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Venatrix

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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 21.05.2023

Eine gelungene Fortsetzung

Hattinger und der verschollene Bruder
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Es ist Weihnachten und Kommissar Hattinger versucht so etwas wie eine festliche Stimmung für seine Tochter und sich zu erzeugen, was nicht so leicht gelingt. Als dann noch sein Bruder Anton, den er seit ...

Es ist Weihnachten und Kommissar Hattinger versucht so etwas wie eine festliche Stimmung für seine Tochter und sich zu erzeugen, was nicht so leicht gelingt. Als dann noch sein Bruder Anton, den er seit mehr als zwanzig Jahren nicht mehr gesehen hat, in die ohnehin angespannte familiäre Situation hineinplatzt, kommt ihm, trotz Urlaubs, der Anruf der K1 gerade recht. Um eine bekannte TV-Serie zu zitieren: „Es gabat a Leich“.

Der Unternehmer Herbert Graf wird ermordet aufgefunden. Obwohl Laptop und Mobiltelefon fehlen, scheint es sich hier nicht, um einen Raubmord zu handeln. Wenig später ist auch Grafs Mitarbeiter tot.

Akribisch machen sich Hattinger und sein Team daran, das Leben der beiden Toten zu recherchieren. Dabei entdeckt Hattinger eine Spur, die möglicherweise zu seinem Bruder führen könnte, der es sich im Leben Hattingers breit macht, seine Vorräte plündert und sich absonderlich benimmt.

Eigentlich muss Hattinger diesen Verdacht melden, doch zuvor will er Fakten für oder gegen eine eventuelle Beteiligung seines Bruders finden.

Meine Meinung:

Wie schon die drei Vorgänger ist auch dieser Krimi in ziemlich breitem bayrischen Dialekt geschrieben. Das kann man mögen und verstehen, oder auch nicht. Mir persönlich war es ein wenig zu viel, dass alle Mundart gesprochen haben.

Der Kriminalfall ist verzwickt. Die Ermittlungen kommen nicht allzu gut voran, doch das Team um Hattinger macht trotz der Weihnachtsfeiertage seine Arbeit. Schmunzeln musste ich, dass einige die Morde als willkommene Flucht vor unliebsamen und anstrengenden Verwandtenbesuchen angesehen haben.

Sehr gut sind die Zweifel von Hattinger seinem Bruder gegenüber herausgearbeitet worden. Keine leichte Entscheidung für den Polizisten, der um sich selbst abzusichern, den einen oder anderen Gefallen bei Kollegen einfordert.

Fazit:

Autor Thomas Bogenberger ist mit diesem Krimi eine gute Mischung zwischen Arbeit und Familie gelungen. Gerne gebe ich hier 4 Sterne.

Veröffentlicht am 21.05.2023

Ein eindringliches Plädoyer für den Frieden

Dunkelnacht
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„Weil auch in diesen Zeiten irgendwer das Richtige tun muss, einfach, weil es richtig ist.“

Kirsten Boie ist eine der renommiertesten deutschen Kinder- und Jugendbuchautorinnen. Sie erhielt zahlreiche ...

„Weil auch in diesen Zeiten irgendwer das Richtige tun muss, einfach, weil es richtig ist.“

Kirsten Boie ist eine der renommiertesten deutschen Kinder- und Jugendbuchautorinnen. Sie erhielt zahlreiche Auszeichnungen, darunter den Sonderpreis des Deutschen Jugendliteraturpreises für ihr Gesamtwerk, das Bundesverdienstkreuz und die Hamburger Ehrenbürgerwürde. Diese Novelle rund um das Massaker in dem kleinen Ort Penzberg in den letzten Kriegstagen wurde mit dem Deutschen Jugendliteraturpreis 2022 sowie mit dem Katholischen Kinder- und Jugendbuchpreis
ausgezeichnet.

Worum geht’s?

Noch in den letzten Tagen des Zweiten Weltkrieges werden von fanatischen Anhängern des NS-Regimes Gräueltaten verübt. So geschehen in Penzberg am 28. April 1945.

