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Veröffentlicht am 15.12.2024

Tiefgründiger Roman

Juli, August, September
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MEINE MEINUNG
„Juli, August, September" von der deutschen Schriftstellerin Olga Grjasnowa ist ein eindrucksvoller und tiefgründiger Roman. Aus aus unterschiedlichen Blickwinkeln erforscht sie komplexe ...

MEINE MEINUNG
„Juli, August, September" von der deutschen Schriftstellerin Olga Grjasnowa ist ein eindrucksvoller und tiefgründiger Roman. Aus aus unterschiedlichen Blickwinkeln erforscht sie komplexe Themen wie die Suche nach der eigenen Identität, den Einfluss der Familiengeschichte sowie die Bedeutung des kulturellen Erbes, Glaubens und der jüdischen Wurzeln.
Der Roman bietet zudem scharfsinnige und humorvolle Einblicke in die drängenden, aktuellen Probleme unserer modernen, multikulturellen Gesellschaft, die sich mit Fragen der Sinnsuche, Zugehörigkeit und dem Stellenwert der Familie auseinander setzt. Der Autorin ist eine ausgewogene Mischung aus tiefgründigen Themen und unterhaltsamen Episoden gelungen. Die eher melancholische, bedrückende Grundstimmung wird gekonnt aufgelockert mit der richtigen Portion Ironie, Zynismus und Leichtigkeit. Zudem hat sie geschickt sehr lehrreiche Hintergrundinformationen zur jüdischen Kultur und Geschichte und interessante aktuelle weltpolitische Bezüge in die Handlung eingeflochten.
Die Geschichte dreht sich um Lou und Sergej, einem erfolgreichen Paar mit jüdischen Wurzeln, das mit ihrer kleinen Tochter Rosa in Berlin lebt. Trotz ihres beruflichen Erfolgs empfinden sie eine innere Zerrissenheit und Leere, die durch ihre schwache religiöse Bindung und komplizierten Familiengeschichten, die von der traumatischen Vergangenheit und dem Holocaust geprägt sind, verstärkt werden. Der Roman ist in drei Teile gegliedert, die jeweils einen Monat - Juli, August und September - umfassen und an unterschiedlichen Schauplätzen wie Berlin, Gran Canaria und Tel Aviv spielen. Die sich über drei Monate erstreckende Geschichte bietet aufschlussreiche Einblicke in die verschiedenen Phasen von Lous herausfordernder Suche nach ihrer eigenen Identität, der intensiven Auseinandersetzung mit ihrem Glauben, ihrer Zugehörigkeit und ihrer Familiengeschichte.
Mit der Protagonistin Lou hat die Autorin eine vielschichtige Figur geschaffen, die mit innerer Zerrissenheit, Entwurzelung und Zweifeln an ihrer kriselnden Ehe mit Sergej zu kämpfen hat. Die Leere in ihrem Leben versucht sie durch Alkohol zu betäuben, bis sie beginnt ihre eigene Rolle zu ergründen. Obwohl die Protagonistin anfangs sehr kühl, distanziert und wenig sympathisch wirkt, konnte ich mich im Laufe der Geschichte immer besser in sie hineinversetzen. Hartnäckig beginnt sie die überlieferten Familiengeschichten in unterschiedlichen, wenig stimmigen Versionen zu hinterfragen, die im Laufe der Jahre ihre ganz eigene Wahrheit und labile Dynamik gewonnen haben und sich auf ihr aller Leben auswirkten, um schließlich wichtige Antworten zur Vergangenheit ihrer russischstämmigen Vorfahren zu erhalten und verborgene Wahrheiten ans Licht zu bringen. Faszinierend ist ihre Suche nach ihren eigenen Wurzeln, ihrer Identität und Zugehörigkeit, die Lou nicht nur in die Vergangenheit führt, sondern ihr schließlich auch neue persönliche Perspektiven für ihre Zukunft aufzeigt.
Detailliert und nuancenreich wird die komplexe Beziehung zu ihrem jüdischen Familienclan aus Israel eingefangen, der trotz all der subtilen Spannungen, wechselseitigen Animositäten und ungelösten Konflikte untrennbar miteinander verbunden ist. Die Vielzahl der unterschiedlichen Charaktere ist sehr plastisch und mit ihren Eigenheiten glaubhaft ausgearbeitet.
Besonders beeindruckend ist, wie Lou am Ende die vielen Puzzlestückchen, die ihre Persönlichkeit ausmachen, zusammensetzt, mit sich ins Reine kommt und sich neu definiert. Der offene, aber höchst stimmige Ausklang passt zu dieser faszinierenden, vielschichtigen Geschichte, die zum Nachdenken anregt und viel Raum für eigene Deutungen lässt.

