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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 26.03.2025

Wissenschaftlich aber zu autobiografisch

Das Zeitalter des magischen Zerdenkens. Notizen zur modernen Irrationalität
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Die Autorin nutzt das Buch, um der lesenden Person verschiedenste psychische Phänomene nahe zu bringen. Es geht vor allem darum, inwieweit das evolutionär bedingt ist, was uns in unserer digitalen Welt ...

Die Autorin nutzt das Buch, um der lesenden Person verschiedenste psychische Phänomene nahe zu bringen. Es geht vor allem darum, inwieweit das evolutionär bedingt ist, was uns in unserer digitalen Welt aber meistens nicht sehr viel weiterbringt, sondern eher behindert.

Das Buch behandelt viele verschiedene psychologische Phänomene, die auch sehr gut nachgewiesen werden. Ich fand es sehr spannend, dass man sich in einigen wiederfinden konnte und man diese Informationen benutzen kann, vielleicht etwas sensibler mit dem Internet zu agieren.
Ich habe ein wenig mit dem Schreibstil gehadert. Er ist nicht sehr ernst, sondern humorvoll übertrieben. Dabei sorgt das zum einen dafür, dass sich das Buch gut liest, zum anderen hätte ich mir einen etwas seriösere Herangehensweise gewünscht. Das Buch ist auch sehr viel autobiografischer, als ich jemals gedacht hätte. Dadurch erscheint das Buch sehr viel anekdotischer, als ich es mir gewünscht hätte.

Trotz des Schreibstil, bei dem ich mir nicht sicher bin, ob er dem Buch dient oder eher schadet, enthält das Buch viele sehr spannende Fakten, bei denen man sich selbst vielleicht einmal zu oft wiederfindet. Ich werde mir auf jeden Fall andere Bücher der Autorin anschauen.

Veröffentlicht am 26.03.2025

Erschreckend, erschütternd, hoffnungsvoll

Tuberkulose
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“Nichts ist so privilegiert wie die Annahme, die Geschichte wäre Vergangenheit.” (S. 14)
Ebenso wie der Autor hatte ich angenommen, dass Tuberkulose oder auch Schwindsucht eine Sache der Vergangenheit ...

“Nichts ist so privilegiert wie die Annahme, die Geschichte wäre Vergangenheit.” (S. 14)
Ebenso wie der Autor hatte ich angenommen, dass Tuberkulose oder auch Schwindsucht eine Sache der Vergangenheit ist. Dass es eine furchtbare Krankheit in der Geschichte der Menschheit ist, die wir zu unser aller Erleichterung heilen können und die der Vergangenheit angehören. In diesem Buch lernen wir, dass diese Annahme leider naiv ist und wieder einmal die schlechtesten Seiten der Menschheit außer Acht lässt: Klassismus, Rassismus, Kolonialismus.

Genau darauf konzentriert sich das Buch folglich. Es zeigt den Klassismus und Rassismus in unserer Welt auf, der historisch bedingt besteht, aber auch noch heute seine hässlichen Seiten zeigt. Dafür angeln wir uns an der Geschichte Henrys entlang, der in Sierra Leone lebt, Tuberkulose hat und in einem Krankenhaus um sein Überleben kämpfen muss. Es zeigt dabei den Blick auf eine westliche Gesellschaft, die in anderen Ländern zum Teil nicht hilft, weil es sich ja nicht lohnt. Das Buch ist sehr aufrüttelnd und erschütternd.
Der geschichtliche Teil am Anfang des Buches liest sich wahnsinnig absurd, weil die Sicht auf Tuberkulose geprägt war von Aberglauben und Vorurteilen. Und wenn man denkt, na immerhin wissen wir heute, dass es eine bakterielle Infektion ist und wie man sie heilt, zeigt der Autor, was für schreckliche Vorurteile auch heutzutage noch bestehen.
Tatsächlich endet das Buch dann aber so ermutigend, dass ich wirklich große Hoffnung habe, dass dank größerer Aufklärung und der wertvollen Arbeit aller AktivistInnen und ÄrztInnen das Problem angegangen werden kann.

