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Veröffentlicht am 17.08.2026

Ein Mosaik aus Begegnungen – Bewegende Lebenserinnerungen

Das Mosaik der Frauen
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MEINE MEINUNG
In seinem neuen, faszinierenden Roman „Das Mosaik der Frauen“ erzählt Rafik Schami über das Leben als fein gesponnenem Geflecht aus Erinnerungen, Verlusten und prägenden Begegnung mit Frauen, ...

MEINE MEINUNG
In seinem neuen, faszinierenden Roman „Das Mosaik der Frauen“ erzählt Rafik Schami über das Leben als fein gesponnenem Geflecht aus Erinnerungen, Verlusten und prägenden Begegnung mit Frauen, die sich manchmal nur kurz, manchmal jedoch für immer in die Biographie einschreiben.
In der Rahmenhandlung begegnen wir Said Mardini, einem Mann, der vor Jahrzehnten aus Syrien nach Heidelberg gekommen ist und dem der todkranke Nadim Suri seine bewegte Lebensgeschichte anvertraut. Im eigentlichen Hauptteil des Romans bildet jedoch Nadim Suris Perspektive, der ebenfalls aus Damaskus über Beirut nach Heidelberg geflüchtet ist und nun rückblickend nicht nur von politischen Umbrüchen, Flucht und Neuanfängen berichtet, sondern vor allem jene Frauen in den Blick nimmt, die seinen Lebensweg zeitweise begleitet, geprägt, bereichert und nachhaltig verändert haben.
Mit einer Ausnahme ist jeder Frau ein eigenes, selbstständiges Kapitel gewidmet, in dem Nadim in wohltuender, hochachtungsvoller Erinnerung von ihren Begegnungen, ihrer Liebe, von stillen Momenten der Zuneigung, aber auch von Schmerz, Enttäuschung und schmerzhaften Trennungen berichtet.
Aus diesen unterschiedlichen Episoden, gleichsam als einzelne, bunten Mosaiksteinchen, entsteht nach und nach ein vielgestaltiges, von Brüchen durchzogenes Lebensbild, das Nadim zu dem charismatischen Menschen werden lässt, der er heute ist. Schami gelingt es hervorragend, aufzuzeigen, dass das Leben seines Protagonisten keine geradlinige, kontinuierliche Chronik darstellt, sondern aus zahlreichen, jeweils prägenden Begegnungen besteht, in denen sich die Persönlichkeit im Laufe der Zeit immer wieder aufs Neue zusammensetzt. Jede von ihnen hinterlässt dabei Spuren von anderer Art, Tiefe und Wirkung.
Gerade durch die Verbindung von Nadims persönlicher Lebensgeschichte mit der politischen Enge und der kulturellen Vielfalt Syriens gewinnt der Roman eine besondere Eindringlichkeit und fast greifbare atmosphärische Dichte. Insbesondere die Fragilität privaten Glücks gegenüber den ständigen Bedrohungen, dem Verlust von Freiheit und der Gefahr, Menschen zu verlieren, lässt die zwischenmenschlichen Beziehungen umso wertvoller und zärtlicher erscheinen.
Eindrucksvoll zeichnet Schami seine syrische Heimat, indem er uns einen lebendigen Blick auf das alltägliche Leben in Damaskus ermöglicht, eine widersprüchliche Stadt, die geprägt ist von religiöser Vielfalt, Aberglauben, fragilen Hoffnungen und den vielen Facetten der Beziehungen. Mit großer Empathie und sicherem Blick für Details entwirft er ein Bild des Landes, das von einem repressiven Regime geprägt ist und dessen Bevölkerung ständig im Schatten von Misstrauen, Überwachung, Gewalt und diffuser Angst lebt.
Schami schreibt über die Frauen in Nadims Leben als lebendige, komplexe Charaktere, die Nadim geformt und deutliche Spuren hinterlassen haben, aber auch durch ihn geprägt wurden.
Schami beweist erneut sein großes erzählerisches Können. Sein bildgewaltiger, oft poetischer Schreibstil strahlt eine warmherzige, fast vertrauliche Nähe aus, als säße man selbst im Raum und hörte Nadim beim Erzählen zu. Zwar fordert die verschachtelte, mäandernde Erzählweise viel Aufmerksamkeit und Geduld, doch gerade die scheinbar beiläufigen Abschweifungen und eingeschobenen Geschichten verleihen der berührenden Lebensgeschichte einen besonderen Reiz. Sie wirken nie willkürlich, sondern ergänzen die zentrale Metapher des Mosaiks, das keine perfekten, geraden Linien kennt, sondern aus Brüchen, Lücken und scheinbar unzusammenhängenden Teilen besteht. Erst mit Abstand und im Rückblick erschließt sich das Ganze auf beeindruckende Weise vollständig.

