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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 13.09.2023

Gut, aber nicht überragend

Die weite Wildnis
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Die ersten beiden Bücher der Autorin habe ich mit großer Begeisterung gelesen. Umso gespannter war ich natürlich auf "Die weite Wildnis".

Es ist wieder ein historisches Setting. Dieses Mal zur Zeit der ...

Die ersten beiden Bücher der Autorin habe ich mit großer Begeisterung gelesen. Umso gespannter war ich natürlich auf "Die weite Wildnis".

Es ist wieder ein historisches Setting. Dieses Mal zur Zeit der ersten Siedler in der Neuen Welt verortet. Der Leser erlebt das relativ kurze, arbeitsreiche, ungerechte, schmerzhafte und von Unterdrückung bestimmte Leben einer jungen Frau anhand ihrer Erinnerungen. Obwohl - so richtig namenlos ist sie, je nach Blickwinkel betrachtet, nicht. Man gibt ihr als Baby eine Art "Moralbezeichnung" als Namen. Sie ist Zeit ihres Lebens eher ein Gegenstand, denn ein Mensch. Um dem Tod zu entkommen (warum genau wird im Verlauf des Buches deutlich), flieht sie mitten im Winter in die unbekannte Wildnis. Das Leben auf ihrer Flucht ist extrem hart und stellt sie immer wieder vor neue Herausforderungen. Und es ist schon erstaunlich, mit welchen Tricks sie sich durchschlägt und am Leben erhält.
Hier kommt auch die größte Stärke des Buches zum Tragen. Die Schilderungen der Wildnis, der Einsamkeit, des Lebenskampfes und der Beschreibungen von Wetter und Natur. Man bekommt eine Vorstellung davon, wie einsam es auf dieser Flucht zugehen muss, wie Hunger und Verzweiflung täglich zunehmen.

Es ist für mich ein gutes und durchaus interessantes Buch. Groffs toller Stil erzählt sehr eindringlich und bildhaft von Schmerzen, Widrigkeiten, Verzweiflung und dem Verlust des eigenen Glaubens. Auch Themen wie Versklavung, Missionierung und Kolonialisierung sowie deren Auswirkungen werden aufgegriffen.

Ich würde nicht sagen, dass mich das Buch enttäuscht hat. Aber trotz des tollen Stils und der anderen interessanten Aspekte, hat es mich letztlich einfach nicht so gepackt und in Begeisterung versetzt.

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Veröffentlicht am 03.09.2023

Unterhaltsam und vielschichtig

Always love you (Ikonen ihrer Zeit 10)
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Ich liebe Romanbiografien und diese hat mich schon sehr gereizt. Whitney Houston, die Frau mit der Jahrhundertstimme und Interpretin des wohl am meisten missverstandenen Hochzeitssongs der Welt. Mit ihren ...

Ich liebe Romanbiografien und diese hat mich schon sehr gereizt. Whitney Houston, die Frau mit der Jahrhundertstimme und Interpretin des wohl am meisten missverstandenen Hochzeitssongs der Welt. Mit ihren Liedern verbinden viele Menschen weltweit besondere Momente und Gefühle. Noch heute werden sie regelmäßig im Radio gespielt.

Doch wo Licht ist, ist bekanntlich auch Schatten. Hanna Faber zeichnet in ihrem Buch das Bild einer jungen, schüchternen und unfassbar talentierten Frau, die ihr liebstes Hobby, das Singen, zu ihrem Hauptberuf machen möchte. Auf der anderen Seite ist diese junge Frau auch sehr zerbrechlich, unsicher und irgendwie immer auf der Suche nach bedingungsloser Liebe um ihrer selbst Willen. Diese Schwankungen bekommt der Leser immer dann ganz besonders zu spüren, wenn Whitney und Robyn sich mal wieder in die Haare bekommen und Whitney sich in Kleinigkeiten regelrecht hineinsteigern kann. Und es kristallisiert sich immer mehr heraus, dass Robyn nicht nur ihre beste Freundin ist, sondern auch ihr einziger konstanter Halt in ihrem Leben und ihrer turbulenten Umgebung. Das Band zwischen beiden muss unglaublich stark gewesen sein. Ich muss ehrlicherweise zugeben, dass ich an Robyns stelle wohl nicht alles so kommentarlos geschluckt hätte...

Mir hat das Buch sehr gut gefallen, das versucht ein differenziertes Bild der Künstlerin darzustellen und auch nicht so positive Aspekte der Person zeigt. Natürlich war Whitney Houston eine unfassbar grandiose Sängerin, mit soviel Talent beschenkt, wie es nicht häufig geschieht. Es zeigt ihre Erschöpfung, ihr Pflichtgefühl gegenüber ihrer Familie und wie sehr doch auch als erwachsene Frau noch das verunsicherte Mädchen in ihr steckt, dass sich nach Geborgenheit und einer Familie sehnt.
Aber sie war auch labil und unstet, ihr Kokainkonsum begann bereits in jungen Jahren.

Und trotz des leichten und unterhaltsamen Stils wird die Geschichte nicht flach oder geschmacklos. Nur beim Thema Rassismus hat die Autorin sich etwas sehr zurückgehalten. Ich denke, Whitney Houston dürfte mit dieser Problematik während ihrer Karriere weitaus mehr konfrontiert worden sein.

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Veröffentlicht am 01.09.2023

Wunderbar

Die Butterbrotbriefe
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Ein ganz wunderbares und bezauberndes Buch, das ich mir unheimlich gut gefallen hat. Carsten Henn beschreibt seine Figuren so genau, ohne dabei auszuufern. Spleens und Eigenheiten werden so charmant beschrieben, ...