Die meisten Bewohner haben innerlich kapituliert, man macht sich Sorgen um die Zukunft, denn die amerikanischen Truppen sind nur noch wenige Tagesmärsche entfernt. Eine Gruppe unerschrockener Bürger rund um den ehemaligen Bürgermeister Hans Rummer versucht, die Vorkriegsordnung wiederherzustellen, und setzt den NS-Bürgermeister Josef Vonwerden ohne Blutvergießen ab.

Mitten in diesen dramatischen Ereignissen befinden sich drei Jugendliche: Marie, Schorsch und Gustl, deren Angst, Zweifel und das Erleben des ersten Kusses in das Drama eingewoben ist.

Doch diese Vorgänge bleiben nicht unbeobachtet und eine der zahlreichen paramilitärischen, fanatischen „Werwolf-Gruppen“ erhält den Befehl, Hitlers „Nero-Befehl“ durchzusetzen und alle Männer, die dem nicht Folge leisten, zu exekutieren. Doch der Terror dieser Nacht macht auch vor zwei Frauen nicht Halt. Sie werden gemeinsam mit ihren Männern gehängt.

Die Amerikaner erreichen Penzberg am 30. April 1945 gegen Mittag.

Meine Meinung:

Mit dieser Novelle, die meiner Ansicht nach zur Pflichtlektüre an den Schulen sein sollte, deckt Autorin Kirsten Boie die beinahe vergessene Mordnacht in Penzberg und den laxen Umgang damit auf. In ihrem Nachwort schildert sie, dass die Angeklagten nach mehreren Rekursen gegen ihre Urteile alle freigesprochen worden sind, selbst die beiden eigentlich zum Tode verurteilten Wehrmachtsangehörigen. In den 1950er-Jahren sitzen die alten Nazis wieder an den Schaltstellen der Macht. Man hat ja nur Befehle befolgt, so die Rechtfertigung der Angeklagten und die Begründung der Richter für ihr beschämendes Urteil.

Insgesamt 16 Personen werden bei diesem Kriegsendphasenverbrechen ermordet. Im Nachwort listet Kirsten Boie ihre Namen auf, damit sie nicht der Vergessenheit anheimfallen, denn die Erinnerung an sie und die Mordnacht wird nicht allzu hoch gehalten.

Fazit:

Gerne gebe ich diesem eindrücklichen Plädoyer für den Frieden 5 Sterne und eine Leseempfehlung.

Veröffentlicht am 21.05.2023

Ein kuulinarischer Reiseführer

GUUTEN APPETIT
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„Guuten Appetit“ ist ein kulinarischer Reiseführer durch den oberösterreichischen Bezirk Urfahr-Umgebung, daher das Doppel-U, das auch das Autozeichen ist. Allerdings macht unsere kulinarische Erkundungstour ...

„Guuten Appetit“ ist ein kulinarischer Reiseführer durch den oberösterreichischen Bezirk Urfahr-Umgebung, daher das Doppel-U, das auch das Autozeichen ist. Allerdings macht unsere kulinarische Erkundungstour nicht an der Bezirksgrenze Halt, sondern wirft einen Blick über den sprichwörtlichen Tellerrand nach Rohrbach, Eferding und Linz-Urfahr.

Wir dürfen in 15 Gastronomiebetrieben den Köchen in die Töpfe bzw. in den Vorratskeller schauen. Wir erfahren Wissenswertes über die Produkte der Region, die hier verarbeitet werden und dürfen die präsentierten Gericht anhand der beiliegenden Rezepte selbst ausprobieren.

Daneben werden uns die Geschichte und G’schichteln aus den Betrieben nähergebracht, welche Herausforderungen und Chancen die vergangenen Jahre, die einen pandemiebedingten Stillstand bei in vielen Wirtshäusern geboten haben. Allerdings gibt es auch Neuausrichtung und Besinnung auf die regionale Küche, die behutsam modernisiert worden ist.

