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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 03.08.2025

Grausamkeit aus Mutterliebe

The Book Eaters
4

Die Buchesser sind mysteriöse Kreaturen, die vom Sammler auf die Erde gesetzt wurden, um Informationen zu sammeln, indem sie Bücher essen. Ihre Gesellschaft ist vom Patriarchat geprägt. Sie verheiraten ...

Die Buchesser sind mysteriöse Kreaturen, die vom Sammler auf die Erde gesetzt wurden, um Informationen zu sammeln, indem sie Bücher essen. Ihre Gesellschaft ist vom Patriarchat geprägt. Sie verheiraten die wenigen Buchesserinnen, die es gibt, um die Erbfolge zu sichern und möglichst frei von Inzucht zu halten. In dieser Gemeinschaft wächst Devon auf. Zuerst als kleine Prinzessin, die aufgrund ihres Geschlechts niemals richtig Ärger bekommt. Nach ihrer ersten Hochzeit begreift sie jedoch, dass sie in einem goldenen Käfig lebt, die anderen Buchesser ihrer Familie sich aber nicht zu schade sind, auch Gewalt anzuwenden, wenn sie sich nicht fügt. Und fügen möchte Devon sich nicht, denn ihr Sohn wird als Gedankenesser geboren und diese werden entweder in absoluten Gehorsam gezwungen oder getötet. Sie wird ihren Sohn retten. Koste es, was es wolle.

Das Buch ist sehr düster. Das ist meiner Meinung nach wichtig zu wissen, da es düsterer war, als ich erwartet hätte, vor allem weil es keine Triggerwarnungen hat.
Dieser düstere Ton zieht sich durch das ganze Buch und wird beharrlich beibehalten. Trotz dessen fühlt es sich an keiner Stelle an, als wäre es nur so geschrieben, um die Leser zu schockieren. Stattdessen dient es dazu, die Kaltherzigkeit von Devons Welt herauszukristallisieren und zu zeigen, zu welcher Grausamkeit Devon aus Mutterliebe fähig ist.
Devons Charakter ist spannend. Sie ist nicht besonders sympathisch, aber wir erhalten einen guten Einblick, wieso sie ihre Entscheidungen auf die Art und Weise trifft, wie sie es tut. Ihre Entscheidungen sind berechnend und gar grausam, aber sie machen im Bild der Welt zu jeder Zeit Sinn.
Die Twists in der Geschichte fand ich gelungen. Auch wenn sie nicht absolut unvorhersehbar waren, haben sie der Geschichte immer eine ganz neue Dynamik gegeben.
Die Mythologie der Buchesser fand ich einzigartig. Es war mal etwas ganz Neues. Ich fand es auch gut umgesetzt, wie Buchesser eine ganz andere Moralvorstellung als die Menschen hatten, auch wenn die patriarchalen Strukturen ihrer Gemeinschaft sich wie das Extrem unserer heutigen Welt, vor allem mit Blick auf bestimmte Länder, angefühlt haben. Mir hat gefallen, über sie zu lernen, auch wenn ich mir vom Buch noch eine tiefgreifendere Betrachtung gewünscht hätte.

Insgesamt bietet das Buch eine gelungene, düstere Geschichte, von der ich mir persönlich noch ein bisschen mehr erhofft hätte.

  • Einzelne Kategorien
  • Handlung
  • Erzählstil
  • Charaktere
  • Cover
  • Fantasy
Veröffentlicht am 28.07.2025

Leider sehr wirr

Onigiri
1

Im Buch geht es um Aki, deren Mutter dement ist. Als sie erfährt, dass ihre Großmutter gestorben ist, nimmt sie ihre Mutter noch ein letztes Mal mit nach Japan, damit sie noch einmal ihre frühere Heimat ...

Im Buch geht es um Aki, deren Mutter dement ist. Als sie erfährt, dass ihre Großmutter gestorben ist, nimmt sie ihre Mutter noch ein letztes Mal mit nach Japan, damit sie noch einmal ihre frühere Heimat und ihre Familie sehen kann.

