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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 30.03.2023

Die Ortenau macht glücklich!

Glücksorte in der Ortenau
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Wie bei jedem anderen Buch der „Glücksorte“-Reihe ist das Cover des der Ortenau gewidmeten Buches ein kleines Kunstwerk: Einige verspielten Illustrationen berühmter und weniger berühmter Sehenswürdigkeiten ...

Wie bei jedem anderen Buch der „Glücksorte“-Reihe ist das Cover des der Ortenau gewidmeten Buches ein kleines Kunstwerk: Einige verspielten Illustrationen berühmter und weniger berühmter Sehenswürdigkeiten schmücken die Vorderseite.

Als weiteres Merkmal der „Glücksorte“-Reihe entdeckt der Leser die Definition der Wörter „Glück“, „Ort“ und „ die Ortenau“. Wer das Cover ausklappt, findet versteckt wie in jedem Buch der Reihe einen wunderschönen Stimmungsmacher. Zum Glück für den Droste-Verlag gibt es zahlreiche Zitate zum Thema Glück!

Die Reise ins Glück kann beginnen!
Die Glücksorte werden immer ähnlich vorgestellt: Ein Foto auf der rechten Seite, eine Beschreibung, sowie die Adresse und Erreichbarkeitsinformationen auf der linken Seite, noch ein Tipp.

Die Liebe für ihre Heimat ist im Marion Stieglitz Schreibstil unübersehbar. Alle Glücksorte sind so liebevoll beschrieben, dass man einfach fühlt, wie das Glück aus diesem Buch heraussprudelt. Schon das Lesen macht glücklich!

Am Ende des Buches befindet sich eine Karte, in der die von Marion Stieglitz ausgesuchten und liebevoll beschrieben 80 Glücksorte dargestellt sind: Die Nummern entsprechen dem Verzeichnis, ein paar werden sogar von einem kleinen Bild begleitet und springen somit sofort ins Auge. Diese Karte sorgt für eine klare Übersicht und erleichtert die Planung des nächsten Ausflugs ins Glück.

Achtzig ist eine gute Zahl für so ein Buch: vielfältig und zugleich überschaubar. Die Mischung ist bunt und ausgewogen: Bekannte Sehenswürdigkeiten und Ausflugsziele, Spaziergänge und Wanderungen in der Natur, tierische Begegnungen, Kunst und Handarbeit, traditionelle Produkte für Leib und Seele… In der Ortenau ist für jeden ist was dabei. Wer mutig genug ist, kann auch die Grenze überqueren und sich von der deutsch-französischen Freundschaft im Elsaß überzeugen. Die Ortenau macht es möglich!

Dieses Buch eignet sich für Touristen, genauso gut wie für Einheimischen und beweist, dass die Ortenau viel mehr zu bitten hat, als nur den meist besuchten Freizeitpark Deutschlands. Ein kleiner Umweg oder sogar eine Reise in die Ortenau lohnt sich.

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Veröffentlicht am 26.03.2023

Ein Backbuch mit bewährten Klassikern

Das Bäckermädle Familienbackbuch
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Wer das Bäckermädle Katharina Regele schon folgt, wird wahrscheinlich von diesem Buch begeistern sein. In diesem Backbuch hat sie 25 Rezepte unter dem Motto „Familie“ zusammengetragen. Die kleinen und ...

Wer das Bäckermädle Katharina Regele schon folgt, wird wahrscheinlich von diesem Buch begeistern sein. In diesem Backbuch hat sie 25 Rezepte unter dem Motto „Familie“ zusammengetragen. Die kleinen und großen Hände auf dem schönen Cover, sowie die ungewöhnliche Gliederung nach Familienmitgliedern passen perfekt zu diesem Thema.

Im Gegensatz zu anderen Koch- oder Backbüchern von Bloggern, Influencern und anderen Zelebritäten stehen das Backen und die Rezepte in diesem Buch im Mittelpunkt. Nicht die Fotos der Autorin. Davon gibt im ganzen Buch sogar sehr wenig. Für mich ein Pluspunkt… aber für Fans des Bäckermädle eventuell eine Enttäuschung.

Das Format des Buches ist handlicher, als dicke Hochglanzkochbücher. Die Rezepte sind gut erläutert und können ohne große Schwierigkeiten bachgebacken werden.

