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Veröffentlicht am 26.08.2021

Moralische und ethische Grenzen

Das ferne Feuer
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Die junge, idealistische Anthropologie-Studentin Parvin reist für ein Projekt nach Afghanistan – in einem kleinen, abgeschiedenen Bergdorf macht sie sich auf die Spuren des Arztes Gideon Crane, der dort ...

Die junge, idealistische Anthropologie-Studentin Parvin reist für ein Projekt nach Afghanistan – in einem kleinen, abgeschiedenen Bergdorf macht sie sich auf die Spuren des Arztes Gideon Crane, der dort eine großzügige Geburtshilfeklinik errichten ließ. Seine Memoiren „Mutter Afghanistan“ sind ein Bestseller in den USA und die Spendengelder fließen in eine Stiftung, für die Parvin arbeiten möchte. Sie spricht Dari, glaubt die Kultur zu kennen und sieht sich selbst hilfreich. Aber es ist auch eine Reise zu ihrer eigenen Identität: Parvins Eltern haben vor vielen Jahren Kabul verlassen und sind in die USA immigriert, die Mutter vor Kurzem verstorben. Vor Ort in Afghanistan kommt Parvin bei Wahid unter – für dessen bei der Geburt verstorbenen Frau Ferretscha die Klinik errichtet wurde, um eine bessere Versorgung für afghanische Frauen zu erreichen. Doch Parvins Idealismus und Crane-Verehrung stoßen an viele Grenzen: Ihre Akzeptanz im Dorf ist nicht so, wie sie es sich erhofft hat, die überdimensionale Klinik verschwendet Ressourcen, ist nur an einem Tag mit einer ehrenamtlichen Ärztin besetzt und bei den Vorleserunden zu „Mutter Afghanistan“ wird klar: Crane ist ein Hochstapler und Lügner, etliche Details aus dem Buch sind erfunden.

Derweil stoßen amerikanische Besatzungstruppen ins Dorf – Colonel Trotter (auch ein Fan von „Mutter Afghanistan“ und Cranes Idee von „gütiger Macht“) wird die Zugangsstraße zum Dorf ausbauen lassen, obwohl die Dorfältesten dagegen sind. Schon bald zieht dieses Vorgehen den Krieg und Terror immer näher heran – Aufständische boykottieren den Bau und es kommt zum Kampf. Parvin freundet sich mit dem Übersetzer Asis an, führt tiefgehende Gespräche mit ihm und über seinen verantwortungsvollen Beruf als Dolmetscher zwischen Kulturen und Ländern in einem Kriegsgebiet. Und am Ende kann Parvin helfen – aber in einer unverhofften Weise, zu der sie nie professionell ausgebildet wurde.

Die Autorin Amy Waldman lässt in ihrem opulenten, bildgewaltigen und detaillierten Roman eigene Erfahrungen als frühere Auslandskorrespondentin der New York Times miteinfließen und wirft zahlreiche komplexe Fragen in einem besetzten Land auf. Welche weitgehenden und unkontrollierbaren Konsequenzen haben fehlgeleitete Entscheidungen und Interventionen aus vermeintlich humanitären Zwecken? In welche Fantasien von Wohlwollen für andere Kulturen sind wir verstrickt? Ethische universelle Dilemma und Parvins Zerrissenheit zwischen „guten Entscheidungen“ und Drang nach Anerkennung (eine Parallele zu Crane) verpackt sie präzise und eindringlich in greifbare Realität und beschreibt das Umfeld mit seinen einheimischen Zivilisten und ihren Traditionen zwischen zwei kriegführenden Seiten sehr detailgetreu und ergreifend. Parvins fast unendliche Naivität erfährt im letzten Teil eine rasante Entwicklung – ihre Erzählweise durch die Geschichte ist recht nüchtern geraten, sie blieb mir etwas auf Distanz. Umso brennender sind die moralischen Fragen, die Amy Waldmans überzeugender und nuancierter Roman aufwirft – und zwar in alle Richtungen, ohne Schwarz-Weiß-Antworten.

