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Viola

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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 02.09.2024

Mein Buch des Jahres 2024

Das Pferd der Winde
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Da ich früher sehr, sehr viele historische Romane gelesen habe, ist mir die Autorin Tanja Kinkel bereits wohlbekannt. Ihre Bücher haben mir immer sehr gut gefallen, nicht nur gut recherchiert, sondern ...

Da ich früher sehr, sehr viele historische Romane gelesen habe, ist mir die Autorin Tanja Kinkel bereits wohlbekannt. Ihre Bücher haben mir immer sehr gut gefallen, nicht nur gut recherchiert, sondern auch lebendig und anschaulich, authentisch und mitreißend geschrieben. Umso neugieriger war ich natürlich nun auf ihr Kinderbuch „Das Pferd der Winde“. Schon die kurze Beschreibung hatte mich total angesprochen und mir Lust auf das Buch gemacht. Die wunderbaren Illustrationen von Suzie Mason tun ihr Übriges und passen ganz zauberhaft zur erzählten Geschichte.

Ich bin kein großer Fan von sprechenden Tieren, aber hier wirkt es so real und passend. Mori ist ein sehr junges Pferd, das extrem schnell ist und voller Vorfreude zusammen mit Yul, seinem Menschenfreund, für ein Rennen trainiert. Dann aber holt die beiden die harte Realität ein und statt zum Rennen geht es für Mori alleine nach Nordvietnam. Dort soll er im Krieg als Lasttier dienen. Mori aber vermisst Yul, seine Mutter und die anderen Pferde aus der Herde und natürlich auch die Weiten und den Wind seiner Heimat Mongolei. Und so springt er aus dem Zug, der gerade erst in Vietnam angekommen ist und flieht. Zum Glück trifft er sehr bald auf die Papageibreitrachen-Dame Chau, die sich ihm anschließt und ihm hilft, die viele und gefährlichen Abenteuer zu bestehen. Gemeinsam machen sie sich nämlich auf die Reise zurück in die Mongolei.

Eine zauberhafte und so märchenhaft anmutende Geschichte, die allerdings von einem echten Pferd und einer wahren Geschichte inspiriert ist. Das hat mich so begeistert und ich musste während des Lesens auch das eine oder andere Tränchen verdrücken. Wegen des Kriegs – leider ja wieder ganz aktuell – und der Grausamkeit der Menschen, aber auch wegen der wunderbaren Geschichte. Von Freundschaft, Zusammenhalt, Vertrauen, Vorurteilen und dem Ruf der Heimat.

Egal, ob jung oder alt – von diesem Buch wird jeder begeistert sein, der sich darauf einlässt, Mori und Chau auf ihrer ganz besonderen Reise zu begleiten. Ich fand es toll, so viel über die Gegenden und Landschaften zu erfahren, durch die sie reisen, über die Menschen unterwegs, deren Traditionen und Gebräuche.

Für mich schon jetzt mein Buch des Jahres 2024, ein wahres Meisterwerk des Erzählens!

Veröffentlicht am 02.09.2024

Untergang einer Familie

Letzte Lügen
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Wie immer, wenn es ein neues Buch von Autorin Karin Slaughter gibt, muss ich sofort zugreifen und auch am besten direkt lesen. Gut ist es dann, wenn ich sonst nichts vor habe und das Buch einfach komplett ...

Wie immer, wenn es ein neues Buch von Autorin Karin Slaughter gibt, muss ich sofort zugreifen und auch am besten direkt lesen. Gut ist es dann, wenn ich sonst nichts vor habe und das Buch einfach komplett durchfressen kann. Da es sich bei diesem Buch um eine neue Geschichte mit Dr. Sara Linton und Will Trent handelt, war die Vorfreude natürlich noch größer. Ich bin ein bisschen verliebt in die beiden, vor allem in Will – und zum Glück hat mich auch dieses Buch wieder begeistert, obwohl meine Erwartungen so hoch waren. Allerdings hatte es teilweise seine Längen. Das Buch lässt sich nicht so einfach lesen, es hat einfach so viel Tiefe, soviel Leid und Schmerzen, so viele düstere Geheimnisse und eine Familie, der man nicht begegnen, geschweige denn angehören möchte. Das braucht Zeit zum Lesen und Verdauen. Vielleicht führte auch das dazu, dass die Spannung beim Lesen teilweise ein bisschen abflachte. Ich muss allerdings auch gestehen, dass ich das Vorgängerbuch Die letzte Nacht vor nicht so langer Zeit gelesen habe und so natürlich die beiden Bücher miteinander verglichen habe. Die letzte Nacht fand ich einfach mega – auch trotz schwieriger und düsterer Themen – hier fehlte mir der letzte Schliff.

Insgesamt ist das Buch aber wieder ziemlich gut gelungen und ich hatte gute Unterhaltung während der vielen Lesestunden. Sehr hilfreich fand ich die Karte, die vorne im Buch abgedruckt ist und das Camp zeigt, in dem die Handlung spielt. Dort habe ich auch immer wieder nachgeschaut, weil manches dann beim einfachen Lesen für mich etwas verwirrend war.

