf das Beschneiden der Freiheit
Dieser Roman, in dem der 14-jährige Noah vom letzten Sommer seiner Tauben erzählt, kann als Parabel für die Menschen im Irak ab dem Jahr 2006 gelten. Nach der Machtübernahme des Islamischen Staates und der Ausrufung des Kalifates werden die Freiheiten der Menschen ebenso beschnitten wie dies die Taubenzüchter mit den Schwungfedern ihrer Tauben tun.

Die Familie von Noah ist gleich mehrfach betroffen: Der Vater, ein Textilhändler darf nur mehr Kleidung verkaufen, die den strengen Vorschriften der Sittenwächter entspricht, Mutter und Schwester dürfen nur in männlicher Begleitung das Haus verlassen und haben sich zu verhüllen und Noahs älterer Bruder ist längst zum neuen Regime gewechselt. Nachdem sein Schwager Polizist der gestürzten Regierung war, sitzt er in einem Umerziehungslager, weshalb seine schwangere Frau wieder bei ihrer Familie eingezogen ist. Und dann ist da noch Noahs Onkel Ali, ein ehemaliger Kaffeehausbesitzer, der nun zur Untätigkeit verdammt scheint und sich ausschließlich seinen Tauben und Noah widmet.

Längst sind Mobiltelefone, Fernsehgeräte, Bücher abseits des Korans, Tabak, Musik, Tanz und Lachen verboten. Dann geraten Onkel Ali und Noah ins Visier der Machthaber. Man hat entdeckt, dass mit Hilfe der (Brief)Tauben eifrig kommuniziert wird. Wenig später wird auch das Tauben züchten verboten, Onkel Ali verschwindet und Noah von der Polizei abgeholt ...

Meine Meinung:

Wie immer bei einem Regimewechsel fragen sich die Leute später, wieso man nichts bemerkt hat, wieso niemand Widerstand geleistet hat. Einige Figuren, wie Onkel Ali, Noah und dessen Schulfreund Mohammed versuchen sich aufzulehnen und wandeln dabei zwischen Angst und dem Willen zu Widerstand. Freunde, Bekannte und Schulkollegen verschwinden und je mehr Vorschriften das Leben der Menschen einengen, desto bedrückender wird die Stimmung. Man versucht sich so unauffällig wie möglich zu verhalten, denn jeder, der auffällt, ist in Gefahr.

Das Buch beschreibt den letzten Sommer Noahs mit seinen Tauben sehr eindrücklich und berührend. Den Wert von Freiheit und Demokratie lernt man erst dann zu schätzen, wenn man beides verliert. Wir müssen daher unbedingt darauf achten, nicht auf die politischen Rattenfänger, die uns das Paradies versprechen und die Hölle liefern, hereinzufallen.

Fazit:

Gerne gebe ich dieser Parabel der zurecht gestutzten Bevölkerung, 5 Sterne.

Veröffentlicht am 02.02.2026

Fesselnd bis zur allerletzten Seite

Stürmische Klippe
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Dieser 10. Fall für Liv Lammers fordert der sympathischen Ermittlerin so einiges ab. Statt sich mit ihrem Verlobten, dem Kieler Rechtsmediziner Sebastian Gerlich über die gemeinsame Zukunft zu beraten, ...

Dieser 10. Fall für Liv Lammers fordert der sympathischen Ermittlerin so einiges ab. Statt sich mit ihrem Verlobten, dem Kieler Rechtsmediziner Sebastian Gerlich über die gemeinsame Zukunft zu beraten, verbringt sie ihren freien Tag mit ihrer Chefin Hilke Hasselbrecht auf der Geburtstagsfeier von Armgart Zabrowski, einer Politikerin mit großen Plänen für sich und Sylt, in einer Villa in Rantum. Obwohl Zabrowski beinahe Opfer eines Mordanschlags wird, will sie keinen offiziellen Personenschutz. Ihre Freundin Hasselbrecht soll inkognito den Drahtzieher ermitteln. Der Kreis der Verdächtigen ist groß, ist doch die Politikerin für ihre rücksichtslose Agenda bekannt und berücksichtigt. So negiert sie den aufziehenden Orkan, der das Anwesen von der Außenwelt abschneidet: Gäste, Personal sowie die beiden Polizistinnen sind nun auf sich selbst zurückgeworfen. Die Stimmung ist miserabel und als man dann eine junge Frau tot in Zabrowskis persönlichen Räumen findet, droht die Lage zu eskalieren. Wer hat Katrin die abgebrochene Sektflasche in den Hals gerammt?

Doch damit nicht genug, wird Sebastian Gerlich des versuchten Mordes an einer Frau verdächtigt und verhaftet. Statt Beweise für seine Unschuld suchen zu können, sitzt Liv Lammers auf Rantum fest.

