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Veröffentlicht am 09.07.2020

Urlaubsfeeling garantiert!

Dorf ist Mord
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Die Italienerin Stella ist Anfang dreißig und gelernte Krankenschwester. Da sie in Italien wegen der Wirtschaftskrise nur wenig verdienen konnte, lebt und arbeitet sie in Deutschland. Die Sehnsucht nach ...

Die Italienerin Stella ist Anfang dreißig und gelernte Krankenschwester. Da sie in Italien wegen der Wirtschaftskrise nur wenig verdienen konnte, lebt und arbeitet sie in Deutschland. Die Sehnsucht nach der alten Heimat bringt sie auf die Idee, sich in Italien ein Feriendomizil zu suchen. Stellas Wahl fällt auf den kleinen malerischen Ort Pelati, wo sie günstig eine heruntergekommene Immobilie erwirbt. Sie lässt diese mit Hilfe der örtlichen Handwerker renovieren und genießt nebenbei den italienischen Sommer und die idyllische Atmosphäre des verschlafenen Städtchens. Doch die Idylle hat bald ein Ende, denn eine verstörende Nachricht macht die Runde: Marta, die junge Inhaberin einer Fliesenmanufaktur, mit der sich Stella angefreundet hat, kommt von ihrer Bootsfahrt nicht zurück! Und das ausgerechnet am Tag der Hexe, an dem angeblich schon zahlreiche Menschen im See verschwunden sind! Stella hat für Volkslegenden nichts übrig und vermutet, dass Marta Opfer eines Verbrechens wurde. Zusammen mit dem charmanten Carabiniere Michelotti, der bereits ein Auge auf sie geworfen hat, macht sich Stella daran, das Rätsel um das Verschwinden der jungen Frau zu lösen...

Ich muss gestehen, humorvolle Krimis sind nicht wirklich mein Fall. Ich bevorzuge ernste Krimis und je düsterer, desto besser „Dorf ist Mord“ gehört definitiv nicht dazu und doch bin ich angenehm überrascht, denn die Lektüre hat mir tatsächlich Spaß und Freude bereitet. Hinter dem Fall, den Stella zu lösen versucht, steckt zwar keine besonders ausgeklügelte Idee und die intellektuelle Herausforderung beim Lesen hält sich in Grenzen, dafür war es aber herrlich entspannend! Tatsächlich kam es mir wie eine kleine Auszeit vor und entschädigte mich ein wenig für den wegen der Corona-Pandemie gestrichenen Urlaub, den ich nota bene zum ersten Mal in meinem Leben (!) in Italien verbringen wollte Ich konnte mir Pelati lebhaft vorstellen und hielt mich gerne dort auf. Seine Bewohner, durchaus originelle und ziemlich skurrile Charaktere sind mir sogar ein kleines bisschen ans Herz gewachsen und ich vermisse sie jetzt schon...

Fazit: Mit „Dorf ist Mord“ liefert Dori Mellina, die übrigens wie ihre Protagonistin auch eine in Deutschland wohnhafte Italienerin ist, einen heiteren Detektivroman, der unterhält und gute Laune macht. Ich kann mir gut vorstellen, dass er gerade in der heutigen Corona-Zeit, die von Sorgen, Ängsten und Ungewissheit geprägt ist, für viele Leser eine willkommene Abwechslung und genau der richtige Lesestoff sein könnte!

Veröffentlicht am 08.07.2020

Ein düsteres Familiengeheimnis

Die Engelsmühle
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Eigentlich sollte der Versicherungsdetektiv Peter Hogart für seinen Arbeitgeber die Ursachen eines Brandes in der Wiener Gebietskrankenkasse untersuchen. Doch plötzlich wird sein Bruder Kurt in einen Mordfall ...

Eigentlich sollte der Versicherungsdetektiv Peter Hogart für seinen Arbeitgeber die Ursachen eines Brandes in der Wiener Gebietskrankenkasse untersuchen. Doch plötzlich wird sein Bruder Kurt in einen Mordfall verwickelt und festgenommen. Hogart ermittelt, um den wahren Mörder zu finden und Kurt zu entlasten. Er kommt dabei einem düsteren Geheimnis auf die Spur, entdeckt Dinge, die an Grausamkeit kaum zu überbieten sind und schwebt bald selbst in Lebensgefahr...

