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Veröffentlicht am 31.01.2021

Äußerst gelungener Auftakt einer neuen historischen Krimi-Reihe

Der rote Judas
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INHALT
Der Krieg ist vorbei, das Töten ist es nicht ...

Leipzig in den Nachkriegswirren 1920. Kriminalinspektor Paul Stainer kehrt aus der Kriegsgefangenschaft zurück, das Grauen der Schützengräben noch ...

INHALT
Der Krieg ist vorbei, das Töten ist es nicht ...

Leipzig in den Nachkriegswirren 1920. Kriminalinspektor Paul Stainer kehrt aus der Kriegsgefangenschaft zurück, das Grauen der Schützengräben noch in den Knochen. Ein aufsehenerregender Fall zwingt ihn allerdings, sich mit der Gegenwart zu befassen: In der Villa eines Fabrikanten werden mehrere Menschen erschossen. Alles sieht nach einem missglückten Einbruch aus. Doch eine verängstigte Zeugin und ein Koffer voller Dokumente führen Stainer auf die Spur der „Operation Judas“: Männer, die über Leichen gehen, um ihre Verbrechen zu vertuschen - und die auch Stainers Tod planen.
(Quelle: Wunderlich Verlag bzw.
Taschenbuch-Ausgabe: Rowohlt Taschenbuch)

MEINE MEINUNG
Mit dem historischen Kriminalroman "Der rote Judas" ist dem deutschen Autoren Thomas Ziebula ein sehr überzeugender und unglaublich fesselnder Auftakt einer neuen Krimi-Reihe gelungen, der zwei Jahre nach Ende des 1. Weltkriegs angesiedelt ist. Kenntnisreich und mit vielen eingeflochtenen zeitgeschichtlichen Details, die von sorgsamer Recherchearbeit zeugen, lässt uns Thomas Ziebula in das historische Leipzig der entbehrungsreichen der Nachkriegsjahre zu Beginn der 1920er Jahre eintauchen. Zu Recht stand "Der rote Judas“ auf der Shortlist für den Crime Cologne 2020.
Mit seinen lebendigen, detailreichen Schilderungen versteht es Ziebula hervorragend, uns die verheerenden Auswirkungen des verlorenen Krieges vor Augen zu führen, uns hautnah die aufgeheizte Stimmung in der Bevölkerung und die komplizierte politische Lage in der noch jungen Weimarer Republik vor Augen zu führen. Neben dem Leid der heimkehrenden kriegsversehrten Soldaten, der Not vieler Kriegswitwen, die nicht wissen wie sie ihre Kinder versorgen sollen, häufen sich die Konflikte zwischen Kommunisten, Nationalisten und geheimen rechten Gruppierungen.
Im Mittelpunkt des Krimis steht der zwar körperlich unversehrte, aber psychisch angeschlagene Kriminalinspektor Paul Stainer, der gerade erst aus dreieinhalb-jähriger französischer Kriegsgefangenschaft nach Leipzig zurückgekehrt ist. Überglücklich weiter in der „Wächterburg“ arbeiten zu können, muss er unbedingt verbergen, dass er immer noch unter einer Kriegsneurose leidet und ihm Alpträume, Panikattacken, Halluzinationen und schwerwiegende Gedächtnislücken zu schaffen machen. Keinesfalls darf daher seine Krankenakte mit psychiatrischem Gutachten, das ausgerechnet vom inzwischen zuständigen Gerichtsmediziner Dr. Prollmann ausgestellt wurde, in die Hände seiner Vorgesetzten geraten. Vor allem da er ohnehin beim feindseligen Regierungsrat Kasimir keinen leichten Stand zu haben scheint.
Die Ermittlungen in seinem ersten Fall erweisen sich bald als eine große Herausforderung für Kriminalinspektor Paul Stainer: Der zweifelhafte Selbstmord an einem Mitarbeiter in der Berliner Finanzverwaltung, der Mord an einem Gymnasialprofessor und schließlich eine Schießerei in einer Fabrikantenvilla mit drei Toten geben viele Rätsel auf, bis er bei seinen Nachforschungen schließlich den Hinweis auf eine mysteriöse „Operation Judas“ findet und einem geheimen Netzwerk auf die Spur kommt.
Thomas Ziebula hat einen fesselnden, rasanten und sehr vielschichtigen Plot entworfen, bei dem es dank des verwirrenden Geflechts von verschiedenen Handlungssträngen und den nicht leicht zu durchschauenden Hintergründen reichlich Ansatzpunkte zum Mitraten gibt. Er versteht es hervorragend, Spannung aufzubauen, so dass man mit dem gebeutelten Inspektor Stainer immer mehr mitfiebert. Dieser hat der nicht nur gegen üble Machenschaften in eigenen Reihen anzukämpfen und sich persönlichen Verstrickungen zu stellen, sondern muss auch im privaten Bereich so einiges wegstecken.
Die verschiedenen Charaktere bis hin zu den Nebenfiguren sind sehr facettenreich, lebendig und überzeugend dargestellt. Sie werden mit ihren Gedanken und Gefühle sehr eindringlich und authentisch geschildert, so dass man sich hervorragend in sie hineinversetzen kann. Herausragend ist insbesondere der sympathische Protagonist Paul Stainer, der mit seiner sehr komplexen Persönlichkeit und seiner durch die Kriegstraumata gezeichneten Psyche äußerst faszinierend ist. Man darf gespannt sein, wie er sich im Laufe der Krimireihe weiterentwickeln wird.
Aber auch alle anderen Figuren werden sehr glaubwürdig und interessant gestaltet und geschickt in den vor dem zeitgeschichtlichen Zusammenhang eingebettet, wie zum Beispiel die Straßenbahnfahrerin und Kriegswitwe Fine König.
Zum Ende hin überschlagen sich die Ereignisse regelrecht und nach einigen überraschenden Wendungen gipfelt der Fall in einem äußerst packenden Finale.