Meine Meinung:

Wow, was für ein Schlamassel! Der Spannungsbogen dieses 10. Krimis rund um Liv Lammers ist wie gewohnt sehr hoch. Sabine Weiß lässt ihre Leserschaft gleich um zwei Personen zittern: Liv und Sebastian.

Was Hilke Hasselbrecht hier reitet, ihre Reputation für eine höchst zwielichtige Freundin (?) aufs Spiel zu setzen? Das Versprechen eine höhere Position zu erhalten?

Und wird Sebastian in dieses Netz an Intrigen verwickelt, um Liv zu schaden? Cui bono? Wem nützt das? Oder ist die ganze Aktion, die Sebastian schwer traumatisiert, „nur“ die Folge einer gekränkten Eitelkeit? Und welche Rolle spielen Sebastians Mitarbeiter in dieser Causa? Ich hoffe, wir werden darüber im nächsten Band in Kenntnis gesetzt werden. Zudem sollte die Hasselbrecht als Chefin abgelöst werden.

Wie immer lässt uns Sabine Weiß tief in menschliche Abgründe schauen. Diesmal erfüllen sowohl Armgart Zabrowski als auch der Drahtzieher rund um Sebastians Verhaftung diesen Part ausgezeichnet. Die Gier nach Macht und Geld sowie die Skrupellosigkeit mit der einzelne ihre Ziele verfolgen, ohne Rücksicht auf Menschen oder Umwelt zu nehmen, ist erschreckend.

Wie es weitergehen wird? Ich bin schon auf den 11. Fall neugierig.

Fazit:

Gerne gebe ich diesem 10. Fall für Liv Lammers 5 Sterne und warte mit ein wenig Ungeduld auf den nächsten Band.

  • Einzelne Kategorien
  • Handlung
  • Erzählstil
  • Charaktere
  • Cover
  • Spannung
Veröffentlicht am 31.01.2026

Dominik Dornachs persönlichster Fall

Solothurn ruft nach Vergeltung
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Der nunmehr 7. Fall für Dominik Dornach und die kurzfristig zurückgekehrte Staatsanwältin Angela Casagrande bringt den Solothurner Ermittler an seine mentalen und körperliche Grenzen. Warum?

Der Filmemacher ...

Der nunmehr 7. Fall für Dominik Dornach und die kurzfristig zurückgekehrte Staatsanwältin Angela Casagrande bringt den Solothurner Ermittler an seine mentalen und körperliche Grenzen. Warum?

Der Filmemacher Tom Kurti liegt mit durchschnittener Kehle im Badezimmer eines Hotels. Eigentlich hätte er für seinen umstrittenen Film, der sich mit Ehrenmorden beschäftigt, eine Auszeichnung bei den Solothurner Filmtagen in Empfang nehmen sollen. Hat sich die streng islamische Community für die Sichtbarmachung des Themas in der Schweiz gerächt?

Als bekannt bei den Ermittlungen bekannt wird, dass die Schwester der Hauptdarstellerin in Kurtis Film vor fünfzehn Jahren ermordet worden ist, läuten bei Dominik Dornach die Alarmglocken. Die junge Frau hat sich gegen eine Zwangsehe gewehrt, wollte mit ihrem Schweizer Freund flüchten und ist dann von diesem getötet worden. Zumindest hat das so ausgesehen. Was darauf hin gefolgt ist, können wir in Rückblenden und Erinnerungen Dornachs lesen.

Natürlich spielt Dominik Dornachs Tochter Pia Zenklusen mit ihrem ausgeprägten Gerechtigkeitssinn wieder eine große Rolle und sorgt sowohl bei ihrem Vater als auch bei uns Lesern für Herzrasen.

Meine Meinung:

Ehrenmorde und Femizide sind erschreckende Themen, deren Darstellung oft für heftige Diskussionen sorgen. Autor Christof Gasser nähert sich den betroffenen Frauen mit dem nötigen Respekt. Hier werden keine blutrünstigen Details aus voyeuristischen Motiven zur Schau gestellt. Knapp und präzise werden die Ereignisse geschildert.

Geschickt führt Gasser seine Leserschaft auf den einen oder anderen Holzweg.
Über Pia Zenklusen habe ich diesmal ein wenig den Kopf schütteln müssen, denn mit ihrer Aktion bringt sie sich in akute Lebensgefahr. Aber wie man weiß, ist gut gemeint, nicht immer wirklich gut.

Über den Kurzauftritt von Jana Cranach habe ich mich sehr gefreut. Gut gemacht!