Im Vorwort erwähnt Autor Stephen Sokoloff für welche Leser dieses Buch gedacht ist:

für jene, die Lust neue Gasthäuser und Restaurants haben
für die Stammgäste, die mehr über ihren Lieblingswirt wissen wollen
für Gastro-Mitarbeiter, die einen Umstieg zum Koch wagen überlegen
für Hobbyköche, die das einen oder andere Gericht nachkochen wollen

Meine Meinung:

Das Buch begeistert durch zahlreiche Fotos von Speisen, den Wirtshäusern sowie Interviews mit den Betreibern und einer Landkarte auf der die Betriebe verzeichnet sind.

Die Rezepte sind von Stephen Sokoloff liebevoll zusammengetragen und von seiner Frau Bozena nachgekocht. Die Anleitungen sind anschaulich beschrieben, sodass auch Hobbyköche die Gerichte problemlos nachkochen können.

Wenn ich das nächste Mal in der Gegend sein werde, ist dieses Buch mit dabei und ein Besuch in einem der beschrieben eingeplant, versprochen.

Fazit:

Gerne gebe ich diesem kulinarischen Reiseführer 5 Sterne. Guuten Appetit!

Veröffentlicht am 20.05.2023

Fesselnd bis zur letzten Seite

Ostseenebel
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In diesem, bereits 18. Fall für Kommissarin Pia Korittki ist vieles nicht so, wie es scheint.

Da ist zum einen die etwas eigenwillige Alva Dohrmann, die Urlaub in Stüvensee macht. Dazu hat sie ein Häuschen ...

In diesem, bereits 18. Fall für Kommissarin Pia Korittki ist vieles nicht so, wie es scheint.

Da ist zum einen die etwas eigenwillige Alva Dohrmann, die Urlaub in Stüvensee macht. Dazu hat sie ein Häuschen gemietet, dessen Eigentümerin in Italien weilt. Mit dem Urlaubsfeeling ist es vorerst einmal vorbei, als Alva neben dem Gartenteich eine Leiche findet. Der Tote ist der Bürgermeister, der bei den meisten Bewohnern Stüvensees unbeliebt war. Pia muss aufgrund Personalmangels beim K1 gemeinsam mit der örtlichen Polizei zusammenarbeiten, was nicht von allen so wirklich geschätzt wird.

Wenig später verschwindet eigenbrötlerische Alva, die von ihren eigenen Dämonen gejagt wird. Und dann wird eine Frauenleiche gefunden. Ist es Alva?

Dieser Fall ist sehr spannend, haben doch zahlreiche Dorfbewohner ein mögliches Motiv, denn der ermordete Bürgermeister hat eine stattliche Sammlung von Frauenfotos und so mancher Stüvenseer wohnt in einer Immobilie, die dem Bürgermeister gehört. Die Verdächtigen geben sich gegenseitig Alibis, die nicht wirklich belastbar sind.

Meine Meinung:

„Ostseenebel“ ist bereits der 18. Fall für Kommissarin Pia Korittki und ihr Team. Warum ich erst 3 Bände dieser Serie gelesen habe und die nicht in der richtigen Reihenfolge, ist mir ein Rätsel, denn die Krimis sind gut strukturiert und die Charaktere haben ihre Ecken und Kanten. So wie Pia Kotittki selbst, die mit dem Tod ihres Lebensgefährten vor drei Jahren noch nicht ganz fertige geworden ist. Der Job fordert sie sehr, sodass sie manchmal ein schlechtes Gewissen ihrem Sohn gegenüber hat. Ich habe noch ein paar Wissenslücken, was Pia Korittkis Leben angeht, die ich im Anschluss an dieses Buch füllen werde.

Der Schreibstil ist flott und flüssig zu lesen. Manchmal blitzt ein wenig schwarzer Humor hervor.

Autorin Eva Almstätt schafft es immer wieder, ihre Leser und manchmal auch ihre Ermittler in Sackgassen zu manövrieren.