"Wenn ein Trickbetrüger den Idealismus in einem weckte, wenn er einem sagte, man solle in die Welt hinausgehen und Gutes tun, war das dann automatisch ein Trick?" S. 358

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Veröffentlicht am 26.08.2021

Mit der Kraft von Legenden

Jeder Tag ist eine Schlacht, mein Herz
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Es sind einige Schlachten, die von der 21jährigen Zelda bestritten werden müssen. Sie leidet an der Fetalen Alkoholspektrumsstörung (FASD) und benötigt im Alltag Hilfe von
Ihrem Bruder Gert. Trotzdem kämpft ...

Es sind einige Schlachten, die von der 21jährigen Zelda bestritten werden müssen. Sie leidet an der Fetalen Alkoholspektrumsstörung (FASD) und benötigt im Alltag Hilfe von
Ihrem Bruder Gert. Trotzdem kämpft sie für Autonomie, Glück, erste Liebe und als sich Gert in kriminelle Machenschaften verstrickt, auch um ihn. Zelda hat ihre eigene Perspektive, ihre eigene Wahrnehmung ihrer Umwelt – mit Hilfe von Legenden, Wikingersagen und –übertragungen gibt sie sich Kraft, Struktur und Anhaltspunkte, was in schwierigen Situationen zu tun ist. Sei es, ihre geliebte „Sippe“ ist in Gefahr, der erste Sex oder wie man Unholde und zwielichtige Gestalten das Fürchten lernt. Doch nicht immer kann sie sich vor gewaltvollen Übergriffen schützen, was schmerzlich beim Lesen ist und doch der Realität entspricht. In der Bibliothek liest sie jedes Wikingerbuch, was sie in die Hände bekommt, schreibt sich Denkzettel, Handlungshilfen und altnordische Begriffe auf.

Andrew MacDonald erweckt in seinem unkonventionellen und tief menschlichen Debütroman eine kraftvolle Protagonistin zum Leben – mit einem taffen Sound, einem schier unendlichen Mut, für seine Bedürfnisse trotz kognitiver Einschränkung zu kämpfen und in dem es viel um Zusammenhalt geht. Zeldas naiv-kindliche und doch starke Perspektive hinterlässt Eindruck und einen bleibenden, berührenden Einblick in ihre Welt. Zahlreiche schlagfertige Dialoge und Gedanken wechseln mit keckem Humor, spannenden Einlagen und bewegenden Erlebnissen ab – insgesamt ist die Romanvorlage flüssig, filmreif und szenisch komponiert. Das Ende von Zeldas Coming-of-Age gleicht einem Nervenkitzel und verliert sich nicht in Rührseligkeit. Ein mitreißende Geschichte mit einer außergewöhnlichen Heldin und die das wichtige Thema Inklusion aufgreift.

„In den Wikingerlegenden ist der Held immer kleiner als der Unhold. Deswegen wird er zur Legende.“ S. 324

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Veröffentlicht am 26.08.2021

Die Durchbrechung der Ordnung

Besichtigung eines Unglücks
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Kurz vor Weihnachten und nach Beginn des Zweiten Weltkrieges hat sich in der Kleinstadt Genthin das schwerste deutsche Zugunglück ereignet, bei dem nach offiziellen Angaben rund 190 Menschen starben: Zwei ...

Kurz vor Weihnachten und nach Beginn des Zweiten Weltkrieges hat sich in der Kleinstadt Genthin das schwerste deutsche Zugunglück ereignet, bei dem nach offiziellen Angaben rund 190 Menschen starben: Zwei Züge prallen aufeinander, schieben sich ineinander und zahlreiche Menschen werden aus dem Leben gerissen oder überleben schwerverletzt. Es gibt mehrere Theorien zum Ablauf und fehlerhaften menschlichen Verhalten, das zu diesem Unglück geführt hat.