Es war bereits mein drittes Buch von Andreas Gruber. Nachdem mir der Thriller „Todesmal“ gut gefallen hat, griff ich vor kurzem zu seinen früheren Werken „Die schwarze Dame“ und „Die Engelsmühle“. Ich hoffte auf eine ähnlich gute Unterhaltung und wurde nicht enttäuscht. Beide sind von einer düsteren Spannung geprägt, die so richtig nach meinem Geschmack ist. Auch „Die Engelsmühle“ überzeugt durch einen guten Plot und interessante Charaktere. Ein gutes Tempo, überraschende Wendungen und ein fulminantes Ende tragen ebenfalls dazu bei, dass die Lektüre Spaß macht. Es mag sein, wie manche behaupten, dass dieses Buch nicht ganz an die späteren Werke des Autors heranreicht und sicherlich hat er seinen Stil im Laufe der Jahre weiterentwickelt und vervollkommnet. Und doch zeigt sich schon hier sein großes erzählerisches Talent und die Fähigkeit, Spannung und eine ganz besondere Atmosphäre zu erzeugen. Ich jedenfalls finde den Roman gelungen und gestehe, mir hat „Die Engelsmühle“ sogar ein bisschen besser gefallen als „Todesmal“, was nicht zuletzt mit der Person des Protagonisten zusammenhängt: Peter Hogart ist mir persönlich sympathischer als der skurrile Maarten S.-Sneijder. Umso mehr freue ich mich, dass noch dieses Jahr ein weiterer Roman aus dieser Reihe erscheinen wird!

Fazit: Spannend und atmosphärisch – ein Thriller, bei dem man als Fan dieser Gattung auf seine Kosten kommt!

Veröffentlicht am 23.06.2020

Eine Fortsetzung, die es in sich hat!

Erebos 2
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Es sind 10 Jahre vergangen seit den erschütternden Ereignissen um das Computerspiel Erebos. Nick Dunmore ist inzwischen 26 und ein angehender Fotograf. Er will es kaum glauben, als eines Tages urplötzlich ...

Es sind 10 Jahre vergangen seit den erschütternden Ereignissen um das Computerspiel Erebos. Nick Dunmore ist inzwischen 26 und ein angehender Fotograf. Er will es kaum glauben, als eines Tages urplötzlich eine App mit dem vertrauten roten Icon auf seinem Handy erscheint. Und doch ist es wahr: Erebos ist zurück! Das Spiel hat mächtig dazu gelernt und scheint wieder ein bestimmtes Ziel zu verfolgen. Doch diesmal lässt es Nick keine Wahl: Er muss spielen, ob er will oder nicht. Denn Erebos überwacht jeden seinen Schritte und schreckt vor keiner Maßnahme zurück, um sich Nick gefügig zu machen...

Ich bin Fortsetzungen gegenüber eher misstrauisch. Zu oft erlebt man, dass Bücher oder Filme, die einen begeistert haben, als Fortsetzung nur ein schwacher Abklatsch des Originals und im Grunde überflüssig sind. Das gilt aber nicht für Ursula Poznanski. Die Autorin hat es geschafft, mit „Erebos 2“ erneut einen packenden Thriller zu schreiben, der zumindest mich fast so sehr wie Teil 1 gefesselt hat. Auch hier haben wir es mit einer originellen, gut durchdachten Story zu tun, die sehr spannend und in einem guten Tempo erzählt wird. Es gibt ein nettes Wiedersehen mit den alten Protagonisten, die man ins Herz geschlossen hat, es kommen aber auch neue, durchaus interessante Charaktere dazu. Der häufige Perspektivenwechsel sorgt für Abwechslung und lässt keine Langeweile aufkommen. Sehr geschickt und überzeugend setzt Frau Poznanski die Idee mit den zwei Handlungsebenen um: Mal begleitet der Leser die Protagonisten in der realen, kurz darauf taucht er mit ihnen in die virtuelle Welt ein, was ein Erlebnis für sich ist. Der Spannungsfaktor wird dadurch ebenfalls enorm erhöht. Ferner punktet das Buch mit überraschenden Wendungen und einem aus meiner Sicht gelungenen Ende. Und wie schon bei „Erebos“ so macht die Lektüre auch diesmal nicht nur Spaß, sondern regt auch zum Nachdenken an. Alles in allem eine runde Sache!