FAZIT
Ein vielschichtiger und tiefgründiger Roman, der mit beeindruckender sprachlicher Präzision die Suche nach Identität, Zugehörigkeit und familiären Wurzeln erforscht.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 11.12.2024

Ein neues fesselndes Cosy Crime-Abenteuer

Der Krimidinnermord
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MEINE MEINUNG
Mit "Der Krimidinnermord" beweist die britische Autorin Colleen Cambridge erneut ihr Talent für fesselnde Cosy-Crime-Geschichten. Als dritter Band ihrer Reihe um Phyllida Bright, die findige ...

MEINE MEINUNG
Mit "Der Krimidinnermord" beweist die britische Autorin Colleen Cambridge erneut ihr Talent für fesselnde Cosy-Crime-Geschichten. Als dritter Band ihrer Reihe um Phyllida Bright, die findige Haushälterin der berühmten Krimiautorin Agatha Christie und leidenschaftliche Hobbydetektivin, knüpft er nahtlos an die vorangegangenen Krimi-Erfolge an. Colleen Cambridge erweist sich auch mit ihrem neuen verzwickten Fall als würdige Nachfolgerin der Queen of crime und muss den Vergleich mit den großen Namen des Whodunit-Genres im klassischen britischen Stil nicht scheuen. Der lebendige Schreibstil, die netten humorvollen Episoden und amüsanten Wortgefechte sorgen für ein unterhaltsames und abwechslungsreiches Lesevergnügen. Nicht fehlen dürfen natürlich die dezent eingestreuten Anspielungen aus bekannten Christie-Klassikern, die ein besonderer Leckerbissen für Fans der Krimi-Königin sind.
So hat sich die Autorin für ihren neuesten Krimi wieder eine brillante Ausgangssituation und die perfekte Kulisse für ein verzwicktes Verbrechen ausgedacht, indem sie sich von dem bekannten Miss Marple-Krimi "Ein Mord wird angekündigt" hat inspirieren lassen. Während einer als Detektivspiel inszenierten Gesellschaftsveranstaltung auf dem benachbarten Landhaus Beecham House wird ausgerechnet der Gastgeber vor den Augen der geladenen Gäste ermordet aufgefunden. Mittendrin natürlich Phyllida, die ganz in ihrem Element sofort mit den Ermittlungen beginnt.
Cambridges lebendiger Schreibstil trägt wesentlich zum Lesevergnügen bei. Der Autorin gelingt es mit den detaillierten Beschreibungen der Anwesen und ihrer Umgebung hervorragend, die stimmungsvolle Atmosphäre des englischen Landlebens der 1930er Jahre einzufangen, so dass man mühelos in diese vergangene Epoche eintauchen kann. Sehr faszinierend sind ebenfalls die aufschlussreichen Einblicke hinter die Kulissen insbesondere in das elitäre Leben der britischen Oberschicht sowie den Lebensalltag der Dienerschaft Einblicke in den Alltag der britischen und das Leben der Dienerschaft, die uns ein authentisches Bild der damaligen Gesellschaft vermitteln.