Ich mochte das Buch anfangs gerne. Es hatte so ein präzises, realistisches und trotzdem sachtes Bild von einer Person mit Demenz. Das hat mich berührt, weil eines meiner Familienmitglieder an Demenz erkrankt war und es vor allem für die, die ihr am nächsten standen, manchmal schwierig war, sich diese Sanftheit zu bewahren. Das Buch zeigt auch ganz klar, was für eine schwierige Situation es ist, wenn die eigene Mutter an Demenz erkrankt und wie das Aki und ihren Bruder belastet hat.
Die kulturellen Differenzen zwischen der deutschen und japanischen Kultur waren aus Akis Kindersicht sehr eindrücklich.
Leider war das auch schon der letzte positive Punkt meinerseits. Die Erzählung war insgesamt sehr wirr. Wir sind in der Zeit viel herumgesprungen, sodass oft nicht klar war, ob die letzte Szene in der Gegenwart, vor oder nach der danach spielt.
Ich habe sehr, sehr lange an dieser Novelle gelesen, was bezeichnend ist, wenn man bedenkt, wie kurz sie ist.

Es gab einige sehr gelungene Aspekte, die aber durch das Wirrwarr des Textes unheimlich untergegangen sind. Ich kann das Buch leider nicht empfehlen, werde die Autorin aber auf jeden Fall im Auge behalten.

Veröffentlicht am 06.07.2025

Sehnsucht

Die Geschichte des Klangs
0

Im Buch geht es um Lionel, der in einem Frühling David kennenlernt. Sie verbringen den schönsten Sommer ihres Lebens zusammen, in dem sie Lieder auf Wachswalzen sammeln, und sehen sich danach nie wieder. ...

Im Buch geht es um Lionel, der in einem Frühling David kennenlernt. Sie verbringen den schönsten Sommer ihres Lebens zusammen, in dem sie Lieder auf Wachswalzen sammeln, und sehen sich danach nie wieder. Eines Tages tauchen die Wachswalzen in einem Paket bei Lionel auf und er schwelgt in den Erinnerungen dieses unvergesslichen Sommers.

Der Schreibstil des Buches ist wunderschön poetisch. Er hat mich in seinen Bann gezogen und trotz der Kürze des Buches absolut verzaubert. Der Autor schafft es mit ganz wenigen Worten, ein tiefes Gefühl der Nostalgie entstehen zu lassen nach vergangenen besseren Tagen. Nach diesem einen wunderschönen Lebens definierenden Sommer, nach dem sich der Hauptcharakter immer sehnen wird.
Im zweiten Teil lesen wir von Annie, die diejenige ist, die die Wachswalzen wiederentdeckt. Zuerst fand ich den Umschwung sehr irritierend, weil ich gerade von diesem Mann gelesen habe, der eine unbeschreibliche Nostalgie fühlt, und jetzt plötzlich von dieser Frau, die eben diesen Mann im Fernsehen sieht. Der Autor hat es jedoch geschafft, starke Parallelen zu der Sehnsucht zu ziehen, die beide Figuren erfasst hat.

Das Buch beschreibt Sehnsucht und Nostalgie so greifbar, dass ich ungeheuer beeindruckt war.

Veröffentlicht am 29.06.2025

Enttäuschend

Die Sprache der Drachen
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Vivien Featherswallow ist ein Ass in Sprachen. Sie spricht sowohl mehrere Menschen- als auch Drachensprachen und möchte an der Akademie studieren. Doch als ihre Eltern als Rebellen verhaftet werden, sieht ...