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Veröffentlicht am 14.08.2026

Faszinierender Kunstroman

The Artist
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Lucy Steeds’ Debüt “The Artist - Die Farben des Lichts“ ist ein fesselnder historischer Roman, der durch seine sprachliche Brillanz, dichte Atmosphäre und eine faszinierend vielschichtige ...

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Lucy Steeds’ Debüt “The Artist - Die Farben des Lichts“ ist ein fesselnder historischer Roman, der durch seine sprachliche Brillanz, dichte Atmosphäre und eine faszinierend vielschichtige Thematik überzeugt. Eindringlich geht er der Frage nach, welchen Preis künstlerisches Schaffen fordert und wer diesen letztlich zu tragen hat.

Die Handlung spielt im Sommer 1920in der Provence auf einem abgelegenen Landgut, in das sich der berühmte Maler Edouard Tartuffe gemeinsam mit seiner Nichte Ettie zurückgezogen hat. Der junge englische Journalist Joseph Adelaide erhofft sich von seinem Besuch ein spektakuläres Interview mit dem großen Genie, das sich seit Jahren der Öffentlichkeit entzogen hat. Tartuffe willigt Josephs Bleiben ein, unter der Bedingung, ihm Modell zu stehen. Was zunächst wie eine Gelegenheit für den aufstrebenden Journalisten scheint, entwickelt sich rasch zur Rolle eines stillen Beobachters, der sich vorsichtig dem verschrobenen Künstler annähert, bis sich seine Aufmerksamkeit immer stärker auf Ettie richtet, jene faszinierende, sehr rätselhafte junge Frau, die sich wie ein Schatten still durch das Haus bewegt und im Hintergrund für alles sorgt. Inmitten der spektakulären Landschaft aus Hitze, Licht, Farben und Stille entspinnt sich eine flirrende Geschichte, die weit über Malerei und künstlerische Obsession hinausgeht, Sie erzählt von Abhängigkeit und Kontrolle, von verdrängtem Schmerz, Kriegserfahrungen, Leidenschaft und Verlangen, aber auch von ungleichen Geschlechterverhältnissen und Macht in der Kunst. Die Handlung setzt sich langsam, etwas zäh in Gang und wird abwechselnd aus der Perspektive des jungen Journalisten Joseph und der rätselhaften Ettie erzählt, deren innerer Zugang zu Menschen und Bildern Josephs flüchtigen Außenblick stets zu hinterfragen scheint.

Besonders beeindruckend ist Steeds bildgewaltiger Schreibstil. Mit präziser, fast malerischer Prosa, verwandelt sie Landschaft, Atmosphäre, Farben, Texturen und das Licht der Provence in lebendige Bilder, wodurch diese nicht nur als Kulisse, sondern als eigenständiger Part in der Geschichte erscheinen. Ob nun den blassen, suchenden Joseph, die in Licht und Schatten getauchte Ettie oder den grotesk überzeichneten, bedrohlichen Taruffe - ihre Figuren zeichnet Steeds sehr eindrucksvoll und facettenreich wie schillernde Porträts auf einer Leinwand, so dass man sie fast zu spüren und zu sehen glaubt.

