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Venice

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Veröffentlicht am 15.09.2016

Was Lydia verschwiegen hat

Was ich euch nicht erzählte
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Ein Kleinstadt in Ohio in den 70er Jahren. Eine Amerikanisch-Chinesische Familie, damals ausgegrenzt von der Gesellschaft und wie Exoten behandelt. Eines Morgens erscheint die 16 jährige Tochter Lydia ...

Ein Kleinstadt in Ohio in den 70er Jahren. Eine Amerikanisch-Chinesische Familie, damals ausgegrenzt von der Gesellschaft und wie Exoten behandelt. Eines Morgens erscheint die 16 jährige Tochter Lydia nicht beim Frühstück. Sie ist tot aber das weiß die Familie noch nicht. Einige Tage später wird ihre Leiche in einem nahegelegenen See gefunden obwohl Lydia gar nicht schwimmen kann. Was ist passiert.

Die Frage klärt sich für den Leser erst am Ende und spielt dann eigentlich schon gar keine Rolle mehr. In Rückblicken wird erzählt wie die Familie langsam zerbricht. Erzählt wird in ruhigen eindrucksvollen Worten von übertriebenen Vorstellungen und Wünschen der Eltern vor allen an Lydia. Die anderen Kinder, der Bruder Nath und die jüngere Tochter Hannah werden regelrecht vernachlässigt. Dabei hat Nath eine Zusage von Harward erhalten und wird im Herbst die Familie verlassen. Hannah, die jüngste wird von allen 'übersehen' und beobachtet klein zusammengekauert in der Ecke wie die Familie lansam zerbricht.

Lydia die die blauen Augen ihrer amerikanischen Mutter geerbt hat, soll einmal ein besseres Leben haben als ihre Mutter die ihren Traum Ärztin zu werden der Familie wegen aufgegeben hat. Ein kurzes Intermezzo an einer Universität endet als sie mit Hannah schwanger ist. Jetzt soll Lydia in ihre Fußstapfen treten. Der Vater, ein Geschichtsprofessor an einer Highschool, versucht als Außenseiter so angepasst wie möglich und wie 'alle' zu leben und flüchtet sich doch in die Arme seiner chinesischen Lehrassistentin. Die ganze Liebe und Aufmerksamkeit richtet sich an Lydia die dem Druck nicht standhalten kann.

Ein eindrucksvolles Buch über eine Familientragödie in ruhigen Worten erzählt von Celeste Ng. Wirklich beeindruckend.

Veröffentlicht am 15.09.2016

Endgültig

Endgültig
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Jenny Aaron ist Agentin bei einer Eliteeinheit der Polizei, genannt die Abteilung. Ein Einsatz in Barcelona mit ihrem Partner geht schief, ihr Partner wird schwer verletzt, sie selbst verliert nach einer ...

Jenny Aaron ist Agentin bei einer Eliteeinheit der Polizei, genannt die Abteilung. Ein Einsatz in Barcelona mit ihrem Partner geht schief, ihr Partner wird schwer verletzt, sie selbst verliert nach einer Verfolgungsjagd ihr Augenlicht. Jetzt 5 Jahre später arbeitet sie als Verhörspezialistin und Fallanalytikerin beim BKA in Wiesbaden als sie einen Anruf von den alten Kollegen der Abteilung erhält. Ein Verbrecher den Aaron ins Gefängnis gebracht hat, hat eine Gefängnispsychologin in seiner Zelle umgebracht und will nur mit Aaron sprechen. So wird sie wieder mit der Vergangenheit konfrontiert und erkennt, dass der Verbrecher nur eine Schachfigur ist. Bald darauf trifft sie auf den wahren hochgefährlichen Täter und liefert sich eine fast unwirkliche Verfolgungsjagd.

Der Schreibstil mit den kurzen knappen, beinahe distanzierten Sätzen, selten länger als 10 Worte dennoch tiefsinnig und vielschichtig, die teilweise unerwarteten Sprünge machen es einem nicht leicht sich in den Roman einzufinden. Die Personen sind jedoch alle sehr gut und lebendig beschrieben und die Handlung entwickelt sich rasant bis hin zu einem unerwarteten Ende. Allerdings erscheint mir die Person von Jenny Aaron ein wenig übertrieben beschrieben, fast übermenschliche Fähigkeiten werden ihr zugesprochen.

Es ist kein einfaches Buch das Andreas Pflüger da geschrieben hat, sehr komplex und durchaus anspruchsvoll. Nebenbei zur Entspannung nicht unbedingt geeignet aber rundum ein spannender Roman.

Das Cover mit Braille Schrift und der gelbe Schnitt sind interessant und wecken in jeder Buchhandlung bestimmt Neugier.

Veröffentlicht am 15.09.2016

Teutonengrill

In der ersten Reihe sieht man Meer
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Die Familie Klein will wie in alten Zeiten mit dem Auto nach Italien fahren. Mit dabei seine 2 pubertierenden Kinder und seine Schwester. Nach einem stressigen Arbeitstag soll er sich um die letzten fehlenden ...

Die Familie Klein will wie in alten Zeiten mit dem Auto nach Italien fahren. Mit dabei seine 2 pubertierenden Kinder und seine Schwester. Nach einem stressigen Arbeitstag soll er sich um die letzten fehlenden Teile kümmern. Auf der Suche nach den Ausweisen stößt er auf ein altes Fotoalbum mit seinen Familienbildern der alljährlichen Sommerfrische an der italienischen Adria. Er gönnt sich ein Glas Wein, blättert in dem Album und schläft darüber ein.

