Spannend geschriebene englische Geschichte
RabenthronEngland, 1013: In der Hoffnung auf Lösegeld für einen dänischen Gefangenen begibt sich der junge Ælfric of Helmsby nach London. Dort verstrickt er sich ins Netz der Politik der Königsfamilie, findet zwei ...
England, 1013: In der Hoffnung auf Lösegeld für einen dänischen Gefangenen begibt sich der junge Ælfric of Helmsby nach London. Dort verstrickt er sich ins Netz der Politik der Königsfamilie, findet zwei lebenslange Freunde, eine große Liebe und mächtige Feinde…
Ælfric of Helmsby ist ein klassischer Gable-Protagonist: ehrenhaft, charakterfest und königstreu. Beziehungsweise, königinnentreu, denn der Dreh- und Angelpunkt des Romans ist Emma, deren positive Darstellung von ihrer typischen Charakterisierung in historischen Romanen abweicht. Der Schreibstil ist, wie man es von der Autorin kennt, bildlich, Emotionen weckend und spannend. Die Sexszenen waren allerdings ausführlicher als bei ihr üblich. Atmosphäre und Recherche sind topp, die politisch komplexen Situationen werden verständlich vermittelt, ohne dabei verfälschend zu sein.
Als Leser begegnet man vielen interessanten Nebenfiguren, teils historisch, teils fiktiv. Manche historischen Figuren sind etwas einseitig positiv oder negativ dargestellt, aber das lässt sich durch den jeweiligen Blickpunkt-Charakters erklären, deren Sympathien an solchen Stellen gespiegelt werden. Manche fiktiven Charaktere waren derart interessant und unterhaltsam, dass ich mir gewünscht habe, ich würde mehr über sie erfahren oder sie würden öfter vorkommen.
Insgesamt ist die Handlung spannend, mitreißend und voller interessanter Wendungen.
Ich habe lange zwischen einer 4 und 5 Sterne Bewertung geschwankt, aber im Vergleich mit anderen Büchern der Autorin tendiere ich zu der niedrigeren Bewertung. Gleichzeitig sind die 4 Sterne hier höher anzusehen, als andere Romane, die ich in der Vergangenheit so bewertet habe.
Angesichts des Klappentextes hatte ich erwartet, dass Freundschaft eine größere Rolle spielen würde. Doch obwohl sie sich durch den Roman zieht, nimmt sie gegenüber aufkommenden Romanzen eine zweitrangige Stellung ein. Das fand ich ziemlich schade, da die Figurenkonstellation der besagten Freundschaft durch entgegengesetzte Loyalitäten sehr spannend war und großes Potenzial hatte, das aber leider nicht weiter verfolgt wurde oder nur in ein zwei knappen Sätzen entschärft wurde.
Ælfric und seine Familie hatten besonders gegen Ende der Handlung hin dermaßen viel Glück und günstige Fügungen, dass es für mich unglaubwürdig wurde. Generell ist das Ende des Romans eine Schwachstelle, angesichts des Könnens der Autorin fand ich es geradezu enttäuschend. Aber das ist Jammern auf hohem Niveau, ich war beim Lesen durchweg unterhalten.
Alles in allem ein spannender historischer Roman, perfekt für alle, die bei der Helmsby-Trilogie einsteigen wollen oder einen Roman suchen, der Englands Chaos kurz vor 1066 verständlich und unterhaltsam erzählt.