Gekonnt entwirft Steeds ihre Geschichte wie ein kunstvoll arrangiertes Tableau, in dem jeder Blick, jede Geste und jedes scheinbare Detail eine besonders aufgeladene, erst im Verlauf erschließbare Bedeutung gewinnt. Steeds versteht es, sich Zeit für die atmosphärisch dichte Beobachtung von Nuancen, Stimmungen und Stille zu nehmen und dabei geschickt eine subtile, unheilvolle Spannung aufzubauen, die sich unaufdringlich immer mehr ausbreitet. Nach und nach werden die feinen Grenzverschiebungen zwischen Beobachter und Akteur, zwischen Macht und Unterwerfung erkennbar, während die Beziehungen, Sehnsüchte und Verletzungen der Figuren immer deutlicher hervortreten und eine faszinierende Komplexität ihrer Welt offenbaren. Geschickt lenkt die Autorin unser Augenmerk allmählich von Joseph auf Ettie, die eigentliche Protagonistin des Romans. Mit ihr hat Steeds eine faszinierende, vielschichtige Figur geschaffen, deren Geheimnisse, Ambivalenzen und rätselhaftes Verhalten uns zunehmend in ihren Bann ziehen. Im Verlauf zeigt sich, dass die lange im Hintergrund bleibende Ettie eine zentrale Figur für Tartuffe ist und über verborgene Talente verfügt, die sich in ihrem scharfen Blick, ihrer Beobachtungsgabe und ihrem sensiblen Umgang mit Bildern ausdrücken. Ihr Schweigen erscheint nicht als Zeichen von Schwäche, sondern als ein stiller, bewusster Widerstand gegen eine Rolle, die ihr nur den unsichtbaren Platz im Schatten des Künstlers erlaubt. Auf tragische Weise wird deutlich, dass Ettie eine andere Geschichte hätte leben können, wenn die rigiden patriarchalen Strukturen und gesellschaftlichen Zwänge der damaligen Zeit für Frauen weniger einengend gewesen wären und sie sich hätte selbstverwirklichen können. Ihre inneren Kräfte und die enorme Stärke, ihren eigenen Weg zu gehen, werden erst nach und nach sichtbar, auch wenn die spätere, durchaus spektakuläre Enthüllung ihres Handelns in meinen Augen keine wirkliche Überraschung ist.

In dieser Hinsicht erzählt Steeds nicht nur vom Leben gefeierter Künstler, sondern vor allem von den Frauen an ihrer Seite, die durch Fürsorge, Organisationstalent und bewusste Zurückhaltung die Illusion von „Genie“ aufrechterhalten, ohne selbst je sichtbare Anerkennung zu erhalten. „The Artist“ zeichnet damit eine eindrückliche Geschichte von ungleiche Geschlechterverhältnissen und der historische Schieflage dessen, was überhaupt als kreative Leistung anerkannt wird.

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Veröffentlicht am 15.07.2026

Zwischen Verlust und Neubeginn

Mirabellentage
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Martina Bogdahns neuer Roman „Mirabellentage“ entführt uns erneut in das fiktive bayrische Dorf Blumfeld, in dem bereits ihr Debüt „Mühlensommer“ spielte, und lässt uns wieder in ein ebenso ...

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Martina Bogdahns neuer Roman „Mirabellentage“ entführt uns erneut in das fiktive bayrische Dorf Blumfeld, in dem bereits ihr Debüt „Mühlensommer“ spielte, und lässt uns wieder in ein ebenso lebendiges wie berührendes Panorama des ländlichen Lebens eintauchen.
Obwohl sich die deutsche Fotografin und Autorin Bogdahn thematisch und atmosphärisch treu bleibt, entfaltet sich eine deutlich stillere, melancholischere Geschichte, in der sie mit viel Feingefühl über Abschied, Erinnerung, Zusammenhalt und Suche nach dem, was im Leben wirklich wichtig ist, erzählt.
Angelegt ist der Roman ist in der Gegenwart des Jahres 2010.
Bogdahns Erzählstil ist leicht, lebendig und von großer Wärme geprägt. Mit spürbarer Nähe zur eigenen Herkunft schildert sie das Leben im ländlich geprägten Blumfeld ebenso anschaulich wie authentisch. Mit großem Einfühlungsvermögen, sicherem Sinn für Stimmungen und einem liebevoll-ironischen Blick gelingen ihr nicht nur heitere, teils wunderbar komische Episoden und stimmungsvolle Naturbeschreibungen sondern auch fein beobachtete Momente voller Nachdenklichkeit und stiller Wahrhaftigkeit.
Im Mittelpunkt steht diesmal die 54jährige Protagonistin und Ich-Erzählerin Anna Nass, die langjährige Haushälterin und Gefährtin des verstorbenen Blumenfelder Dorfpfarrers Josef. Durch seinen plötzlichen Tod verliert Annas klar strukturierter Lebensalltag und vertrauten Gewohnheiten jede Ordnung. Zudem gerät Annas kleine Welt beträchtlich ins Wanken, als noch vor Josefs Beerdigung der junge, neubestellte Nachfolger Fridtjof ins Pfarrhaus einzieht. Der junge Nordfriese mit seinem für Bayern schwer verständlichen Plattdeutsch tut sich schwer mit seiner neuen Aufgabe und braucht Annas Hilfe, so dass sich zwischen den beiden allmählich trotz aller Befremdlichkeiten eine zarte, vertrauensvolle Bindung entwickelt.
Rückblenden eröffnen nach und nach aufschlussreiche Einblicke in Annas Kindheit, ihr Alltagsleben und die prägende Zeit auf dem Land sowie Erinnerungen an frühere Dorffeste und schöne Momente. Diese feine Verflechtung von Vergangenem und Gegenwärtigem macht den Roman besonders facettenreich und lässt Annas Lebensweg eindrucksvoll nachvollziehen. So begleiten wir Anna bei ihrer inneren Reise, bei der sie über die Vergänglichkeit, das eigene Altern, alte Freundschaften und verpasste Chancen nachdenkt.
Anschaulich widmet sich die Autorin Annas verspätet ersetzender Selbstreflexion und ihrem allmählich einsetzenden inneren Befreiungsprozesses. Erst mit Mitte fünfzig beginnt sie über sich selbst und ihr von harter Arbeit, Bescheidenheit und Verzicht geprägtes Leben nachzudenken und ihre tradierten Rollen, Verpflichtungen und Loyalitäten zu hinterfragen. Mag ihr Lebensweg zunächst eher unspektakulär wirken, so gelingt es Bogdahn doch, ein glaubwürdiges Bild einer mitfühlenden Frau und leisen Heldin zu zeichnen, die Beständigkeit, Rücksichtnahme und alte Werte schätzt und deren aufopferndes Leben, ihr Sinn und Halt gibt.
Neben der liebevoll und facettenreich gezeichneten Hauptfigur mit all ihren Eigenheiten, Stärken und Schwächen begegnet man einer Reihe origineller Dorfbewohner, aber leider auch etwas klischeehaft inszenierter Nebenfiguren, die dem Roman Farbe und Lebendigkeit verleihen sollen.
Mit eindrucksvoller Detailfülle und mit feinem Humor arbeitet Bogdahn in vielen kleinen Episoden und Anekdoten ein atmosphärisch dichtes und nostalgisch angehauchtes Panorama von den charmanten Besonderheiten des Landlebens und eines stark katholisch geprägten Mikrokosmos heraus. Die Autorin versteht es zudem, mit leiser Ironie und einer Prise gelungener Situationskomik, für Unterhaltung und nette Schmunzelmomente zu sorgen.
Allerdings bleibt die ruhige, etwas seicht dahinplätschernde Geschichte leider deutlich hinter ihren Möglichkeiten zurück. So Bogdahn beschwört eine heile Welt voller Idylle und Gutherzigkeit sowie die behagliche Geborgenheit in einer starken Gemeinschaft herauf, ohne deren Schattenseiten mit starren Konventionen, der Enge und Ausgrenzung von Abweichlern auszuleuchten. Bisweilen hätte ich mir doch einige Überraschungen oder emotionale Zuspitzungen für mehr Spannungsmomente gewünscht.

