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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 01.01.2026

Ein letztes Mal Viktoria & Christian

Das verschwundene Fräulein
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Norderney, 1914. Während die ersten Vorboten von Krieg die Sommergäste in Aufruhr versetzen, wartet Kriminalassistent Christian Hinrichs gespannt auf die Ankunft von Viktoria Berg. Sie ist ihm noch die ...

Norderney, 1914. Während die ersten Vorboten von Krieg die Sommergäste in Aufruhr versetzen, wartet Kriminalassistent Christian Hinrichs gespannt auf die Ankunft von Viktoria Berg. Sie ist ihm noch die Antwort auf die Frage schuldig, ob sie ihn denn heiraten möchte. Da wird Admiralstochter Ilse von Manteuffel entführt und der Entführer gibt Hinrichs und der Familie drei Tage Zeit sie zu finden, oder sie stirbt. Aber ist es wirklich eine politisch motivierte Tat oder finden sich die Beweggründe nicht eher in den dunklen Geheimnissen der adligen Marinefamilie?

Der letzte Band der Seebadkrimi-Reihe fühlt sich etwas kühler an, als die vorherigen Bücher, denn es geht auf Krieg an. In der historischen Retrospektive kann man nur Mitleid mit den Leuten haben, denn der Leser weiß was kommt und vielleicht fühlt sich die Sommerfrische 1914 deswegen auch so anders an. Im gewohnt leichten Schreibstil lernen wir weniger Leute auf der Promenade kennen, sind weniger in den glamourösen Hotels und Pensionen unterwegs und essen weniger Moccatorte. Stattdessen tritt Viktoria mehr in den Hintergrund, wir lernen mehr über das Leben der Einheimischen, der Dienstboten und von Christians Gefühlswelt kennen.

Wir beschäftigen uns aktiv mit der Rolle der Frau im frühen 20. Jahrhundert und mit der Frage ob es möglich ist, berufstätig und verheiratet zu sein und ob man als junge Frau überhaupt die Möglichkeit hat über sein eigenes Leben zu entscheiden.

Wir versuchen einen spannenden Entführungsfall zu lösen, der uns oft im Dunklen tappen lässt und lernen nebenbei noch viel über die Welt der Farbfotografie und Gestaltung der kaiserlichen Marine.

Drückende Hitze, liebenswerte - wenn auch etwas blasse - Charaktere und eine sympathische Portion nördlichem Lokalkolorit, eingebettet in einem historischen Kontext erschaffen einen wunderbaren Reihenabschluss, obgleich die Auflösung des Falles etwas gehetzt wird.

Ich würde gerne wissen, wie es nun mit Christian und Viktoria in den turbulenten Zeiten des 1. Weltkrieges weitergeht, aber leider ist hier erstmal Schluss.

Veröffentlicht am 01.01.2026

Bloodguard - gute Prämisse ohne Tiefgang

Bloodguard
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100 Kämpfe bis auf den Tod muss Gladiator Leith überstehen um den Rang eines Bloodguards zu erhalten und die Möglichkeit zu haben seine sterbende Familie ins Königreich Arrow nachzuholen und zu retten. ...

100 Kämpfe bis auf den Tod muss Gladiator Leith überstehen um den Rang eines Bloodguards zu erhalten und die Möglichkeit zu haben seine sterbende Familie ins Königreich Arrow nachzuholen und zu retten. Die Königsfamilie verkörpert alles, was er verabscheut, doch die Elfenprinzessin Maeve bietet ihm einen Deal an, der unschlagbar ist. Wie weit geht man um die zu retten, die man liebt? Und wie weit geht man, wenn man gar nicht weiß, was eigentlich der Wahrheit entspricht?

Die Prämisse des Buches klang so unglaublich gut und auf Instagram habe ich auch nur Positives gehört, also durfte das E-Book bei mir einziehen. Vier Tage lang habe ich mich durch 630 Seiten gekämpft ohne wirklich zu wissen wofür. Es findet keinerlei Worldbuilding statt, wir werden mit wahllosen Szenen konfrontiert, mit Magiesystemen und verschiedenen Reichen, mit Ogern, Elfen, Menschen, Zyklopen, Mondpferden und vielem mehr ohne etwa erklärt zu bekommen.

Warum handeln die Personen so wie sie es tun? Wer sind diese Personen überhaupt? Es gibt Namen über Namen, Arten über Arten, die alle über Eigenheiten und Besonderheiten verfügen, die in der Kürze der Zeit überhaupt nicht zum Tragen kommen können.

Politik, Intrigen und Komplotte habe ich einfach nicht verstanden, weil mir überhaupt nicht klar war, warum mich da gerade etwa schockieren soll. Es wurde nichts aufgebaut, kein foreshadowing betrieben, keine Hinweise versteckt - die Story ist flach, unausgereift und zu schnell.

Die deutsche Übersetzung (zumindest im E-Book) strotz vor Grammatikfehlern. Teilweise so arg, dass ich Sätze mehrmals lesen musste um überhaupt verstehen zu können, was dort gewollt wird. Auch die Auswahl von bestimmten Übersetzungsoptionen erzeugt eine seltsame Atmosphäre. Außerdem gibt es einige Rechtschreibfehler.

Die Grundidee ist spannend, mit den gewählten Figuren wäre einiges machbar, der Einsatz von blutrünstiger Gewalt macht Spaß, aber es ist zu überladen, nicht ausgearbeitet und stilistisch platt, sodass ich hier eher das Gefühl habe, da wollte jemand noch unbedingt auf den „Romantasy“-Hype aufspringen, bevor es zu spät ist.

