Sommer, Garten, Party – jeder kennt die freudige Aufregung vor einer Grillparty im Freien, aber wurde auch an alles gedacht? Das Wetter hat man als Freiluftparty-Geber leider nicht im Griff, dafür aber ...
Sommer, Garten, Party – jeder kennt die freudige Aufregung vor einer Grillparty im Freien, aber wurde auch an alles gedacht? Das Wetter hat man als Freiluftparty-Geber leider nicht im Griff, dafür aber die kulinarischen Gaumenfreuden der geladenen Gäste. „Willkommen beim Sommerfest!“ liefert auf 160 Seiten eine optisch sehr ansprechende sowie inhaltlich klar gegliederte Rezeptesammlung für das Grillen und Schlemmen an der freien Luft. Und obendrein gibt es noch Tipps und kreative Anregungen rund ums Draußen-Feiern und Essen – besonders schön ist hier die Anleitung für eine Biergarten-Garnitur mit Serviettentechnik, aber auch die praktischen Tipps sind hilfreich und nehmen nur einen sehr kleinen Einleitungsteil des Sachbuchs ein.
Der Hauptteil besteht aus leckeren, meist unkomplizierten und raffinierten Rezepten aus den Bereichen Fingerfood & Snacks, Salate, Gegrilltes, Gebäck & erfrischende Desserts sowie Getränke – mit und ohne Alkohol. Gelungen ist die facettenreiche Mischung aus traditionellen und exotischen sowie Fleisch- und vegetarischen Gerichten. Diese Bandbreite bringt kreativen Schwung in jede Grillparty – denn neben dem klassischen Kartoffelsalat steht dann ein Brokkolisalat asiatischer Art oder neben den Spareribs die Tofu-Mango-Spießchen. Die Rezepte sind sehr verständlich und praxisnah beschrieben, haben alle anschaulich auf zwei Seiten Platz und regen hochwertig bebildert sofort den Appetit an. Einen kleinen Kritikpunkt habe ich bei der Verwendung der Alufolie beim Caprese vom Grill oder den Jakobsmuscheln – vielleicht gäbe es da eine alternative Möglichkeit? Als gelungenes, kulinarisches I-Tüpfelchen werden aromatische Marinaden, Soßen und Gewürzmischungen beschrieben, die jede Grillspeise exzellent aufpeppen.
Fazit: Ein kompaktes, variantenreiches und optisch schön gestaltetes Kochbuch, mit dem jede Gartenparty und jedes Sommerfest kulinarisch bestens gelingen sollte. Jetzt muss es nur noch aufhören zu regnen.
Schweigen und Sprachlosigkeit dominierten Jans Zuhause in der Lausitz – seine Eltern kamen ihm vor wie Raumfahrer, die in einer Zwischenwelt schwebend gefangen sind. Die alkoholkranke Mutter mittlerweile ...
Schweigen und Sprachlosigkeit dominierten Jans Zuhause in der Lausitz – seine Eltern kamen ihm vor wie Raumfahrer, die in einer Zwischenwelt schwebend gefangen sind. Die alkoholkranke Mutter mittlerweile verstorben, wohnt Jan mit dem in sich gekehrten Vater im Schatten der (ehemaligen) Plattenbauen in Kamenz, schiebt im bald schließenden und von Wildtieren heimgesuchten Krankenhaus Patienten zu den Untersuchungen. Ein mysteriöser Patient namens „Der Alte“ sucht immer wieder Kontakt zu ihm, erzählt von einer Verbindung zum berühmten Deutschbaselitzer Künstler Hans-Georg Kern – alias Georg Baselitz. Zögerlich nimmt Jan eine Dokumentenkiste des Alten entgegen, wühlt sich durch verdrängte Erinnerungen und Zeitgeschichte, durch transgenerationale Traumata und Verschwiegenes, durch Stasi-Vergangenheit und Kunstgeschichte. Langsam kommt er der Verwobenheit seiner Familie mit der Familie Kern auf die Spur und muss sich einem schmerzhaften Familiengeheimnis stellen, dass beiderseits Brüche und über lange Zeit hinweg verletzte Seelen hinterlassen hat.
Lukas Rietzschel spannt in „Raumfahrer“ episodenhaft einen großen Bogen durch die Zeitgeschichte, von der Nachkriegszeit bis zur Nachwendezeit und verknüpft mit vielen zeitlich unsortierten Rückblenden die schicksalhafte Verbindung zweier Familien mit der Malerei von Georg Baselitz, der in den Westen auswanderte. Bekannt wurde der berühmte Gegenwartskünstler durch seine Figuren auf dem Kopf, gezeichnet von Krieg und falschen Ideologien. Rietzschel erzählt in nüchterner, knapper und auf den Punkt gebrachter Sprache in zwei parallelen Erzählebenen und beleuchtet bewegend wie in „Mit der Faust in die Wand schlagen“ zerrissene Menschen nach den Umbrüchen der Wende, die in der Leere der Gegenwart keinen Halt finden. Arbeitslosigkeit, Tristesse, Landflucht, Leerstand, Haltlosigkeit – wie Baselitz’ Figuren schweben auch diese Menschen kopfüber in einem Vakuum ohne Boden unter den Füßen.
