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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 12.11.2025

Leider mittelmäßig

House of Rayne
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Salems Leben verändert sich von einem Moment auf den anderen. Vor kurzem noch mit Hochzeitstermin und plötzlich alleine Single auf dem Weg zu einem Cottage auf einer kleinen wilden Insel. Da kommt ihr ...

Salems Leben verändert sich von einem Moment auf den anderen. Vor kurzem noch mit Hochzeitstermin und plötzlich alleine Single auf dem Weg zu einem Cottage auf einer kleinen wilden Insel. Da kommt ihr die wunderschöne fremde Frau in einer Bar nur recht. Blöderweise stellt Salem nach ihrem kleinen Techtelmechtel fest, dass Rayne die Inhaberin des Cottage ist, wo sie sich eingemietet hat. Und als wäre das noch nicht genug, scheint die Insel von religiösen Fanatikern besiedelt zu sein. Als dann die ersten Morde geschehen, möchte Salem eigentlich nur weg. Aber die Fähren fahren für den Rest des Jahres nicht mehr.

Das Set-Up für die Story hat mir gut gefallen. Eine isolierte Insel, die von einer furchtbaren Kreatur heimgesucht wird, auf der eine Kirche voller religiöser Fanatiker lebt. Der Teil hat auch Spaß gemacht. Der Horroraspekt des Buches war zwar nichts ausgesprochen einzigartiges, war aber gut und spannend gemacht.
Leider war der erotische Teil meiner Meinung nach sehr unpassend. Wir haben immer wieder den Wechsel zwischen einem Kapitel Sex und einem Kapitel Horror und es war so erwartbar, dass ich planen konnte, welche Kapitel ich auf dem Weg zur Arbeit lesen konnte und welche lieber nicht. Die beiden Hauptcharaktere haben immer wieder Sex, nachdem sie dem furchtbaren Monster des Buches begegnet sind oder Leichen gesehen haben oder ähnliches und es hat sich einfach unpassend angefühlt.
Was schade war, weil die Sexszenen eigentlich sehr respektvoll waren. Sie waren sehr kinky, aber nie in irgendeiner Art und Weise übergriffig.

Das Buch hatte gute Horror- und gute Sexszenen, hat sie dann aber so unfassbar schlecht miteinander verwoben, dass ich das Buch leider nur mittelmäßig fand.

Veröffentlicht am 20.10.2025

Alles für das Wir

Die Spur der Vertrauten
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“Ich ist nichts, Wir ist alles.” Jeder Mensch wird mit einem Instinkt geboren und egal welcher Instinkt es ist, er ist wichtig für die Gesellschaft. Claire ist eine Vertraute, die bald ihren Abschluss ...

“Ich ist nichts, Wir ist alles.” Jeder Mensch wird mit einem Instinkt geboren und egal welcher Instinkt es ist, er ist wichtig für die Gesellschaft. Claire ist eine Vertraute, die bald ihren Abschluss machen wird, als sich das mysteriöse Verschwinden mehrerer Schüler häuft. Auch Goliath fällt das auf. Er muss noch ein Leben retten, um ein Tugendhafter zu werden, so kommen ihm einige Vermisste gerade recht. Die beiden tun sich zusammen, um die Verschwundenen zu finden, und decken dabei nach und nach immer dunklere Machenschaften auf.

Als ich damals “Die Spiegelreisende” von der gleichen Autorin gelesen habe, war ich vollkommen begeistert, weshalb ich mich unheimlich auf diesen neuen Release gefreut habe.
Das Buch hat mich nicht enttäuscht. Christelle Dabos hat einen ganz einzigartigen Schreibstil, der vielleicht nicht jedermanns Sache ist, aber ich finde ihn ganz fantastisch. Ihre Welt ist wirklich kreativ, spannend und ausführlich durchdacht.
In der Welt des Buches haben alle Menschen einen Instinkt, der eine spezielle Reichweite hat und den sie ausüben müssen, um gesund zu bleiben. Diesen Instinkt sollen sie für das “Wir” einsetzen. In dieser Gesellschaft wird gesagt, dass alle Instinkte gleich viel wert sind. Trotzdem gibt es Menschen mit Instinkten, die hervorgehoben werden und besondere Privilegien erhalten.
Alle Personen waren komplett unterschiedlich charakterisiert und sehr unverwechselbar und ich fand sie alle charmant. Auch Charaktere, die nur kurz vorkommen, sind so klar definiert, dass ich am Ende des Buches in alle Charaktere ein bisschen verliebt war.

