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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 20.09.2025

Schockt und polarisiert

Zeitbrand: Genesis
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Für mich war es der erste Roman aus der Feder des Autors Eryx Vail. Die Triggerwarnungen zu Beginn sind unbedingt ernst zu nehmen, denn die dort angesprochenen Inhalte kommen allesamt vor und werden durch ...

Für mich war es der erste Roman aus der Feder des Autors Eryx Vail. Die Triggerwarnungen zu Beginn sind unbedingt ernst zu nehmen, denn die dort angesprochenen Inhalte kommen allesamt vor und werden durch den bildlichen Schreibstil überaus explizit in Szene gesetzt.
Der Klappentext trifft auf die Handlung des Romans zu, allerdings stehen weder Handlung noch Charaktere im Vordergrund. Tatsächlich könnte man den Klappentext fast vollständig für den nächsten Band übernehmen, da sich bis zum unbefriedigenden Ende kaum eine Entwicklung stattfindet.
Man könnte sagen, dass Themen das Herzstück darstellen. Doch hier würde ich argumentieren, dass diese innerhalb des Romans nicht diskutiert werden. Vielmehr reihen sich blutig-provokante Episoden aneinander, die nach dem ersten Schock zu ermüdender Brutalität vor einer kulissenhaft gezeichneten Welt und flachen Charakteren verkommt. Das bloße Darstellen von Missständen ohne Dekonstruktion oder weitergehende Reflexion konnte mich nicht in den Bann ziehen. Es gab kein Mitfiebern oder Mitleiden mit den Figuren und keine Atmosphäre, was ich ziemlich schade finde, denn ich wollte vom Roman begeistert sein. Es werden immer wieder interessante Konzepte und Ideen aufgeworfen, doch sie scheinen nur blitzartig auf und werden nicht weiterverfolgt und nur so knapp dargestellt, dass es unglaublich frustrierend war, einen Blick auf etwas so spannendes zu erhalten, nur um es ignoriert zu sehen.
Deshalb funktionierte der Roman für mich weder als klassischer Fantasyroman, der er definitiv weder ist noch sein will, noch als kritisches Werk, weil die Kritik zu simple war. Aber ich finde es sehr gut, dass es veröffentlich wurde, da es viel zu viele Fantasyromane nach Schema X gibt, und das kann man dem Buch wirklich nicht vorwerfen. Es ist einmalig.
Alles in allem war es einfach nicht das Buch für mich, ich würde es allerdings Fans des Autors weiterempfehlen und Personen, die mal etwas ganz anderes suchen.

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Veröffentlicht am 20.09.2025

Serienauftakt mit Potenzial

Heart of Night and Fire
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Zarya wächst als Gefangene fernab von aller Zivilisation auf. Ihre einzige Gesellschaft sind ihr Ziehvater und Gefängniswärter Row, ihr Ziehbruder Aarav, den sie am liebsten töten würde und allgegenwärtige ...