FAZIT
Ein sehr überzeugender und fesselnder Auftakt einer neuen historischen Krimi-Reihe auf sehr hohem Niveau, die mit einem komplexen Kriminalfall, hervorragend ausgearbeiteten Charakteren und ausgezeichnet recherchiertem Zeitkolorit punkten kann. Auf die Fortsetzung dieser bemerkenswerten Krimireihe bin ich schon sehr gespannt.

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  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 28.01.2021

Gelungener Abschluss trotz einiger Schwächen

Shadowscent - Die Krone des Lichts
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INHALT
Rakel verlässt die Grenzen des Kaiserreichs, um mehr über die Vergangenheit zu erfahren und endlich Antworten zu bekommen. Sie sucht mithilfe ihres feinen Geruchssinns nach einem Heilmittel für ...

INHALT
Rakel verlässt die Grenzen des Kaiserreichs, um mehr über die Vergangenheit zu erfahren und endlich Antworten zu bekommen. Sie sucht mithilfe ihres feinen Geruchssinns nach einem Heilmittel für die Seuche, die ihren Vater befallen hat, und bemüht sich, nicht an Ash zu denken. Währenddessen versucht Ash, die anderen vor der drohenden Gefahr zu warnen, von der bislang nur er weiß. Doch das Kaiserreich steuert auf einen Krieg zu, dessen Keim in einer Zeit gesät wurde, in der die Götter noch auf Erden wandelten. Ob Prinz oder Diener, jetzt muss jeder Stellung beziehen.

