Profilbild von bri114

bri114

Lesejury Star
offline

bri114 ist Mitglied der Lesejury

Melde dich in der Lesejury an, um dich mit bri114 über deine Lieblingsbücher auszutauschen.

Anmelden

Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 06.10.2020

Erwartungen erfüllt

Mein Familienkompass
0

Ein Sachbuch, das nicht nur Erziehungsratgeber, sondern auch Helfer für die Eltern sein möchte.

Autorin Nora Imlau versteht ihr Handwerk. Ihre jahrelange Arbeit als Journalistin merkt man ihrem Buch an.
Das ...

Ein Sachbuch, das nicht nur Erziehungsratgeber, sondern auch Helfer für die Eltern sein möchte.

Autorin Nora Imlau versteht ihr Handwerk. Ihre jahrelange Arbeit als Journalistin merkt man ihrem Buch an.
Das Cover ist genretypisch, das Autorinfoto lässt sie offen, sympathisch und ehrlich wirken.

“Mein Familienkompass” von Nora Imlau ist im Ullstein Buchverlag erschienen und umfaßt 400 Seiten. Der Schreibstil ist flüssig und das Buch lässt sich daher sehr gut lesen.

Als Frau, Mutter und Journalistin stellt Nora die Frage: Wie kriege ich alles unter einen Hut? Die Familie soll für alle ein Nest sein, in dem die Kinder aber auch wir Eltern das bekommen, was wir gerade brauchen!

Nora Imlau beschreibt die historischen Hintergründe der Erziehungsentwicklung, wissenschaftlichen Erkenntnisse und anhand eigener Erfahrungen, warum wir etwas glauben (zu wissen) oder handeln. Oftmals wider besseren Wissens. 

Dennoch fehlt der erhobene Zeigefinger, vielmehr macht sie deutlich, daß wir alle immer mal wieder (aus oft nachvollziehbaren Gründen) falsch liegen. (und warum) Daß dies' aber kein Versagen ist, sondern zum einen menschlich und zum anderen, wir lern- und anpassungsfähig sind und es ändern können.

Und Perfektion uns in diesem Bereich nicht weiterbringt.

Mir gab dieses Buch einige Anregungen zum Nachdenken, Reflektieren und Erkenntnisse, warum mein Verhältnis zu meiner Mutter und meiner Tochter so ist, wie es ist. 

Das Buch hat alle Erwartungen erfüllt, es nicht nur Ratgeber, sondern ein echter Helfer, wenn es um Familien geht. Danke!

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
Veröffentlicht am 24.08.2020

endlich #systemrelevant!

Weil es ohne uns nicht geht
0

Über den ganz „normalen Wahnsinn“ einer zentralen Notaufnahme in Bayern, schreiben hier wechselseitig Pfleger Michael (Mike) als Profi und Autor Fabian als Laie, bestens für den Leser zu Kapitelbeginn ...

Über den ganz „normalen Wahnsinn“ einer zentralen Notaufnahme in Bayern, schreiben hier wechselseitig Pfleger Michael (Mike) als Profi und Autor Fabian als Laie, bestens für den Leser zu Kapitelbeginn durch Spritze oder Stift gekennzeichnet.

Auch die überraschende Covid19-Pandemie fand' ihren Weg ins Buch. Die Sorgen deshalb und ihre Auswirkungen im (Arbeits-)Alltag wurden durch grau-unterlegte Abschnitte kenntlich gemacht.

Während Mike also unseren stressigen, spannenden, beängstigenden, oft auch komischen Alltag beschreibt, der uns häufig alles abverlangt, zugleich aber auch eine Erfüllung bedeutet, die kaum ein anderer Beruf bietet, schildet Fabian als Beobachter ganz andere Facetten, die man als Pflegende oft (schon) übersieht oder vll. noch nie wahrgenommen hat. Er erlebt die Kranken und ihre Angehörigen nicht als Arbeit, sondern schaut hinter den Vorhang und interessiert sich für ihre Geschichte- für die wir allzu häufig keine Zeit haben.