Vivien Featherswallow ist ein Ass in Sprachen. Sie spricht sowohl mehrere Menschen- als auch Drachensprachen und möchte an der Akademie studieren. Doch als ihre Eltern als Rebellen verhaftet werden, sieht sie keinen anderen Ausweg, als an einem Geheimprojekt der Regierung teilzunehmen. Dabei soll sie eine bisher unbekannte Drachensprache übersetzen, von der die Drachen, auch die auf der Seite der Regierung, nicht wollen, dass die Menschen sie erlernen. Umso weiter Viv in ihrer Übersetzung fortschreitet, umso klarer wird, dass sie alle angelogen werden.

Der Anfang des Buches hat mir gut gefallen. Ich fand es spannend, dass wir in unserer Welt sind, die Drachen aber vollständig als Mythologie integriert sind. Ich war gespannt, wie die Autorin das umsetzen würde. Nachdem ich das Buch fertig gelesen habe, kann ich sagen: Nicht besonders gut.
Zuerst einmal gibt es eine Segregation der Drachen und Menschen, was für die Geschichte zwar Sinn macht, aber leider verhindert, dass die Mythologie gut in die Welt integriert ist.
Außerdem sind die Beziehungen zwischen den Charakteren bestenfalls lauwarm. Sie werden einfach nicht natürlich aufgebaut. Stattdessen interagieren sie kaum und plötzlich sind sie Freunde oder hassen sich. Die Liebesgeschichte ist davon auch betroffen.
Auch die ganze Geschichte der Rebellion war schwach aufgebaut. Sie sind an Stellen stehen geblieben, die sie sabotiert haben, oder haben lautstark über ihre Umsturzpläne gesprochen. Es hat sich einfach albern angefühlt.
Viv ist eine sehr anstrengende Charakterin. Ich verstehe, dass es darum geht, dass sie versucht, damit klarzukommen, dass sie ihr gesamtes Leben Propaganda gehört hat und diese internalisiert hat und nun muss sie versuchen, ihrer Moral zu folgen. Das hätte auch unheimlich spannend sein können, aber leider schwankt sie ständig hin und her und trifft teilweise die hirnrissigsten Entscheidungen.

Die Geschichte hat ein beeindruckendes Gerüst, in das dann leider jede Menge Müll gekippt wurde. Folglich kann ich persönlich nur von dem Buch abraten.

Veröffentlicht am 29.06.2025

Ruhe und Schlaf

Der Schlaf der Anderen
0

Im Buch geht es um Janis, die in einer Schlafklinik arbeitet. Schon lange lebt sie entgegen des Tagesablaufs normaler Menschen und fühlt sich nicht mit ihnen verbunden. Eines Tages kommt Sina in die Klinik, ...

Im Buch geht es um Janis, die in einer Schlafklinik arbeitet. Schon lange lebt sie entgegen des Tagesablaufs normaler Menschen und fühlt sich nicht mit ihnen verbunden. Eines Tages kommt Sina in die Klinik, um ihre Schlafprobleme abzuklären und beide bilden eine zarte Freundschaft, die ihnen vielleicht aus ihrer überwältigenden Schlaflosigkeit hilft.

Die Autorin betrachtet ein spannendes Thema, das auch mir nahe geht. Schlaf ist schon immer etwas, das persönlich viel Anstrengung benötigt, während andere es eben “im Schlaf können”.
Das Buch beschäftigt sich damit, wie unsere Gesellschaft Schlaf betrachtet. Als etwas, das funktionieren muss, damit du morgen wieder arbeiten kannst. Als etwas, das man nicht in der Öffentlichkeit tun sollte, weil es bedeutet, dass die Person vom Schlaf überwältigt wurde. Diese Perspektive fand ich unheimlich spannend.
Das alles haben wir betrachtet, während wir die zarte und sanfte Freundschaft sehen konnten, die sich zwischen Janis und Sina entsponnen hat. Diese Freundschaft hat den beiden eine neue Perspektive und Kraft gebracht, die sehr motivierend zu sehen war.

Das Buch hat sich sehr tiefgreifend und sacht angefühlt und ich kann es jedem empfehlen, der sich auch nur ein bisschen von dem Thema angesprochen fühlt.