„Nicht deine Zeit“ sagt die Geliebte Yps zum Ich-Erzähler Thomas Vandersee, der in Sachen Genthiner Zugunglück anhand von Archiv-Dokumenten, Akten, Gerichts- und Zeugenaussagen akribisch recherchiert. So lässt der Autor Gert Loschütz im ersten Abschnitt des Romans „Besichtigung eines Unglücks“ das Zugunglück en Detail Revue passieren – fast protokollarisch und dennoch stets spannend wie eine True-Crime-Episode wird die Abfolge des Unglücks beschrieben. Ist zu anfangs noch unklar, warum Vandersee so besessen recherchiert, setzt sich Stück für Stück ein Bild des persönlichen Anlasses, der bis in die Gegenwart reicht, zusammen.

Vandersees Mutter Lisa, mit der er als Kind per Zug in den Westen flüchtete, hatte womöglich Verbindung zu einer Zugpassagierin, die überlebt hat: Clara Buonomo, Geborene Finck. Szenisch, atmosphärisch und literarisch auf hohem Niveau taucht Loschütz nun in verschiedene historische Zeitebenen und lässt verschiedene menschliche Biografien zum Leben erwecken – verwoben aus unverlässlicher Erinnerung, sicheren Dokumenten und Fakten und gespickt mit eigenen Rückschlüssen. Halbjüdin Clara war im Jahre 1939, als die Nationalsozialisten zunehmend die jüdische Bevölkerung erniedrigte und verfolgte, mit dem Juden Richard verlobt. Es gab Streit, beide Leben waren in Gefahr, es mussten Papiere zur Ausreise beschaffen werden. Clara geht eine Verbindung mit dem Italiener Buonomo ein, zusammen saßen sie im Unglückszug – Clara überlebt, der Mann nicht, aber seinen Nachnamen behält sie. Richard wird wenige Jahre später deportiert.

Vandersee taucht wie besessen von Clara immer tiefer in seine Nachforschungen ein, findet heraus, dass die junge Frau nach dem Unglück Kleider ins Krankenhaus überbracht bekommen hat: Seine Mutter war in diesem Modehaus beschäftigt – hatten die Zwei eine Verbindung? Beide Frauen eint eine Liebe, die sich nicht erfüllen kann, und der Wunsch nach einem besseren Land für die Zukunft. Und beide hatten eine Liebe zur Musik. All die kleinen Details, die sich rund um ein historisches Unglück und die menschlichen Schicksale dahinter drehen, dringen bis in die Gegenwart zum Ich-Erzähler Thomas, der mit Bindungsängsten zu kämpfen hat. Vandersee besichtigt alle Orte des Unglücks und auch die von Clara und seiner Mutter, philosophiert über Zufall, Schicksal, das Leben und Katastrophen.

„Die Akten, die Briefe – ein ganz enges Korsett, in das ich mich hineinbegeben habe. Kaum Erfindungen möglich; nur Vermutungen, Rückschlüsse: Wenn das so ist, folgt daraus...“

Gert Loschütz ist ein versierter Erzähler, der selbst in Genthin geboren ist. Wie er deutsche Zeitgeschichte mit der Innenschau fiktiver menschlicher Schicksale verknüpft und die jeweilige Zeit aufleben lässt, ist feinste semifiktionale Erzählkunst, die mit der Wahrhaftigkeit von Erinnerungen und Indizien spielt. Obwohl nicht viel passiert, zieht der investigative Erzählsog tief hinein in die feingliedrigen Details und Polizeiakten, in denen Lokführer, Heizer und andere Beteiligte aussagen oder in die Liebesbriefe zwischen Carla und Richard. Und von den Details geht es weiter zu den Menschen und ihren Umständen und Handlungen sowie die schwierigen Zeiten wie Zweiter Weltkrieg, Nationalsozialismus und Ost-/West-Teilung dahinter. Kriegstraumata, verletzte Körper und Menschen sowie Lieben, die schicksalshaft unerfüllt bleiben und Leben, die eine neue Richtung nehmen.

