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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 17.05.2019

Eine interessante Idee, spannend umgesetzt

Thalamus
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Ein Motorradunfall stellt das Leben des 17-jährigen Timo auf den Kopf. Zwar überlebt er die schwere Operation, kann aber vorerst weder sprechen noch laufen. Auf Anraten seines Arztes wird er in der abgelegenen ...

Ein Motorradunfall stellt das Leben des 17-jährigen Timo auf den Kopf. Zwar überlebt er die schwere Operation, kann aber vorerst weder sprechen noch laufen. Auf Anraten seines Arztes wird er in der abgelegenen Rehaklinik Markwaldhof untergebracht, wo sich ein Team aus Ärzten, Fachtherapeuten und Pflegepersonal um Patienten wie er kümmert. Die Einrichtung genießt einen guten Ruf und tatsächlich scheint sich Timo recht schnell von den Folgen des Unfalls zu erholen. Seine Genesung wird aber von merkwürdigen Nebenwirkungen begleitet, die Timo Angst machen. Genauso wie sein Zimmernachbar, der tagsüber ein Koma-Patient ist, nachts aber aufsteht und kein angenehmer Zeitgenosse ist. Zu dumm, dass Timo keinem davon erzählen kann, denn mit dem Sprechen hat er immer noch große Probleme. Bald macht er weitere, ähnlich beängstigende Entdeckungen und spätestens jetzt wird ihm klar, dass im Markwaldhof etwas faul ist...
Ursula Poznanski, die sich mit ihren Jugend- und Erwachsenenthrillern bereits mehrmals in die Bestsellerlisten geschrieben hat, gelang mit diesem Roman ein weiteres fesselndes Buch, das mit einem interessanten Plot, lebendigen Charakteren und einer ordentlichen Portion Spannung punktet. Ich kann mir sehr gut vorstellen, dass "Thalamus" vor allem älteren Jugendlichen gefallen wird, da sie vermutlich empfänglicher für die Thematik sind und sich mit Timo und seinen Freunden besser identifizieren können. Ich bin zwar schon deutlich älter, aber auch mir hat die Lektüre Spaß gemacht und einige unterhaltsame Stunden beschert. Zwar halte ich die Idee, die der Handlung zugrunde liegt, für ziemlich abwegig, konnte mich aber damit arrangieren und es hat mich nicht weiter gestört. Im Gegenteil: Ursula Poznanski schreibt so fesselnd und glaubhaft, dass man ihr auch scheinbar absurde Ideen abkauft und in ihre Geschichten eintaucht. So war es für mich auch bei diesem Buch.

Zu erwähnen wäre aus meiner Sicht noch das originell und wunderschön gestaltete Cover, das sofort ins Auge springt und neugierig auf den Inhalt macht.

Fazit: Ein spannender Jugendthriller, gut geschrieben und mit überraschenden Wendungen, für alle Fans des Genres und vor allem für jüngere Leser sehr zu empfehlen!

Veröffentlicht am 16.05.2019

Die Magie des Erzählens

Die Frau, die ihren Mann auf dem Flohmarkt verkaufte
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Was für ein zauberhaftes Buch! Mein erstes von Rafik Schami und ich bin richtig begeistert von der Kraft, Lebendigkeit und Schönheit seiner Sprache! Der Autor, der in Syrien aufgewachsen ist, kam als junger ...

Was für ein zauberhaftes Buch! Mein erstes von Rafik Schami und ich bin richtig begeistert von der Kraft, Lebendigkeit und Schönheit seiner Sprache! Der Autor, der in Syrien aufgewachsen ist, kam als junger Mann nach Deutschland, studierte Chemie, promovierte und bekam einen guten Job beim einem Weltkonzern. Den hat er jedoch aufgegeben, um seinen Traum zu verwirklichen und Erzähler zu werden. Wie es dazu gekommen ist, dass Erzählen seine größte Leidenschaft wurde, berichtet er in diesem Buch.
Rafik Schami nimmt uns Leser auf eine abenteuerliche Reise nach Damaskus seiner Kindheit und entwirft dabei ein faszinierendes Porträt einer Stadt und seiner Einwohner. Es sind vor allem einfache Menschen, von denen er spricht: Kutscher, Frisöre, Verkäufer... All diese Menschen haben eins gemeinsam: Sie erzählen gern und hören auch gern zu. Einige von ihren Geschichten können wir hier nachlesen. Sie sind durchaus spannend und unterhaltsam. Es wird uns aber bei der Lektüre klar, dass sie beim Niederschreiben viel von ihrem Zauber verlieren. Man müsste sie mit eigenen Ohren hören, erwartungsvoll dem Verlauf jeder Geschichte folgen, den Erzähler, seine Mimik und Gestik beobachten, ihn zwischendurch anfeuern, über den möglichen Ausgang der Geschichte spekulieren... Rafik Schamis Buch ist eine Lobeshymne auf die Kunst des mündlichen Erzählens, das in so gut wie jeder Kultur und gerade im Orient eine lange Tradition hat. Er betont ihre wichtige Rolle, die sie für die Identität und den ethnischen Zusammenhalt einzelner Völker spielt. In einem wissenschaftlichen Exkurs setzt sich der Autor mit der mündlichen und schriftlichen Erzählweise auseinander und erklärt die Unterschiede dazwischen. Er verdeutlicht, wie sich die mündliche Kunst im Laufe der Zeit verwandelte und macht uns darauf aufmerksam, dass gerade jetzt, im Zeitalter der Digitalisierung, das Erzählen und Zuhören eine Art Renaissance erleben. Die mündliche Kunst ist wieder in, wenn auch in veränderter Form. Ein Beweis dafür sind Erfolge, die Kabarettisten, Comedians und andere Wortkünstler feiern und ganz besonders die große Popularität von Hörbüchern. All diese Erkenntnisse werden einleuchtend und interessant dargestellt. Am besten haben mir an dem Buch aber die eingestreuten Geschichten und Anekdoten gefallen. Wie gerne würde ich jetzt eine Lesung mit Rafik Schami besuchen, um diese direkt von ihm zu hören...