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Veröffentlicht am 23.06.2026

Fermentieren leicht gemacht

Fermentieren – Twist your Taste!
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MEINE MEINUNG
Das neue Sachbuch „Fermentieren – Twist your Taste!“ von Nadine Schünemann, erschienen im EMF Verlag, ist ein ebenso inspirierender wie fundierter Leitfaden für alle, die die faszinierende ...

MEINE MEINUNG
Das neue Sachbuch „Fermentieren – Twist your Taste!“ von Nadine Schünemann, erschienen im EMF Verlag, ist ein ebenso inspirierender wie fundierter Leitfaden für alle, die die faszinierende Welt der Fermentation kennenlernen oder vertiefen möchten.
Mit großer Leidenschaft und beeindruckender Sachkenntnis belebt die Autorin die einst als veraltet geltende Vorratstechnik wieder und bereitet ihr mit modernen kulinarischen Trends und nachhaltigem Bewusstsein ein cooles Comeback.
Von leckeren Frühstücksideen, Snacks aus knackigem Gemüse, innovativen Hauptgerichten, fruchtigen Drinks bis hin zu cremigen Bowls - Nadine, die Gründerin der beliebten Marke „Lieblingsglas“, zeigt uns, wie aus modernen Ferment-Basics unendlich viele gesunde Rezept-Variationen gezaubert werden können, die die volle Vielfalt der Fermentation und ganz neue, überraschende Aromen direkt auf den Teller bringen.
Diese Rezeptvielfalt zeigt eindrucksvoll, wie Fermente als Aromabooster funktionieren: Sie bringen Säure, Umami und Textur ins Spiel und ermöglichen es, aus wenigen einfachen Komponenten komplexe Geschmackserlebnisse zu zaubern.
Dieses Buch ist somit weit mehr als ein reines Kochbuch mit Rezepten zum Fermentieren, sondern soll uns eine Grundlage für jede Menge Experimentierfreude und einfache, kreative Anregungen für die Alltagsküche bieten. Gut gefallen haben mir die klare, übersichtliche Gliederung und die inspirierenden Erläuterungen, sodass man das Werk sowohl als Nachschlagewerk wie auch als Experimentierhandbuch nutzen kann.
Gegliedert ist es in drei Hauptabschnitte.
Im ausführlichen Grundlagen-Teil wird uns zunächst alles relevante Wissen rund um das Fermentieren und den Fermentationsprozess verständlich erklärt.
Der zweite, informative Basisfermente-Teil zeigt dann, wie man die verschiedensten Fermente herstellt und im Alltag als einigartige Würzmittel verwenden kann. Hier finden wir die Rezepte für 30 Basisfermente untergliedert in Getreide & Hülsenfrüchte, Gemüse & Obst, Basics & Dips sowie verschiedene Drinks. Passend dazu gibt es für die einzelnen Fermente unter der Rubrik „Mix & Match“-Ideen konkrete Vorschläge für deren vielfältige Einsatzmöglichkeiten mit Verweisen auf den dritten Rezeptteil. Der Kreativität sind hier wirklich keine Grenzen gesetzt. So lässt sich beispielsweise aus einem Glas fermentiertem Gemüse ein Dressing, ein Aufstrich, ein Topping oder sogar ein köstliches Hauptgericht zaubern. Äuerst spannend ist auch zu erfahren, was die einzigartigen Fermente in unserem Körper so alles bewirken und unsere Gesundheit unterstützen können.