Dennoch wird hier nichts geschönt oder verklärt- neben einer hohen Empathie ist vor allem unsere Professionalität und Fachwissen gefragt, wenn wir unserer Arbeit nachgehen. Daß unser eigenes (Sozial-)Leben darunter leidet, wurde hier treffend formuliert! Danke dafür! 🌺

Dieses Buch ist nicht nur für Pflegende/ Ärzte lesenswert, sondern auch für alle anderen. Die Wahrscheinlichkeit ist hoch, daß wir uns alle irgendwann in einer Situation befinden, die einen Aufenthalt in einer NA unumgänglich macht.
Dann wäre es schön, auf jemanden wie Mike zu treffen, der seinen Beruf aus Berufung ausübt- trotz aller Widrigkeiten!


Ein großer Dank an beide Autoren für diesen realistischen Blick hinter die Kulissen. 💖

Bleibt- für uns alle!- zu hoffen, daß die Begrifflichkeit #systemrelevant nicht gleich wieder vergessen ist und unser Berufszweig die Anerkennung erhält, die ihm gebürt. Zugleich muß unser Gesundheitssystem umfassend reformiert werden. Damit wir in der Not alle relevant sind!

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 24.08.2020

Sprachmacht

Die Topeka Schule
0

"Die Topeka Schule" von Autor Ben Lerner schildert in verschiedenen Handlungssträngen und Perspektiven vor allem die Geschichte der Gordons.

Die Eltern, Jane und Jonathan, sind Doktoren und Psychoanalytiker ...

"Die Topeka Schule" von Autor Ben Lerner schildert in verschiedenen Handlungssträngen und Perspektiven vor allem die Geschichte der Gordons.

Die Eltern, Jane und Jonathan, sind Doktoren und Psychoanalytiker in der Kleinstadt Topeka. Ihr Sohn Adam, ein typischer Heranwachsender, muß sich mit dem Druck des Erwachsenwerdens, dem, der aus dem beruflichen Umfeld seiner Eltern entsteht und seinen eigenen Ansprüchen auseinandersetzen.
Daß er in der sehr priviligierten Oberschicht einer Kleinstadt aufwächst, macht all diese Umstände nicht leichter.

Nachbarsjunge Darren ist nicht nur Patient bei Dr. Jonathan Gordon, sondern geht auch in Adams Schule und wird dort schikaniert. Wenngleich auch nicht von Adam selbst.
Als Darren in Adams Clique aufgenommen wird, eskaliert es.

Der Sprachstil dieses Buches ist gehoben und sehr anspruchsvoll- nebenbei zur Unterhaltung oder mit zahlreichen Unterbrechungen läßt es sich nicht lesen. Vielmehr scheint es der Autor darauf anzulegen, daß sein Buch mit seinen vielschichtigen Charakteren mehrfach gelesen wird.

Durch zusätzliche Zeitsprünge, z.T. subjektiven Beschreibungen und verschienenen Erzählebenen wird es dem Leser erschwert, der Geschichte chronologisch zu folgen.

Stehen bei den Erwachsenen hauptsächlich die Beziehungen untereinander, zu sich selbst und die Psychoanalyse im Vordergrund, so geht es bei Adam um Versagensangst, Triumphgefühle beim Sieg und vor allem die Macht der Sprache.
Er ist ein Meister im Debattieren und möchten diesen hohen Anspruch auch in andere Bereiche seines Lebens übertragen.

Darren hingegen scheint das Gegenstück der Gordons zu sein. Ausgegrenzt, beschränkt scheint sein Leben trostlos.

Feministin Jane muß sich nicht nur gegen Hass- und Drohbriefe, sondern Unterstellungen hinsichtlich ihrer Absichten wehren. Darunter leidet nicht nur sie selbst, auch ihr Privatleben (Familie, Freundschaften).


Fazit: sprachlich sehr anspruchsvolle Milieustudie, die die vielschichtige Geschichte einer besonderen amerikanischen Kleinstadtfamilie erzählt.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 24.08.2020

über das Leben

Das Leben ist ein wilder Garten
0

Das Cover ist unaufgeregt und für mich nichtssagend, dennoch zog mich der Klappentext in seinen Bann.

Hauptprotagonist Carlo ist Landschaftsgärtner mit einer eigenen Firma. Er ist eher sachlich strukturiert ...