Gut gefallen hat mir das Setting in den Bergen, wo man nicht so einfach hinkommt, sodass dadurch zahlreiche Probleme entstehen (so kann die Polizei zum Beispiel nicht innerhalb von ein paar Minuten da sein oder ähnliches) und dass die Anzahl der Verdächtigen überschaubar ist. Dennoch kann man bis zum Schluss miträtseln und die Auflösung hat mich echt überrascht. Es passte alles und war rund, es blieben keine Fragen offen und dennoch war es nicht vorhersehbar. So mag ich das.

Veröffentlicht am 02.09.2024

Interessante Spurensuche

Ewige Schuld
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Nachdem ich die Kurzbeschreibung zu diesem Buch gelesen hatte, bin ich neugierig geworden. Ich hatte noch nichts von Autor Arne Dessaul gelesen und ich entdecke auch immer gerne (für mich) neue Autoren.

Beim ...

Nachdem ich die Kurzbeschreibung zu diesem Buch gelesen hatte, bin ich neugierig geworden. Ich hatte noch nichts von Autor Arne Dessaul gelesen und ich entdecke auch immer gerne (für mich) neue Autoren.

Beim Einstieg hatte ich so meine Probleme und habe lange gebraucht, um mich in die Geschichte einzufinden. Leider war mir die Hauptfigur Fritz Tiedemann von Anfang an unsympathisch. Ich konnte sein Verhalten und seine Gedanken nicht gut nachvollziehen und fand es auch ziemlich ungut, wie er alle seine Freunde hintergeht. Im Prinzip betrügt er jeden mit jedem, hat dabei zwar ein schlechtes Gewissen, lässt sich davon aber nicht abhalten, immer weiter zu tun, was er möchte. In solchen Fällen fällt mir dann leider auch die Lektüre schwer – wenn ich mich mit der Hauptfigur so gar nicht identifizieren oder anfreunden kann.

Interessant fand ich die Verwicklungen der Menschen aus dem Dorf in die Untaten der Kriegsjahre. Viele, viele düstere Geheimnisse, die die Menschen immer noch voreinander verbergen und die sie zu wahren versuchen. Das prägt das aktuelle Leben immer noch und reicht bis in die Zeit 40 Jahre später, als Fritz schon lange erwachsen ist und erst dann manches erfährt.

Für mich ein klassischer Coming of age-Roman, der zeigt, wie die Hauptfigur vom unschuldigen Jugendlichen durch Irrungen und Wirrungen zum Erwachsenen wird. Das fand ich schon interessant, allerdings hatte ich mir etwas mehr Spannung vorgestellt.

Der Autor schreibt auf seine ganz eigene Weise, die nicht meine ist, aber sicherlich ihre Fans findet. Leider nicht ganz mein Fall, aber trotzdem eine interessante Spurensuchen und spannende Zeitreise.

Veröffentlicht am 28.08.2024

Wenn die düstere Vergangenheit nach Dir greift

Wenn sie lügt
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Da ich fast alle Bücher von Linus Geschke mit großer Begeisterung und Spannung gelesen habe, war ich natürlich umso gespannter auf sein neues Werk. Die Kurzbeschreibung hat mich zusätzlich neugierig gemacht ...

Da ich fast alle Bücher von Linus Geschke mit großer Begeisterung und Spannung gelesen habe, war ich natürlich umso gespannter auf sein neues Werk. Die Kurzbeschreibung hat mich zusätzlich neugierig gemacht und unterhaltsame Lesestunden versprochen. Und genauso war es dann auch, aber richtig gefesselt und gepackt hat mich das Buch leider nicht.

Ziemlich schnell hatte mich das Buch in seinen Bann gezogen und mit auf eine Reise in die Vergangenheit genommen. Die Freunde rund um Norah und Goran geraten erneut in eine Abwärtsspirale, die sich immer schneller und auch immer tödlicher dreht. Vor knapp zwanzig Jahren verliebte sich Norah in den vier Jahre älteren David, der später zum Mörder wurde. Das hat ihr Leben bis heute geprägt und nun erhält sie Drohbriefe. Kann es sein, dass David doch noch lebt? Auch Goran kehrt zurück nach Waldesroda, wo die alten Geister wieder lebendig werden.

Auch wenn mich die Geschichte gut unterhalten hat, war für mich das Ende leider vorhersehbar und an manchen Stellen habe ich mich echt gewundert. Dass zwei Männer aus der Szene sich am Telefon und per WhatsApp über eine Waffenlieferung austauschen, das halte ich für absolut undenkbar. Als Journalist und langjähriger Spannungsautor müsste Linus Geschke sowas auch besser wissen. Ich weiß, es waren nur zwei kurze Szenen, aber solche Fehler stören mich leider sehr.

Die Auflösung war mir relativ früh klar, dennoch hätte ich mir einen etwas interessanteren Showdown gewünscht. Manches hat sich so gelesen als wäre selbst der Autor von seinen Ideen und Phrasen gelangweilt. Schade, da hat mir „Die Verborgenen“ deutlich besser gefallen.