Im letzten Mix-&-Match-Teil, in dem 60 originelle Fermentations-Rezepte für jeden Tag als Inspirationsquelle vorgestellt werden, erfahren wir schließlich wie wir die verschiedensten Fermente-Basics vielseitig einsetzen und kombinieren können. Hier sind der Kreativität wirklich keine Grenzen gesetzt!
Im Einführungsteil führt uns die Autorin zunächst in die Grundlagen der Fermentation ein und erklärt anschaulich, wie Mikroorganismen – Bakterien, Hefen und Pilze – natürliche Prozesse der Haltbarmachung und Geschmacksentwicklung steuern. Neben fundiertem Hintergrundwissen enthält der Theorieteil viele praxisorientierte Hinweise: zur Auswahl von Zubehör, zu Hygieneregeln, Haltbarkeit und Gärgefäßen. Zudem werden Themen wie Arten der Fermentation und Bedingungen oder auch Darmgesundheit und Mikrobiom ausführlich und verständlich vermittelt.
Dabei gelingt es ihr, viele wissenswerte Fakten mit praktischen Tipps und kulinarischem Enthusiasmus zu verbinden. Sehr gelungen sind auch Hinweise aus der Community und den Dos und Don’ts, die bei typischen Problemen weiterhelfen können und als erste Orientierungshilfe dienen .
Besonders aufschlussreich sind ebenfalls die Abschnitte zu Fermente als Würztechnik und Gewürze in Fermenten.
Die Rezepte sind insgesamt klar gegliedert und durchgehend praxisgerecht konzipiert, sodass der Einstieg leicht fällt. Nach einer kurzen Einleitung finden sich präzise Angaben zu den verschiedenen Zutaten, klare Schritt-für-Schritt Anleitungen für die Zubereitung, Hinweise zu Fermentationszeiten bzw. Gär-und Ruhezeiten sowie zur Lagerung. Die Basisrezepte sind für 2–4 Personen ausgelegt und können je nach Bedarf skaliert werden. Tipps zur Verwendung unterstreichen zudem, dass man fehlende Basisfermente problemlos durch andere Zutaten ersetzen kann und dass Geschmack sowie Fermentationszeiten je nach Saison, Temperatur und anderen Faktoren variieren können.
Besonders lobenswert ist die einfache, alltagstaugliche Darstellung vieler Rezepte, die Lust darauf machen, sofort loszulegen. Dennoch finden auch erfahrene Fermentationsfreunde genügend Herausforderung in komplexeren Projekten, die etwas mehr Geduld oder Erfahrung erfordern.
Von Turkish Eggs mit fermentierten Tomaten über Miso-Zitronen-Pasta mit Schnittlauch-Crunch bis hin zu Kefir-Mocktails, Milchkefir-Eis oder fermentiertem Porridge mit Bananenkaramell – bei diesen verführerischen Rezepten fällt die Entscheidung wirklich schwer.
Für die Wahl des Ferments, der Fermentationszeit und Würzmittel ist natürlich der persönliche Geschmack ausschlaggebend. Entsprechend sind auch die Angaben zu Salz, Zucker, Honig oder Knoblauch flexibel und können insbesondere bei den „Mix & Match“-Rezepten individuell modifiziert werden. Empfehlenswert ist es zunächst kleinere Mengen zu fermentieren und diese dann jeweils anzupassen.
Optisch ist das Buch eine wahre Augenweide. Das gelungene Layout ist sehr übersichtlich und ästhetisch ansprechend. Es bildet eine perfekte Mischung aus Information und Inspiration. Die hochwertigen, natürlichen Fotografien von Cara Schanuel und Lena Pfetzer fangen gekonnt die Faszination für das Fermentationsverfahren ebenso ein wie die Schönheit der fertigen Fermente und die appetitanregenden Gerichte.