Das Buch hat mir ganz hervorragend gefallen. Wer “Die Spiegelreisende” mochte, wird auch hier wieder ein ausgezeichnetes Buch finden. Der Schreibstil ist etwas speziell, sodass jeder selbst entscheiden muss, ob man das als lesende Person mag, aber ich habe das Buch so sehr genossen, dass ich es ganz ausdrücklich empfehlen kann.

Veröffentlicht am 01.10.2025

Bezaubernder Schreibstil

Grand Hotel Avalon
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Das Grand Hotel Avalon ist der Inbegriff des Luxus. Reiche Menschen verbringen hier einige Wochen im Jahr und alle ihre Bedürfnisse werden von ihren Lippen abgelesen. Dafür ist June zuständig. Sie ist ...

Das Grand Hotel Avalon ist der Inbegriff des Luxus. Reiche Menschen verbringen hier einige Wochen im Jahr und alle ihre Bedürfnisse werden von ihren Lippen abgelesen. Dafür ist June zuständig. Sie ist die Hotelleitung und sorgt dafür, dass ihre Gäste sorglos glücklich sind, ohne zu sehen, wie viel Aufwand das Personal dafür aufbringt. Doch der Zweite Weltkrieg macht auch vor ihnen nicht halt. Bald müssen June und ihr Personal jede Menge Diplomaten der Achsenmächte einquartieren. Das ist nicht nur für das Personal herausfordernd, sondern auch für das sensible Ökosystem, von dem das Avalon Teil ist. Nun ist es an June die Balance zu halten.

Maggie Stiefvater ist meine absolute Lieblingsautorin. Sie hat einen ganz bezaubernden Schreibstil und ihre Bücher können mich immer wieder begeistern. Folglich hatte ich beängstigend hohe Ansprüche an das Buch. Ich kann hiermit zufrieden behaupten, dass sie erfüllt wurden.
Auch in diesem Buch sind die Beschreibungen von Charakteren und Gegenden so unheimlich poetisch, dass es einfach eine reine Freude ist, dieses Buch zu lesen. Mit nur wenigen Worten schafft Maggie Stiefvater es, ein umfassendes und lebendiges Bild ihrer Charaktere zu zaubern.
Beim Thema des Buches war ich erst etwas skeptisch, aber es wurde herrlich umgesetzt. Die Autorin schafft es, die furchtbaren Schrecken der Nazis darzustellen und sie trotzdem zu vermenschlichen, sodass man die seelische Zerrissenheit der Charaktere im Buch gut nachempfinden kann. Es setzt sich auch mit Klassismus auseinander und wie sich das vor allem in dieser luxuriösen Welt auswirkt. Mir hat gefallen, dass das Buch sich mit Ableismus beschäftigt, was ja vor allem im Hinblick auf die Nazis erschreckend prävalent ist.
Der Fantasy Aspekt der Geschichte hat mir gut gefallen. Es ist zugleich magisch und bedrückend und hat sich sehr gut mit den restlichen Themen ergänzt.

Maggie Stiefvaters Bücher sind wie Magie und auch dieses ist wieder etwas ganz Besonderes.

Veröffentlicht am 20.09.2025

Eine einengende Prophezeiung

Nightblood Prince
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Die Kaiserin aller Kaiserinnen wird das Volk einen. Diese Prophezeiung wurde zu Feis Geburt ausgesprochen. Daraufhin wurde sie schon im Kindesalter mit dem Sohn des Kaisers verlobt. Das Leben im Palast ...

Die Kaiserin aller Kaiserinnen wird das Volk einen. Diese Prophezeiung wurde zu Feis Geburt ausgesprochen. Daraufhin wurde sie schon im Kindesalter mit dem Sohn des Kaisers verlobt. Das Leben im Palast und mit den Erwartungen ihrer Prophezeiung empfindet Fei als beengend und sie möchte sich daraus befreien. Dafür hat sie einen Plan, der jedoch etwas aus dem Ruder gerät, als Fei dem Prinzen eines verfeindeten Reiches das Leben rettet.