Was ich wieder gut fand, war die Vielschichtigkeit der drei Hauptcharaktere Norah, deren Mutter und Goran. Sie waren gut ausgearbeitet und auch so beschrieben, dass man erfahren wollte, was damals passiert ist und wie es nun weitergeht. Richtig sympathisch waren mir aber beide nicht – was vielleicht auch daran lag, dass sie immer noch ein Geheimnis hatte, das sie nicht preisgeben wollte, und dass er klischeehaft als Ausländer an der Grenze zur Legalität arbeitend dargestellt wurde. Leider waren auch die Nebenfiguren eher blass und ohne Konturen, obwohl es sich z. B. um die beiden besten Freunde der Hauptfiguren und damit wichtig Mitglieder der damaligen Clique handelt.

Interessant fand ich die immer wieder eingestreuten Infos und Statistiken zu Gewalttaten. Und auch die Sprünge zwischen den verschiedenen Figuren und deren Sichtweisen, aber auch zwischen der Vergangenheit und der Gegenwart fand ich richtig gut.

Insgesamt bleibe ich ein bisschen ratlos zurück, denn ich hatte mir doch mehr versprochen. Am Ende ist alles aufgeklärt und aufgelöst, aber ich war dennoch nicht zufrieden. Als hätte man eine Rohversion von einer Geschichte gelesen, die durchaus Potenzial hat, wenn sie nur nochmal überarbeitet wird. Ich hoffe, Das Loft kann mich wieder mehr begeistern, dieses Buch habe ich noch nicht gelesen.

Veröffentlicht am 28.08.2024

Hat mich mitgerissen

Die Modeschöpferin von Manhattan
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Da ich bereits vor Jahren zwei oder drei Bücher der Autorin gelesen hatte und erst neulich beim Aufräumen nochmal eins in der Hand hatte, war ich natürlich neugierig, wie sie jetzt schreibt und was die ...

Da ich bereits vor Jahren zwei oder drei Bücher der Autorin gelesen hatte und erst neulich beim Aufräumen nochmal eins in der Hand hatte, war ich natürlich neugierig, wie sie jetzt schreibt und was die Modeschöpferin in New York so alles kann.

Schnell war ich mitten im Geschehen drin – auch weil gleich schon ganz am Anfang die Hauptfigur Daisy vorgestellt wird, die mit ihrer Kollegin und Freundin eilig zur Arbeit muss. Zur Arbeit bei besagter Modeschöpferin, die eher eine Modegöttin ist. Auch wenn mir Mode nicht so wichtig ist (man könnte auch sagen „ziemlich egal“), fand ich es sehr spannend, in einen Einblick in die damalige Zeit und das Leben und Schaffen von Madame Valentina zu bekommen. Gerne hätte ich auch einmal ein Kleid, das nur für mich gemacht wurde und meine Vorteile so hervorhebt. Valentina Schlee ist eine Künstlerin, eine Zauberin mit Stoff, Faden und Nadel. Das hat mir wirklich gefallen.

Richtig gelungen ist auch das Flair der damaligen Zeit – mit dem drohenden Krieg in Europa, dem wilden und zugleich so aufregenden Leben in New York. Es ist wie eine kleine Zeitreise.

Schön fand ich auch, wie die Kontraste zwischen den Gesellschaftsschichten herausgearbeitet werden. Gerade auch im Hinblick auf Daisy, deren Leben als Gattin eines reichen Mannes vorbestimmt zu sein scheint – auch wenn sie eigentlich einen anderen liebt.

Überhaupt ist die Liebe ein wichtiges Thema neben der Mode. Das hatte ich so nicht erwartet und ist eigentlich auch nicht mein Genre, aber ich habe es trotzdem mit Freude gelesen.

Interessant und bemerkenswert finde ich die Schreibweise der Autorin, die mit richtig mitgenommen und mitgerissen hat. Ein bisschen atemlos und hektisch manchmal, nicht alles wird detailreich ausgeschmückt und manches bleibt offen, dafür gibt es dann wieder Einblicke in die Gedanken von Figuren, vor allem der großen Modeschöpferin. Das hat mich sehr berührt. Sie, die nach außen hin erfolgreiche, glückliche und reiche Frau, die von den Dämonen der Vergangenheit, der Sehnsucht nach ihrer toten Familie und dem Heimweh geprägt ist. Das war richtig gut beschrieben und geschildert, sodass man bestens mitfühlen konnte.

Jetzt weiß ich wieder, warum ich die Romane von Joan Weng damals so verschlungen habe, auch wenn ich Krimis und Thriller eigentlich bevorzuge. Für solche hinreißenden Geschichten mache ich gerne immer wieder eine Ausnahme! Danke, dass ich die zauberhafte Daisy kennenlernen durfte, die sicherlich ihren eigenen Weg noch findet, die geheimnisvolle Valentina Schlee, die eine wahre Künstlerin ist, und die glamourösen anderen Damen aus dem Manhattan im August 1939!