Ein besonderes Highlight des Romans sind die liebevoll gezeichneten, vielschichtigen Figuren. Allen voran die clevere Protagonistin Phyllida Bright, die sich neben ihren vielfältigen Aufgaben als Haushälterin im stattlichen englischen Landsitz Mallowan Hall eine besondere Leidenschaft für Kriminalfälle hat. Als langjährige Vertraute Agatha Christies und glühende Verehrerin von Hercule Poirot bringt sie ideale Voraussetzungen für eine Hobbydetektivin mit. Ihre Hartnäckigkeit und ihr scharfer Verstand machen sie zu einer faszinierenden Hauptfigur, auch wenn ihre Neugier sie gelegentlich in gefährliche Situationen bringt. Die vielen Nebenfiguren sind ebenso sorgfältig ausgearbeitet und werden gekonnt zum Leben erweckt. Von dem steifen griesgrämigen Butler Mr. Dobble über die jungen verliebten Dienstmädchen bis hin zum unkonventionellen, attraktiven Chauffeur Joshua Bradford mit seiner quirligen Hündin Myrtle- jeder Charakter hat seine eigenen Marotten und Eigenheiten, die ihn unverwechselbar machen.
Der kniffelige Mordfall selbst ist zwar mit vielen Tatverdächtigen, geschickt gestreuten falschen Fährten und einigen unerwarteten Wendungen raffiniert konstruiert, hat mich aber dennoch wegen der etwas zu vorhersehbaren Auflösung enttäuscht. Gemeinsam mit Phyllida, die aufgrund des schlechten Wetters zunächst ganz ohne Inspektor Cork von Scotland Yard die Befragungen vor Ort durchführen kann, können wir Hinweise sammeln und Theorien aufstellen. Der schon recht früh aufkommende Verdacht in Bezug auf den Täter bestätigt sich leider, was insgesamt die Spannung für meinen Geschmack minderte.
Die Handlung gipfelt schließlich in einem rasanten und spannenden Showdown, bei dem es Phyllida gelingt, eine höchst gefährliche Situation souverän zu meistern und schließlich den Fall ganz alleine aufzuklären. Mutig, gewitzt, zu allem entschlossen und (fast) stets Herrin der Lage – das ist unsere Phyllida wie wir sie lieben!
Insbesondere die vielversprechende Beziehungsdynamik und die witzigen Wortgefechte zwischen Phyllida und Bradford konnten mich richtig begeistern und sorgen für viele humorvolle Momente – so langsam kommt hier doch etwas in Gang und die süsse Myrtle trägt wesentlich dazu bei, das Eis zu brechen.
Ich bin schon sehr neugierig auf den nächsten Teil der Reihe, der diesmal in London spielen soll, und hoffe sehr darauf, im 4. Band mehr über Phyllidas mysteriöse Vergangenheit erfahren zu können.
FAZIT
Eine gelungene Fortsetzung trotz des etwas schwächeren Kriminalfalls.
Der Krimi überzeugt mit charmanten Charakteren, typisch britischer, stimmungsvoller Atmosphäre und tollen humorvollen Episoden und sorgt wieder beste Unterhaltung für Fans von Cosy Crime und klassischen Whodunits.
Die gelungene Verbindung von historischem Setting und zeitloser Krimihandlung macht Lust auf weitere Abenteuer mit der cleveren Phyllida Bright.

