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asc259

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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 15.03.2026

Trauma der Vertreibung

Elbland
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Was macht es mit einem siebenjährigen Kind, das von heute auf morgen auf brutalste Art und Weise aus seinem wohlbehüteten Zuhause vertrieben wird? Wie wirkt sich das auf die nachfolgende Generation aus?
Nina ...

Was macht es mit einem siebenjährigen Kind, das von heute auf morgen auf brutalste Art und Weise aus seinem wohlbehüteten Zuhause vertrieben wird? Wie wirkt sich das auf die nachfolgende Generation aus?
Nina kannte ihre Mutter ein Leben lang depressiv, die immer wieder zur Kur fahren musste. Nina war es leid, die pflichtbewusste Tochter zu sein. Doch als die Mutter starb, war es auch keine Erleichterung für Nina. Beim Ausräumen der Wohnung stieß sie auf ein Rechenbuch mit einem Foto und einer Postkarte. Nina wollte ihrer inneren Unruhe auf den Grund gehen und sie reiste in den Heimatort ihrer Mutter. Diese hatte nie darüber gesprochen, was damals vor sich gegangen ist.
Das Buch hat mich tief berührt. Am Ende fand sich eine Erklärung, Verständnis für die Mutter die ihre Erlebnisse mit ins Grab genommen hat, für ihr Handeln, die Bevorzugung der jüngeren Schwester, die ständigen Albträume.
Mit dem, was Nina dort im Riesengebirge herausfindet, wird es ihr gelingen, auch ihr eigenes Leben und ihr Verhältnis zur Schwester zu ordnen.

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Veröffentlicht am 07.03.2026

Lesenswert

Die Bücherfrauen von Listland. Der Duft des Strandhafers
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Der Roman ist eine Hommage an die Nordfriesischen Inseln mit ihrer einzigartige wilden Schönheit und seiner Tierwelt. Darin angesiedelt hat die Autorin die Menschen. Es geht um die beiden Schwestern Fenja ...

Der Roman ist eine Hommage an die Nordfriesischen Inseln mit ihrer einzigartige wilden Schönheit und seiner Tierwelt. Darin angesiedelt hat die Autorin die Menschen. Es geht um die beiden Schwestern Fenja und Martje.
Vor Jahren verschwand Martje, die ältere der beiden Schwestern, während eines Unwetters. Heute ist Fenja fünfundachtzig Jahre alt und eine angesehene Kinderbuchautorin. In ihren Büchern hat sie die Geschichten, die ihr einst ihre Großmutter erzählte, niedergeschrieben. Außerdem leitet sie die Bücherfrauen und engagiert sich für neue Autoren. Über eine Stiftung bekommt eine bzw. einer von ihnen ein Stipendium mit der Aufgabe ein angefangenes Manuskript eines einstigen Bürgers von Sylt aus dem Jahr 1938 als Roman zu Ende zu schreiben.
Anna ist ihre Biografin. Sie recherchiert in diesem Zuge zum Verbleib von Martje.
Parallel dazu wird Martjes Werdegang ab 1958, dem Jahr, in dem sie verschwand, erzählt. Immer wieder gibt es ein paar Ungereimtheiten, die am Ende aber doch ihren logischen Schuss finden. Es ist spannend, die Handlung zieht den Leser durch und ist niemals langweilig.

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Veröffentlicht am 26.02.2026

Redd deg selv lille hjetet

Was ist in meinem Alter sonst noch üblich?
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Rette dich selbst, kleines Herz. Das ist der Titel des Buches im Original. Wer denkt sich nur immer solche sperrigen Titel für deutsche Übersetzungen aus? Klingt das Original zu kitschig?
Der deutsche ...

