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Veröffentlicht am 21.08.2024

Was nicht hier ist, ist nirgends

Die Welt da drinnen
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„Was nicht hier ist, ist nirgends“, „Die Welt da drinnen“, ist die Welt in einer deutschen Nervenheilanstalt. Es ist aber auch die Welt in einer geschlossenen Gesellschaft um diese Nervenheilanstalt herum, ...

„Was nicht hier ist, ist nirgends“, „Die Welt da drinnen“, ist die Welt in einer deutschen Nervenheilanstalt. Es ist aber auch die Welt in einer geschlossenen Gesellschaft um diese Nervenheilanstalt herum, der Diktatur der Nationalsozialisten in Deutschland. Hätte ich selbst zur Täterin werden können habe ich mich während des Lesens gefragt. Was macht Menschen dazu Täter zu werden, zu töten, oder darüber zu entscheiden, wer ein lebenswertes Leben hat und wer nicht und wie gehen sie damit um, und geht ihr eigenes Leben danach weiter? Was heißt „lebenswert“, ab wann ist ein Mensch das nicht mehr oder gar schon „nicht lebenswert“ geboren, was macht einen Menschen aus? Manchmal dauert es, aber Verbrechen kommen heraus, sie werden bestraft, und es wird darüber berichtet. 179 Patienten der Schweriner Nervenklinik wurden 1941 als „lebensunwert“ erklärt und im Rahmen der nationalsozialistischen Euthanasie ermordet, nur ein kleiner Teil der vermutlich 100.000 ermordeten Menschen im Deutschen Reich. Ihre Akten bleiben auch nach dem Ende der Nazizeit unter Verschluss – im Ministerium für Staatssicherheit der DDR –, bis sie nach der Wende 1990 ins Berliner Bundesarchiv gelangen.
Helga Schubert hat die Akten der Menschen gesichtet und folgt den Schicksalen, dem Leiden, und schließlich dem tot einzelner: vor und nach deren Einlieferung, aber auch den Biografien der Ärzte, und zwar denen der Täter und denen, die sich dem Tötungsauftrag wieder setzten. Der Bezug zur Gegenwart ergibt sich zum einen aus den Diskussionen über Sterbehilfe, Hirntod und pränatale Gendiagnostik. Zum anderen ist dieses Buch Ausgangspunkt für die Auseinandersetzung mit dem Rechtsradikalismus. „Die Welt da drinnen“ ist ein bewegendes und einzigartiges Stück Literatur. Die 1940 geborene Schriftstellerin studierte Psychologie und arbeitete jahrelang in der Psychotherapie. Sie wurde bereits mit ihrem ersten Erzählband „Lauter Leben“ in der DDR bekannt, der 1975 erschien. Während der „Wendezeit“ war sie Pressesprecherin des Runden Tisches. Die letzten Veröffentlichungen sind die Bücher „Judasfrauen“, „Der heutige Tag“, „Lauter Leben“, „Vom Aufstehen“, erschienen im dtv.

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Veröffentlicht am 21.08.2024

Denkmalgeschütztes Kleinod der Vormoderne. 280 Quadratmeter, 8 Zimmer. Baujahr 1909

Das Gartenzimmer
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Das junge Paar Frieder und Hannah Lebebusch mit ihrem Sohn Luis verliebt sich in ein 10 Jahre leerstehendes verschlafenes Haus „die Villa Rosen“ in Dahlem am Rande des Berliner Grunewalds und sie wollen ...

Das junge Paar Frieder und Hannah Lebebusch mit ihrem Sohn Luis verliebt sich in ein 10 Jahre leerstehendes verschlafenes Haus „die Villa Rosen“ in Dahlem am Rande des Berliner Grunewalds und sie wollen den Geist des Hauses wiedererwecken. In einer aufwendigen Restaurierung stellen die Lebebuschs den Originalzustand des Hauses wieder her, wobei der Wohnraum des Gartenzimmers etwas Besonderes ist. Das Haus hat der bis dahin eher unbekannte Architekt Max Taubert als Erstlingswerk für den Professor Adam Rosen und seine Frau Elsa 1909 entworfen und gebaut. Noch ahnen die neuen Besitzer nichts von den Geheimnissen und den langen Schatten der Vergangenheit, Geschichte Kunst, Moral, privates Glück und Politik, das Haus wir zum Spiegel seiner Zeit. Die Kapitel wechseln zwischen den Zeiten zu Beginn und Ende des 20. Jahrhunderts, was jedoch nicht zu Verwirrung führt, da die vergangenen Ereignisse immer wieder in Verbindung mit dem gegenwärtigen Geschehen stehen und damit Erklärungen liefern.
Aufbruchstimmung, Freude, aber auch Kummer und Leid spielen sich in seinen Wänden ab. Im zweiten Weltkrieg schließlich wird das Gartenzimmer des Hausen von den Nazis besetzt, auch wenn sich die Hausherrin nach allen Kräften dagegen wehrt. Was sich in dieser Zeit hinter den Türen dieses Zimmers abspielt, wird das Haus schließlich auch zu einem Ort des Böses machen. Als Leser zieht man mit in dieses besondere Haus ein, am Ende möchte man es nicht mehr verlassen. 2013: Eine Maklerin führt eine am Kauf interessierte Familie mit zwei Kindern durch die leerstehende Villa Rosen – Denkmalgeschütztes Kleinod der Vormoderne. 280 Quadratmeter, 8 Zimmer. Baujahr 1909