Fazit: Ein interessantes und erkenntnisreiches Buch für alle, die Spaß am Erzählen und Zuhören haben und sich für Sprachen und Kulturen interessieren.

Veröffentlicht am 08.05.2019

Ein Wiedersehen mit alten Freunden wird zum Alptraum

Die Mühle
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Die 20-jährige Außenseiterin Lana bekommt durch einen Zufall die Möglichkeit, an einem Treffen von einer Clique junger Menschen teilzunehmen, die sie von früher aus der Schule und nur vom Sehen kennt. ...

Die 20-jährige Außenseiterin Lana bekommt durch einen Zufall die Möglichkeit, an einem Treffen von einer Clique junger Menschen teilzunehmen, die sie von früher aus der Schule und nur vom Sehen kennt. Das Treffen findet in Karlsbad (Tschechien) statt und die erste Anlaufstelle ist ein vornehmes Hotel, wo für jeden der Teilnehmer ein Zimmer gebucht wurde. Die Situation wird schnell suspekt, da es sich herausstellt, dass von einer Freundschaft, die Lana damals an der Schule so beeindruckt hat, schon lange keine Rede mehr ist, im Gegenteil: Keiner wirkt so richtig froh, die anderen zu sehen. Und niemand scheint eine Ahnung davon zu haben, wer der Gastgeber ist. Trotzdem folgen alle der nächsten geheimnisvollen Einladung und lassen sich am Tag darauf zu einem Picknick in den Böhmer Wald bringen. Das Wetter ist toll und in der freien Natur wartet ein schön gedeckter Tisch auf sie. Nur zu blöd, dass der Fahrer sich sofort aus dem Staub macht. Plötzlich bleiben die ehemaligen Mitschüler alleine in der unbekannten Wildnis, in der es keinen Handy-Empfang gibt. Dafür lauert dort eine schreckliche Gefahr...

Sieben junge Menschen, sieben unterschiedliche Persönlichkeiten in einer Extremsituation und ein dunkles Geheimnis, das sechs von ihnen miteinander teilen und die siebte verzweifelt zu erraten versucht. Der Plot ist durchaus interessant und bietet reichlich Potenzial. Schon das geheimnisvoll und düster gestaltete Cover verspricht eine spannende Lektüre und zumindest einen Hauch von Gänsehaut. Der Roman fängt auch vielversprechend an. Und doch konnte ich mich nicht wirklich für die Handlung begeistern, denn irgendwann wurde sie mir zu langatmig. Von Anfang an weiß man, dass etwas Schlimmes passieren wird und das drohende Unheil ist auf jeder Seite präsent, was an sich die Spannung erhöhen musste. Nur dauert es aus meiner Sicht etwas zu lange, bis das Rätsel gelöst wird. Ich wurde schließlich des ewigen Tappens Lanas im Dunkeln überdrüssig und sehnte mich nur noch nach dem Ende. Dieses fand ich wiederum recht gut (wenn auch ziemlich unglaubwürdig) und wirklich überraschend. So ist meine Meinung zum Buch etwas zwiespältig. Ich bin zwar nicht direkt enttäuscht, habe aber mehr erwartet.

Mein Fazit: Ein Jugendthriller mit Längen, trotzdem recht spannend, älteren Jugendlichen dürfte er gut gefallen.