Zarya wächst als Gefangene fernab von aller Zivilisation auf. Ihre einzige Gesellschaft sind ihr Ziehvater und Gefängniswärter Row, ihr Ziehbruder Aarav, den sie am liebsten töten würde und allgegenwärtige Monster, die sie tatsächlich tötet. Doch als ihr eines Tages die Flucht gelingt, entdeckt sie eine Welt, die durch eine unaufhaltsame magische Seuche an den Rand der Vernichtung getrieben wurde. Zarya ist fest entschlossen, für den Erhalt von allem, was sie zuvor nie gekannt hat, zu kämpfen. Und vielleicht nebenbei herauszufinden, wieso sie als Gefangene aufwuchs.
Das Setting der indisch-inspirierten Fantasy ist spannend und originell. Bei manchen der Kreaturen hätten die Beschreibungen ausführlicher sein können, doch auch so sind sie durch den flüssig-anschaulichen Schreibstil sehr bildlich vorstellbar. Neben tödlichen Monstern begegnen uns auch weitere magische Wesen, die eine Gesellschaft bilden, die von rassistischen Vorbehalten gegeneinander durchzogen ist. Da die Protagonistin selbst nicht viel über die Welt weiß, lernt der Leser mit ihr. Dabei war es gelegentlich frustrierend, dass Zarya oftmals wichtige Frage über das Setting oder ihre eigene Herkunft nicht stellt, wenn sich gute Gelegenheiten bieten. Sie lebt oft lieber im Moment und liest sich generell mehr nach Young Adult als New Adult. Daran ändert sich auch im Laufe der Handlung wenig, sie durchläuft keine persönliche Entwicklung außer der bahnbrechenden Erkenntnis, dass die komplizierte Beziehung zu ihrem Ziehbruder nicht nur seine, sondern auch ihre Schuld ist.
Zaryas Beziehung zu Row und Aarav ist spannend zu lesen, weil sie ein Gemisch aus negativem und positivem ist. Noch interessanter allerdings ist ihre Freundschaft zu Yasen. Beide entdecken Gemeinsamkeiten in ihren tragischen Hintergründen und wie diese ihr Handeln beeinflussen. Genau das war eins der Highlights des Buches für mich, dass diese Backstories eben nicht nur genutzt wurden, um Sympathien zu wecken, sondern konkreten Einfluss auf die Handlung, die Figurenkonstellationen etc. haben. Alles romantische in Roman hat für mich nicht funktioniert. Zaryas Anziehung zu Vikram kam mir sehr blass vor und, ohne hier zu Spoilern, auch alle übrigen Romanzen waren mir ziemlich gleichgültig. Gegenüber den Freundschaften und familiären Konflikten waren sie einfach so langweilig und klischeehaft.
Zu Beginn war die Handlung etwas langsam, aber dann nahm sie einmal Fahrt auf und die actionreiche Spannung hielt bis zum Ende an. Es ist zwar ein erster Roman, doch jetzt im Nachhinein erinnert es von der Art und Weise, wie es die Figuren in die Konstellation bringt, die am Ende der Handlung herrscht, mehr an ein Prequel. Manche der Wendungen waren zwar vorhersehbar, aber einige haben mich angenehm überrascht. Ich bin gespannt, wie es mit Zarya weitergehen wird.
Alles in allem ein lesenswerter Fantasyroman, der durch ein spannendes Setting und interessante Figuren punktet.

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Veröffentlicht am 20.09.2025

Spannend geschriebene englische Geschichte

Rabenthron
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England, 1013: In der Hoffnung auf Lösegeld für einen dänischen Gefangenen begibt sich der junge Ælfric of Helmsby nach London. Dort verstrickt er sich ins Netz der Politik der Königsfamilie, findet zwei ...