Das Cover ist unaufgeregt und für mich nichtssagend, dennoch zog mich der Klappentext in seinen Bann.

Hauptprotagonist Carlo ist Landschaftsgärtner mit einer eigenen Firma. Er ist eher sachlich strukturiert und hält sich ungern in geschlossenen Räumen auf. Seine Frau Ana arbeitet als Krankenschwester und hat ihn und das gemeinsame (miteinander-) Leben verlassen. Die gemeinsame Tochter studiert nun in London. 
Carlo fühlt sich sehr einsam.

Seine Mutter ist aufgrund ihrer Demenz in einem Altersheim untergebracht- verschwindet aber von dort spurlos. Carlos Leben ist ein reines Durcheinander-  "ein wilder Garten".

Carlos Angestellter Agon hingegen stammt aus dem Kosovo, kennt Flucht und Entbehrungen. Er verbirgt eine sehr sanfte, sensible Seele in seinem massigen Körper. So kümmert er sich mit zärtlicher Hingabe um seinen kleinen Garten und die ihm verbliebenen Bücher aus seiner Heimat.

Gemeinsam verbringen sie ihren Arbeitsalltag miteinander und Agon unterstützt "Chef Weiss" bei der Suche nach seiner Mutter.

In einem ehemaligen Luxushotel werden sie fündig, und Carlo erkennt auf einmal Zusammenhänge, die nicht nur Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft betreffen, sondern auch ihn und all seine Nächsten.

Autor Roland Buti hat hiermit eine zarte, anrührende Geschichte geschrieben. Mit sanften Worten beschreibt er einen kleinen Kosmos und schafft es doch, allen Figuren und Szenen genügend Raum zu geben.

Dies' ist ein Buch, das man immer wieder lesen kann, weil die Erkenntnis daraus- je nach den eigenen Lebensumständen- wohl immer wieder eine andere sein wird.

Wohlverdiente 5 ☆

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 24.08.2020

Lara's Magie

Immernacht
0

Die 13jährige Lara(belle Fox) ist Waise und bestreitet ihren Lebensunterhalt, indem sie in Abwässern verlorenen Dingen sammelt- sie ist ein sogenannter "Tosher". Alles, was sie in den Abwasserkanälen ihrer ...

Die 13jährige Lara(belle Fox) ist Waise und bestreitet ihren Lebensunterhalt, indem sie in Abwässern verlorenen Dingen sammelt- sie ist ein sogenannter "Tosher". Alles, was sie in den Abwasserkanälen ihrer Stadt findet, verkauft sie dem alten Hans. Als sie ein geheimnisvolles Kästchen aus Holz findet, weiß sie, daß dies etwas Besonderes sein muß- ahnt jedoch nicht, daß jemand Wichtiges es dringend braucht- Mrs. Hester, die bösartige Beraterin des Königs und Magierin. Dieses Kästchen ist der Schlüssel zur Immernacht, die Dunkelheit über das Königreich bringen soll. So schickt Mrs. Hester einen Dschinn aus, der seine Freiheit nur dann wiedererlangt, wenn er ihr das Kästchen bringt. Er verwandelt sich in einen Mann ohne Schatten und Larabelles Leben ist in Gefahr.


Autor Ross MacKenzie erzählt in dieser Fantasygeschichte wieder von einem magischen Kampf Gut gegen Böse. 
Im Fokus steht eindeutig Lara, die ihre eigene (magische) Kraft entdeckt und auch, wer ihr wahrhaft wohlgesonnen ist.

Die Geschichte wird spannend erzählt, der Schreibstil ist leicht verständlich. Die Figuren und Szenen werden nur zum Teil im Detail beschrieben, der Fokus liegt eindeutig auf Lara als Hauptprotagonistin.
Als Jugendbuch deklariert, ist das jedoch vollkommen ok.

Mir gefiel die Entwicklung von Lara sehr. Von ihrer Mutter blieb ihr nun ein Medaillon. Auf der Suche nach ihren Wurzeln entdeckt sie, daß auch sie über Magie verfügt.
Ich würde dieses Buch jedoch erst ab 14 empfehlen, da einige Szenen recht gewalttätig sind.

Sehr gute 4,5 ☆.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere