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Veröffentlicht am 29.08.2024

Ein richtiger Brocken

Genau so, wie es immer war
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„Genauso, wie es immer war“, von Claire Lombardo, ist ein richtiger Brocken, sowohl vom Umfang als auch inhaltlich.
Dem Leser wird durch ständige Zeitsprünge und die Einführung neuer Personen einiges abverlangt. ...

„Genauso, wie es immer war“, von Claire Lombardo, ist ein richtiger Brocken, sowohl vom Umfang als auch inhaltlich.
Dem Leser wird durch ständige Zeitsprünge und die Einführung neuer Personen einiges abverlangt. Es viel mir schwer den Faden zu behalten und zu Beginn eines neuen Kapitels dieses auch zeitlich einzuordnen. Hilfreich wären Teilüberschriften und eine Namenslegende. In der Mitte des Buches bin ich endlich in der Geschichte angekommen. Eine Geschichte um den ganz normalen Wahnsinn einer Familie.
Die Geschichte selbst hat mich sehr angesprochen und thematisch sehr in seinen Bann gezogen. Wenn ich auch noch deutlich jünger bin als sie Protagonisten, so kann ich dennoch vieles nachvollziehen. Ich finde die ehrliche Darstellung einer Partnerschaft, mit seinen Sonnen - und Schattenseiten, sehr gelungen. Hierbei gibt Claire Lombardo viele Beispiele, wie sich bspw. mit den Kindern die Ehe und der Alltag verändern. Innerlich lachen konnte ich als Pädagogin besonders bei der Darstellung und Beschreibung der Verhaltensweisen der Teenager. Ich fand dieses Buch anfänglich sehr anstrengend, wurde mit jedem Kapitel jedoch immer wärmer damit und habe die Familiengeschichte schließlich sehr genießen können. Sehr detailgetreu entführt die Autorin uns auf rund 700 Seiten in das Leben von Julia als Mutter und Ehefrau und die damit verbundene Gefühlswelten. Julia ist nicht die sympathischste Protagonisten, dennoch kann man sich hier und da gut ihr identifizieren. Das von Lombardo gewählte Ende hätte es meiner Meinung nach so nicht gebraucht, es brauchte die anfängliche Verwirrung zurück.
Das Buchcover ist wunderschön und passend gewählt. Ich würde das Buch alles in allem mit gutem Gewissen weiterempfehlen.

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Veröffentlicht am 10.08.2024

Durchwachsen

Das Pfauengemälde
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"Die Briefmarken schnitt er aus, legte sie in Wasserschalen
und dann auf Zeitungspapier. Das Album mit den rumänischen
Marken war das dickste, oft sah ich ihn spät am Abend
mit der Pinzette darüber gebeugt ...

"Die Briefmarken schnitt er aus, legte sie in Wasserschalen
und dann auf Zeitungspapier. Das Album mit den rumänischen
Marken war das dickste, oft sah ich ihn spät am Abend
mit der Pinzette darüber gebeugt sitzen, als könnten die bunten
Papierstücke das zurückbringen, was er verloren hatte: seine
Heimat, seinen Wohlstand, seine Anerkennung." - so spannend, und beinahe literarisch unübertrefflich, beginnt der neue Roman der Autorin Maria Bidian.
Er besticht durch ein atemberaubendes Buchcover, welches einem Gemälde gleicht und spielt im fernen Rumänien.
Erwartet hatte ich eine interessante Familiengeschichte mit Themen, wie Aufarbeitung der Vergangenheit oder Überwindung von vererbten Traumata, denn im Zentrum des Romans steht eine besondere Vater-Tochter-Beziehung. Einst war Nicu, der mittlerweile verstorbene Vater von Ana, ein Widerstandskämpfer in Rumänien, welcher nach längerer Inhaftierung und Enteignung gezwungen war nach Deutschland auszuwandern. Er versuchte jedoch immer wieder nach Rumänien zurück zu kehren und sein Haus und das darin befindliche Pflaumengemälde, zurückzubekommen. Nach Nicus Tod reiste stattdessen Ana nach Rumänien, um das Gemälde als Erinnerung an ihren Vater zu bekommen.
Die Geschichte beginnt spannend, verliert sich dann aber leider irgendwann und sowohl die Vater-Tochter-Beziehung, als auch die Suche nach dem Pfauengemälde rücken weit in den Hintergrund. Der Roman erzählt stattdessen in ständigem Perspektivwechsel und Zeitsprüngen den bürokratischen Aufwand und Werdegang der Beschaffung von Anas rumänischen Papieren. Auch werden ständig neue Familienmitglieder vorgestellt, was den Überblick und vor allem den Fokus verlieren lässt. Der Schreibstil ist unübertrefflich, doch auf einen Spannungsbogen wartet man vergebens. Ein sehr ruhiger Roman, der inhaltlich leider nicht viel hermacht, schade.