Ein ganz wunderbares und bezauberndes Buch, das ich mir unheimlich gut gefallen hat. Carsten Henn beschreibt seine Figuren so genau, ohne dabei auszuufern. Spleens und Eigenheiten werden so charmant beschrieben, dass man eigentlich gar nicht anders kann, als die Figuren ins Herz zu schließen. Von Anfang an habe ich mich in der Geschichte wie zu Hause gefühlt.

Ich finde die Idee, Briefe auf Butterbrotpapier zu schreiben, witzig. Es ist so ein alltägliches, unscheinbares und mittlerweile altmodisches Material. Mir hat die Grundidee des Romans sehr gut gefallen. Und es gibt so viele tolle und - wie ich finde - kluge Sätze darin, die mir sehr ans Herz gegangen sind. Gleichzeitig ist es auch eine Liebeserklärung an das Schreiben und eine Hommage an den Brief.

Es gibt witzige Momente, geprägt von Situationskomik; herzerwärmende Begegnungen, heilende Umarmungen, kluge Erkenntnisse, sehr traurige Momente, in denen ich so sehr mit Kati mitgelitten habe. Und es gibt ganz wunderbare Briefe und erhellende Ausflüge in die Arktis. Für mich war es ein rundum gelungenes Leseerlebnis.

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Veröffentlicht am 27.08.2023

Bewegende Familiengeschichte

Aenne und ihre Brüder
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Reinhold Beckmann lässt den Leser teilhaben ein einem Teil seiner Familiengeschichte. Es ist der Teil seiner Mutter Anna Maria, genannte Aenne, die im 2. Weltkrieg vier ihrer Brüder verlor. Den Verlust ...

Reinhold Beckmann lässt den Leser teilhaben ein einem Teil seiner Familiengeschichte. Es ist der Teil seiner Mutter Anna Maria, genannte Aenne, die im 2. Weltkrieg vier ihrer Brüder verlor. Den Verlust und das fehlende Wissen um den Verbleib von Angehörigen, haben viele Familien nach dem Ende des 2. Weltkrieges verarbeiten müssen. Viele haben nie über diese schmerzhaften Wunden gesprochen, Aenne Beckmann jedoch nicht. Sie hat den Briefwechsel ihrer Brüder über Jahrzehnte aufbewahrt, hat immer wieder über ihre Brüder gesprochen und so die Erinnerung an ihre Liebsten aufrecht erhalten.

Entstanden ist so ein sehr berührendes und aufwühlendes Buch, welches die Lebenswege dieser Geschwister nachzeichnet. Die abgedruckten Briefe geben einen lebendigen Eindruck dieser jungen Menschen, die um einen großen Teil ihres Lebens gebracht wurden, weil sie in einen barbarischen und aussichtslosen Krieg gerissen wurden. Die Briefe erzählen von ganz unterschiedlichen Charakteren, von Träumen, Wünschen und Hoffnung; von Niedergeschlagenheit, Ängsten und Desillusionierung. Von Kriegshochzeiten und Weihnachtsfeiern. Von zwischen den Zeilen versteckten Aussagen zum Kriegsgeschehen, den unsäglichen Zuständen an der Ostfront.
Aber auch Aennes Leben wird erzählt und ihrem Heimatort Wellingholzhausen. Dem Zusammenhalt der Dorfgemeinde, dem kirchlichen Einfluss auf das alltägliche Leben und Aennes schwierigem Start ins Leben.

Ich war von dem Buch sehr ergriffen, auch von den zwischendurch gesetzten, sehr persönlichen Kommentaren Beckmanns zu dem Geschehen.

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Veröffentlicht am 25.08.2023

Ein rundweg schönes Buch

Bei euch ist es immer so unheimlich still
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Mir hat das erste Buch der Autorin unheimlich gut gefallen. Daher war ich sehr gespannt auf ihr neues Buch. Und sie mit mich wieder begeistern können. Ich mag ihren Stil, der so angenehm leicht zu lesen ...

Mir hat das erste Buch der Autorin unheimlich gut gefallen. Daher war ich sehr gespannt auf ihr neues Buch. Und sie mit mich wieder begeistern können. Ich mag ihren Stil, der so angenehm leicht zu lesen und dabei doch sehr feinfühlig ist. Alena Schröder transportiert mit dieser Art für mich sehr viele Emotionen. Mit jeder Figur konnte ich auf die eine oder andere Art mitfühlen und habe mich einfach mittendrin in dieser Geschichte gefühlt. Ich finde es wunderbar, welche Details mit eingearbeitet werden. Die Musik auf Rüdigers heimlicher Lieblingskasette hatte ich ständig im Ohr, die Kosmetik-Runde habe ich bildlich vor mir gesehen. Ich hatte das Gefühl, die Stille zu hören und den Staub zu riechen, habe Tante Betti mit ihrem roten Auto vor Augen gehabt. Überhaupt hatte ich sehr viel Kopfkino beim Lesen. Ich liebe das!

Ja, man kann erahnen, in welche Richtung sich die Geschichte entwickeln wird und so richtig große Überraschungen gibt es nicht. Das tut für meinen Geschmack dem Gesamtpaket aber keinen Abbruch. Für mich ist es ein schöner Schmöker, der mir auch ans Herz gegangen ist und einfach nur Spaß gemacht zu lesen.

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