Auch wenn am Ende und nach dem bewegenden zusammenführenden Abschnitt „Aus den Notizheften“, das in der Gegenwart des Erzählers spielt, einiges in den rekonstruierten Geschichten offenbleibt, ist Gert Loschütz eine feinfühlige und präzise Komposition aus verschiedenen Atmosphären gelungen, die in ihrer zusammenhängenden Gesamtschau einen eindringlichen Blick auf deutsche Geschichte werfen, die bis ins Heute wirkt. Meisterhaft sowie spannend erzählt, packend und lange nachhallend.

„Die Durchbrechung der Ordnung, die es einen Moment lang erlaubt, die Dinge in ihrem Rohzustand zu betrachten, so, wie sie waren, bevor sie lernten, sich an die Gesetze und Fahrpläne zu halten? Beruht die Faszination, die sie ausüben, auf unserer Sehnsucht nach dem Chaos, der Ursuppe, aus der wir hervorgegangen sind?“ S. 97

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Veröffentlicht am 26.08.2021

Geisterstunden in der Vorgarten-Idylle

Kleine Paläste
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Die akkurat dekorierte Vase auf dem Cover platzt wie die vielen schönen Fassaden, hinter denen sich in Andreas Mosters neuem Roman „Kleine Paläste“ die Protagonisten verstecken. In penibel renovierten ...

Die akkurat dekorierte Vase auf dem Cover platzt wie die vielen schönen Fassaden, hinter denen sich in Andreas Mosters neuem Roman „Kleine Paläste“ die Protagonisten verstecken. In penibel renovierten Häusern, den kleinen Palästen, zeigt jeder von außen, was er hat, während sich im Inneren kleine Tragödien abspielen und die Nachbarn penibel beäugt und kritisiert werden. Susanne Dreyer hat sogar seit Jahrzehnten ihre eigene pedantische Art der Überwachung - mit dem Fernglas beobachtet und notiert sich die Frau jede Bewegung im Nachbarhaus. Ihr Objekt ist der mittlerweile senile Carl Holtz, seit einer Demenzerkrankung pflegebedürftig an den Rollstuhl gefesselt - nach dem durch einen Hund ausgelösten Unfalltod seiner Frau Sylvia (ein absolut fulminantes Einleitungskapitel schildert diese Szene) ist Hanno nach langer Abwesenheit ins Elternhaus zurückgekehrt, um sich um den Vater zu kümmern.

Susanne und Hanno waren früher in der Kindheit sehr gut befreundet, kamen sich sogar mal näher. Susannes Eltern Karin und Jürgen sind verstorben, kurzerhand beschließt Susanne die Pflege von Carl zu übernehmen. Der überforderte Hanno freut sich über die Selbstlosigkeit von Susanne, macht sich Hoffnungen, dass sie wieder zueinanderfinden und fängt an, das Haus zu renovieren. Doch Susannes mysteriöses Interesse gilt zunehmend Carl, der schon immer zu tief ins Glas geschaut hat und alle Stricke laufen subtil spannend und klug komponiert auf eine „Palast“-Einweihungsparty im Jahre 1986 ineinander, die alkoholdurchtränkt aus dem Ruder gelaufen ist. Ein traumatisches Ereignis hält beide Familien schicksalshaft aneinander fest.

Mit einer virtuos geschliffenen, poetischen und lakonischen Sprache, die in ihrer außergewöhnlichen, detailumwobenen und schwarzhumorigen beobachtenden Art tief bewegt und fasziniert, erschafft Andreas Moster eine eindringliche Nachbarschaftshölle voller zwischenmenschlicher Abgründe, die der Leser so schnell nicht vergessen wird. Abwechselnd in den Zeiten 2018 und 1986 und aus unterschiedlichen Perspektiven deckt er Schicht für Schicht die traumatischen Ereignisse auf. Mit einem erzählerisch genialen Kniff lässt Moster sogar Geister der verstorbenen Eltern auftreten und ermitteln, die selbst aus dem Jenseits die Dinge in ihren Palästen noch kontrollieren möchten. Detaillierte und sehr direkte Schilderungen von Carls Pflege treffen auf satirisch anmutende Charakterzeichnungen und gesellschaftliche Schattenseiten - doch der anfängliche schwarze Humor weicht im Laufe des Romans einer beklemmenden Tragödie, ausgelöst durch Nichteingreifen, Verdrängen und Unausgesprochenem in der eigenen Familie.