Erschrocken wird er wach und findet sich selbst im pickeligen Körper eines Teenagers in den 80-Jahren wieder den seine Mutter mitten in der Nacht aus dem Schlaf reißt da es mit dem Auto, einem Ford Sierra, in den Urlaub gehen soll. Gemeinsam mit seiner älteren Schwester und seiner Oma verbringt die Familie ihren Urlaub schon seit Jahren in Italien. Besonders die Erlebnisse während der langen Autofahrt in Ballonseide und Neon Shirts mit mitgebrachtem deutschen Filterkaffee und Butterstullen sind sehr amüsant, ebenso die Erlebnisse am Urlaubsort in einer Zeit vor Smartphone und Internet.

Die Erinnerungen an alte Zeiten werden sofort wieder wach bei der Lektüre dieses Buches. Garniert sind die Kapitel mit eigenen Bildern der Autoren. Das ist wirklich ein sehr kurzweiliges Buch. Der Schreibstil ist lebendig und humorvoll der mir auch bei den Kluftinger Romanen so gut gefällt. Eine interessante Abwechslung der beiden Autoren. Aber ich möchte auch gerne wissen wie es mit Kluftinger weitergeht.

Veröffentlicht am 15.09.2016

Teambuilding

Der Pfau
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Ein abgelegener Landsitz in den schottischen Highlands. Der Lord und die Lady haben eine Menge Tiere darunter auch Pfauen. Eines Tages spielt ein Pfau verrückt. Er greift alles an was blau ist, darunter ...

Ein abgelegener Landsitz in den schottischen Highlands. Der Lord und die Lady haben eine Menge Tiere darunter auch Pfauen. Eines Tages spielt ein Pfau verrückt. Er greift alles an was blau ist, darunter auch den Wagen von Feriengästen die gerade eines der Cottages bewohnen. Alles nicht so schlimm, der Schaden wird reguliert und man verabschiedet sich als Freunde.

Im Winter will eine Investmentabteilung einer Londoner Privatbank einen ganzen Flügel des Anwesens für ein Teambuildingseminar buchen. Ausgerechnet beim Saubermachen bricht sich das Hausmädchen den Arm und muss nun selbst versorgt werden. Die Lady, die eigentlich als Ingenieurin arbeitet, muss alles alleine stemmen. Gerade fertig reisen die Herrschaften nebst resoluter Köchin und Psychologin an. Die Chefin im blauen Sportwagen. Noch bevor es dem Lord gelingt den Pfau wegzusperren, attackiert er das Auto der Chefin. Der Lord macht kurzen Prozess.

Bei einem Spaziergang der Gruppe mit ebenfalls mitgereisten Jagdhund der Chefin apportiert dieser einen toten Pfau und wird dafür ausgeschimpft was er so gar nicht verstehen kann. Damit fangen jede Menge Verwicklungen an, die daraus entstehen das man nicht richtig miteinander spricht.
Der Schreibstil ist einfach nur köstlich. Ruhig und mit einer feinen Brise britischen Humors erzählt die Übersetzerin Isabel Bogdan ihren ersten Roman. Davon kann es ruhig mehr geben. Die Charakter der einzelnen Teilnehmer der Investmentabteilung werden eindrucksvoll und sehr lebendig beschrieben, auch die Tiere kommen nicht zu kurz, auch diesen wird ein einzigartiger Charakter verliehen und sie wirken fast menschlich.

Ein sehr schönes kleines Buch mit britischem Humor aus deutscher Feder. Da hat mir sehr gut gefallen.

Veröffentlicht am 15.09.2016

Flug über die Provence

Brennender Midi
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Capitaine Roger Blanc ermittelt nunmehr in seinem 3 Fall. Aus Paris in die Provence strafversetzt macht er Dienst am berüchtigten Rentree, der Tag der Rückkehr aus dem Sommerurlaub. Da stürzt ein Militärflugzeug ...

Capitaine Roger Blanc ermittelt nunmehr in seinem 3 Fall. Aus Paris in die Provence strafversetzt macht er Dienst am berüchtigten Rentree, der Tag der Rückkehr aus dem Sommerurlaub. Da stürzt ein Militärflugzeug aus einer nahegelegenen Flugschule in einem Olivenhain ab. Ausgerechnet der reiche Besitzer des Olivenhains hat eine Initiative gegen Fluglärm gegründet da er sich belästigt fühlt.

Der junge Flugschüler ist sofort tot, bei der Obduktion wird festgestellt das er Augenprobleme hat und mit Drogen vollgepumpt ist. Die Kameraden aus der Flugschule sind schweigsam, keiner schien näher Kontakt mit dem Toten gehabt zu haben. Was verschweigen sie alle ? Auch der Flugschüler scheint ein Doppelleben geführt zu haben.

Die Lösung ist ein brandaktuelles Thema das geschickt in die Landschaft der Provence gepackt ist. Die Person des Ermittlers Roger Blanc gefällt mir gut, er wirkt authentisch und obwohl durch die Scheidung von seiner Frau privat belastet trotzdem immer konzentriert bei der Arbeit. Sein Ermittlerteam wird ebenfalls sehr lebendig beschrieben.

Der Schreibstil ist ruhig und über lange Zeit nicht wirklich spannend, aber dennoch sehr lebendig und teilweise humorvoll. Durch die vielen aktuellen Themen die aufgegriffen werden, ein weiteres sehr lesenswertes Buch von Cay Rademacher.