(Quelle: Dragonfly Verlag)

MEINE MEINUNG
Nach dem vielversprechenden Auftakt „Shadowscent - Die Blume der Finsternis“ stellt der zweite Band „Die Krone des Lichts“ eine fesselnde Fortsetzung der abenteuerlichen Geschichte um Rakel, Ash und Nishai und zugleich den Abschluss der Shadowscent-Reihe dar. Diese vielschichtige Fantasy-Dilogie für jugendliche Leser*innen ab 14 Jahren stammt aus der Feder der in Australien geborenen und in Schottland lebenden Autorin P.M. Freestone.
Vor allem mit ihrer faszinierenden, orientalisch anmutenden Setting des Kaiserreichs Aramtesch und der mystisch-magischen Atmosphäre konnte mich diese originelle Fantasy-Geschichte sehr begeistern. Man taucht ein in eine exotische Welt, die von Gerüchen und machtvollen Düften dominiert wird und in der eine alte, geheimnisvolle Götterwelt eine bedeutende Rolle spielt. Sehr gut gefallen hat mir die vorangestellte Karte zum Überblick über die unterschiedlichen Regionen des Kaiserreichs, so dass man sich diesmal beim Lesen gut orientieren konnte.
Die Fortsetzung knüpft ohne eine kurze Rekapitulation der Geschehnisse unmittelbar an das ereignisreiche Ende des ersten Bands an. Ohne eine vorherige Auffrischung der vorangegangenen Ereignisse fällt einem der Einstieg in die Geschichte und die opulente, düstere Welt von Aramtesch nicht gerade leicht. Eine kurze Zusammenfassung und ein Personenregister wären hier sehr hilfreich gewesen. So empfiehlt es sich auch, die beiden Bände recht zügig hintereinander zu lesen, damit es nicht so lange dauert, sich in die zügig voranschreitende Handlung einzufinden.
Freestones mitreißender Schreibstil ist für ein Jugendbuch recht einfach gehalten und lässt sich sehr angenehm lesen.
Die Autorin erzählt ihre fesselnde Geschichte abwechselnd aus der Ich-Perspektive der Hauptfiguren Rakel, Ash, dem jungen Leibwächter des Kronprinzen Nisai sowie aus Sicht der sehr undurchsichtigen Figur von Luz. Die Einblicke in ihre Gedanken- und Gefühlswelt sorgen für eine besondere Nähe zu den Figuren und lassen uns gekonnt an ihren unterschiedlichen Erlebniswelten teilhaben. Die stetigen Perspektivwechsel und etliche überraschende Entwicklungen bauen rasch Spannung auf und bringen frischen Wind in die abwechslungsreiche Geschichte. Der Autorin ist es zwar recht gut gelungen, uns mit tempo- und actionreichen Passagen in Atem zu halten, doch finden sich leider auch immer wieder Episoden, in denen die Spannung deutlich abflacht. Einige Begebenheiten hätten deutlich intensiver und raffinierter ausgearbeitet werden können, zudem hat die Autorin leider viele Ereignisse viel zu rasch und vorhersehbar abgehandelt, so dass interessante Aspekte einfach ausgeblendet wurden. Angesichts des vielversprechenden Settings ist es ihr auch im zweiten Band nicht besonders gut gelungen, uns das zugrundeliegende, komplexe Worldbuilding ausreichend plastisch zu vermitteln und so für ein grandioses Kopfkino zu sorgen.
Insgesamt hat mir die Figurenzeichnung gut gefallen, auch wenn einige ruhig etwas mehr Tiefgang vertragen hätten, um der Geschichte mehr Würze zu verleihen. Während einige Charaktere wie Rakels Mutter oder Luz mir viele Rätsel aufgegeben haben und ich mit ihnen nicht richtig warm wurde, sind die beiden Protagonisten Rakel und Ash sehr plastisch und lebendig ausgearbeitet und ihre Charakterentwicklung ist sehr nachvollziehbar geschildert. Die junge Rakel ist eine rundum sympathische Heldin, mit der man sich leicht identifizieren kann. Sie ist sehr selbstbewusst, clever, schlagfertig und mutig und wächst im Laufe der Handlung immer mehr über sich hinaus. Auch Ash, der anfangs sehr unnahbar und geheimnisvoll wirkte, ist ein besonderer Sympathieträger und nimmt eine bedeutsame Rolle innerhalb der Geschichte ein. Sehr angenehm im Hintergrund hält sich auch die Liebesgeschichte zwischen ihnen, die sehr stimmig geschildert wird und glücklicherweise trotz „Romantik pur“ nicht ins Klischeehafte abgleitet.
Nach einigen unerwarteten Twists mündet die Handlung schließlich in einem fesselnden Showdown. Gut gefallen hat mir der schöne, stimmige Ausklang, der ein passendes, zufriedenstellendes Ende der Fantasy-Dilogie darstellt und die Geschichte von Rakel, Ash und Nisai perfekt abrundet .