Sehr atmosphärisch und skizzenhaft entrollt Rietzschel ein feinfühliges und bewegendes Stück Erinnerungskultur und Aufarbeitung, das neben der präzisen Beschreibungen von Baselitz’ Kunst zwei auseinandergerissene Familien porträtiert und dabei sowie DDR- und Kriegsschrecken miteinbezieht. Manchen Zeitsprüngen im fiktiven Roman fällt es schwer ad hoc zu folgen und doch entwickelt sich Stück für Stück ein vielschichtiges, größeres und eindringliches Bild über Zugehörigkeit, Vergangenheitsbewältigung und alten, unausgesprochenen Wunden, die bis ins Heute wirken – eingebettet in präzise eingefangener Zeitgeschichte.
„Ein untergegangener Staat, eine gescheiterte Idee, deren Anhänger er ja zwangsläufig gewesen war, qua Geburt. Darüber war sich die Welt einig. Der Westen. Also versuchte Vater, seine Spuren zu verwischen. Manchmal zog er einen Reisigbesen hinter sich her, manchmal einen Bulldozer.“ S. 181
In Zeruya Shalevs neuem Roman „Schicksal“ hadern zwei Frauen mit ihrem Schicksal – und kommen sich durch eine Bedeutung aus der Vergangenheit näher. Aus jeweils wechselnder Perspektive erfährt der Leser ...
In Zeruya Shalevs neuem Roman „Schicksal“ hadern zwei Frauen mit ihrem Schicksal – und kommen sich durch eine Bedeutung aus der Vergangenheit näher. Aus jeweils wechselnder Perspektive erfährt der Leser Stück für Stück mehr aus dem dramatischen Leben der Frauen – dabei verwebt Shalev im Hintergrund die Geschichte des Israels der 1940er und der Gegenwart, sowie Politisches mit Beziehungsproblemen. Denn so zerrissen das Land ist, so verletzt sind teilweise auch die Menschen darin.
„So hatte es das Schicksal gewollt. Es hatte um diese Zeit keinen anderen Weg gegeben, nicht ins eingeschlossene Jerusalem und nicht zu Menos verschlossenem Herzen.“ S. 13
Die knapp 50jährige Mutter und Ehefrau Atara wird am Sterbebett ihres Vaters von ihm Rachel genannt – verstutzt hält sie inne, erinnert sich an ein Familiengeheimnis, an eine erste Ehe des Vaters, über die nie geredet werden durfte. Sie lässt die mittlerweile 90jährige Rachel ausfindig machen und bittet um ein Treffen. Während die ersten Begegnungen holprig verlaufen und Atara sich immer mehr in der Vergangenheit befindet, übersieht sie die Zeichen der Gegenwart – und muss einen schweren Schicksalsschlag in der Familie hinnehmen. Sie gerät in ein Gefühlschaos, hinterfragt ihre Beziehung zum Ehemann, zu ihren Kindern und zu ihrem gestorbenen gewalttätigen Vater Meno. Dieser ist die Verbindung zu Rachel, die auch mit Dämonen aus der Vergangenheit zu kämpfen hat: Mit ihrem ersten Mann Meno war sie in einer jüdischen Widerstandsorganisation gegen die britische Mandatsherrschaft in Palästina. Von dieser Lechi ist sie bis heute überzeugt, verehrt ihre Kameraden als Helden, bedauert die unterlassene hohe Ehrung von außen und erzählt ihren zwei Söhnen immer wieder davon. Doch auch hier hat ein Schicksalsschlag die Liebe entzweit und Meno hat sich von ihr abgewandt.
