Ein spannender historischer Roman über den umkämpften englischen Thron
Rabenthron„Rabenthron“ ist der neuste Band der Helmsby-Reihe, spielt chronologisch jedoch vor den bereits erschienenen beiden Teilen.
Wieder werden fiktive Charaktere aus Helmsby in tatsächliche geschichtliche Begebenheiten ...
„Rabenthron“ ist der neuste Band der Helmsby-Reihe, spielt chronologisch jedoch vor den bereits erschienenen beiden Teilen.
Wieder werden fiktive Charaktere aus Helmsby in tatsächliche geschichtliche Begebenheiten eingebettet. Die Handlung erstreckt sich über mehrere turbulente Jahre, von der Herrschaft unter König Ethelred bis zu König Edward the Confessor. Krieg, Intrigen und Herrschaftswechsel bestimmen den Alltag der damaligen Einwohner Britanniens. Als Leser verfolgt man dabei die Geschichte Emmas, der Königin von England, die ihrer Kinder, und zudem lernt man nebenbei noch weitere reale historische Persönlichkeiten kennen.
Auf der anderen Seite wird die erfundene Geschichte von Ælfric of Helmsby und seiner Nachkommenschaft geschildert, die eng mit der des englischen Königshauses verknüpft wird.
Rebecca Gablé hat unzählige Male bewiesen, dass sie mit ihren detailreichen, akribisch recherchierten historischen Romanen zu überzeugen weiß. Auch hier gelingt ihr wieder ein üppiges Werk mit dichter Atmosphäre, in dem sie Geschichte anschaulich und lebendig werden lässt. Die geschichtlichen Fakten und Begebenheiten werden so elegant untergemengt, dass man unbewusst viel Neues, Spannendes und Interessantes ganz nebenbei erfährt, ohne dass es sich dröge oder gezwungen anfühlt. Der Schreibstil ist gewohnt flüssig und angenehm zu lesen.
Personen und Beziehungen werden größtenteils individuell, vielschichtig und dynamisch dargestellt, also sehr real. Jedoch, auch wenn es „Jammern auf hohem Niveau“ sein mag, nicht jeder Charakter erscheint dabei leider hundertprozentig wirklich vorstell- und greifbar. Gerade unser Held Ælfric wirkt ein wenig „zu gut für diese Welt“, wie man so schön sagt. Darunter leidet ein wenig die Nachvollziehbarkeit seiner Handlungen und seine Glaubwürdigkeit als Figur. Außerdem – trotz aller Irrungen und Wirrungen – ein paar Mal zu oft für meinen Geschmack rettet der Deus ex Machina unsere Hauptfiguren aus ausweglosen Situationen. Aber das mag jeder für sich anders sehen.
Allerdings schafft die Autorin mit ihren fiktiven Charakteren, wie eben Ælfric und auch seinem Sohn Penda und vor allem deren liebevoll gezeichnetem Verhältnis zueinander, einen Kontrast zu der bitteren und oftmals grausamen damaligen Welt (die häufig auch im Detail geschildert wird), bei der oft, gerade im Adelsstand, Macht und Geld mehr wertgeschätzt wurden als Verwandtschaft. Die Kontinuität des Geschlechts von Helmsby wird der von Umbrüchen, Überwerfungen und Wechseln geprägten königlichen Herrschaft des Landes gegenübergestellt.
Auch einige zum Nachdenken und Schmunzeln anregende Szenen, die auf historischen Überlieferungen beruhen, vervollständigen die Erzählung und tragen dazu bei, dass der Text aufgelockert wird und abwechslungsreich bleibt.
Ein kleiner Wermutstropfen für mich persönlich ist das etwas plötzliche Ende der Geschichte, das in meinen Augen keinen richtigen Schlusspunkt hat. Natürlich ist Geschichte ein Kontinuum und irgendwann muss man (auch ein sehr umfangreiches Buch) zum Ende kommen, das ist klar! Aber nach den vielen geschilderten Ereignissen, dem Hin und Her, folgt der Schluss für mich eher abrupt und unerwartet ruhig.
Schließlich wird im Nachwort nicht nur Fakt von Fiktion geschieden (sehr interessant, welche Details tatsächlich so stimmen und welche Ereignisse wirklich stattgefunden haben!), sondern es werden auch gerafft die weiteren historischen Vorgänge geschildert bis hin zum Folgeband.
Das Nachwort erlaubt zusätzlich einen kleinen Blick auf den riesigen Aufwand, der für die Recherche dieses historischen Romans betrieben worden ist.
Alles in allem ein wirklich guter, interessanter und unterhaltsamer historischer Roman auf hohem Niveau – der aber meiner Meinung nach nicht ganz an andere Bücher der Autorin heranreicht. Dennoch sehr lesenswert.