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Veröffentlicht am 21.08.2024

Catch Me When You Can - Jack The Ripper

Unser Buch der seltsamen Dinge
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Was haben Margaret Hilda Thatcher, Fünf Freunde, Yorkshire, Miv und Jack the Ripper gemeinsam, das darf in diesem Buch sicherlich gefunden werden, wie wir es ausgehen wer hat was zu verbergen, schaffen ...

Was haben Margaret Hilda Thatcher, Fünf Freunde, Yorkshire, Miv und Jack the Ripper gemeinsam, das darf in diesem Buch sicherlich gefunden werden, wie wir es ausgehen wer hat was zu verbergen, schaffen es zwei Teenager einen Serienmörder zu finden und kann Miv mit ihrer Familie vielleicht dort wohnen bleiben, ein Umzug ist geplant, kann sie ihn doch noch verhindern?
Die Haupthandlung ist einfach, Miv und ihre Freundin Sharon machen sich auf die Suche nach Jack the Ripper, Miv geht davon aus, wird er gefasst kann sie in der Stadt wo sie wohnt bleiben und muss nicht wegziehen.
Miv und Sharon kaufen sich daraufhin ein Ringbuch, sie schreiben zunächst eine Liste die im Verlauf des Buches länger wird und notieren verdächtige Personen, deren Tun und warum sie sie für verdächtig halten, und beschließen, jeden einzelnen zu beobachten und so den Täter vielleicht zu überführen. Dabei lernten sie eine Vielzahl von Menschen kennen, die die ganze Zeit vor ihrer Nase lebten, die sie aber bisher gar nicht kannten. Wie nah werden sie dem Verbrecher kommen und in wieviel Gefahren geraten sie? Das Ende wird hier nicht erwähnt, es soll ja spannend bleiben, und Spannung gibt es in dem Buch. Aufgrund des Covers hätte ich das Buch nicht in die Hand genommen, das Cover holt mich nicht ab, es wirkt als verbirgt sich eher eine Art Gebrauchsanweisung oder Lebensratgeber dahinter und nicht ein Roman. Die Autorin beschreibt sehr einfühlsam den Lebensalltag der Familien, erzählt von Freundschaften und Schicksalen, ein Gesellschaftsporträt das in die damalige Zeit Ende der 1970 Jahre gut passt, bleibt die Fragen: Was haben Margaret Hilda Thatcher, Fünf Freunde, Miv und Jack the Ripper gemeinsam. Margaret Thatcher war vom 4. Mai 1979 bis zum 28. November 1990 die erste Premierministerin des Vereinigten Königreichs, die erste Buchauflage von Fünf Freunde erschien 1953 womit Enid Blyton zu einer den erfolgreichsten Kinderautorinnen der Welt wurde. Bei den Fünf Freunden machen sich vier Freunde und ein Hund auf und jagen so manchen Verbrecher, hier sind es nur zwei, Miv und Sharon, vermutlich auch Personalmangel 😉Bleibt noch Jack the Ripper die wahre Identität gibt ja auch heute noch Grund zu Spekulationen. Die Morde von Jack the Ripper geschahen zwischen 1975 bis 1980 in Yorkshire. In dieser relativ kurzen Zeit nahm er 13 Frauen das Leben und griff viele weitere an, wobei sie schreckliche Verletzungen davontrugen. Als Nachtrag eine Spruch aus Band 37 „Fünf Freunde entlarven den Betrüger“. Uns kann man nicht so leicht erschüttern, nicht so leicht wie man denkt! Erwähnen und Anhängen möchte ich auch noch eigenen Worte der Autorin: Dieses Buch ist den Opfern, Überlebenden und den heute erwachsenen Kindern von damals gewidmet, zu denen auch ich gehöre. ›Unser Buch der seltsamen Dinge‹ ist ein Liebesbrief von mir an Yorkshire, God’s Own Country. Ein gelungener Debütroman und man darf sicherlich gespannt sein was folgen wird, vielen Dank.