Die Gliederung nach Familienmitgliedern führt dazu, dass würzige und süße Rezepte gemischt sind. Bei 25 Rezepten stört es aber nicht.
Allerdings finde ich die Einteilung der Rezepte zwischen den Familienmitgliedern unausgewogen. Zusätzlich sind unter den Rezepten sehr viele bewährten Klassiker. Diese neu zu interpretieren hätte dem Backbuch an Originalität verliehen.

Für Fans des Bäckermädle wahrscheinlich ein Muss. Aber leidenschaftliche Bäcker:innen könnten aufgrund der zahlreichen Klassiker in ihren Erwartungen enttäuscht sein.
Dennoch wünsche ich Katharina Regele viel Erfolg mit ihren anderen Projekten.

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Veröffentlicht am 23.03.2023

Auf der Suche nach Glück: zwischen Initiationsgeschichte und Märchen

Lea und das blaue Glück
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Die Sommerferien sind da. Von ihrer Lehrerin angespornt stellt sich die siebzehnjährige Lea Fragen über das Glück. Von einem Adler geführt folgt Lea einen Weg, der dazu beiträgt, ihre Fragen zu beantworten. ...

Die Sommerferien sind da. Von ihrer Lehrerin angespornt stellt sich die siebzehnjährige Lea Fragen über das Glück. Von einem Adler geführt folgt Lea einen Weg, der dazu beiträgt, ihre Fragen zu beantworten. Allerdings kommt noch viel mehr ans Licht: Ein Familiengeheimnis und das Gewissen, dass es in der Welt mehr Verbindungen gibt, als man denkt.

„Was ist Glück?“ ist eine grundlegende Frage, die sich wahrscheinlich jeder schon mindestens einmal gefragt. Aber, eine Antwort zu geben ist gar nicht so einfach. Auf ihre Reise begegnet Lea auf gut Glück mehrere Personen, die ihr ihre persönliche Vorstellung vermitteln.

Wiebke Wiedeck hat mit Lea und ihrer herzergreifenden Geschichte eine besondere Botschafterin des Glücks erschaffen. Eine introvertierte Jugendliche, die sich „anders“ fühlt, ohne es wirklich nachvollziehen zu können. Eine junge Frau, die in einer besonderen Familie, mit Höhen und Tiefen, aufgewachsen ist. All das, und noch mehr, ist Lea. Als Ich-Erzählerin beschreibt sie ihre Erfahrungen und Gemütszustand vor und während der Reise.

In der gleichen Erzählform kommen immer wieder Kapitel aus einem anderen Standpunkt. Zuerst überraschend, vielleicht irritierend. Später erkennt man aber als Leser diese Kapitel und sehnt sich sogar danach, weil sie die Verbindungen zwischen den Figuren untermauern.

Für die volle Punktzahl hat es nicht gereicht, weil ich den Eindruck hatte, dass die besondere Atmosphäre, die ich mit Leas Reise verband, unter einigen unnötigen Ereignissen und dem fehlenden Tiefgang einiger Figuren, die Leas Weg gekreuzt haben, litt. Auch die Verankerung in der Gegenwart, die durch einige Verweise auf sozialen Medien entsteht, fand ich schade, weil Wiebke Wiedeck einen feinen und angenehmen Schreibstil besitzt, der wunderbar zu einer zeitlosen Initiationsgeschichte passt.

Noch erwähnenswert ist das bezaubernde blaue Cover. Selbstverleger achten nicht immer auf das Cover (oder haben vielleicht nicht die Mittel dafür), obwohl es auch eine entscheidende Rolle, ob man einen Roman lesen wird oder nicht. Aber, mit diesem besonderen Blauton und einer adretten Gestaltung hat die Autorin ins Schwarze getroffen.

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Veröffentlicht am 04.03.2023

Als Berufsanfängerin im Japan der frühen Neunzigerjahre

Mit Staunen und Zittern
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Die Belgierin Amélie hat ihre Kindheit in Japan verbracht und hat deshalb eigentlich gute Voraussetzungen, wie die Kenntnis der Sprache, wenn sie 1990 beim japanischen Unternehmen Yumimoto anfängt. Es ...

