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Veröffentlicht am 20.01.2019

Bewegte Geschichte: hautnah, fundiert recherchiert und faszinierend

Queen Victoria
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Endlich! Man möchte ja fast meinen, es gibt schon Biographien über Queen Victoria wie Sand am Meer und gerade durch aktuelle Erfolgs-TV-Serien hat das bewegte Leben einer der bekanntesten Monarchinnen ...

Endlich! Man möchte ja fast meinen, es gibt schon Biographien über Queen Victoria wie Sand am Meer und gerade durch aktuelle Erfolgs-TV-Serien hat das bewegte Leben einer der bekanntesten Monarchinnen britischer Geschichte an Aktualität noch zugenommen. Aber dem ist leider nicht so. Ich bin selbst begeisterte Hobby-Leserin von Biographien, und habe ehrlich gesagt hier wirklich etwas vermisst. Umso erfreulicher, dass sich hier die Autorin Julia Baird an die Materie "getraut" hat und als kleines Fazit kann ich sagen: Es ist ihr wirklich, wirklich sehr gut gelungen.

Zum Leben von Victoria ist vieles bekannt. Sie wächst, vollkommen abgeschottet und isoliert als Halbwaise unter der strengen Blick ihrer Mutter als präsumptive Thronerbin auf. Besonders hart ist dabei der enge Vertraute der Mutter Sir Conroy, der in Victoria nur einen Steigbügel zur Macht sieht und die junge Frau geradezu schikaniert. Ein Umstand, der das Verhältnis zur eigenen Mutter über Jahre hin schwer belasten wird. Aber diese Jugend stählt und formt eine junge Frau heran, die ihren eigenen Willen eisern und diszipliniert durchzusetzen versteht. Das Leben dieser außergewöhnlichen Frau, die an Regierungsjahren derzeit nur von ihrer eigenen Ur-Ur-Enkelin Elizabeth übertroffen wird und unter deren Herrschaft sich Großbritannien zu einem Empire von Weltbedeutung formt - nicht zuletzt auch durch zahlreiche gesellschaftliche Veränderungen geprägt, wie die Industrialisierung und die Veränderung der Frauenrolle bis hin zum Frauenwahlrecht - dieses Leben zeichnet Julia Baird facettenreich in fünf Kapiteln auf 494 Seiten nach.

Es gelingt ihr - zumindest ist es ihr bei mir gelungen- auf eine spannende Reise mitzunehmen. Sie verliert sich nicht in geschichtlichen Untiefen, aus der so mancher Geschichtsfan sich u.U. schnell verliert, nein, sie stellt vor allem den Menschen Victoria in den Vordergrund. Sie betrachtet ihren Charakter, ihr Verhältnis zu ihrem geliebten Albert, dem sie sich geradezu sklavisch unterordnet und von ihm in jeder Lebenssituation abhängig macht. Allein das ist faszinierend, wenn man betrachtet, zu welcher Eigensinnigkeit und zu welchem Machtbewusstsein Victoria mitunter neigte. Aber auch ihr Familienleben und die Beziehung zu allen Premierministern kommt nicht zu kurz. Die Witwenzeit, die ein Großteil ihrer Regentschaft umfasst, erhält ebenfalls eine persönliche Note, durch die umstrittene Beziehung zu John Brown, über dessen Verhältnis zur Queen auch der Leser nur spekulieren kann.

Besonders gefallen hat mir die Art und Weise, wie Julia Baird geschichtliche Fakten zusammenfasst und präsentiert. Ihr Schreibstil ist unterhaltsam und flüssig. Teilweise hatte ich den Eindruck, dass sie bewusst zwischen einer erzählerischen, romanhaften Perspektive in eine bewertende, distanzierte wechselt. So hatte ich oft das Gefühl, nicht nur ein neutraler Beobachter zu sein, sondern an der Geschichte lebhaft teilzuhaben, wie in einer Art Dokumentation mit gespielten Elementen. Genau das macht Geschichte ja gerade so faszinierend. Dass man eben nicht trocken die Fakten zusammenschreibt und dem Leser Zahlen "um die Ohren haut". Sondern ihn an der Reise - oder hier am Leben von Victoria teilhaben lässt.

Mein Fazit: Absolut lesenswerte Biographie über eine der faszinierendsten Frauen der britischen Geschichte. Fundiert recherchiert, persönlich und unterhaltsam.

Veröffentlicht am 22.10.2018

Seichte Story für Irlandliebhaber

Der Klang eines Augenblicks
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Britt kehrt nach vielen Jahren in die Heimat ihrer Eltern zurück. Sie will abschließen mit dem unerklärlichen Tod ihres Vaters, der einst vor der Küste Irlands bei einem Sturz schwer verunglückte. Niemand ...