Fazit:

Diesem sehr emotionalen Krimi, der nicht nur Dornach und sein Team sondern auch die Leserschaft fordert, gebe ich gerne 5 Sterne und eine Leseempfehlung.

Veröffentlicht am 30.01.2026

Hochspannung pur!

Grenzfall – Ihr Grab in den Fluten
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In ihrem 6. Fall für Alexa Jahn und Bernhard Krammer zieht Anna Schneider wieder alle Register.

Tagelange ergiebige Regenfälle gehen über die Grenzregion von Bayern zu Tirol nieder. Die Gegend des Karwendels ...

In ihrem 6. Fall für Alexa Jahn und Bernhard Krammer zieht Anna Schneider wieder alle Register.

Tagelange ergiebige Regenfälle gehen über die Grenzregion von Bayern zu Tirol nieder. Die Gegend des Karwendels ist von den Unwettern besonders betroffen, weshalb Alexa Jahn und ihr Kollege Florian Huber vorrangig mit der Koordination des Katastropheneinsatzes beschäftigt sind. Da Huber die Gegend und die Menschen kennt, macht Alex Telefondienst und hilft bei der Unterbringung der Evakuierten, was sie beides auf Dauer nicht aushält. Nachdem eine Gerettete über Schreie einer Frau und eine unheimliche Begegnung berichtet, macht sie sich alleine auf, um einen, genau in dieser Ecke vermissten Landwirt, zu suchen. Wenig später findet sie dessen Leiche. Da er einen Schraubenzieher im Kopf stecken hat, ist klar, dass er keinem Unfall zum Opfer gefallen ist. Noch weiß Alexa nicht, was sie auf dem Bauernhof des Toten erwartet, denn der gewaltsame Tod des Bauern wirkt zunächst wie ein isoliertes Verbrechen, entpuppt sich dann als Verbrechen, das seit Jahren andauert.

Auch Bernhard Krammer, Vater von Alexa und Kriminalpolizist in Innsbruck, ist beschäftigt. Zum einen ermittelte er im Fall einer verschwundenen Frau, die Opfer eines Stalkers geworden ist. Zu anderen muss er auf Befehl seines Vorgesetzten eine Gruppe Jugendlicher, die trotz Unwetterwarnung in die Berge gehen, suchen. Der Zusammenhang zwischen den beiden Einsätzen ist dadurch gegeben, dass einer der Jugendlichen, der Stalker sein soll.

Meine Meinung:

Wie Anna Schneider im Nachwort schreibt, haben sie die dramatischen Ereignisse im Ahrtal zu diesem Katastrophenszenario inspiriert.

Faszinierend ist, wie die Autorin zwei Haupthandlungsstränge in der jeweils eine Geschichte in der Geschichte verschachtelt ist, schlüssig erzählt. Hier muss man nicht nur stellenweise den Atem anhalten sondern auch genau lesen. Auch in der Gruppe der Jugendlichen, in der abgeschiedenen Berghütte von der Umwelt abgeschnitten auf Wetterbesserung hoffend ausharren müssen, eröffnen sich Abgründe.

Doch die schier unglaubliche Geschichte auf dem Bauernhof des Toten ist besonders ist intensiv und lässt das Rettungsteam und vermutlich den einen oder anderen Leser an die Grenzen der Belastung stoßen. Auch hier nimmt die Autorin an Anleihen bei wahren Verbrechen.

Zwischendurch können wir einerseits die Gedanken des Stalkers kennenlernen und andererseits Briefe einer Mutter an ihre Tochter lesen.

Gleichzeitig überlegt Krammer, wie er seiner Tochter beibringen soll, dass ihr Wohnungsvermieter und möglicher Freund, ein Spieler ist. Doch das wird, so nehme ich an, Stoff für den nächsten Grenzfall.

Der Schreibstil von Anna Schneider ist ruhig, präzise und kommt ohne romantische Schnörksel aus. Die grenzüberschreitende Zusammenarbeit wird manchmal durch die unterschiedliche Gesetzeslage ein wenig erschwert, doch vor allem der erfahrene Krammer setzt sich manchmal darüber hinweg, wenn es darum geht, Verbrechen aufzuklären, auch wenn er mehrmals dicht am Disziplinarverfahren schrammt.

Anna Schneider führt die einzelnen Handlungsstränge am Ende gekonnt logisch und überzeugend zusammen.

Fazit:

Gerne gebe ich diesem komplexen Krimi, der mich mehrmals den Atem anhalten hat lassen, 5 Sterne und eine Leseempfehlung für die gesamte Reihe. Hier empfehle ich bei Band eins zu beginnen, um die Entwicklung der Beziehung von Alexa Jahn und Bernhard Krammer, diesseits und jenseits der Grenze zu beobachten.