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Veröffentlicht am 21.08.2024

Dieses Buch ist eine bereichernde sehr persönliche Lektüre.

Alte Eltern
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Wie geht es dem Menschen deren Leben auf Zetteln verschwindet und doch darauf festgehalten werden möchte und denjenigen die sie dabei Begleiten. In einem Buch was ich dazu gelesen habe heißt es in der ...

Wie geht es dem Menschen deren Leben auf Zetteln verschwindet und doch darauf festgehalten werden möchte und denjenigen die sie dabei Begleiten. In einem Buch was ich dazu gelesen habe heißt es in der Einleitung „"Sie müssen sich nicht um Ihre Eltern kümmern, doch Sie können sich dafür entscheiden." Möchte man nicht immer großzügig wegschieben das die eigenen Eltern altern und wir mit ihnen? Dieses Buch von Volker Kietz ist eine sehr persönliche, bereichernde Lektüre, warmherzig erzählt der Autor wie sein Vater immer weiter die Welt in die Welt der Demenz verlässt und er ihn dabei begleitet. Das Buch spiegelt eine optimale harmonische Situation, die nicht immer gegeben ist, was der Autor auch erwähnt und beide erleben die sogenannte letzte Zeit zusammen, meistern sie und können letztendlich loslassen. Ergänzend hat der Autor das Buch durch Zitate und Darstellungen von Wissenschaftlern und Autoren was ich sehr interessant fand und das Ganze noch einmal angenehm bereichert hat. Es ist ein schwerer, trauriger, manchmal auch belastender Weg, den aber jeder gehen muss, und wir können nur hoffen das dann jemand da ist der einen begleitet, sich kümmert sich sorgt und man irgendwann loslassen kann, vielen Dank.

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Veröffentlicht am 21.08.2024

Dove c’è luce, c’é anchore ombra

Das erste Licht des Sommers
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„Wo Licht ist, da ist auch Schatten“ Der zweite Roman der Schriftstellerin Daniela Raimondi „Das erste Licht des Sommers“ nimmt uns mit in die Geschichte der Familie Casadio, eine Geschichte dreier Generation ...

„Wo Licht ist, da ist auch Schatten“ Der zweite Roman der Schriftstellerin Daniela Raimondi „Das erste Licht des Sommers“ nimmt uns mit in die Geschichte der Familie Casadio, eine Geschichte dreier Generation und ihrer Liebesbeziehungen, die von Höhen und Tiefen, von Verletzung und Fremdgehen, vom Armut und Lieblosigkeit, aber auch immer wieder von Verzeihen und Sich wieder zusammenraufen geprägt ist. Die Hauptfigur ist Norma Martiroli, deren Geschichte in mehreren Kapiteln ab ihrer Geburt 1947 erzählt wird und im Verlauf in die Gegenwart wechselt. In der Gegenwart macht sich Norma mit ihrer Mutter auf die Reise nach Italien, aber nicht um Urlaub zu machen, ihre Mutter ist schwer krank und Norma verbringt mit ihr dort die letzte verbleibende Zeit, sie begleitet ihr sterben. Das hat mich sehr bewegt, weil Norma eigentlich ihre Mutter als sehr lieblos empfunden hat.
Als Kind hat Norma regelmäßig die Sommerferien bei ihrer Großeltern in Stellata verbracht und mit dem gleichaltrigen Elio verband sie eine tiefe Freundschaft. Ihre Wege trennen sich, und erste Jahre später begegnen sie sich in London wieder, sie verlieben sich ineinander und heiraten. Aber „Dove c’è luce, c’é anchore ombra“. Das Buch ist in einer schönen flüssigen Sprache mit viel Empathie geschrieben, man kann sich in die Gefühls und Gedankenwelt der Figuren einfühlen. Es hat mich von Beginn an bis zum stimmigen Ende sehr berührt, und man darf mit Freude auf das nächste Buch von Daniela Raimondi warten, es ist sicherlich so lesenswert wie dieses, ich war gerne dabei, vielen Dank.

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