  • Einzelne Kategorien
  • Handlung
  • Erzählstil
  • Charaktere
  • Cover
  • Spannung
Veröffentlicht am 03.12.2024

Bewegender Roman

Und später für immer
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MEINE MEINUNG
In seinem beeindruckenden historischen Roman „Und später für immer“ erzählt der deutsche Autor Volker Jarck die bewegende Geschichte von Johann, einem 24jährigen Wehrmachtssoldaten der im ...

MEINE MEINUNG
In seinem beeindruckenden historischen Roman „Und später für immer“ erzählt der deutsche Autor Volker Jarck die bewegende Geschichte von Johann, einem 24jährigen Wehrmachtssoldaten der im Frühjahr 1945, kurz vor der deutschen Kapitulation, desertiert. Er findet Zuflucht bei seinen Verwandten und versteckt sich in einer Scheune in permanenter Angst vor den Feldjägern.
Im kurzen Nachwort des Romans erfahren wir, dass sich der Autor von seiner persönlichen Familiengeschichte hat inspirieren lassen. Als Ausgangspunkt für seine aufwühlende und zum Teil auf wahren Begebenheiten basierende Geschichte diente ein zum Tagebuch umfunktionierter Taschenkalender, der Aufzeichnungen seines Großvaters enthielt. In den letzten Tagen des Zweiten Weltkriegs desertierte dieser von seiner Einheit vom Fliegerhorst Stade.
Jarck hat aus den historischen Ereignissen und persönlichen Schicksal seines Großvaters eine fesselnde und tiefgründige Geschichte geschaffen, die mich mit intensiven Einblicken in die Schrecken des Krieges und die emotionale und psychische Verfassung seines Protagonisten Johann bewegt und sehr nachdenklich zurückgelassen hat. Eindrucksvoll und mit einer gewissen Leichtigkeit gelingt es ihm, ernste Themen wie Liebe, Loyalität, Verzweiflung, Selbsterhaltungstrieb, Menschlichkeit und moralische Konflikte in jenen harten Kriegszeiten zu beleuchten. Mit seinen einfühlsamen Schilderungen versteht er es, den damaligen Zeitgeist aufleben zu lassen und die desolate, düstere Atmosphäre der Kriegsendphase einzufangen, in die er aber immer wieder auch ungebrochenen Überlebenswillen sowie Momente der Hoffnung und zwischenmenschlichen Wärme aufblitzen lässt.
Während die eigentliche Haupthandlung im Frühling 1945 rund um den Deserteur Johann nur eine Zeitspanne von zwei Monaten umfasst, erhalten wir durch geschickt eingestreute Rückblenden in die Vorkriegszeit und Kriegsjahre nicht nur aufschlussreiche persönliche Einblicke in seinen Lebensalltag und den seiner Familie sowie seine große Liebe Emmy, sondern auch historische Hintergrundinformationen zu den politischen Entwicklungen und Kriegsverlauf sowie die grausamen Realitäten des Kriegs.
Anschaulich und glaubwürdig stellt er die damalige angespannte Atmosphäre und die verzweifelte Lage vieler Soldaten angesichts der Sinnlosigkeit und der Schrecken der nicht enden wollenden Kämpfe in den letzten Wochen des Zweiten Weltkriegs dar, als für alle das Ende des Krieges bereits absehbar ist und sie nur noch darauf hoffen konnten, halbwegs unversehrt und mit dem Leben davonzukommen. Gekonnt beschwört Jarck in verschiedenen Episoden die allgegenwärtige Angst und Bedrohung durch Entdeckung und Verrat herauf und erzeugt eine überaus beklemmende Atmosphäre. Sehr einfühlsam werden inneren Konflikte und Ängste der Menschen inmitten des Chaos der letzten Kriegstage und der harten Kriegsrealität aufgezeigt, die sich doch nur nach nach Frieden und Normalität sehnen auf auf einen bessere Zukunft hoffen können.
Mit Johann hat der Autor einen berührenden und vielschichtigen Charakter geschaffen, der stellvertretend für viele Soldaten jener Zeit steht. Jarck versteht es gut, die emotionalen Ausnahmezustände seines Protagonisten sehr anschaulich und eindringlich zu vermitteln, so dass man sich gut in seine Verletzlichkeiten und Unsicherheiten angesichts seiner verzweifelte Lage im permanenten Überlebenskampf hineinversetzen und mitfühlen kann. Wir erhalten einen intensiven und nuanierten Einblick in die emotional aufgewühlte Verfassung und komplexe Gedankenwelt seines Protagonisten. Beklemmend ist es über Johanns Gedanken, Erinnerungen und Einschätzungen der Erlebnisse zu lesen, seine Verzweiflung, Leere und Einsamkeit aber auch der Ängste vor dem Vergessenwerden werden sehr greifbar. Gerade die Briefe von Emmy sind von unschätzbarem Wert für ihn, spenden so viel Trost, Kraft und Zuversicht und lassen ihn das ungewisse Schicksal besser ertragen.
Sehr glaubwürdig veranschaulicht Jarck Johanns innere Konflikte insbesondere im Umgang mit dem jungen Nachbarsmädchen Frieda und schildert nachvollziehbar sein Hin- und Hergerissen-Sein zwischen ständigem Misstrauen, Angst vor Entdeckung, Hoffnung und Verzweiflung. Durch die Gespräche über ihre Sehnsüchte nach Normalität und Liebe aber auch die brutale Realität des Krieges entwickeln sich zarte freundschaftliche Bande zwischen ihnen, die beiden Halt geben aber auch ein unberechenbares Risiko für Johann bedeutet.
Jarck ist es insgesamt hervorragend gelungen, uns stellvertretend die traurigen Geschichten und Schicksale so vieler Familien, ihre zerstörten Hoffnungen und herben Verluste durch die fatalen Auswirkungen des entsetzlichen Kriegs vor Augen zu führen.