Britt kehrt nach vielen Jahren in die Heimat ihrer Eltern zurück. Sie will abschließen mit dem unerklärlichen Tod ihres Vaters, der einst vor der Küste Irlands bei einem Sturz schwer verunglückte. Niemand wusste, war es ein Unfall oder gar Mord? Diese Fragen beschäftigen Britt. Sie will endlich Antworten und hofft sie hier in einem kleinen Fischerdorf zu finden. Hier begegnet sie auch dem Iren Declan, der sich nach dem einem schweren Schicksalsschlag in sein Heimatdorf verkrochen hat. Was zu anfangs eher eine distanzierte Begegnung war, wird zunehmend zu einer zarten Liebesgeschichte.

Zu Anfang dachte, hm, wieder ein typischer Liebesroman: zwei ungleiche Menschen überwinden verschiedene Hindernisse, um sich am Ende doch zu kriegen. Naja, etwas ist von diesem Pathos tatsächlich in dieser Geschichte wieder zu finden. Declan und Britts erste Begegnung beginnt tatsächlich alles andere als glücklich. Dennoch fühlen sich beide irgendwann zueinander hingezogen. Zumal Declan Britt dabei hilft, endlich die Wahrheit über den Tod ihres Vaters herauszufinden. Diese Nebenhandlung bringt tatsächlich eine gewisse Spannung mit sich. Ein verschwundenes Buch, noch dazu das Nationalheiligtum Irlands und dann auch noch ein mysteriöser Mord? Ich war wirklich drauf und dran, dieses Buch in den Himmel zu loben. Doch letztlich sind doch so einige gute Ansätze beim Lesen etwas verpufft oder zu einem Nebenkriegsschauplatz buchstäblich degradiert. Schade eigentlich. Dennoch verstehe, dass die sich langsam entwickelnde Liebesbeziehung der beiden im Mittelpunkt stand und die Genre-Elemente hier einfach nicht fehlen durften. Dennoch gibt es auch für den Leser einige humorvolle und unfreiwillig komische Situationen und auch einige der Nebencharaktere aus der Familie von Declan sind witzig und liebevoll gezeichnet. Man erhält auch einige gute Einblicke in irische Traditionen, was mich als Leser, der Irland bereist hat, geradezu ins Schwärmen bringen kann. Die Geschichte liest sich relativ gut und schnell, manche Zeitsprünge sind unerwartet, geben der Geschichte aber etwas an Spannung. In Summe ist "Der Klang eines Augenblicks" eine gut erzählte, solide Liebesgeschichte vor der Traumkulisse Irland. Punkt Abzug gibt es für den leichten Hang zur Kitschigkeit gegen Ende und dass man den spannenden Ansatz einer Kriminalgeschichte leider nicht weiter erzählt hat. Dennoch wird hier jeder Liebhaber von leichter Sommerliteratur hier seine Freude damit haben.

Veröffentlicht am 22.10.2018

Es war das Eichhörnchen

Oberons blutige Fälle
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In diesem Band der Fantasy-Reihe über den Druiden Atticus steht sein tierischer Begleiter Oberon ganz im Mittelpunkt des Geschehens. Mit viel Humor und kriminalistischem Geschick lösen beide zwei knifflige ...

In diesem Band der Fantasy-Reihe über den Druiden Atticus steht sein tierischer Begleiter Oberon ganz im Mittelpunkt des Geschehens. Mit viel Humor und kriminalistischem Geschick lösen beide zwei knifflige Kriminalfälle à la Agatha Christie und beweisen dabei immer wieder aufs Neue, dass Hund und Mensch hier insbesondere eine unschlagbare Kombination sind.

Krimiliteratur mit Tieren in den Hauptrollen gibt es ja mittlerweile sehr häufig und ist nicht zuletzt aufgrund der tierischen Perspektive immer wieder ein besonderes Lesevergnügen. Allerdings muss ich gestehen, dass mich dieser Fantasy-Roman nicht wirklich überzeugen konnte. Zwar punktet die Geschichte durch viel Humor, spritzige Dialoge zwischen Atticus seinem Hund Oberon und nicht zuletzt auch, dass es beiden gelingt, die Polizei regelrecht an der Nase herumzuführen. Dennoch fand ich die Handlungen unaufgeregt und irgendwie auch zeitweise etwas langweilig, manchmal sogar reichlich unplausibel. Aber soviel Freiheit darf man Fantasy-Literatur zugestehen. Die Fans dieser Fantasy-Reihe mögen mir verzeihen. Aber meine Art von Literatur ist es leider nicht. Mein Fazit: Unblutig, tierisches Abenteuer mit schrägem Humor und merkwürdigen Eichhörnchen.

