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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 22.12.2017

Im goldenen Käfig

Der gefährlichste Ort der Welt
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In Mill Valley, einem kleinen Städtchen in der Bucht von San Fransisco, gibt es nur Wohlhabende oder Reiche. Die Stadt ist ein kleines Paradies der Sorglosigkeit, doch die Idylle trügt. Erzählt wird aus ...


In Mill Valley, einem kleinen Städtchen in der Bucht von San Fransisco, gibt es nur Wohlhabende oder Reiche. Die Stadt ist ein kleines Paradies der Sorglosigkeit, doch die Idylle trügt. Erzählt wird aus der Sicht verschiedener Jugendlicher vom Gruppenzwang, Unsicherheit, erster Liebe, ersten Erfahrungen. Die Eltern haben viel Geld und hohe Erwartungen, aber wenig Zeit und wenig Verständnis für ihre Kinder.
Als der etwas eigenartige Tristan Bloch in der 8. Klasse der hübschen Calista Broderick einen Liebesbrief schreibt, zeigt sie ihn zunächst ihrer Freundin Abigail, dann dem coolen Ryan, dem angesagten Schwarm aller Mädchen. Dieser ,,kümmert“ sich um das ,,Problem“, indem er den Brief ins Internet stellt und Tristan von da an keine ruhige Minute mehr hat. Eines Morgens radelt er zur Golden Gate Bridge und setzt seinem Leben ein Ende.
Drei Jahre später ist Tristans Tod scheinbar von allen vergessen, doch die Schuldgefühle wurden nur mehr oder weniger gut verdrängt. Die einzelnen Kapitel stellen je eine Figur in den Mittelpunkt, aus deren Sicht die Geschichte erzählt und weitergeführt wird. So hat z.B. Abigail inzwischen ein Verhältnis mit ihrem Lehrer, die Freundschaft zu Cally ist merklich abgekühlt, Dave Chu kann den hohen Erwartungen seiner Eltern nicht gerecht werden und lässt den schlauen Nick Brickston einen Test unter seinem Namen schreiben. Doch keine der Figuren ist so, wie sie von den anderen wahrgenommen wird. Jede führt eine Art Doppelleben, zeigt nur bestimmte Eigenschaften und Gefühle vor den anderen. Schein und Sein lassen sich aber auch nicht eindeutig voneinander unterscheiden. So gibt Nick sich z.B. in San Fransisco als Student aus, erobert die gläubige Sarah. Doch in dem einzigen Moment, in dem er offen und ehrlich zu ihr ist, lässt sie ihn fallen. Die schöne Elisabeth Avarine wird von allen als unnahbar und arrogant wahrgenommen, dagegen ist sie in Wahrheit lieber für sich, unsicher und eine Einzelgängerin. Keine der Figuren weckt wirklich Sympathien beim Leser, höchstens Mitleid. Einzig Calista schafft es am Ende, sich der Schuld zu stellen, die sie wegen Tristan Bloch unbewusst immer empfunden hat. Sie schreibt darüber und zeigt insofern immerhin eine Entwicklung.
Die Geschichte berührt und macht es dem Leser nicht leicht. Dennoch finde ich Johnsons Roman unbedingt lesenswert!

Veröffentlicht am 22.12.2017

Zu viele lose Enden

Die Henry Frei-Thriller / Böses Kind
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Suse, alleinerziehende Mutter dreier Kinder ist völlig überfordert mit ihren Kindern, ihrem Job, ihrer finanziellen Misere, dem Alltagskram... Nun ist auch noch ihre vierzehnjährige Tochter Jacqueline ...

Suse, alleinerziehende Mutter dreier Kinder ist völlig überfordert mit ihren Kindern, ihrem Job, ihrer finanziellen Misere, dem Alltagskram... Nun ist auch noch ihre vierzehnjährige Tochter Jacqueline mitsamt Hund Tapsi verschwunden. Seit ihr Mann die Familie verlassen und sich einer neuen Partnerin zugewendet hat, steht Suse komplett neben sich. Zudem wird sie offenbar von einem geheimnisvollen Mirko gestalkt.
Parallel dazu ermitteln Kriminalkommissar Henry Frei und seine Kollegin Louisa Albers in einem Mord. In einem zwielichtigen Hotel wurde die erdrosselte Ehefrau des bekannten TV-Pfarrers Franz Weinstein gefunden, der sich sehr für die traditionelle Familie und konservative Werte engagiert.
Henry Frei hat so seine Macken, er ist überpenibel, hasst Unordnung und Unpünktlichkeit. Seine Kollegin Albers leidet seit der Geburt ihres Sohnes unter akutem Schlafmangel, den sie durch das Knabbern von Karotten kompensieren will. Die beiden gäben an sich ein interessantes Ermittlerduo ab, wenn nicht ständig diese Macken breitgetreten würden.
Der Fall Weinstein nimmt etwa das erste Drittel der Handlung ein, bis er dann völlig fallengelassen wird, da nun zuerst ein bestialisch getöteter Hund und kurz darauf eine auf ähnliche Weise zugerichtete und gekreuzigte Männerleiche gefunden wird. Hier laufen nun die Fäden zum Fall der verschwundenen Jacqueline zusammen.
Bis dahin empfand ich den Fall als ziemliche 08/15 –Konstruktion, jedes Kapitel wechselt die Perspektive, bis die Handlung dann zusammengeführt wird, unterbrochen durch gelegentliche Intermezzi, die aus der Sicht einer gefangen gehaltenen Person geschildert werden.
Allmählich beginnt man aber, an der Version der Mutter, Suse, zu zweifeln. Immer wieder werden Andeutungen eingestreut, dass sie die Wahrheit verdreht oder sich ihre eigene Realität zurechtzimmert. Ab da wird es erstmals wirklich spannend. Doch die Auflösung und das Ende erfolgen dann sehr abrupt und leiten dann wieder zu einer weiteren Leiche im Fall Weinstein über.
Mich konnte der Krimi nicht überzeugen. Zu viele Handlungsfäden wie z.B. die schwierige Beziehung Suses zu ihrem Vater, der ,,alte“ Freund von Henry Frei, Oskar Marek, mit dem ihn ein beunruhigendes Geheimnis verbindet usw. bleiben am Ende ohne Verknüpfung. So wie eben auch der Fall Weinstein. Dazu muss man dann wohl den nächsten Fall lesen.