Fazit:

Diesem fesselnden und kurzweiligen Krimi gebe ich gerne 5 Sterne.

Veröffentlicht am 20.05.2023

Hat noch ein wenig Luft nach oben

Der Commissario und die Dottoressa – Nacht über Elba
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Dieser zweite Krimi des Autoren-Duos Hilde Artheimer und Wolfgang Burger spielt auf der schönen Mittelmeerinsel Elba. Elba, jene Insel auf die Napoleon verbannt worden ist und außerdem ein Tummelplatz ...

Dieser zweite Krimi des Autoren-Duos Hilde Artheimer und Wolfgang Burger spielt auf der schönen Mittelmeerinsel Elba. Elba, jene Insel auf die Napoleon verbannt worden ist und außerdem ein Tummelplatz für „reich & schön“ ist.

Der ehemalige deutsche Kommissar Hagen Berensen und die Psychologin Fiorina Luccarelli sind nun ein (heimliches) Paar. Man muss ja in der Enge der Insel Rücksicht auf La Famigilia und die Nachbarn nehmen. Da gibt es kein Zusammenleben ohne Trauschein.

Obwohl Fiorina noch keine offizielle Zulassung als Psychotherapeutin hat, unterstützt sie vor allem Frauen mit Problemen. Eine davon ist Lucia Santoro, die von ihrem verheirateten Liebhaber nicht loskommt. Plötzlich ist sie verschwunden und die Carabineri interessieren sind nicht für die Frau, die zuvor einen Stalker angezeigt hat.

Wenig später wird dann ihre Leiche gefunden ....

Meine Meinung:

Der Krimi hat noch ein wenig Luft nach oben, denn er beginnt ziemlich langatmig. Es dauert (für mich) eine gefühlte Ewigkeit, bis die Handlung in Bewegung kommt. Dazwischen werden zahlreiche Klischees strapaziert. Er, Hagen, ist ein typischer Deutscher - stur, knochentrocken und ein ziemlicher Macho. Sie, temperamentvoll und von den Konventionen ihrer Familie gegenüber eingeschüchtert.
Was aber dann so gar nicht ins Bild zu einem Kommissar im Vorruhestand passt, ist Folgendes: Er fährt einen Ferrari, hat eine Jacht und sein Domizil ist auch nicht von schlechten Eltern. Dass er nicht gerne staubsaugt, passt da schon besser. Auch dass er gemeinsam mit seinem Sohn, der zu Besuch kommt, sein Motorrad, das ihm gestohlen worden ist, dem Dieb abnimmt, wirkt ein wenig sonderbar.

Obwohl die Figuren in schillernden Farben geschildert werden, bleiben sie eindimensional. Fiorinas Nonna ist da ein gutes Beispiel. Da werden ihre Kleidung, ihre Brille (Fassung mit orangen Einsprengseln) oder die genaue Anzahl der angelegten Schmuckstücke (goldene Ketten, Broschen, zwei Armbänder) beschrieben, aber sonst?

Die Insel und ihre Sehenswürdigkeiten werden gut dargestellt. Das macht Lust auf einen Elba-Urlaub, die einem aber gleich wieder vergeht, wenn man die Einheimischen kennenlernt, die alle in irgendeiner Weise mit der Mafia in Kontakt zu bringen sind. Entweder als Täter oder als Opfer.

Es mag Leser geben, denen dieser Krimi sehr gut gefällt. Ich gehöre nicht unbedingt dazu. Für mich plätschert die Krimihandlung so dahin und die Charaktere finde ich auch nicht sonderlich sympathisch.

Die Andeutungen, wie die Familie Lucarelli zum Geld für die Renovierung ihres Hauses gekommen ist, lässt auf nicht gesetzestreues Handeln des deutschen Kommissars im ersten Band schließen.

Fazit:

Dieser Krimi hat noch Luft nach oben, weshalb er von mir 3 Sterne erhält.