FAZIT
Eine fesselnde und unterhaltsame Fortsetzung der Fantasy-YA-Dilogie, der uns in die exotische, vielschichtige Welt der Düfte und das faszinierende Kaiserreichs Aramtesch entführt. Eine vielschichtige Geschichte mit viel Potential, das leider wegen kleinerer Schwächen im Handlungsverlauf und einem nicht ganz ausgereiften Worldbuilding nicht ganz ausgereizt wird!

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Veröffentlicht am 13.01.2021

Bewegender historischer Roman

Trümmermädchen
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INHALT
Köln, 1941.
Anna wächst bei ihrer Tante Marie und ihrem Onkel Matthias auf, einem Bäckerehepaar. Das Mädchen liebt die Backstube über alles, besonders den großen Ofen aus Vulkanstein. Doch mit dem ...

INHALT
Köln, 1941.
Anna wächst bei ihrer Tante Marie und ihrem Onkel Matthias auf, einem Bäckerehepaar. Das Mädchen liebt die Backstube über alles, besonders den großen Ofen aus Vulkanstein. Doch mit dem Krieg kommt das Unglück: Matthias wird eingezogen und die Bäckerei bei Luftangriffen zerstört. Während Köln in Trümmern liegt und vom kältesten Winter des Jahrhunderts heimgesucht wird, schließt Anna sich in ihrer Not einer Schwarzmarktbande an und steigt zur gewieftesten Kohlediebin der Stadt auf. Als sie am wenigsten damit rechnet, verliebt sie sich – eine verbotene Liebe mit gefährlichen Folgen. Von Kälte, Hunger und Neidern bedroht, halten Anna und ihre Tante verzweifelt an dem Traum fest, die Bäckerei wiederaufzubauen. Und an der Hoffnung, dass die Männer, die sie lieben, irgendwann zu ihnen zurückkehren.
(Quelle: Ullstein)