England, 1013: In der Hoffnung auf Lösegeld für einen dänischen Gefangenen begibt sich der junge Ælfric of Helmsby nach London. Dort verstrickt er sich ins Netz der Politik der Königsfamilie, findet zwei lebenslange Freunde, eine große Liebe und mächtige Feinde…
Ælfric of Helmsby ist ein klassischer Gable-Protagonist: ehrenhaft, charakterfest und königstreu. Beziehungsweise, königinnentreu, denn der Dreh- und Angelpunkt des Romans ist Emma, deren positive Darstellung von ihrer typischen Charakterisierung in historischen Romanen abweicht. Der Schreibstil ist, wie man es von der Autorin kennt, bildlich, Emotionen weckend und spannend. Die Sexszenen waren allerdings ausführlicher als bei ihr üblich. Atmosphäre und Recherche sind topp, die politisch komplexen Situationen werden verständlich vermittelt, ohne dabei verfälschend zu sein.
Als Leser begegnet man vielen interessanten Nebenfiguren, teils historisch, teils fiktiv. Manche historischen Figuren sind etwas einseitig positiv oder negativ dargestellt, aber das lässt sich durch den jeweiligen Blickpunkt-Charakters erklären, deren Sympathien an solchen Stellen gespiegelt werden. Manche fiktiven Charaktere waren derart interessant und unterhaltsam, dass ich mir gewünscht habe, ich würde mehr über sie erfahren oder sie würden öfter vorkommen.
Insgesamt ist die Handlung spannend, mitreißend und voller interessanter Wendungen.
Ich habe lange zwischen einer 4 und 5 Sterne Bewertung geschwankt, aber im Vergleich mit anderen Büchern der Autorin tendiere ich zu der niedrigeren Bewertung. Gleichzeitig sind die 4 Sterne hier höher anzusehen, als andere Romane, die ich in der Vergangenheit so bewertet habe.
Angesichts des Klappentextes hatte ich erwartet, dass Freundschaft eine größere Rolle spielen würde. Doch obwohl sie sich durch den Roman zieht, nimmt sie gegenüber aufkommenden Romanzen eine zweitrangige Stellung ein. Das fand ich ziemlich schade, da die Figurenkonstellation der besagten Freundschaft durch entgegengesetzte Loyalitäten sehr spannend war und großes Potenzial hatte, das aber leider nicht weiter verfolgt wurde oder nur in ein zwei knappen Sätzen entschärft wurde.
Ælfric und seine Familie hatten besonders gegen Ende der Handlung hin dermaßen viel Glück und günstige Fügungen, dass es für mich unglaubwürdig wurde. Generell ist das Ende des Romans eine Schwachstelle, angesichts des Könnens der Autorin fand ich es geradezu enttäuschend. Aber das ist Jammern auf hohem Niveau, ich war beim Lesen durchweg unterhalten.
Alles in allem ein spannender historischer Roman, perfekt für alle, die bei der Helmsby-Trilogie einsteigen wollen oder einen Roman suchen, der Englands Chaos kurz vor 1066 verständlich und unterhaltsam erzählt.

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Veröffentlicht am 24.08.2025

Eine junge Frau sucht und findet ihren Weg zu Beginn des 20. Jahrhunderts

Mein Name ist Emilia del Valle
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Emilia del Valle Claro ist ein Kind vieler Welten: Tochter einer strikt katholischen Irin, eines gebildeten Stiefvaters, und leiblich eines abwesenden chilenischen Aristokraten. Ende des 19. Jahrhunderts ...

Emilia del Valle Claro ist ein Kind vieler Welten: Tochter einer strikt katholischen Irin, eines gebildeten Stiefvaters, und leiblich eines abwesenden chilenischen Aristokraten. Ende des 19. Jahrhunderts werden zudem die gesellschaftlichen Rollengefüge durchlässiger und so schafft sie es, zuerst anonym, dann mit eigenem Namen, für eine Zeitung zu schreiben. Als Leser erleben wir, wie Emilia erwachsen wird, sich verliebt und für ihre Stellung als Reporterin kämpft. Schließlich gelangt sie mit einem Kollegen nach Chile, wo sie Zeugin und Berichterstatterin des anbrechenden Bürgerkrieges wird.
Der Roman ist erzählerisch sehr elegant geschrieben, die Bildlichkeit der Beschreibungen geht einem besonders während des Kriegsgeschehens unter die Haut. Allende gelingt, was so viele Autoren vergeblich versuchen: sie schreibt starke Frauencharaktere, die sich durch ihre Ansichten und Möglichkeiten allesamt voneinander unterscheiden und somit authentisch und distinktiv wirken. Das Herz des Romans ist Chile, seine Bevölkerung und sein Bürgerkrieg. All dies war spannend und überaus atmosphärisch zu lesen. Das Ende allerdings war mir persönlich etwas zu langatmig und esoterisch und schien für mich nicht so recht zu dem actionreicheren Geschehen davor zu passen. Gegenüber den schillernden Nebenfiguren ist Emilia eine entschlossene, zugleich in sich ruhende wie sich selbst suchende Gestalt. Doch obwohl ein Ich-Erzähler für gewöhnlich große Nähe schafft, blieben manche von Emilias emotionalen Entwicklungen seltsam unerzählt bzw. wurden erst im Nachhinein zusammengefasst und kamen somit quasi aus dem Nichts. Das war einerseits schade, andererseits wurde dadurch nicht zu viel Raum für romantische Verwicklungen gebraucht, und der Fokus nicht von dem Kriegsgeschehen genommen. Gut gefallen haben mir zudem die eingefügten kurzen Artikel, die Emilia im Laufe der Handlung schreibt. Dadurch wurden wichtige Hintergrundinformationen auf unterhaltsame Weise vermittelt und gleichzeitig Emilias Tätigkeit als Berichterstatterin illustriert.
Alles in allem ein wundervoller Roman mit einer einmaligen Perspektive auf den chilenischen Bürgerkrieg, allen Lesern historischer Romane, für die Romantik keine große Rolle spielt, wärmstens zu empfehlen.