Das Buch zeigt ein wirklich wichtiges und in Europa bisher medial wenig behandeltes Thema, das wir unbedingt angehen müssen. Wie das Buch aufgebaut ist, spricht dabei von einer großen Kunstfertigkeit und ich kann es wirklich nur empfehlen.

Veröffentlicht am 16.03.2025

Träume stehlen und Alpträume verteilen

Nachtlügen
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Isra ist ein Nachtmahr. Nachts schleicht sie sich in die Häuser anderer, um deren Träume zu stehlen und ihnen Alpträume zu schenken. Tagsüber arbeitet sie im Variete und muss sich mit den Wünschen der ...

Isra ist ein Nachtmahr. Nachts schleicht sie sich in die Häuser anderer, um deren Träume zu stehlen und ihnen Alpträume zu schenken. Tagsüber arbeitet sie im Variete und muss sich mit den Wünschen der Gäste rumschlagen. Seit sie durch einen ihrer Alpträume einen Menschen getötet hat, gerät ihr Leben immer mehr außer Kontrolle. Doch dann trifft sie Marek und gemeinsam mit ihm finden sie mehr und mehr heraus über das Monster, das sich in allen von Isras Alpträumen aufhält. Und plötzlich muss sie sich fragen, wem sie in ihrem Leben trauen kann.

Ich fand das Thema Nachtmahre sehr interessant. Es ist eine eher ungewöhnliche Fantasykreatur, über die es nicht besonders viele Bücher gibt. Ich fand es sehr gut umgesetzt. Das Worldbuilding ist gut durchdacht. Wir erhalten zwischen den Kapiteln Einblicke in die Welt. Wir sehen Transkriptionen von Podcasts, Zeitungsausschnitte und Buchausschnitte von berühmten Nachtmahren. Dabei fand ich es vor allem spannend, wenn es um die wissenschaftliche Forschung ging, weswegen die Nachtalbe Albträume abgeben müssen und Träume brauchen.
Die Story ist wahnsinnig spannend und wartet auf mit einigen spannenden Twists. Das Thema Träume war ganz fantastisch. Ich fand es besonders gut, dass es politische Spannungen im Buch gab und tatsächlich auch moralische Bedenken bezüglich des Traumerntens von unterschiedlichen Seiten angeschaut wurden.

Das Buch setzt ein noch unbeschriebenes Thema ausgezeichnet um. Wer zwischen den ganzen Fae und Vampiren mal ein neues Thema braucht, wird an diesem Buch definitiv Freude haben.

Veröffentlicht am 13.03.2025

Nicht ausgesprochen gut, aber unterhaltsam

Die Skaland-Saga, Band 1 - A Fate Inked in Blood
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In Skarland herrschen die Götter. Sie beeinflussen die Geschicke der Menschen. Die einzigen Menschen, deren Leben nicht vorgeschrieben sind, sind diejenigen, die einen Tropfen Blut der Götter in ihrem ...

In Skarland herrschen die Götter. Sie beeinflussen die Geschicke der Menschen. Die einzigen Menschen, deren Leben nicht vorgeschrieben sind, sind diejenigen, die einen Tropfen Blut der Götter in ihrem Körper haben. Sie haben besondere Fähigkeiten, je nachdem, welcher Gott ihnen einen Tropfen gespendet hat. Freya ist eine dieser Menschen. Sie muss ihre Fähigkeiten jedoch verstecken, da es eine Vorhersage über sie gibt, nach der sie diejenige ist, die dem König zum Aufstieg verhelfen wird und die zersplitterten Völker eint. Als sie entdeckt wird, wird sie gezwungen, den momentanen Häuptling von Skarland zu heiraten. Leider hat dieser einen überaus hübschen Sohn, von dem sich Freya zu ihrem Horror mehr und mehr angezogen fühlt.