Andreas Mosters bestechende Prosa sucht in ihrer Besonderheit ihresgleichen und auch der Roman ist inhaltlich sehr eigen - aber beides unbedingt lesenswert!

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Veröffentlicht am 23.08.2021

Weite Wege zur eigenen Familie

Wo auch immer ihr seid
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In „Wo auch immer ihr seid“ nähert sich die ZEIT-Journalistin Khuê Phạm bewegend und lebensnah über mehrere Jahrzehnte hinweg ihrer eigenen vietnamesischen Familiengeschichte und Identität an. Sie erzählt ...

In „Wo auch immer ihr seid“ nähert sich die ZEIT-Journalistin Khuê Phạm bewegend und lebensnah über mehrere Jahrzehnte hinweg ihrer eigenen vietnamesischen Familiengeschichte und Identität an. Sie erzählt von der 30-jährigen Journalistin Kiêu, die sich einfach Kim nennt, da sie sich ihrer vietnamesischen Herkunft sowie Verwandten nie richtig angenähert hat und der Name in Deutschland leichter auszusprechen ist. Mit ihrem unabhängigen Freund Dorian lebt sie in der Berliner Gegenwart und erst ein Anruf ihres Onkels Sơn bringt einen Umschwung in ihr Leben – Kiềus Großmutter ist in Little Saigon, Kalifornien, gestorben und die Familie wird zur Testamentseröffnung den Weg in die USA, aber auch in vergrabene Geheimnisse und Verletzungen antreten, denn die Großmutter lüftet im Testament eine lange, verschwiegene (Not-)Lüge. Und auch bei Kiêu ergeben sich während der Erkundung der eigenen Wurzeln neue Wege, die eingeschlagen werden können.

Über den Globus verteilt und durch den Krieg auseinandergerissen, wurde bei den Familienmitgliedern die „geografische Distanz zur emotionalen Distanz“ – diese Entfremdung von Herkunft und Familie, aber auch das Leben zwischen zwei Kulturen fängt Khuê Phạm sehr feinfühlig und in wunderschönen Bildern auf. Präzise recherchiert zeichnet sie zudem die Geschichte von Kiêus Vater Minh und dessen Bruder Sơn in wechselnden Kapiteln und Perspektiven sehr authentisch und atmosphärisch nach – denn während Minh während dem Vietnam-Krieg 1968 nach Deutschland zum Studieren übersiedeln konnte, haben Sơn und die Eltern die traumatischen Schrecken des brutalen Krieges erlebt. Der Vater wird in ein Umerziehungslager gesteckt.

Khuê Phạms fesselnde und dicht komponierte Familiengeschichte zeigt über Kontinente, Generationen und Kulturen hinweg einen atemberaubenden Einblick in vietnamesische Erfahrungen und Geschichte, in Kriegsschrecken, Aufbruch und Leid, in Migration, Auseinanderdriften und Wiederneuzusammensetzen. Ein ergreifendes, mutiges und starkes Debüt!

„Wo kommst du her? Zum ersten Mal denke ich, dass man diese Frage auch anders begreifen könnte. Nicht als Frage, die nur der Name eines vermeintlichen Ursprungslandes beantworten kann. Sondern als Suche nach all denen, die vor mir kamen und ihre Spuren auf sichtbare und unsichtbare Weise auf dem Weg in die Gegenwart hinterlassen haben.“ S. 139

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