MEINE MEINUNG
In „Trümmermädchen - Annas Traum vom Glück" erzählt die Kölner Journalistin und Autorin Lioba Werrelmann, die ihrem historischen Roman unter dem Pseudonym Lilly Bernstein veröffentlicht hat, eine faszinierende und sehr bewegende Familiengeschichte, die in Köln vor dem zeitgeschichtlichen Hintergrund des 2. Weltkriegs mit seinem Bombenterror, der Stunde Null und der alliierten Besatzung zur Nachkriegszeit spielt.
Gekonnt lässt uns die Autorin mit ihrem lebendigen und bildhaften Schreibstil in die damalige Zeit eintauchen und führt uns die aus heutiger Sicht kaum noch vorzustellenden Zustände für die notleidende Bevölkerung vor Augen. Einfühlsam und facettenreich vermittelt die Autorin ein sehr stimmiges, authentisches Bild von der ausgebombten Stadt während der unmittelbaren Nachkriegs- und britischen Besatzungszeit. Äußerst anschaulich sind die vielfältigen Einblicke in den entbehrungsreichen Alltag, der -geprägt von den Nachwehen des grausamen Kriegs - von Hunger, Armut, Kälte, knappem Wohnraum und chaotischen Zuständen bestimmt wurde. Der Schwarzmarkt florierte, hohe Kriminalität, Gesetzlosigkeit und ein gnadenloser Überlebenskampf erschwerten zudem das Leben der Schwächsten der Gesellschaft. Viele eingestreute historische Details und die sehr plastisch geschilderten Schauplätze in Köln zeugen von einer sorgsamen Recherche der Autorin und sorgen für ein interessantes Lokalkolorit.
Geschickt lässt die Autorin uns auch an der Stimmungslage der Menschen im besetzten Nachkriegsdeutschland teilhaben, die den Besatzern mit gemischten Gefühlen gegenüberstehen und mit der Aufarbeitung der NS-Vergangenheit noch längst nicht abgeschlossen haben.
Im Mittelpunkt der bewegenden Geschichte steht die sympathische Bäckersfamilie mit Marie und Matthias, ihrer Tochter Anna und dem kleinen Karl, deren bewegtes Leben wir mit all seinen Höhen und Tiefen durch die düstere und sehr harte Zeit des Kriegs und der Trümmerjahre begleiten. Exemplarisch für so viele Schicksale jener Zeit erleben wir sie mit ihren Ängsten, Sorgen, Nöten, Entbehrungen, herben Verlusten und Schicksalsschlägen, haben aber auch Anteil an ihren kleinen Freuden, Hoffnungen, Träumen und wenigen glücklichen Momenten. Gekonnt erweckt die Autorin die verschiedenen, facettenreich ausgearbeiteten Charaktere zum Leben, so dass sie mit ihren Eigenheiten äußerst lebensnah und authentisch wirken und einem ans Herz wachsen. Es ist eine wahre Achterbahnfahrt der Emotionen, auf die uns die Autorin im Laufe ihrer mitreißend, anschaulich und bildgewaltig erzählten Geschichte schickt, die vor allem von den bewundernswert tatkräftigen und starken Frauenfiguren getragen wird, die sich aufopferungsvoll und voller Kampfgeist, Überlebenswillen und Mut ihrem Schicksal stellen.
Weniger gut hat mir allerdings die eingeflochtene Liebesgeschichte um Marie gefallen, die ich als etwas hölzern und aufgesetzt empfand, aber meinen positiven Gesamteindruck von diesem sehr gelungenen und fesselnden historischen Roman nicht schmälert.

FAZIT
Ein berührender und lehrreicher historischer Roman über die Kölner die Kriegs- und unmittelbaren Nachkriegsjahre - abwechslungsreich und mitreißend erzählt, mit sehr lebendigem und authentischem Zeit- und Lokalkolorit und faszinierenden Charakteren.

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Veröffentlicht am 08.01.2021

Wundervoll warmherziger Roman

Miss Bensons Reise
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INHALT
Zwei Frauen, zwei Lebensträume und ein mitreißendes Abenteuer
Margery Benson hat einen großen Traum: den goldenen Käfer in Neukaledonien zu finden, den ihr Vater ihr einst in einem Naturkundebuch ...

INHALT
Zwei Frauen, zwei Lebensträume und ein mitreißendes Abenteuer
Margery Benson hat einen großen Traum: den goldenen Käfer in Neukaledonien zu finden, den ihr Vater ihr einst in einem Naturkundebuch gezeigt hat. Doch dieser Traum ist über die Jahre hin genauso verdorrt wie Margery selbst. Bis an einem grauen Londoner Morgen mit einem Schlag alles anders wird.
Kurz darauf findet sich Margery auf einem Dampfer nach Australien wieder, an ihrer Seite die junge Enid Pretty. Die plapperhafte Sexbombe ist nicht gerade das, was sich Margery als seriöse Begleitung auf ihrer Expedition vorgestellt hat. Doch auch Enid hat ein Geheimnis und hegt einen Traum. Zusammen begeben sich die beiden ungleichen Frauen in ein Abenteuer, das die kühnsten Erwartungen übertrifft.