„Welchen Sinn hat es, eine alte Kränkung wiederzubeleben? Dieses Kapitel war aus dem Buch ihres Lebens herausgefallen. Wenn sie sich bücken würde, um es aufzuheben, könnte ihr Rücken daran zerbrechen.“ S. 48
Auf über 400 schmerzensreichen Seiten seziert Zeruya Shalev das verletzte Seelenleben ihrer zwei Protagonistinnen aufs Genaueste, blickt tief in alte und neue Wunden, in extreme Gefühle und Zerrissenheiten sowie in mögliche Fehlentscheidungen. Schuld spielt in allen Erzählsträngen eine große Rolle und die mögliche Annäherung an eine Reparatur, eine Festigung – dem Tikkun. Auf langen Autofahrten, die die auf Denkmalschutz spezialisierte Architektin Atara zu Rachel unternimmt, werden lange und sich auch wiederholende Gedankengänge eingeflochten. Atara reflektiert über ihr Mutter- und Ehefrau-Sein, aber auch über architektonische Feinheiten draußen – beides muss freigelegt, verstanden und rekonstruiert werden. Rachel dagegen hinterfragt neben Menos Verhalten vor Jahrzehnten ihre aktuelle distanzierte Beziehung zu ihren Söhnen – Jair hat sich ihr abgewandt, Amichai ist streng gläubig bei den Bratzlawer Chassiden. Und immer wieder blickt sie zurück in ihre Lechi-Zeit. Anhand dieser Konstellation und Begegnungen konstruiert Shalev ein feinfühliges, teils suggestives Bild des früheren und heutigen Israels, auch wenn die Konflikte in diesem Land eher die Hintergrundkulisse bilden.
„Will ihr abstruses Vorhaben zu Ende bringen, will eine Dokumentationsmappe zu ihrem toten Vater anlegen, will das ideale Gebäude freilegen, das, angefressen vom Zahn der Zeit, hinter allerlei Anbauten immer mehr verloren ging; sie versucht, zu seiner ästhetischen Wahrheit vorzudringen.“ S. 120/121
Lügen, Geheimnisse, Gewalt, Distanziertheit in Familie und Ehe, Trauerarbeit – in Ataras mystischem Haus in der Nähe eines Wadi wird alles episch und pathetisch auseinandergenommen und versucht, wieder zusammenzusetzen, während draußen am Wadi Schakale heulen und Krähen schnattern. An manchen Stellen ist der intensive, vielschichtige und etwas beklemmende Roman schwer zu händeln, trifft aber die Verzweiflung einer trauernden und sich suchenden Frau sehr präzise und eindringlich. Es braucht Zeit zum Entdecken beim Lesen, für die sehr klugen Verweise in alle Richtungen, die berührenden Reflektionen über Schicksal, Tod, Glaube und Beziehungen sowie die historischen und religiösen Einflechtungen. Ein spiritueller, emotional gnadenloser, zum Ende versöhnlicher Roman über den Zyklus von Schicksal, der trotz kleineren Schwachstellen einen unheimlichen Lesesog erzeugt.
(...) und lass nicht den Zufall dein Schicksal wenden, denn unberechenbar und willkürlich ist unser Leben, es spottet jeder Deutung, es bringt jede Ordnung durcheinander, und gerade deshalb ist es so viel gewaltiger als jeder Verlust." S. 384
Die französische Autorin Claire Berest beschäftigt sich schon lange intensiv mit Frida Kahlo – das ist ihrem Roman „Das Leben ist ein Fest“ exzellent anzumerken. Er nimmt den Leser intensiv, gefühlvoll ...
Die französische Autorin Claire Berest beschäftigt sich schon lange intensiv mit Frida Kahlo – das ist ihrem Roman „Das Leben ist ein Fest“ exzellent anzumerken. Er nimmt den Leser intensiv, gefühlvoll und leidenschaftlich mit in die wichtigsten Stationen der großen mexikanischen Künstlerin, die bis heute fasziniert und begeistert. Im Französischen unter dem Titel „Nichts ist schwarz“ erschienen, komponiert Berest die Abschnitte und Gefühle von Frida farblich in den Kapiteln – Facetten von Blau, Rot und Gelb spiegeln Fridas Impulsivität, Exzesse, Leidenschaft, Liebe, Wut, Schmerzen und Schwarz schließlich ihren Tod wider. Und bei allem spielt ihre große Amour fou und Obsession zum berühmten mexikanischen Maler Diego Rivera eine ausschlaggebende Rolle.
„Weil ich bei dir Schutz finden wollte, übersah ich, dass du der Sturm bist. Ich hätte Schutz vor dir suchen müssen. Andererseits, wer will schon ohne Stürme leben?“ S. 210
Soghaft, szenisch und wie in einem bunten Film schreibt Claire Berest so empathisch und gefühlstreu, als stände der Leser direkt neben dem extrovertierten Künstlerpaar, wenn es ausgiebig feiert, sich streitet, der Kunst hingibt oder in Affären verliert. Frida Kahlo, die seit ihrem schweren Unfall mit 18 Jahren an unsäglichen Schmerzen und Einschränkungen zu leiden hat, findet im Malen ihren Ausdruck und wird nur zögerlich berühmt, während Diego schon ein Star ist. Das Paar lebt in verschiedenen Ländern und durchlebt künstlerisch wie auch in der Beziehung zahlreiche Tiefschläge, aber auch Höhenflüge. Chronologisch gewürfelt fängt die Autorin dabei präzise und bildgewaltig die extremen Gefühle und wichtigsten Werke sowie schillernden Weggefährten von Frida und Diego ein. Wunderbar intim und energiegeladen kontrastriert Berest dabei Stärke und Zerbrechlichkeit der Künstlerikone.
