Gutes Setting mit Potential, aber Charaktere ohne Tiefe
Kingmakers – Jahr 1Das Setting gefällt mir sehr gut und es hat durchaus Potential: Die Handlung spielt in Kingmakers, einer Universität auf einer einsamen Insel für zukünftige Mafia-Bosse und -Mitarbeiter. Die Studierenden ...
Das Setting gefällt mir sehr gut und es hat durchaus Potential: Die Handlung spielt in Kingmakers, einer Universität auf einer einsamen Insel für zukünftige Mafia-Bosse und -Mitarbeiter. Die Studierenden lernen Foltertechniken, Kampfkünste und allerlei hilfreiche Skills. Der Höhepunkt in diesem akademischen Jahr ist neben dem Staunen und Einfinden in diese neue Welt, ein großes Turnier, in denen alle Jahrgänge gegeneinander antreten.
Erzählt wird die Geschichte aus drei verschiedenen Perspektiven: Dean, Anna und Leo. Das erhöht die Spannung und ermöglicht uns Einblicke in die Gedankenwelt von allen dreien. Sehr gut finde ich, dass manchmal die gleichen Szenen aus unterschiedliche Perspektive erneut erzählt werden und wir so neue Einblicke gewinnen. Bemängeln muss ich leider, dass - obwohl diese Erzählperspektive sehr gut geeignet ist um über die eigenen Gedanken zu berichten - wir es stattdessen häufig mit Vermutungen über andere Personen zu tun haben.
Dean und Leo sind quasi Erzfeinde dritten Grades (Deans Großvater wurde von Leos Großvater umgebracht). Anna und Leo sind Cousins, allerdings nicht blutsverwandt, als beste Freunde aufgewachsen, aber vielleicht reicht ihnen das nicht mehr. Als Dean aber plötzlich auch Interesse an Anna zeigt, ist das Chaos vorprogrammiert.
Das Setting an sich hat mir gut gefallen und der Handlungsstrang um das Turnier war wirklich spannend. Allerdings haben mich die Charaktere und das ganze Beziehungsdynamik zwischen Anna, Leo und Dean so gar nicht abgeholt. Die Protagonistinnen sollen mindestens 18 Jahre alt sein und auf die Universität gehen, sie sind angehende Mafia-Bosse und man sollte davon ausgehen, dass sie recht reif sind. Allerdings haben sie sich eher wie 15-jährige verhalten, meist kindisch und unreif und es hat mir überall an Tiefe gefehlt. Dadurch war ihr Verhalten nicht wirklich authentisch. Zudem haben sie nicht immer charaktertreu gehandelt. Zum Beispiel wird Anna in einigen Szenen als eine Person dargestellt, die ihre Meinung klar äußert und für sich einsteht, in der nächsten Szene lässt sie aber etwas (wie ich finde sehr schreckliches) über sich ergehen ohne überhaupt die leiseste Gegenwehr zu zeigen. Auch als wir kurz danach in ihre Perspektive wechseln, gibt es keinerlei Gedanken darüber - es wirkt sehr unreflektiert.
Es gibt zudem auch einige spicy Szenen - leider bin ich kein großer Fan von der Wortwahl und der dortigen Handlung. Zudem fehlt der Spannungsaufbau an diesen Stellen. Es wird eine Mentalität à la "wenn ich sie entjungfere, besitze ich sie" und "es ist nur guter Se, wenn er groß und sie eng ist" vermittelt... Es wirkt plump, oberflächlich und nicht zeitgemäß.
Insgesamt bin ich leider eher enttäuscht, die Spannung und das Setting mit Potential konnte meine Kritiken nicht überdecken, daher gibt es nur eine eingeschränkte Empfehlung.