FAZIT
Ein eindringliches und bewegendes Zeitzeugnis über die emotionalen und moralischen Konflikte eines Wehrmachtssoldaten in den letzten Tagen des Zweiten Weltkriegs, das Hoffnung und Menschlichkeit inmitten des Schreckens des Krieges thematisiert. Sehr lesenswert!

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 03.12.2024

Ein berührendes Porträt modernen Zusammenlebens

Wohnverwandtschaften
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MEINE MEINUNG
In ihrem neuen Roman "Wohnverwandtschaften" erzählt die deutsche Autorin Isabel Bogdans die bewegende und zugleich unterhaltsame Geschichte über vier Menschen mit unterschiedlichen Lebensentwürfen, ...

MEINE MEINUNG
In ihrem neuen Roman "Wohnverwandtschaften" erzählt die deutsche Autorin Isabel Bogdans die bewegende und zugleich unterhaltsame Geschichte über vier Menschen mit unterschiedlichen Lebensentwürfen, die in einer ungewöhnlichen Wohngemeinschaft in Hamburg zusammenleben. Eher als temporäre Lösung oder durch Zufall haben sie zusammengefunden und wachsen dennoch im Laufe der Zeit zu einer Art Ersatzfamilie zusammen.
Geschickt greift die Autorin aktuelle, gesellschaftlich relevante Themen wie demografischer Wandel, Auflösung der traditionellen Familienstrukturen, alternative Lebensmodelle sowie die Suche nach Zugehörigkeit in einer zunehmend individualisierten Gesellschaft auf. Bogdan versteht es, trotz der teilweise ernsten Thematik ihre nachdenklich stimmende Geschichte mit viel Leichtigkeit und Warmherzigkeit zu erzählen und uns mit amüsanten Episoden zu unterhalten.
Obwohl die vier Hauptfiguren Jörg, Anke, Constanze und Murat mit verschiedenen Problemen und individuellen Problemen zu kämpfen haben, lernen sie in ihrer unkonventionellen Wahl-Familie gemeinsam Herausforderungen zu bewältigen, füreinander einzustehen und Verantwortung zu übernehmen. Weit mehr als eine reine Zweckgemeinschaft wird diese WG zu einem Ort des Trostes und der Geborgenheit, in dem jeder Halt, Zugehörigkeit und Beistand findet.
Mit einer gelungenen Mischung aus scharfer Beobachtungsgabe, Einfühlungsvermögen und feinem Humor zeichnet sie ein authentisches und lebensnahes Bild dieser Wohngemeinschaft mit Menschen wie du und ich und unterschiedlichen Hintergründen. Sie versteht es zudem hervorragend, die Komplexität moderner Beziehungen und Dynamiken menschlicher Beziehungen in all ihren Facetten einzufangen.
Die Geschichte entfaltet sich wie ein Theaterstück, mit interessanten Dialogen aus wechselnden Perspektiven, wodurch wir sehr aufschlussreiche und unmittelbare Einblicke in den Alltag, die Gedanken und Emotionen der Protagonisten erhalten und die Charaktere rasch ins Herz schließen können. Durch den geschickten Wechsel zwischen den Perspektiven der vier Hauptfiguren entsteht ein vielschichtiges Gesamtbild der Gemeinschaft. In den Kapiteln, die abwechselnd mal persönliche Erlebnisse und mal gemeinsame WG-Momente zeigen, tauchen wir allmählich in den faszinierenden Rhythmus des Zusammenlebens ein und haben Anteil der lebendigen Dynamik ihrer Gemeinschaft.
Ob nun der knapp 70-jährige Vermieter Jörg, der eine große Reise plant, die frisch getrennte Zahnärztin Constanze als Neuankömmling, die Schauspielerin Anke mittleren Alters, auf der verzweifelten Suche nach einem neuen Engagement, und der lebenslustige Hobbygärtner und Koch Murat, dessen positive Energie auf alle WG-Bewohner abfärbt – sie alle werden mit ihren Eigenheiten und Problemen sehr facettenreich und lebensnah gezeichnet.
Glaubwürdig und einfühlsam stellt Bogdan dar, wie jeder der Charaktere eine persönlichen Entwicklung und einen Prozess der Selbstfindung durchläuft. Sehr überzeugend ist auch der realistische und stimmige Ausklang dieses bewegenden Romans, der zum Nachdenken über Gemeinschaft, moderne Lebensformen, Fürsorge sowie den Umgang mit Alter und Krankheit anregt.
ZUM HÖRBUCH
Das ungekürzte Hörbuch wird von einem prominenten Sprecherensemble Heikko Deutschmann, Katharina Wackernagel, Serkan Kaya und Lavinia Wilson gelesen, unterstützt von Julian Horeyseck, Gabriele Blum, Oliver Kube und Marian Funk für die kleinen Nebenrollen. Die verschiedenen Rollen wurden für die Vertonung sehr gut besetzt und hervorragend eingesprochen. Die unterschiedlichen Stimmen der Sprecher sorgen für eine klare Abgrenzung der Figuren voneinander und bringen eine erfrischende Lebendigkeit in die Handlung. Die verschiedenen Persönlichkeiten der Charaktere werden durch die abwechslungsreiche, nuancierte Interpretation der talentierten Sprecher äußerst lebendig und authentisch eingefangen, so dass man sich rasch mitten in das aufregende Geschehen der Wohngemeinschaft hineinversetzen kann.
Eine überaus gelungene Vertonung mit hervorragenden Sprecherleistungen sorgt für ein unvergessliches Hörerlebnis!
FAZIT
Ein tiefgründiger und unterhaltsamer Roman, der die komplexen Dynamiken moderner Beziehungen in einer unkonventionellen Wohngemeinschaft beleuchtet und zum Nachdenken über die Bedeutung von Familie und Freundschaft in einer zunehmend individualisierten Welt anregt.