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Veröffentlicht am 18.07.2024

Geht so

Mitte des Lebens
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Mitte des Lebens- eine Philosophie der besten Jahre ist des neuste Werk der Schweizer Autorin Barbara Bleisch. Eindrucksvoll betrachtet sie die Mitte des menschlichen Daseins aus einer philosophischen ...

Mitte des Lebens- eine Philosophie der besten Jahre ist des neuste Werk der Schweizer Autorin Barbara Bleisch. Eindrucksvoll betrachtet sie die Mitte des menschlichen Daseins aus einer philosophischen Sicht und beleutet hierbei sachlich und teils liebevoll persönlich, die damit verbundenen Vor- und Nachteile des Alterns. Von der Selbstfinding bis hin zur midlife crisis werden hier einige Klischees bedient. Wer ein solches Werk liest, muss sich bewusst sein, keinen Roman, sondern die Auseinandersetzung mit einem speziellen Lebensabschnitt zu studieren, der sachbezogen durch Studien und Statistiken begleitet wird. Dieses Buch spricht dennoch viele spannende Themen an und wirft Fragen in den Raum, mit welchen sich die meisten von uns früher oder später auseinander setzen müssen. Für mich mit Mitte Dreißig, sind Themen wie das eigene Ableben oder die Altersvorsorge der Eltern, noch keine zumutbar relevanten Fragen, mit denen ich mich jetzt gern befassen möchte. Der persönliche Bezug, das die Autorin über eine schwer erkrankte Freundin berichtet, macht das Werk weniger unnahbar und greifbarer. Wenn dieses Werk auch sehr gut recherchiert scheint und für viele evtl den Nagel auf den Kopf trifft, so war er für mich nicht das Richtige und hat mich eher deprimiert. Wir setzen uns viel zu häufig mit den angeblich "existentiellen Fragen des Lebens"auseinander wie, bin ich glücklich dort wo und mit wem ich dort gelandet bin, mit dem was ich erreicht und was ich mir aufgebaut habe oder habe ich etwas verpasst. Die Welt in der wir aktuell leben bietet mitunter vielleicht auch zu viele Möglichkeiten sich immer wieder neu zu erfinden, Angst zu haben etwas verpassen zu können, sich vergleichen zu müssen und nach immer Höherem zu sterben. Ich empfinde diese Ratlosigkeit als ein krankhaftes Erscheinungsbild, das wir dringend versuchen sollten aufzubrechen und uns mehr dem zu widmen, was wir haben und den Moment einfach zu genießen. In Würde altern, wieder genügsamer werden und andere Lebensweisen für das nächste Leben aufsparen - meine Meinung! Alles in allem ein interessantes Buch, mit einem wunderschönen Buchcover, aber inhaltlich mit deutlich Luft nach oben.

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Veröffentlicht am 24.06.2024

Herr Pula kocht

Holly, Herbert und die Fleischfresserpflanze
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Herr Pula "eine sprechende vegetarische Fleischfresserpflanze, die gerne kocht - das war ja auch totaler Quatsch." So dachte Protagonisten Holly, als sie die vielen Talente ihres sympathischen Flohmarkfundes ...