(Quelle: Fischer Krüger - Erscheinungsdatum: 30.12.20 - ISBN: 978-3-8105-2233-7 - Übersetzung aus dem Englischen: Maria Andreas)



MEINE MEINUNG
Mit ihrem neuesten Buch „Miss Bensons Reise“ ist der englischen Bestseller-Autorin Rachel Joyce erneut ein kurzweiliger, wundervoll warmherziger und berührender Roman mit viel Tiefgang gelungen.
Es ist eine ungewöhnliche, sehr einfühlsam und humorvoll erzählte Geschichte über Anderssein, Zusammenhalt, Freundschaft und Freiheit, über Wagnisse, Sehnsüchte und den Mut seine Träume zu leben.
In ihrer vergnüglichen und unterhaltsamen Geschichte nimmt uns die Autorin mit auf einen abenteuerlichen Roadtrip bis ans andere Ende der Welt und auf eine äußerst ereignisreiche Expedition zur Entdeckung eines geheimnisvollen goldenen Käfers auf Neukaledonien mitten im Pazifik.
Angesiedelt ist die Handlung hauptsächlich in den 1950er Jahren. Mit ihrem charakteristischen Schreibstil, der sehr stimmungsvoll und feinfühlig ist und eine herrliche Leichtigkeit vermittelt, gelingt es der Autorin hervorragend, eine unnachahmliche und für ihre Bücher so typische Atmosphäre entstehen zu lassen und uns sehr schnell in ihren Bann zu ziehen. Es bereitet sehr viel Spaß die Protagonistinnen Margery und Enid auf ihrer spannenden Reise zu begleiten und mitzuerleben, wie die Erlebnisse die beiden so unterschiedlichen Frauen zusammenschweißen, das Beste aus ihnen herausholen und aus ihrer Zweckgemeinschaft allmählich eine wundervolle Freundschaft erwächst. Beide haben sehr nachvollziehbare Gründe, ihr bisheriges Leben in England hinter sich zu lassen, um ihren großen Traum zu verwirklichen.
Die Geschichte lebt vor allem von den beiden skurrilen, aber äußerst liebenswerten Protagonistinnen Margery und Enid – zwei sehr außergewöhnliche Frauenfiguren, die gegensätzlicher kaum sein könnten. Die Charakterisierung ihrer vielschichtigen Persönlichkeiten mit all ihren Geheimnissen, Ecken und Kanten ist äußerst gelungen, so dass man sich im Laufe der Handlung immer besser in das Innenleben der hineinversetzen und ihr Verhalten gut nachvollziehen kann. Mit der etwas schrulligen, unscheinbaren, alleinstehenden Margery Benson lernen wir ältliche, einsame Dame kennen, die schon so einige Entbehrungen und Schicksalsschläge hinter sich hat. Sie ist eine sehr liebenswerte und empathische Frau, die man schnell in sein Herz schließt. Sehr gut getroffen und facettenreich ausgearbeitet ist auch ihre dauerquasselnde, aufgetakelte Reisebegleiterin Enid. Sie wirkt anfangs zwar unsympathisch, oberflächlich und extrem nervtötend, doch je mehr man über ihre Vorgeschichte erfährt, ihre Widersprüche versteht und ihre Stärken erkennt, desto besser hat sie mir gefallen.
Auch wenn die Geschichte lange Zeit recht vorhersehbar und nicht frei von klischeehaften Entwicklungen ist, versteht es Joyce, uns mit einigen Twists zu fesseln und zum Ende hin mit einem äußerst unerwarteten Finale völlig zu überraschen.

FAZIT
Eine berührende, humorvoll und einfühlsam erzählte Geschichte zum Schmunzeln und Innehalten, und ein wundervoll skurriler Roadtrip ans andere Ende der Welt!
Ein unterhaltsames „Wohlfühlbuch“ mit sehr liebenswerten Charakteren und ein sehr vergnügliches Lesevergnügen!

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Veröffentlicht am 06.01.2021

Aus dem Nähkästchen einer Top-Tennisspielerin

Zwischen Ruhm und Ehre liegt die Nacht
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INHALT
Tennis als Spiegel des Lebens – in ihrem literarischen Debüt schlägt die ehemalige Top-Ten-Spielerin Andrea Petković die Brücke zwischen Sport und Literatur, und begeistert mit zutiefst ehrlichen ...