„Die Malerei ist ein Ort auf der Weltkarte ihres Charakters. Heilig, denn sie kann sich dort hineinflüchten und Worte finden.“ S. 160
Ein praller, bewegender und rasanter Roman über ein Leben in Extremen – Hoffnung, Feste, Liebe, Kunst treffen auf tiefe Verzweiflung, Schmerzen und Liebeskummer. Frida Kahlo war eine unzähmbare, fantasiereiche und unkonventionelle Frau, die das Leben trotz körperlichen Einschränkungen gefeiert hat. Claire Berest reißt in „Das Leben ist ein Fest“ zwar vieles nur an, doch das brillant und bunt Geschriebene regt unheimlich dazu an, mehr über Frida, ihr Leben, ihre Kunst und höchst interessanten Weggefährten zu recherchieren und jede Menge Werke von ihr neu anzuschauen.
„Man kann nie vorher wissen, wer einem die Hand reicht, wenn alles einstürzt. (...) Frida denkt: Gelb, Gelb, Gelb. Jede Farbe entspricht einem Gefühl. Gelb ist ein schlechtes Zeichen.“ S. 37
Die bekannte Meditationslehrerin und spirituelle Lebensberaterin Sharon Salzberg fasst in „Achtsam die Welt verändern“ in klaren und empathischen Worten ihr breites Spektrum an Wissen und Intuition rund ...
Die bekannte Meditationslehrerin und spirituelle Lebensberaterin Sharon Salzberg fasst in „Achtsam die Welt verändern“ in klaren und empathischen Worten ihr breites Spektrum an Wissen und Intuition rund um die Praxis der Achtsamkeitsmeditation zusammen. Einfühlend, wohlwollend und verständlich bündelt sie in acht Kapiteln große Themen der Menschheit, die sich aktuell in einem Dauerstresszustand befindet: Wie bleibe ich als Mensch handlungsfähig, entwickle Resilienz, Mitgefühl, Gleichmut und Gelassenheit – und vor allem liebendes Mitgefühl für mich selbst und andere? Wie komme ich durch extreme Emotionen wie Angst und Wut, ohne dass ich resigniere oder in einem Burn-out lande? Wie gehe ich mit der Flut des Leidens um mich herum und in der ganzen Welt um?
Anhand vieler Praxisbeispiele, assoziativer Gedanken und Zitate wichtiger Weggefährten aus der Achtsamkeitspraxis wie beispielsweise auch Thích Nhất Hạn oder auch berühmte Philosophen und Dichter zeigt Salzberg auf inspirierende, anregende und gleichsam beruhigende Weise, wie die Menschheit verbunden ist und wie jeder zu sich selbst auch in schwierigen emotionalen Lagen heimkehren kann. Meditations- und Affirmations-Übungen am Ende der Kapitel fassen das Gelesene nochmal praktisch auf und jeder darf sich in Meditation üben.
Die kluge und scharfe Beobachterin Sharon Salzberg hat viele facettenreiche Perspektiven und Erfahrungen zusammengetragen und in ihre Einsichten sowie persönlichen Krisen integriert – sie zeigt liebevoll auf, wie sich die unterschiedlichsten Menschen bei Stress und Überforderung gerettet oder sich mehr um sich selbst gekümmert haben. Und auch, wie die innere Heilung mit dem globalen Wandel zusammenhängen könnte und wie man sich als Mensch wieder mit der Welt verbunden fühlen kann. Das macht auch Meditationseinsteigern Mut, mit der Praxis zu beginnen und sich mit Achtsamkeit zu beschäftigen, um den Automatikmodus immer weiter abzuschalten und einen klaren Blick für weitere Handlungsmöglichkeiten abseits der unterbewusst einstudierten zu erhalten.
Manches im Buch mag zu wiederholend und ausführlich beschrieben sein, aber insgesamt strahlt der Inhalt eine sehr beruhigende Wirkung aus und wirkt präzise recherchiert sowie authentisch – Salzberg legt mit ihren Worten etwas Balsam auf die verletze und hochnervöse Seele. Empfehlenswert für alle, die sich näher mit den positiven Auswirkungen von Achtsamkeitsmeditation beschäftigen wollen oder sie für sich entdecken wollen. Nun muss die tägliche Übung nur noch in die Praxis umgesetzt werden – und das ist leider trotz des bewegenden und eindringlichen Buches mit seinen Übungen manchmal nicht so leicht alleine umzusetzen. Aber die Motivation und innere Anregung ist dank Salzberg auf jeden Fall vorhanden und das Buch lädt ein, es immer wieder in die Hand zu nehmen und daraus Kraft für schwierige Zeiten zu tanken.