Das Buch hat mir anfangs ausgesprochen gut gefallen. Fei setzt sich für ihre Wünsche und höhere Ziele ein und steht dazu auch widrige Umstände durch. Sie setzt sich klar mit dem vorherrschenden Sexismus auseinander und vertritt eine anti-imperialistische Meinung, die sehr gut im Gegensatz zum laufenden Krieg steht.
Leider verliert sie im Laufe des Buches ihre gesamte Eigenständigkeit. Egal, was sie tut, Yexue oder Siwang wissen bereits davon. Ihre Handlungen sind hinfällig, weil sie fast keinen Einfluss haben und ihre Probleme immer wieder von jemand anderem gelöst werden. Auch ihre letzte große Handlung im Buch gelingt nicht wegen ihrer eigenen Fähigkeiten oder ihrem Geschick, sondern weil es jemand anders für sie macht.
Auch die Romanze funktioniert meiner Meinung nach nicht. Beide Typen sind irgendwie fragwürdig, was ich eigentlich ganz cool finde, weil Fei ihnen ganz klar sagt, dass sie beide eigentlich nicht gut genug für sie sind. Was mich jedoch wieder stört, ist, dass es bei einem von beiden einfach die große Liebe ist ohne vernünftigen Beziehungsaufbau. Generell haben sich beide Liebesbeziehungen sehr flach angefühlt, ohne besonders charmant zu sein.

Das Buch hat stark angefangen und dann aber auch stark nachgelassen, was wirklich überaus schade war.

Veröffentlicht am 09.09.2025

Highway to Hell

Katabasis
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Alice ist Studentin der Analytischen Magie in Cambridge. Sie war auf dem besten Weg, ihren Abschluss beim besten Magieprofessor der Gegenwart zu machen. Leider stirbt genau dieser Professor bei einem grauenvollen ...

Alice ist Studentin der Analytischen Magie in Cambridge. Sie war auf dem besten Weg, ihren Abschluss beim besten Magieprofessor der Gegenwart zu machen. Leider stirbt genau dieser Professor bei einem grauenvollen Unfall, der während eines magischen Experiments passiert. Ein Experiment, bei dem Alice die Sicherheit kontrollieren sollte. Zum Glück weiß niemand von ihrer Mitschuld und so macht sie sich auf den Weg in die Hölle, um ihren Professor zu retten. Wäre da nur nicht Peter Murdoch, mit dem Alice eine Vergangenheit hat und der sich in die Rettungsaktion einklinkt.

Ich habe schon mehrere Bücher von R. F. Kuang gelesen. Sie hat einen kunstvollen und ausdrucksstarken Schreibstil. Daher war “Katabasis” auch eines der Bücher, worauf ich mich in diesem Jahr am meisten gefreut habe. Das Thema hat mich sehr angesprochen. Ein Trip in die Hölle aus akademischer Sicht mit vielen wissenschaftlichen und philosophischen Ansichten, das klang herrlich.
Das Buch selbst hat mich aber leider eher zwiegespalten zurückgelassen. Den Anfang fand ich herausragend. Das Magiesystem fand ich ebenso kreativ, einzigartig und faszinierend, wie das in “Babel”. Der Abstieg in die Hölle und die Rückblenden in Alice und Peters Vergangenheit sind gelungen und geben uns einen guten Einblick in ihre Ansichten, Persönlichkeiten, Beziehungen und Schwächen. Das Buch hat dabei einen klaren Fokus auf Elitismus und Sexismus in akademischen Zirkeln. Wir können sehen, was für toxische Verhältnisse in akademischen Kreisen herrschen, wo jeder den anderen ausnutzt und Menschen sich bis zur Erschöpfung abarbeiten nur um eine Mitautorenschaft oder ein Empfehlungsschreiben zu bekommen. Studierende und Lehrende werden für ihre körperlichen Bedürfnisse abgestraft und das Geistige wird über alle Maße erstrebt. Dieser Blick ist zynisch, wirkt aber leider auch gar nicht so unrealistisch. Auch den Sexismus der akademischen Welt können wir dank Alice hautnah erleben und es ist wirklich frustrierend.
Der Trip durch die Hölle hat sich teilweise ganz schön gezogen und gegen Ende haben sich einige Stellen vollkommen wirr und zusammenhangslos angefühlt. Das hat mir das Buch leider ganz schön versaut. So wurde aus einem guten Buch eine eher mittelmäßige Erfahrung.

Das Buch ist meiner Meinung nach nicht so gut geschrieben wie ihre anderen Bücher und auch wenn es nicht das schlechteste Buch ist, würde ich jedem, der etwas von R. F. Kuang lesen möchte, stattdessen “Babel” empfehlen.

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