Veröffentlicht am 15.12.2017

Kettenreaktion

Dominotod (Ein Nathalie-Svensson-Krimi 2)
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Dies ist der 2. Fall um die Psychiaterin Nathalie Svensson, die als Spezialistin für Psychopathen die Polizei in ganz Schweden unterstützt.
In Sundsvall wird die Leiche eines Arztes gefunden. Thomas Hoffmann ...

Dies ist der 2. Fall um die Psychiaterin Nathalie Svensson, die als Spezialistin für Psychopathen die Polizei in ganz Schweden unterstützt.
In Sundsvall wird die Leiche eines Arztes gefunden. Thomas Hoffmann wurde offenbar einige Tage festgehalten und gefoltert. In seinem Hals steckt ein Dominostein. Fast zeitgleich verschwindet ein zweiter Arzt, Erik Jensen, der in demselben Krankenhaus arbeitet wie Hoffmann. Die einzigen Hinweise sind sein Namensschild und ein weiterer Dominostein in der Tiefgarage des Krankenhauses. Will sich jemand an den Ärzten rächen?
Nathalie Svensson und das Team der zentralen Einheit für Operative Fallanalyse (OFA) werden nach Sundsvall gerufen, um die dortige Polizei um Kriminalhauptkommissar Johan Axberg zu unterstützen. Axberg hat ein besonderes Interesse an dem Fall, da Erik Jensen sein bester Freund ist. Er setzt alles daran, Jensen lebend zu finden. Auch Nathalie Svensson verfolgt nicht nur professionelle Ziele. Ihre Schwester Estelle hatte offenbar ein Verhältnis mit Erik Jensen. Während Estelle sich in Halbwahrheiten und Widersprüche verstrickt und sich dadurch sehr verdächtig macht, rückt auch ihr zur Gewalt neigender Ehemann in den Fokus der Ermittler. Handelt es sich doch eher um eine Eifersuchtstat?
Der Fall ist spannend aufgebaut. Störend finde ich allerdings zu Beginn die zahlreichen Verweise auf den ersten Band, die den Einstieg ins Geschehen erschweren. Die Ermittler sind interessante Figuren, mit kleinen und größeren Sorgen wie Scheidung und Sorgerechtsstreit. Das Privatleben wird aber nicht überstrapaziert. Es zeigt eher die menschliche Seite der Ermittler, wie z.B. Johan als eigentlich glücklichen Vater eines anderthalbjährigen Sohnes, der aber unter den ständigen Ansprüchen seiner Frau Carolina leidet. Nathalie als Psychiaterin ist auch nur Mensch und Frau, sie sucht ständig männliche Bestätigung, weswegen sie sehr auf ihr Äußeres bedacht ist.
In die eigentliche Handlung eingestreut sind einzelne Kapitel, die sich wie Puzzlestücke nach und nach zu einem klareren Bild formieren, um damit dem Leser den Auslöser dieser Kettenreaktion vor Augen zu führen.
Mich hat der Fall gut unterhalten, lediglich den starken Bezug zu Band eins empfand ich als störend.

Veröffentlicht am 02.12.2017

Freund oder Feind?

Oxen. Gefrorene Flammen
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Der ehemalige Elitesoldat Niels Oxen lebt am Rande der dänischen Gesellschaft, versteckt in einer Kellerwohnung und ernährt sich von dem, was die Wohlstandsgesellschaft wegwirft.
Seine Einsätze auf dem ...