Fazit: „Erebos 2“ hat mich perfekt unterhalten. Ich bin immer wieder aufs Neue beeindruckt von dem schriftstellerischen Können Ursula Poznanskis und bleibe ihr treuer Fan. Allen, die spannende Thriller mögen, kann ich das Buch wärmstens empfehlen!






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  • Charaktere
Veröffentlicht am 31.05.2020

Jugendthriller mit Suchtpotenzial – auch für ältere Leser!

Erebos
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An Londoner Schulen wird ein geheimes Computerspiel namens „Erebos“ verbreitet, von dem nur eingeweihte Spieler erfahren dürfen. Der 16-jährige Nick bekommt ebenfalls eine Kopie und ist zunächst begeistert: ...

An Londoner Schulen wird ein geheimes Computerspiel namens „Erebos“ verbreitet, von dem nur eingeweihte Spieler erfahren dürfen. Der 16-jährige Nick bekommt ebenfalls eine Kopie und ist zunächst begeistert: Erebos ist nämlich kein gewöhnliches Spiel. Es ist nicht nur sagenhaft spannend, sondern auch äußerst raffiniert: Es scheint Nicks Vorlieben zu kennen und mit ihm zu kommunizieren. Wie manche anderen Schüler ist er dabei, Erebos zu verfallen und sich von ihm beherrschen zu lassen. Doch dann merkt er, dass eine düstere, zerstörerische Macht von dem Spiel ausgeht, die in der Lage ist, die Spieler zu manipulieren und für ihre Zwecke zu benutzen...

Ich habe „Erebos“ vor fast 10 Jahren das erste Mal gelesen und weiß noch, dass mich das Buch damals sehr gefesselt hat. Nun steht seit einigen Wochen in meinem Regal „Erebos 2“, die vor kurzem erschienene Fortsetzung des Romans, auf die ich mich sehr gefreut habe. Allerdings wollte ich nicht mit der Lektüre beginnen, ohne zuvor nochmal Teil 1 gelesen zu haben. Ich war sehr gespannt, ob ich es nach all den Jahren genauso packend finden werde. Und siehe da – kaum angefangen zu lesen war ich sofort in der Geschichte drin, konnte das Buch kaum aus der Hand legen und fieberte wie damals mit Nick und seinen Freunden mit! „Erebos“ gehört für mich zu den Büchern, bei denen alles, aber wirklich auch alles stimmt: Ein toller, gut durchdachter Plot, klasse Schreibstil, Spannung von Anfang bis zum Ende, lebendige Charaktere, die einem ans Herz wachsen oder umgekehrt negative Emotionen erzeugen, ein fulminanter Showdown und ein aus meiner Sicht perfektes Ende. Die Autorin bietet aber nicht nur spannende Unterhaltung. Mit der Thematik ihres Romans spricht sie ein brisantes Thema an: die Gefahren, die von der virtuellen Welt ausgehen, vor allem das Suchtpotenzial, die diese bei manchen, insbesondere jungen Menschen, entfaltet. Dieses Thema hat in den letzten zehn Jahren nichts von seiner Aktualität verloren, ganz im Gegenteil. Man weiß inzwischen, dass übermäßiger Medienkonsum Kinder und Jugendliche nicht nur müde, unkonzentriert und gereizt macht, er soll auch bei ihnen gewisse Hirnstrukturen verändern. Umso wichtiger ist es, sich mit der Problematik auseinanderzusetzen. In diesem Zusammenhang leistet „Erebos“ einen wichtigen Beitrag und regt zum Nachdenken an. Es ist für mich absolut nachvollziehbar, dass Ursula Poznanski mit diesem Titel den Deutschen Jugendliteraturpreis und einige andere Preise gewonnen hat.