Herr Pula "eine sprechende vegetarische Fleischfresserpflanze, die gerne kocht - das war ja auch totaler Quatsch." So dachte Protagonisten Holly, als sie die vielen Talente ihres sympathischen Flohmarkfundes herausfand. Denn Herr Pula hat nicht nur Spaß am Kochen, er ist auch noch ein richtiges Mathegenie, welches Holly, die eher ein Looser in dieser Naturwissenschaft ist, bei einem wichtigen Mathe-Wettbewerb zur Seite steht. Gemeinsam mit ihrem neuen besten Freund Herbert, erleben sie tolle Abenteuer, bis ein berühmter Starkoch auf die sonderbare Pflanze aufmerksam wird und die Blätter der Pula-Pflanze als Zutat für seine neue Gewürzreihe haben will. Schaffen Holly und Herbert den talentierten Herr Pula zu retten?

Mit Witz und Charme erzählt Maja Konrad hier eine sehr schöne und zugleich spannende Geschichte, die Klein und Groß gleichermaßen in seinen Bann zieht. Man kann dieses Buch nur schwer aus den Händen legen und bei einem Sympathikus wie Herr Pula hofft man auf eine schnelle Fortsetzung. Das witzige Buchcover spricht einen auf Anhieb an. Die passenden und ebenso charmanten schwarz- weiß Illustration von Tine Schulz runden dieses Werk ab. Ich liebe die Schriftart des Buches, welche aussieht wie auf einer Schreibmaschine getippt und auf Seiten aus Altpapier gebunden. Wir haben dieses tolle Buch dem besten Freund unserer Tochter geschenkt, nachdem sie ihm gegenüber nicht mehr aus dem Schwärmen kam.

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Veröffentlicht am 07.06.2024

Macht Mut

Mutmurmeln für den ersten Schultag
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Bei dem Gedanken an seine Einschulung übermorgen wird Linus plötzlich ganz murmelig. Murmelig, dass ist "wenn sich dein Bauch anfühlt, als würden Murmeln drin rumsausen." Da hat Nachbarskind Lolle plötzlich ...

Bei dem Gedanken an seine Einschulung übermorgen wird Linus plötzlich ganz murmelig. Murmelig, dass ist "wenn sich dein Bauch anfühlt, als würden Murmeln drin rumsausen." Da hat Nachbarskind Lolle plötzlich einen super Einfall, wie sie Linus von seiner Aufregung befreien kann.
Gemeinsam erschaffen sie geheime Mutmurmeln. Um diese mit genügend Mut aufzuladen, müssen die beiden Freunde zunächst einige Mutproben bestehen, um am Ende des Tages die ultimative Mutmurmel in ihren Händen halten zu können.
"Mutmurmeln - für den ersten Schultag" von Autorin Sarah Welk ist ein kunterbuntes Vorlese- und Bilderbuch mit einer süßen Geschichte, das sich gut für Schulanfänger:innen eignet, die auch ein bisschen Mut für ihren ersten Schultag benötigen können.
Das Motiv, die Angst vor der Veränderung, dem neuen Unbekannten gegenüber zu stehen, ist toll gewählt. Die Illustrationen sind sehr farbenfroh und ebenso positiv gestaltet. Die Intention der Autorin ist meiner Meinung nach jedoch nicht so gut in der Umsetzung gelungen wie erhofft.
Die Mutproben sind teilweise weit hergeholt, banal und stehen in keinem Zusammenhang (zueinander oder der bevorstehenden Schulzeit). Die Kinder wirklich im Vergleich zur Lehrerin recht groß und sind keineswegs so scheu und schüchtern, wie es für den ersten Schultag typisch wäre, sondern vielmehr taff und freudig aufgeregt, aber vielleicht soll auch dies dem Leser gerade Mut schenken. Die Szenarien folgen mir zu dicht aufeinander. Dem Inhalt wird somit auf den wenigen Seiten wirklich viel abverlangt.
Toll finde ich den Zusammenhalt der beiden Freunde, der immer wieder deutlich wird und dass andere Erstklässler in der Geschichte sich ebenfalls den Mutmurmeln öffnen.
Alles in allem ein nettes Geschenk für jeden Erstklässler zu Beginn der Einschulung, in der Hoffnung, dass sich die Leser mit den Sorgen und Ängsten von Linus identifizieren und auf Lolles Lösungsstrategie einlassen können.

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