Das Buch ist nicht herausragend, aber es war unterhaltsam. Die nordische Mythologie darin hat mir gut gefallen. Die Art und Weise wie die Götter dargestellt wurden mochte ich gerne. Sie sind immens mächtig und doch sind sie wütend, jähzornig, hinterhältig, hilfsbereit.
Die beiden Hauptcharaktere haben sich sofort zueinander hingezogen gefühlt, was ich persönlich nicht mag. Sie waren sofort sehr horny. Ich mag es lieber, wenn sich Beziehungen langsam aufbauen. Abseits dessen fand ich ihre Beziehung in Ordnung. Sie haben sich aufgezogen, man hat aber auch gemerkt, wie viel sie einander bedeuten. Ihr Rumgeplänkel war an manchen Stellen etwas unangebracht, aber vielleicht ist es auch nur meine persönliche Ansicht, nicht in einer Gruppe unter Lebensgefahr zu fummeln. Jedem das Seine. Grundsätzlich hat mir gefallen, dass sie ihre Beziehung geheim halten mussten, weil das Spannung reingebracht hat, die beiden waren nur auch ausgesprochen schlecht darin.
Letztendlich fand ich das Buch unterhaltsam, aber es war nicht herausragend. Ich habe mich darüber gefreut, mal wieder ein Buch zu lesen, in dem die nordische Mythologie nicht nur als Urban Fantasy vorkommt.

Wen der Klappentext anspricht und jetzt nicht gerade nach der innovativsten neuen Fantasy Story sucht, ist hier gut bedient.

Veröffentlicht am 13.03.2025

Als das Weltall auf die Erde kam

Lyneham
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Das Weltall ist auf die Erde gekommen. Das letzte Überbleibsel der Menschheit ist nach Perm aufgebrochen. Ein Mond am anderen Ende des Sonnensystems. Ihre einzige Chance ist, dort noch einmal eine Zivilisation ...

Das Weltall ist auf die Erde gekommen. Das letzte Überbleibsel der Menschheit ist nach Perm aufgebrochen. Ein Mond am anderen Ende des Sonnensystems. Ihre einzige Chance ist, dort noch einmal eine Zivilisation aufzubauen. Doch das Ökosystem auf Perm ist seltsam und unfreundlich. Zumindest menschenunfreundlich. Es gibt jede Menge andere Kreaturen.
Die Familie Meadows ist unter den Überlebenden und nachdem sie auf Perm angekommen sind, warten sie sehnsüchtigst auf ihre Ehefrau und Mutter, die mit einem späteren Schiff ankommen sollte. Doch es häufen sich Hinweise, dass irgendetwas auf Perm nicht stimmt und die ursprünglichen Pläne über den Haufen geworfen wurden.

Dieses Buch war ausgezeichnet durchdacht. Die Scifi hat sich wirklich hochwissenschaftlich angefühlt und ich war fasziniert, was für ein ausgiebiges neues Ökosystem der Autor sich hier ausgedacht hat. Es war wirklich hochspannend, zu sehen, wie sich die Geschichte entwickelt und dabei gab es immer wieder Eröffnungen, die ich zwar nicht als Plottwists bezeichnen würde, aber deren Informationen so befriedigend in die Geschichte gepasst haben, dass es wirklich eine Freude war.
Es behandelt unter anderem auch die Klimakrise und wie das ein Auslöser dafür ist, diesen neuen Mond zu besiedeln. Dabei beschäftigt es sich auch damit, wie die Menschen das Klima und die Umwelt Perms verändern. Ich finde es dabei echt spannend, was sich der Autor gedacht hat, bei dieser vollkommen neuen Evolution und wie der Mensch da nun reinpasst oder halt nicht.
Das Buch war auf dem besten Weg eines meiner Jahreshighlights zu werden. Leider war das Ende nicht so befriedigend, wie ich es vom Rest des Buches gewohnt war. Wahrscheinlich ist es auch etwas schwierig, nach so einem hochkomplexen und gelungenen Worldbuilding einen angemessenen Abschluss zu finden. Trotzdem lässt es mich mit einem leicht bitteren Geschmack zurück.

Das Buch ist wirklich zu empfehlen für jeden, der komplexe und tief durchdachte Scifi mag.