Veröffentlicht am 22.10.2018

Lachen ausdrücklich erwünscht

Ich hab’s auch nicht immer leicht mit mir
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Anne Vogd gelingt mit ihrem selbstironischen Blick auf das Leben einer ab Vierzigjährigen wirklich auch sensationell witziges und heiteres Literaturstück. Ich habe selten so sehr gelacht, wie bei der Lektüre ...

Anne Vogd gelingt mit ihrem selbstironischen Blick auf das Leben einer ab Vierzigjährigen wirklich auch sensationell witziges und heiteres Literaturstück. Ich habe selten so sehr gelacht, wie bei der Lektüre von diesem Roman. Ich bin zwar selbst noch ein paar Jahre davon entfernt, aber das eine oder andere Problemchen hat man schon mal im Alltag an sich selbst beobachtet. Um so schöner, dass uns hier die Autorin mit auf den Weg "Du bist nicht alleine damit!". Ich finde es sehr gut gelungen, wie Anne Vogd uns hier mit viel Charme den Spiegel vorhält, und sich dabei selbst eigentlich nicht schont. Denn sie nimmt sich selbst aufs berühmte Korn und erzählt schonungslos von den Tücken des Alltags, von zwischenmenschlichen Beziehungen, der immer auffälligeren Gewichtsprobleme und des Gesundheitswahns, die Kunst, ein Kind zu bekommen und es auch großzuziehen und dabei selbst die Rolle der Mutter im Laufe der Zeit zu verändern und an die neuen Lebensgewohnheiten des Nachwuchses anzupassen. Und nicht zuletzt auch von der Kunst des Älterwerdens und wie man im Berufsleben seine Erfüllung findet. Ich glaube, dieses Buch muss man einfach genießen und sich dabei selbst kritisch hinterfragen, ob es nicht manchmal besser ist, mit viel Humor und Genuss älter zu werden und den Dingen manchmal mit mehr Gelassenheit ihren Lauf zu lassen. Mein Fazit: Betont selbstironischer, lockerer Schreibstil mit einer großen Portion persönlicher Lebenserfahrung der Autorin. Einfach zurücklehnen, genießen und herzhaft lachen.

Veröffentlicht am 22.10.2018

Leben ist...

Ich komme mit
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Vita Maier und Lazy Laval sind ein ungewöhnliches Duo. Sie - 72 Jahre alt, vom Leben enttäuscht und seit 5 Jahren Witwe. Er - 21 Jahre jung, steinreich, aber an Leukämie erkrankt. Beide eint ihr Humor ...

Vita Maier und Lazy Laval sind ein ungewöhnliches Duo. Sie - 72 Jahre alt, vom Leben enttäuscht und seit 5 Jahren Witwe. Er - 21 Jahre jung, steinreich, aber an Leukämie erkrankt. Beide eint ihr Humor und der Wunsch, das Leben hinter sich zu lassen. Was als eine etwas widerwillige Freundschaft mit einigen Hürden beginnt, entwickelt sich zu einer außergewöhnlichen tiefen Freundschaft.

Mit "Ich komme mit" gelingt der Autorin Angelika Waldis aus meiner Sicht ein sehr ungewöhnlicher, aber auch intensiver, kraftvoller Roman über das Leben und die Freundschaft im Spannungsfeld zwischen Lebensmut und -Todessehnsucht. Ich hatte zu Beginn durchaus meine Probleme, da ich die Erzählweise etwas sperrig fand und auch das Thema an sich schon sehr "schwer verdaulich" ist. Dennoch empfand ich die Entwicklung der beiden Charaktere sehr spannend und einfühlsam erzählt. In stetig wechselnder Perspektive kann sich der Leser sehr gut in die Gedanken und Gefühlswelt von Vita und Lazy einfühlen und auch verstehen, warum beide den Schritt bis hin zum Selbstmord wagen wollen. Die Geschichte punktet oft mit skurilem und ich möchte schon sagen Galgen-artigem Humor: Ein Pluspunkt für beide Charaktere, die sich trotz der doch sehr scheinbar ausweglosen Situation immer wieder Mut zusprechen können und sich ihren Sinn für Humor bewahren. Alles in allem ist "Ich komme mit" ein wunderbar feiner, einfühlsam erzählter Roman, der trotz aller Hürden und Entscheidungen seiner Protagonisten dem Sinn und des Lebens einen ganz besonderen Raum gibt.