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  • Charaktere
Veröffentlicht am 03.12.2024

Charmanter Cosy Crime mit britischem Flair

Mrs Potts’ Mordclub und der tote Bürgermeister
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MEINE MEINUNG
Mit „Mrs Potts' Mordclub und der tote Bürgermeister” setzt der britische Roman- und Drehbauch-Autor Robert Thorogood seine kurzweilige Cosy Crime-Reihe und die unterhaltsamen Abenteuer rund ...

MEINE MEINUNG
Mit „Mrs Potts' Mordclub und der tote Bürgermeister” setzt der britische Roman- und Drehbauch-Autor Robert Thorogood seine kurzweilige Cosy Crime-Reihe und die unterhaltsamen Abenteuer rund um die liebenswerte 77-jährige Judith Potts und ihre beiden Mitstreiterinnen Suzie Harris und Becks Starling als Hobby-Ermittlerinnen fort.
In seinem gelungenen dritten Band entführt uns Thorogood erneut in die idyllische englische Kleinstadt Marlow an der Themse.
Neueinsteiger können den Krimi auch ohne Vorkenntnisse problemlos als eigenständiges Werk genießen, während Fans der Reihe von der interessanten Weiterentwicklung der Hauptfiguren und ihrer Beziehungen begeistert sein werden. 
Auch bei diesem Wohlfühlkrimi beweist der Autor sein Gespür für verzwickte Kriminalfälle im Stil klassischer britischer Whodunits, die zum Miträtseln einladen. Gewürzt ist das Ganze mit netter Situationskomik, witzigen Dialogen und feinem britischen Humor sowie wundervollen skurrilen Charakteren.
Liebevoll erweckt er das idyllische Marlow an der Themse mit stimmungsvollen Beschreibungen und einer authentischen Darstellung des englischen Kleinstadtalltags zum Leben, was zum besonderen Reiz dieses Krimis beiträgt. Sein mitreißender Erzählstil lässt vor unserem inneren Auge lebendige Bilder entstehen und lässt uns rasch in eine Welt voller britischer Eigenheiten eintauchen.
Als der beliebte Bürgermeister Geoffrey Lushington während einer Stadtratssitzung nach einem Schluck von seinem Kaffee tot zusammenbricht, steht für die zufällig anwesende Hobby-Ermittlerin Suzie fest, dass Mrs Potts Mordclub mal wieder aktiv werden muss, um der Polizei bei den Ermittlungen zu diesem mysteriösen Unglücksfall unter die Arme zu greifen.
Thorogood ist genau die richtige Mischung aus netten Wohlfühl-Elementen, ausgiebigen Einblicken ins Privatleben der Hobbyermittlerinnen und fesselndem Kriminalfall gelungen. Obwohl die Ermittlungen eher in gemütlichem Tempo voranschreiten, sorgen rasche Szenenwechsel, überraschende Wendungen und etliche falsche Fährten für viel Spannung und Abwechslung.
Es hat mir bei diesem gut konzipierten Fall viel Freude bereitet, gemeinsam mit den drei skurrilen, recht unorthodox agierenden Spürnasen das komplexe Netz aus Verdächtigen zu entwirren, zahlreiche Geheimnisse zu lüften und nach Herzenslust über mögliche Motive zu spekulieren.
Gegen Ende nimmt die Handlung deutlich an Fahrt auf und die Geschehnisse überschlagen sich regelrecht.