Die Belgierin Amélie hat ihre Kindheit in Japan verbracht und hat deshalb eigentlich gute Voraussetzungen, wie die Kenntnis der Sprache, wenn sie 1990 beim japanischen Unternehmen Yumimoto anfängt. Es stellt sich aber heraus, dass es gar nicht so einfach ist, seinen Platz in der Hierarchie der Firma zu finden, da man doch immer tiefer sinken kann.

Diese Geschichte beruht auf der persönlichen Erfahrung der Autorin und stellt den Zusammenstoß zwischen Amélie und ihre Vorgesetzte Fubuki Mori, aber auch zwischen antagonistischen Sichtweisen vor. Amélie Nothomb bringt die japanische Kultur und Berufsleben in ein ganz anderes Licht und lässt den westlichen Leser über den Platz der Frau und der Ausländer in der japanischen Gesellschaft der Neunzigerjahre zweifelnd staunen.

Heutzutage könnte dieses Buch möglicherweise als feministisches Buch oder als Verfechter der Gleichberechtigung durchgehen. Allerdings glaube ich nicht, dass es die Intention der Autorin war. Offen gesagt, bin ich, wie bei anderen ihrer Bücher, nicht sicher, was sie mit diesem Roman bezweckt hat.

Auch wenn man, wie ich, kein Fan von Amélie Nothomb ist, muss man ihr eins lassen: Sie beherrscht die Sprache wie andere ihr Handwerk. Mit jedem Satz merkt man, wie umfassend ihr Wortschatz und ihre Kultur sind.

Die lebendigen Beschreibungen ihrer Erfahrung im Reich def aufgehenden Sonne bringen einem zum Nachdenken: Mit der Globalisierung muss man meistens gar nicht so weit gehen, um selber kulturellen Unterschiede im Berufsleben oder im Alltag wahrzunehmen.

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Veröffentlicht am 26.02.2023

Ode an die Mutterliebe

Der Ruf des Eisvogels
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Als Olga zur Welt kam, verließ sie ihre Mutter. In Ginsterburg in der Uckermark wird sie vor allem von ihrem Großvater Albert Blume, der Hausarzt des Ortes, groß gezogen. Mit ihm entdeckt Olga die Welt ...

Als Olga zur Welt kam, verließ sie ihre Mutter. In Ginsterburg in der Uckermark wird sie vor allem von ihrem Großvater Albert Blume, der Hausarzt des Ortes, groß gezogen. Mit ihm entdeckt Olga die Welt der Medizin und der Geburtshilfe, die nach vielen Schicksalswenden zu ihrem Beruf wird. Der Zweite Weltkrieg zwingt Olga zur Flucht in den Westen. Nach der Wende kommt sie widerwillig mit ihren Tochter und Enkelin nach Ginsterburg zurück.

Wie ein Schutzengel wacht der Eisvogel über Anne Prettins Roman und verwandelt das türkis-farbenes Cover in ein bezauberndes Kunstwerk. In Olgas Kindheit und Jugend spielt dieser kleine Vogel auch eine wichtige Rolle und erinnert sie an ihre Mutter, die ihr unter dramatischen Umständen das Leben geschenkt hat.

Trotz der Liebe ihres Großvaters und der Freundschaft zu Lotte, Annemie, Gero und Fritz ist Olgas Kindheit alles anders als unbeschwert. Obwohl die Frontlinien weit entfernt laufen, hat der Krieg auch auf Olgas Freundeskreis Konsequenzen.

Auch die Nachkriegszeit, die Anne Prettin unverblümt beschreibt, ist für Olga kein Vergnügen. Als junge Mutter mit einer kleinen Tochter in den Westen zu fliehen und im Flüchtlingslager in Oldenburg zu überleben beweist, wie wichtig ihr Becki ist. Das Kind kommt immer an erster Stelle, obwohl sie selber ohne Mutter aufwachsen musste.

Auch wenn einige Sprünge zwischen der Zeiten verwirrend oder konfus wirken mögen, basiert diese herzergreifende Geschichte auf einem gut ausgebauten Plot. Für den Leser, genauso wie für die Protagonisten wird das Geheimnis erst in den letzten Kapiteln gelüftet.

Im Buch wimmelt es von ernsten Themen, wie Schuld, Verlust oder Trauer, die den Leser zum Nachdenken bringen. Dennoch ist dieser hoffnungsvolle Roman vor allem eine Ode an die Mutterliebe, die sehr unterschiedlichen Formen nehmen kann und sich täglich neu erfinden lässt.

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