ein literarischer Ankerplatz für die Seele
Wie Schiffe auf stürmischer See„Wie Schiffe auf stürmischer See“ von Kathy Biggs ist einer dieser seltenen Romane, die einen bereits nach den ersten Seiten vollkommen umhüllen. Die Geschichte um Malin, die sich nach Jahren der Lügen ...
„Wie Schiffe auf stürmischer See“ von Kathy Biggs ist einer dieser seltenen Romane, die einen bereits nach den ersten Seiten vollkommen umhüllen. Die Geschichte um Malin, die sich nach Jahren der Lügen ihrer Mutter auf die Suche nach ihrem angeblich toten Vater macht, ist so viel mehr als nur ein Familiengeheimnis.
Die Geschichte:
Malin wuchs im Glauben auf, ihr Vater sei vor ihrer Geburt verstorben – ein „Glasröhrchen-Baby“, wie ihre Mutter es genervt abtat. Doch ein zufällig gefundenes Foto und ein Zeitungsartikel führen sie in die raue Landschaft von Wales. Dort trifft sie auf eine Familie, die selbst in Scherben liegt: Der alte Jack verliert sich in den Nebeln der Demenz, und seine Tochter Grace kämpft mit dem Trauma eines verlorenen Kindes.
Was dieses Buch so besonders macht, ist die spürbare Lebenserfahrung der Autorin. Man merkt Kathy Biggs ihre eigene Geschichte als Krankenschwester und pflegende Angehörige in jeder Zeile an. Die Darstellung des dementen Vaters Jack ist herzzerreißend authentisch und voller Würde – wie Puzzleteile, die kurz aufblitzen und dann wieder in der falschen Schachtel verschwinden.
Besonders fasziniert hat mich der atmosphärische Wechsel: Während wir Malin und Grace durch das neblige Wales begleiten, entführen uns die Rückblenden auf die tosende Irische See. Der Kontrast zwischen der zerbrechlichen Stille der Demenz und der gewaltigen Kraft des Ozeans ist meisterhaft gezeichnet. Der Wechsel zwischen der Camper-Reise durch Wales und den packenden Rückblenden auf die Irische See ist brillant. Wenn Michael von der harten Arbeit auf dem Fischkutter erzählt, meint man das Salz auf der Haut zu spüren und das Brüllen des Sturms zu hören.