Veröffentlicht am 01.01.2026

Der Junge auf dem Berg

Der Junge auf dem Berg
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Das erste Buch, welches ich von John Boyne gelesen habe, war „Das späte Geständnis des Tristan Sadlers“ was mich völlig umgehauen hat. „Der Junge im gestreiften Pyjama“ habe ich nie gelesen, aber geschaut ...

Das erste Buch, welches ich von John Boyne gelesen habe, war „Das späte Geständnis des Tristan Sadlers“ was mich völlig umgehauen hat. „Der Junge im gestreiften Pyjama“ habe ich nie gelesen, aber geschaut und als absoluter Geschichtsnerd, war es ein Muss für mich auch „Der Junge auf dem Berg“ zu lesen.

Pierrot verliert erst seinen Vater, dann seine Mutter und als seine Tante ihn zu sich holt auch seine Identität und Integrität. Mit sieben Jahren lernt Pierrot den Führer kennen, noch vor dem Krieg, auf dem Obersalzberg. Schnell wird aus Pierrot Peter, der Waise wird zum machthungrigen Opfer einer ganzen Ideologie und vor allem eines Mannes, der mit Hass und Unterdrückung über Millionen regiert.

Mit knapp 300 Seiten ist mir das Buch für die Thematik zu dünn. Sehr schnell driftet unser Protagonist in dieser Sucht nach Macht ab und ich kann mir vorstellen wieso und warum, aber mir wird es im Buch nicht klar genug dargestellt. Im Buch entwickelt sich für mich leider nicht die gefährliche Sogwirkung, die die vielen echten „Peter“ 1936 wirklich erfahren haben. Dementsprechend ist mir das „Aufwachen“ nach Kriegsende auch ein zu starker Kontrast, denn nur innerhalb eines Absatzes wird aus einem machthungrigen egomanischen Kind, ein verlorener Jugendlicher ohne Heimat.

Die Botschaft ist klar, der Schreibstil eindringlich - wirklich unfassbar gut.

Veröffentlicht am 01.01.2026

The Favourites

The Favourites
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Wild. Dieses Buch ist ein absolut wilder Ritt durch alle Emotionen.

Gegliedert in fünf Teile erzählt Katarina Shaw ihre Geschichte, dazwischen immer wieder unterbrochen durch Intervieweinblenden von ...

Wild. Dieses Buch ist ein absolut wilder Ritt durch alle Emotionen.

Gegliedert in fünf Teile erzählt Katarina Shaw ihre Geschichte, dazwischen immer wieder unterbrochen durch Intervieweinblenden von Weggefährten. Dieser Doku-Stil funktioniert so furchtbar gut, dass man das Buch eigentlich gar nicht aus de Hand legen kann, weil sich wirklich jede Seite wie eine Netflix-Doku anfühlt.

Die immens ehrgeizige Kat, der masochistische Heath - über zwanzig Jahre getrieben von sich selbst und dem Sport dem sie angehören. Klischeebehaftete Skandale, toxische Beziehungen, das Gefühl in einer Folge 90210 gelandet zu sein - diese Buch hält alles bereit, wirft einen von links nach rechts und packt einen so fest, dass man gar nicht merkt, wie eigentlich nichts passiert und man nur von elend langem Foreshadowing bei der Stange gehalten wird.

Ich habe Kat so sehr gehasst, wie Heath sie geliebt hat. Heath hat mich mehr enttäuscht, als Kat es zugeben konnte. Ellis, Garret, Bella, Frannie, Sheila - alles Personen, die so vermutlich 1:1 in jedem olympischen Dorf vorkommen und bestimmt so oder so ähnlich auch in jeder Tonya Harding Doku zu Wort kommen.

Dieses Buch zu lesen war mir ein Fest, auch wenn ich es gerne mehrmals gegen die Wand geschmissen hätte und ich in der Mitte gehofft habe, dass es bald vorbei ist.

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Veröffentlicht am 01.01.2026

Das Leben fing im Sommer an

Das Leben fing im Sommer an
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Der Sommer 2006 ist für viele ein Sehnsuchtsort des Wunschdenkens. Neben “Da war die Welt noch in Ordnung” - Gedanken gab es einen geilen Sommer und die Heim-WM. Für mich ging es das erste Mal in meinem ...

Der Sommer 2006 ist für viele ein Sehnsuchtsort des Wunschdenkens. Neben “Da war die Welt noch in Ordnung” - Gedanken gab es einen geilen Sommer und die Heim-WM. Für mich ging es das erste Mal in meinem Leben in den Urlaub, von meinem Heimatdorf in ein bayrisches Dorf - mir ist die Welt noch nie größer vorgekommen.

Und so fühlt sich dieses Buch an. Wie Urlaub und Zeitreise, wie Nostalgie ohne die schwere der Melancholie, ein wenig verklärt und verträumt, aber so fühle ich mich auch, wenn ich zurückdenke. Jede Seite blutet den Sommer, ich rieche das gemähte Gras, spüre die flimmernde Hitze auf dem Asphalt und den Durst nach Punica.

Mich verliert der Roman ein wenig ab der Hälfte, da mir der Liebesanteil etwas zu hoch ist und ich auch nicht so ganz den Kopf an dieser ganzen “Le Soleil” Story kriege, ebenso wie “die Diebin”. Ich habe das Gefühl, dass das für etwas stehen soll, was sich hochgestochener anfühlt als es ist und da verliert es bei mir etwas Authentizität.

Ansonsten kann ich dieses Buch nur weiterempfehlen. Ein bisschen coming off age, ein bisschen Rückschau und Nostalgie, ein bisschen Realität und Fiktion - ich sehe mich auf fast jeder Seite und kann neben den Schauplätzen meiner Kindheit auch viele meiner jugendlichen Ängste und Sorgen wiederfinden.

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