Rette dich selbst, kleines Herz. Das ist der Titel des Buches im Original. Wer denkt sich nur immer solche sperrigen Titel für deutsche Übersetzungen aus? Klingt das Original zu kitschig?
Der deutsche Titel hat mich zu der Annahme inspiriert, wie geht es weiter, wenn ein 65-jähriges Paar sich trennt. Stattdessen ist es eine grünliche Analyse darüber, was man fühlt, wenn man betrogen wird und was man fühlt, wenn man der Betrüger ist.
Erika und Jan sind zusammen, seit sie neunzehn sind. Ihre Beziehung war für die Ewigkeit zemen-tiert. Doch dann, vor 20 Jahren hatte Erika eine kurze Affäre. Jan hatte schon die Scheidungspapiere vorbereitet. Letztendlich wurde man sich nach einer Therapie einig, die Ehe fortzuführen und irgend-wann ist man zur Tagesordnung übergegangen. Vor etwa acht Jahren verlor Jan die Lust am Sex mit seiner Frau. Und nun ist es Jan, der eine Affäre mit einer fünfzehn Jahre jüngeren Frau hat. Anstelle sofort auszuziehen oder sich das Leben zu nehmen, will Erika auch dieses Mal ihre Ehe mittels einer Paartherapie wieder auf die Reihe bringen. In einem Zeitraum von etwa einem halben Jahr durch-leuchtet Erika ihr Innenleben bis ins Detail, wie sie sich den Sex ihren Mannes mit seiner Geliebten Marie in ihrem gemeinsamen Ehebett vorstellt, wie sie es sich vorstellt, ohne Jan zu leben. Oder eine Auszeit? Kann und will sie überhaupt noch aus den gewohnten Bahnen ausbrechen? Das Ende ist bringt keine Lösung, jedoch eine Reihe Denkansätze. Und mittlerweile finde ich auch beide Titel über-zeugend, den deutschen „Was ist in meinem Alter sonst noch üblich“ und auch „Rette dich selbst, kleines Herz“. Oder Omas Spruch, der auch irgendwo im Buch zu finden ist und den auch ich von meiner Mutter kenne: Hilf dir selbst, dann hilft dir Gott. Wie man sich selbst helfen kann, sein Herz retten kann, sollte man selbst herausfinden.

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Veröffentlicht am 18.02.2026

Triest, eine Stadt zwischen den Fronten

Alma
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Alma wächst auf in Triest, der Stadt zwischen Habsburger Nostalgie und Jugoslawien. ihr Großvater versucht ihr, die alten Werte zu vermitteln, Kultur, Sprache, Tradition. Ihre Mutter ist aufgewachsen in ...

Alma wächst auf in Triest, der Stadt zwischen Habsburger Nostalgie und Jugoslawien. ihr Großvater versucht ihr, die alten Werte zu vermitteln, Kultur, Sprache, Tradition. Ihre Mutter ist aufgewachsen in dieser Enge und ausgebrochen, um den charismatischen jugoslawischen Streuner ohne Vergangenheit zu heiraten. Alma genießt sowohl die Zeit mit den Großeltern als auch die Reisen mit ihrem Vater nach Jugoslawien auf Titos Insel, mischt sich dort unter die jungen Pioniere mit Käppi und Halstuch.
Eines Tages bringt ihr Vater Vili mit, den Sohn eines Dissidentenpaares, der in ihrer Familie aufwächst.
Angesichts des aktuellen Krieges in Europa kommt die Erinnerung an diesen furchtbaren Balkankrieg der Neunziger wieder hoch. Man liest Orte, die man aus den Nachrichten kennt: Vukovar, Srebrenica. Liest von unvorstellbaren Gräueltaten.
Alma und Vili lieben sich, hassen sich, lieben sich wieder, die Beziehung der beiden zieht sich wie ein roter Faden durch den Roman.
Ein bewegendes Buch, das die Geschichte Triests beleuchtet. Das Flair wurde hervorragend eingefangen, die habsburgische Seite genauso wie die verfallenen Lagerhäuser aus der Nachkriegszeit, die Freude der Kinder beim Baden im Meer. Ich selbst habe vieles nachgeschlagen, um alles besser verstehen zu können, die bewegende Geschichte dieser Stadt und auch, was es mit „Der Stadt der Irren“ auf sich hat. Leider sind nur fünf Sterne zu vergeben, ich hätte gerne mehr gegeben.

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Veröffentlicht am 14.02.2026

Eine Postsowjetische Betrachtungsweise

Die Reise ans Ende der Geschichte
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Wir schreiben die Neunziger. Der kalte Krieg ist vorbei, der Eiserne Vorhang gefallen. Was geschieht mit den Agenten?
Jakob Dreiser ist mit nicht einmal 25 Jahren auf dem Höhepunkt seiner Kariere, ein ...

Wir schreiben die Neunziger. Der kalte Krieg ist vorbei, der Eiserne Vorhang gefallen. Was geschieht mit den Agenten?
Jakob Dreiser ist mit nicht einmal 25 Jahren auf dem Höhepunkt seiner Kariere, ein charismatischer gefeierter Poet. Er lässt sich von Dieter Germeshausen, einem älteren Doppelagenten anwerben und stürzt sich voll begeistert und übereifrig in die Aufgabe. Mit von der Partie eine Diplomatengattin und Dieters Geliebte Dominic, welche im Suff alles ausplaudert und die undurchsichtige Francesca.
Da wird eine Gartenparty in der russischen Botschaft in Rom beschrieben und Städte wie Almaty in Kasachstan oder Sankt Petersburg. Es werden groteske Situationen geschildert, die Jakob unaufgeregt meistert. Es ist ein Agententhriller, der so überhaupt nichts mit einem Agententhriller gemein hat. Eine gelungene Story.

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