Der ehemalige Elitesoldat Niels Oxen lebt am Rande der dänischen Gesellschaft, versteckt in einer Kellerwohnung und ernährt sich von dem, was die Wohlstandsgesellschaft wegwirft.
Seine Einsätze auf dem Balkan und in Afghanistan haben ihm hohe Auszeichnungen für sein heldenhaftes Verhalten und seinen Einsatz für Kameraden eingebracht – aber auch schwere Traumata. Der ,,tapferste Kriegsheld der Nation“ hat sich von allen sozialen Kontakten distanziert und aus dem gesellschaftlichen System ausgeklinkt. Niemand weiß, wo und wie er wohnt. Doch seine inneren Dämonen suchen ihn Nacht für Nacht heim, und so zieht er sich mit seinem Hund in ein großes, abgelegenes Waldgebiet zurück, um zur Ruhe zu kommen. Doch seine Neugierde beschert ihm das Gegenteil. Bei einem nächtlichen Besuch in einem Schlosspark hinterlässt er Spuren und wird so zum Hauptverdächtigen in einem Mordfall. Der Schlossbesitzer Hans-Otto Corfitzen, ehemaliger Botschafter Dänemarks, wurde in seinem Arbeitszimmer ermordet. Außerdem wurde Corfitzens Hund erhängt aufgefunden.
Oxen wird zwar verdächtigt und mehrmals verhört, allerdings wird ihm vom Chef des dänischen Geheimdienstes PET, Axel Mossmann, auch eine Art Undercover-Job angeboten. Oxen soll im Geheimen, mit allen legalen und illegalen Mitteln und natürlich auf eigenes Risiko für Mossmann ermitteln.
Zur Seite steht ihm die Geheimdienstmitarbeiterin Margrethe Franck, die aber ähnlich misstrauisch veranlagt ist wie Niels Oxen. Nur sehr zögerlich arbeiten die beiden zusammen und fassen allmählich Vertrauen zueinander, als sie merken, dass Mossmann vermutlich ein doppeltes Spiel mit ihnen spielt. Wem können sie vertrauen, wer ist Freund und wer ist Feind?
Sehr eindrücklich werden Oxens alptraumhafte Erinnerungen an seine Kriegserlebnisse geschildert, die ihn dazu gebracht haben, alle Brücken hinter sich abzubrechen. Oxen selbst, aber auch Margrethe Franck, sind nicht unbedingt sympathische, aber ungewöhnliche und interessante Figuren. Die Handlung ist sehr verwickelt, aber hochspannend und mitreißend erzählt. Da dies der erste Teil einer Trilogie ist, bleibt das Ende natürlich so offen, dass noch Luft für Band zwei und drei bleibt. Definitiv lesenswert!

Veröffentlicht am 26.11.2017

Geächtet

Crimson Lake
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Ted Conkaffeys Leben wird plötzlich zu einem Alptraum, als er verdächtigt wird, ein Mädchen vergewaltigt und getötet zu haben. Obwohl er selbst Detective ist, gerät er in die Mühlen der Justiz und der ...

Ted Conkaffeys Leben wird plötzlich zu einem Alptraum, als er verdächtigt wird, ein Mädchen vergewaltigt und getötet zu haben. Obwohl er selbst Detective ist, gerät er in die Mühlen der Justiz und der Vorverurteilung, seine eigenen Kollegen misstrauen ihm und wenden sich von ihm ab. Selbst seine Frau ist sich unsicher, ob sie ihm die Tat zutrauen soll und trennt sich von ihm, als er in Untersuchungshaft sitzt.
Wieder auf freiem Fuß aus Mangel an Beweisen, geht für Conkaffey die Hölle aber weiter. Wird er auf der Straße erkannt, sehen die Menschen in ihm weiterhin den Täter. So zieht er sich in die Kleinstadt Crimson Lake im Norden Australiens zurück, wo er auf Ruhe und Anonymität hofft. Doch auch hier wird er bald erkannt und sein Haus mit Steinen und Farbe beworfen. Als ihm sein Anwalt rät, die Privatdetektivin Amanda Pharrell zu kontaktieren, ahnt er nicht, dass dies sein Leben ändern wird. Amanda ist eine verurteilte Mörderin und ziemlich schräg. Für ihren aktuellen Fall, die Suche nach dem verschwundenen Erfolgsautor Jake Scully, heuert sie Ted Conkaffey als Mitarbeiter an, der sich zunächst nur widerstrebend darauf einlässt. Als er dann aber beginnt, in Amandas eigener Geschichte zu recherchieren, merkt er, dass die Detektivarbeit das einzige Mittel für ihn ist, seiner Lethargie und Einsamkeit zu entfliehen.
Die von Candice Fox geschaffenen Figuren sind sehr eigen, kontaktscheu oder exzentrisch, sympathisch oder abstoßend. Man kann sich nicht unbedingt mit ihnen identifizieren. Sie werden aber sehr eindrücklich und charakteristisch beschrieben, sodass sie unverwechselbar werden. Erstaunlich finde ich, wie sowohl Amanda als auch Ted mit der Aggression und der Verachtung, die ihnen entgegengebracht wird, leben können. Während der Fall von Amanda Pharrell einen ziemlich mitnimmt und betroffen macht, wirkt die Lösung des Falls Scully in meinen Augen etwas zu konstruiert.
Dennoch ein unterhaltsamer und spannender Krimi mit teils derben, aber witzigen Dialogen.