Veröffentlicht am 29.04.2019

Eine originelle Idee, filmreif umgesetzt

Zwanghafte Gier
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Frankie Barnes ist keine gewöhnliche Putzfrau. Sie leider unter Waschzwang und Schmutzphobie und kann gar nicht anders, als ihre Umgebung und sich selbst immer wieder übertrieben zu reinigen. Und dann ...

Frankie Barnes ist keine gewöhnliche Putzfrau. Sie leider unter Waschzwang und Schmutzphobie und kann gar nicht anders, als ihre Umgebung und sich selbst immer wieder übertrieben zu reinigen. Und dann ist da noch diese zwanghafte Neigung, Dinge haben zu wollen, die ihr gefallen und zwar obwohl sie anderen Menschen gehören. So geht es ihr mit dem schönen Cottage von Alex Lewin, einer jungen Sprachtherapeutin, bei der Frankie die Putzstelle übernimmt. Um das Objekt ihrer Begierde zu bekommen, schreckt sie vor nichts zurück. Die nichtsahnende Alex ist in großer Gefahr, denn Frankie hat bereits Menschenleben auf ihrem Gewissen...

Ich kannte bis dato keine Bücher von Hilary Norman, das Buch habe ich durch Zufall in einem Antiquariat entdeckt und ich muss sagen, es war ein echter Glückstreffer. „Zwanghafte Gier“ ist ein hochspannender Krimi, dem eine interessante Idee zugrunde liegt. Die Hauptperson ist eine im Grunde bemitleidenswerte Frau, die aber durch ihre Krankheit und traumatische Ereignisse in der Vergangenheit zu einem skrupellosen Monster geworden ist. Die Autorin schafft es meisterhaft, eine von Zwängen gesteuerte Person zu schildern, gewährt uns erschreckende und doch faszinierende Einblicke in deren Alltag und Gedankenwelt. Es gelingt ihr auch ausgezeichnet, Spannung aufzubauen und diese durchgehend aufrechtzuerhalten, bis sie schließlich in einem filmreifen Finale gipfelt. Überhaupt liefert das Buch meines Erachtens eine tolle Vorlage für einen Film und der hätte gewiss Potenzial, ein richtiger Armlehnen-Kraller zu werden. Hilary Norman schreibt so spannend und lebendig, dass ich mir die Personen und Ereignisse mühelos vorstellen und den Roman kaum aus der Hand legen konnte. Ich bin schon sehr gespannt auf die anderen Bücher dieser Autorin!

Fazit: Klasse Psychothriller – ein guter Plot und packend bis zum Schluss, von mir eine klare Leseempfehlung!

Veröffentlicht am 25.04.2019

Toll geschriebener Krimi, der unter die Haut geht

Morgen ist der Tag nach gestern
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In einer Sommernacht brennt das Ferienhaus des wohlhabenden Gustav Horstmanns nieder. Als die Spurensicherung in den Trümmern zwei Leichen findet, ist es schnell klar, dass es kein Unfall war. Das Ermittlungsteam ...

In einer Sommernacht brennt das Ferienhaus des wohlhabenden Gustav Horstmanns nieder. Als die Spurensicherung in den Trümmern zwei Leichen findet, ist es schnell klar, dass es kein Unfall war. Das Ermittlungsteam aus Kleve stellt fest, dass die beiden Toten Mordopfer sind und dass ihr Tod mit einem weiteren grauenhaften Verbrechen im Zusammenhang steht...

Ich bin ein großer Fan von Mechtild Borrmann und so habe mich schon sehr auf dieses Buch gefreut. Auch wenn mir ihre anderen Romane, wie etwa das „Trümmerkind“ oder „Der Geiger“ mehr gefallen haben, so hat mich auch dieses schmale Buch nicht enttäuscht. In gewohnt knappen, schnörkellosen Sätzen erzählt die Autorin einmal mehr von tragischen menschlichen Schicksalen und schafft es, diese ergreifend und packend zu schildern. Wiederholt demonstriert sie ihre große Beobachtungsgabe und das Talent, ihren Protagonisten Leben einzuhauchen, sie einfühlsam und facettenreich darzustellen. Besonders eindrucksvoll fand ich die Schilderung von Frank Zech, Horstmanns Nachbarn, die für mich eine meisterhafte psychologische Studie ist. Wir Leser werden zu Zeugen seines fortschreitenden Wahnsinns. Der Einblick in die Gedankenwelt eines Geisteskranken, den uns Mechtild Borrmann hier gewährt, lässt uns schaudern und ich muss gestehen, bei der Lektüre bekam ich mehr als einmal eine Gänsehaut. Auch die Figur des trauernden Vaters, der rastlos nach seiner vermissten Tochter sucht, hat es in sich – man spürt förmlich seinen Schmerz, man bangt und und leidet mit...

Fazit: Ein weiterer interessanter Kriminalroman von Mechtild Borrmann, einfühlsam und packend erzählt – ich kann ihn nur empfehlen!