FAZIT
Ein praktischer Begleiter für alle, die Fermentation aus der Theorie in die tägliche Küche holen wollen, mit einem gelungenen Mix aus verständlichem Grundlagenwissen, vielen tollen Tipps und vielseitig kombinierbaren Rezepten.
Ein sehr empfehlenswerter Fermentationsratgeber!

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Veröffentlicht am 12.06.2026

Eine berührende Geschichte über Verlust und Neubeginn

Eine Maus namens Merlin
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MEINE MEINUNG
Mit seinem Debüt „Eine Maus namens Merlin“ ist Simon Van Booy ein herzerwärmender Wohlfühlroman gelungen, der mit erfrischender Leichtigkeit von Einsamkeit, schmerzlichen Verlusten und der ...

MEINE MEINUNG
Mit seinem Debüt „Eine Maus namens Merlin“ ist Simon Van Booy ein herzerwärmender Wohlfühlroman gelungen, der mit erfrischender Leichtigkeit von Einsamkeit, schmerzlichen Verlusten und der Bedeutung der kleinen, oft unscheinbaren Momente im Leben erzählt. Zugleich macht er deutlich, dass Neuanfänge selbst im hohen Alter möglich sind. Feiner Humor, zart verwobene Melancholie und ein hoffnungsvoller Ausklang verbinden sich zu einer angenehm entschleunigenden und wunderbar einfühlsamen Erzählung.
Im Mittelpunkt der Geschichte steht die 83-jährige Witwe Helen Cartwright, die nach sechzig Jahren in Australien in ihren Geburtsort nahe Oxford zurückkehrt und dort sie ein kleines, möbliertes Haus bezieht. Helens Alltag erschöpft sich in immer gleichen Routinen, geprägt von selbstgewählter Einsamkeit, Resignation und dem bewussten Verdrängen schmerzhafter Erinnerungen an die Menschen, die sie verloren hat – fast so, als warte sie nur noch auf das Ende ihres Lebens. Doch das unerwartete Auftauchen einer kleinen, zutraulichen Maus in ihrem Haus durchbricht diese Erstarrung und bringt Bewegung in ihr zurückgezogenes Leben.

Zunächst empfindet Helen die Anwesenheit des kleinen Wesens noch als lästige Störung und setzt alles daran, es möglichst schnell wieder loszuwerden. Doch notwendige Besorgungen im Tierhandel, in der Bibliothek und im Eisenwarenladen führen sie Schritt für Schritt aus ihrer Isolation heraus und lassen sie erneut mit anderen Menschen in Kontakt treten.

Mit seinem einfühlsamen Erzählstil zeichnet Van Booy Helens zögerlichen Wandel gekonnt nach. Allmählich wächst ihr die kleine Mitbewohnerin, die sie Merlin nennt, ans Herz. Die ungewöhnliche Freundschaft schenkt ihrem eintönigen Alltag nicht nur Struktur, sondern auch neue Bedeutung. Eindringlich zeigt der Autor in seiner berührenden Geschichte auf, wie wichtig Menschlichkeit, Nähe und das Gefühl, gebraucht zu werden, für ein erfülltes Leben sind. Mit feinem Humor und viel Feingefühl erzählt er in episodischen Rückblicken auf Helens früheres Leben und eröffnet dabei berührende Einblicke in ihre innere Welt und ihre bemerkenswerte Persönlichkeit.
Mit seiner hochbetagten Protagonistin hat der Autor einen bemerkenswert vielschichtig angelegten Charakter geschaffen. Anfangs verschlossen und spröde, gewinnt sie zunehmend an Tiefe und Wärme, sodass sie einem schnell ans Herz wächst und sorgt zum Ende hin sogar für einige überraschende Momente.
Trotz der insgesamt ruhigen Handlung gelingt es Van Booy, den Spannungsbogen spürbar zu verdichten und die Geschichte mit einem stimmigen, nachdenklichen Schluss ausklingen zu lassen.

ZUM HÖRBUCH
Schauspielerin Frauke Poolman ist eine eindrucksvolle  Umsetzung dieses zauberhaften Wohlfühlromans gelungen. Mit angenehmer Stimme und ihrem ruhigen Vortrag zieht sie uns mühelos in die leicht melancholische Geschichte hinein. Von beschaulichen Momenten, über feine Ironie bis hin zu humorvollen Episoden versteht sie es, die unterschiedlichen Stimmungen durch variierendes Sprechtempo und nuancierte Betonung lebendig einzufangen. Dabei gelingt es ihr immer wieder, uns ein sanftes Schmunzeln zu entlocken.

Insgesamt überzeugt Poolman mit einer exzellenten Lesung, die ein ebenso unterhaltsames wie herzerwärmendes Hörerlebnis bietet.

FAZIT
Eine stille, berührende Wohlfühlgeschichte über Einsamkeit, Verlust, die Magie unerwarteter Begegnungen und späte Neuanfänge.

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