Die graphische Gestaltung des Buches finde ich sehr ansprechend. Das Auge-Motiv passt sehr gut zum Thema, das Signalrot des Covers und der kurze Klappentext erfüllen wirkungsvoll ihre Aufgabe: Sie versprechen eine spannende Lektüre und machen den Leser neugierig auf den Inhalt.

Alles in allem ist „Erebos“ ein rundum gelungener Jugendthriller, den ich mit gutem Gewissen nicht nur älteren Jugendlichen, sondern auch erwachsenen Lesern wärmstens empfehlen kann!





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Veröffentlicht am 26.05.2020

Segen und Fluch der Andersartigkeit

Nele oder Das zweite Gesicht
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Nele ist 14 und wohnt mit ihrer Familie in einem Dorf an der Nordsee. Ihre Eltern und Großeltern sind Bauern und harte Arbeit gewohnt. Nele hilft ihnen gerne, denn sie mag die Natur, Tiere und und das ...

Nele ist 14 und wohnt mit ihrer Familie in einem Dorf an der Nordsee. Ihre Eltern und Großeltern sind Bauern und harte Arbeit gewohnt. Nele hilft ihnen gerne, denn sie mag die Natur, Tiere und und das einfache Landleben. Sie versteht sich gut mit ihren Verwandten, besonders mit der Oma und hat auch einen guten Freund, mit dem sie sich regelmäßig trifft. Alles könnte perfekt sein, doch Nele verfügt über besondere Fähigkeiten, die sie selbst und ihre Mitmenschen verunsichern und sogar ängstigen. Das sensible Mädchen kann Schmerzen lindern und zuweilen Dinge voraussehen, auch wenn sie das gar nicht will und sich dagegen wehrt. Ihre Gabe belastet sie nämlich und angewendet raubt sie Nele ihre Kraft und ihre Gesundheit. Doktor Krill, ein berühmter Spezialist für Parapsychologie, will Neles Fall untersuchen. Gegen die Bedenken ihrer Familie entscheidet sie sich mitzumachen, in der Hoffnung, Hilfe zu bekommen. Doch will der Wissenschaftler ihr wirklich helfen?

Ich habe mich schon als junges Mädchen für die Parapsychologie interessiert und so fand ich das Buch nach einem kurzen Blick auf die Inhaltsangabe auf Anhieb interessant. Die Autorin Monika Feth war mir bereits bekannt durch die Krimireihe, zu der „Der Erdbeerpflücker“ gehört. Ich hatte sie vor Jahren sehr gerne gelesen und den Schreibstil der Autorin gemocht. Ich war gespannt, wie sie dieses besondere Thema – übersinnliche Fähigkeiten bei einem jungen Mädchen – literarisch umsetzt, hoffte auf eine interessante Lektüre und wurde tatsächlich nicht enttäuscht. Monika Feth erzeugt Emotionen, ohne große Worte zu benutzen. Ihre Sprache ist schlicht und doch vermag sie es, den Leser zu berühren. Sie erzählt Neles Geschichte sehr einfühlsam und stellt ihre innere Zerrissenheit so glaubwürdig dar, dass man mit dem Mädchen leidet und ihm am liebsten helfen möchte... Man kann sehr gut nachvollziehen, dass Nele ihre eigene Andersartigkeit zu schaffen macht und dass sie diese nicht als Segen, sondern als Last empfindet. Sehr überzeugend fand ich auch die Figur des Dr. Krills, der als passionierter Wissenschaftler in der Hoffnung auf spektakuläre Ergebnisse das seelische Wohl des Mädchens außer Acht lässt. Er sieht Nele lediglich als Forschungsobjekt und merkt nicht, wie sehr er ihr schadet. Ich kann mir vorstellen, dass ähnliche Konflikte in der Welt der Wissenschaft keine Seltenheit sind.

Alles in allem fand ich das Buch gutgeschrieben und lesenswert. Ich würde es gerne allen empfehlen, die offen für Dinge sind, die man nicht mit dem bloßen Auge sehen kann.