INHALT
Tennis als Spiegel des Lebens – in ihrem literarischen Debüt schlägt die ehemalige Top-Ten-Spielerin Andrea Petković die Brücke zwischen Sport und Literatur, und begeistert mit zutiefst ehrlichen und anrührenden Geschichten rund um ihr Leben als Tennisprofi. Wie fühlt es sich eigentlich an, das Leben als eine der weltweit besten Tennisspielerinnen? Wie gelingt die Balance zwischen notwendiger Siegesgewissheit und gefräßigem Selbstzweifel? Wie schafft man es, trotz manch krachender Niederlage und nervtötenden Verletzungen die Freude am Spiel nicht zu verlieren? Und wie pflegt man Freundschaften in einer Welt der Rivalität und des ständigen Unterwegsseins?
(Quelle: KiWi)

MEINE MEINUNG
Der autobiografische Erzählband „Zwischen Ruhm und Ehre liegt die Nacht“ ist das beeindruckende und sehr unterhaltsame literarische Debüt der Tennisspielerin Andrea Petković, die es bis auf Position 9 der Tennis-Weltrangliste schaffte.
Es ist eine gelungene, bunt gemischte Sammlung von kurzen Geschichten, persönlichen Erinnerungen und Anekdoten aus ihrem ereignisreichen Leben als erfolgreicher Tennis-Profi, die aber nicht nur Fans dieses Sports zu unterhalten weiß, sondern vor allem auch durch sehr offene Einblicke in ihre Gefühls- und Gedankenwelt, ihre Selbstkritik und erstaunlich reife Lebensweisheiten beeindruckt.
Hierbei hat sie sich jedoch auch die künstlerische Freiheit genommen, einige wahre Begebenheiten literarisch aufzuarbeiten und zu fiktionalisieren.
Gekonnt nimmt uns Andrea Petković hinein in die Welt eines faszinierenden, aber auch knallharten Sports, liefert sie uns interessante Rückblicke auf ihre beeindruckende Karriere und gibt uns einen sehr aufschlussreichen Blick hinter die Kulissen des internationalen Tenniszirkus. Wir begleiten diese faszinierende Sportlerin auf einer sehr persönlichen Reise durch ihr Leben mit all seinen Höhen und Tiefen, auf der sie uns auch sehr eindrückliche Einblicke in ihr Innenleben und ihre Persönlichkeit gewährt.
Sehr bewegend, warmherzig und mit einem humorvollen Unterton erzählt Petković von ihrer großen Liebe zum Tennis, von spektakulären Triumphen und unvergesslichen Glücksmomenten, aber auch über herbe Enttäuschungen, Verletzungspech und seelischen Tiefpunkten. Neben interessanten Geschichten aus ihrer Kindheit und Jugend in Darmstadt als Einwandererkind aus dem ehemaligen Jugoslawien, über ihren starken Assimilationswillen und ihre zerrissene serbisch-deutschen Seele erfahren wir auch vom hohen Stellenwert von besonderen Freundschaften in ihrem Leben und der Literatur, die für sie ein unabdingbarer, heilsamer Lebensbegleiter geworden ist.
Kritisch beleuchtet sie nebenbei die Begleiterscheinungen von Ruhm und Bekanntheit, erzählt offen über Selbstzweifel, Einsamkeit und Frustration, lässt uns aber auch ihr Geheimnis von Ehrgeiz und Erfolgswillen ergründen.
In vielen Episoden geht es natürlich auch um Tennis, in denen es sich um amüsante und ergreifende Dramen und Tragödien auf dem Court, während der Turniere und auf den Reisen um die Welt dreht, um spannende Begegnungen mit anderen Tennis-Profis oder um den anstrengenden Tennisalltag.
FAZIT
Ein gelungener, unterhaltsamer Erzählband mit amüsanten, bewegenden und faszinierenden Episoden aus dem Leben einer sympathischen Spitzensportlerin – humorvoll, selbstkritisch und warmherzig erzählt! Nicht nur für Tennisbegeisterte sehr lesenswert!

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