Ein besonderes Highlight sind die lebendig gezeichneten, etwas skurrilen Protagonistinnen, die man mit all ihren liebenswerten Eigenheiten und Marotten einfach ins Herz schließen muss. Ob nun die exzentrische 77-jährige Kreuzworträtsel-Autorin und Whisky-Liebhaberin Judith mit ihrer Eigenwilligkeit und ihrem Scharfsinn, die leicht neurotische Pfarrersfrau Becks Starling mit ganz überraschenden Qualitäten, oder schließlich die forsche, bodenständige Hundesitterin Suzie Harris mit ihren Geldnöten– die drei so unterschiedlichen Hobbyermittlerinnen ergänzen sich perfekt. Thorogood versteht es zudem, seine Figuren weiter zu entwickeln, auch wenn dies nicht allzu tiefgründig ist. So bereichert ihre Persönlichkeiten um faszinierende neue Facetten.
Auch seine Nebenfiguren gestaltet Thorogood mit großer Sorgfalt und verleiht ihnen vielschichtige Persönlichkeiten und interessante Hintergrundgeschichten. Ihre geheimnisvollen Verhaltensweisen und verborgenen Geheimnisse liefern nicht nur reichlich Stoff für Spekulationen, sondern sorgen auch für unerwartete Wendungen, wodurch die Spannung bis zum Schluss stetig gesteigert wird.
Mit ihren unkonventionellen Ermittlungsmethoden und originellen Ideen sorgt das charmante Ermittler-Trio für so manche amüsante Szene und so gelingt es ihnen wieder, den rätselhaften, verzwickten Mordfall aufzuklären. Die Auflösung des Falls kam für mich zwar sehr unerwartet, ist aber durchaus stimmig und logisch nachvollziehbar.
Die liebenswerten Protagonistinnen, das atmosphärische Setting und der gut konstruierte Kriminalfall machen auf jeden Fall Lust auf weitere Abenteuer mit den liebgewonnenen, agilen und vorwitzigen Ermittlerinnen vom des Mordclubs.

ZUM HÖRBUCH:
Die Schauspielerin und Kabarettistin Christine Prayon präsentiert den Krimi mit angenehmer Stimme und fesselnder Erzählweise. Prayons ruhiger Vortragsstil ermöglicht es, mühelos in die Handlung einzutauchen. Ihre Interpretation der verschiedenen Charaktere, insbesondere der exzentrischen Mitglieder des Mordclubs, ist sehr lebendig und überzeugend. Geschickt passt sie Betonung und Sprechtempo an die jeweilige Szene an und gestaltet die Dialoge durch stimmliche Variationen abwechslungsreich und lebendig. Obwohl das Grundtempo etwas gemächlich ist, kann dies durch Anpassung der Wiedergabegeschwindigkeit leicht ausgeglichen werden. Insgesamt ist die Hörbuchfassung dank gekonnter Interpretation des Wohlfühlkrimis äußerst unterhaltsam! 
FAZIT
Eine charmante Fortsetzung der kurzweiligen, humorvollen britischen Wohlfühlkrimi-Reihe - mit dem liebenswert-skurrilen Mordclub-Trio, einem neuen verzwickten Fall und nettem britischen Humor und Lokalkolorit!
Mit seiner gelungenen Mischung aus Witz, Herzenswärme und Spannung bietet der gemütliche Cosy Crime beste Unterhaltung für Fans des britischen Wohlfühlkrimis!

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