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Veröffentlicht am 20.07.2025

Überzeugender Auftakt einer Trilogie über verschiedene Reisende im Mongolischen Reich

Die Truhe der Schamanin
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Im frühen 13. Jahrhundert sorgt ein Ereignis für Aufregung: eine Tochter Dschingis Khans heiratet. Aus allen Ecken des Mongolischen Reiches strömen Menschen herbei. Mitten darunter Rana, eine Schamanin ...

Im frühen 13. Jahrhundert sorgt ein Ereignis für Aufregung: eine Tochter Dschingis Khans heiratet. Aus allen Ecken des Mongolischen Reiches strömen Menschen herbei. Mitten darunter Rana, eine Schamanin und jüngst Großmutter, die die im Buchtitel genannte entwendete Truhe verfolgt. In ihrer Obhut befindet sich auch Asena, ein kämpferisches Mädchen, das ihr Mutter durch Männer des Khan verlor. Doch auch andere Reisende verfolgen eigene Ziele: Lewellyn, ein verkleideter Ire in Begleitung seines druidischen Großvaters und Dawa, ein tibetischer Mönch, dessen Vergangenheit mit Lewellyns verwoben ist.
Der historische Alltag der Figuren wird lebendig und anschaulich erzählt, ohne gekünstelt zu wirken. In diesen historisch-alltäglichen Details zeigt sich die hervorragende Recherche der Autorin. Es geht rau, locker und humorvoll zu. Besonders gut gefiel mir, wie Spiritualität und Mystik nahtlos in den Alltag eingebunden wird und je nach Person auch nicht immer ganz ernst genommen wird. Gleichzeitig tuen sich durch das Zusammentreffen und den Austausch verschiedener Kulturen und Völker Differenzen und Gemeinsamkeiten auf.
Erzähltechnisch gibt es ebenfalls mehrere Reisen. Rana bewegt sich in der Gegenwart, doch über Lewellyn erfahren wir nach und nach mehr über eine komplexe Vergangenheit, die verschiedene Figuren und weitentfernte Orte miteinander verbindet und deren Konsequenzen die Gegenwart und Figurenkonstellationen des Jahres 1209 prägen.
Die Charaktere sind allesamt sehr distinktiv geschrieben, selbst Nebenfiguren, die nur ein- oder zweimal vorkommen, sind anschauliche und erinnerungswürdige Gestalten. In diesem Zusammenhang sei auch gesagt, dass die Darstellung von historischen und fiktiven Charakteren gut zusammenpasst, es gibt bei Begegnungen mit realhistorischen Personen keinen stilistischen Bruch.
Das Buch endet an einer spannenden Stelle mit einem gemeinen Cliffhanger, durch den man sich die Fortsetzung baldmöglich herbeiwünscht.
Im Anhang finden sich ausführliche Listen zu den historischen und fiktiven Personen sowie den Begrifflichkeiten.
Alles in allem ein gelungener historischer Roman, besonders geeignet für Leser mit Interesse an Alltagskulturen.

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