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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 27.06.2017

Thriller mit Potenzial nach oben

Ragdoll - Dein letzter Tag (Ein New-Scotland-Yard-Thriller 1)
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Eine Leiche, aber sechs Opfer, denn die Leiche wurde aus sechs verschiedenen Leichenteilen zu einer „Ragdoll“, einer Art Flickenpuppe zusammengefügt. William Oliver Layton-Fawkes, kurz Wolf steht vor einem ...

Eine Leiche, aber sechs Opfer, denn die Leiche wurde aus sechs verschiedenen Leichenteilen zu einer „Ragdoll“, einer Art Flickenpuppe zusammengefügt. William Oliver Layton-Fawkes, kurz Wolf steht vor einem seiner schwersten Fälle, seitdem er vor vier Jahren nach einem Ausraster vor Gericht wieder in den Polizeidienst zurückgekehrt ist. Hinzu kommt noch eine Art Todesliste, die der Reporterin Andrea und gleichzeitigen Ex-Frau von Wolf zugespielt wird. Angekündigt werden sechs Morde, die es zu verhindern gilt, besonders weil das letzte Opfer auf der Liste Wolf selbst ist…

„Ragdoll“ ist der Beginn einer ganzen Serie und gleichzeitig das Debüt von Daniel Cole.
Der Anfang war richtig klasse und ich begann mit Begeisterung zu lesen. Besonders der Schreibstil hat mich sehr angesprochen, denn der junge britische Autor trifft die Sprache der jungen Generation. Doch ab der Mitte war dann irgendwie die Luft raus und die Spannung ließ nach. Die Charaktere fand ich sehr eigen, aber gelungen. Wolf, der auch mal das Gesetz selbst in die Hand nimmt, wenn er glaubt, dass der Gerechtigkeit nicht genüge getan ist. Besonders gefallen hat mir der junge Edmunds. Er ist der Neue, der Grünschnabel, der vom Betrugsdezernat kommt. Doch mit seiner Hartnäckigkeit und seinem Durchhaltevermögen, trägt er entscheidend zu Lösung bei. Emily Baxter, die Kollegin von Wolf und gleichzeitig Partnerin von Edmunds fand ich nicht so sympathisch. Zu derb und einfach zu übertrieben cool.

Insgesamt ein gelungenes Debüt, das noch ausbaufähig und Potenzial nach oben hat. Da mir Wolf so sympathisch ist, freue ich mich schon auf eine Fortsetzung mit ihm.

Veröffentlicht am 13.06.2017

Vielschichtig und spannend

Wenn das Eis bricht
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Die Leiche einer jungen Frau, die enthauptet wurde wird im Haus des bekannten Geschäftsmanns Jesper Orre gefunden. Von Orre fehlt jede Spur. Da der Fund der Leiche an einen ähnlichen Fall von vor 10 Jahren ...

Die Leiche einer jungen Frau, die enthauptet wurde wird im Haus des bekannten Geschäftsmanns Jesper Orre gefunden. Von Orre fehlt jede Spur. Da der Fund der Leiche an einen ähnlichen Fall von vor 10 Jahren erinnert, wird die Kriminalpsychologin Hanne hinzugezogen, die damals an den Ermittlungen beteiligt war. Diese hat allerding mit ihren eigenen Dämonen zu kämpfen, da bei ihr der Beginn von Alzheimer diagnostiziert wurde.

Das Buch beginnt mit drei verschiedenen Erzählperspektiven, die jeweils aus der Ich-Perspektive erzählen. Da ist zum einen Peter, der Ermittler, Hanne, die Kriminalpsychologin und schließlich Emma, deren Perspektive zwei Monate vor dem Auffinden der Leiche einsetzt.
Anfänglich fand ich die Ausführungen etwas ausschweifend, doch spätestens nachdem sich die erste Erzählperspektive wiederholt, ist man mitten in der Geschichte drin, weil die Autorin eben nicht ausschweifend war, sondern einfach nur ihre Charaktere sehr gut eingeführt hat. Der ständige Wechsel zwischen den Protagonisten treibt den Plot unglaublich schnell voran. Dabei geht es noch nicht mal um die Frage nach dem Täter, sondern eher um das Warum. Man glaubt als Leser die ganze Zeit, mehr zu wissen, bis plötzlich alles ganz anders als erwartet kommt. Ich war total überrascht, dass ich diese Perspektive der Geschichte vollkommen übersehen hatte. Damit konnte die Autorin unglaublich bei mir punkten. Die Charaktere fand ich sehr spannend und gut gezeichnet und trotz der 600 Seiten bin ich nur so durch das Buch geflogen.

Ein super Thriller, der sehr vielschichtig und total spannend ist!

Veröffentlicht am 22.02.2017

Spannender locked-room-mystery

Rain Dogs
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Belfast, 1987. Zeit der Unruhen in Nordirland. Die Journalistin Lily Bigelow wird tot in der Burg von Carrickfergus aufgefunden. Ein Selbstmord? Oder doch ein Mord? Die Burg war über Nacht verschlossen, ...

Belfast, 1987. Zeit der Unruhen in Nordirland. Die Journalistin Lily Bigelow wird tot in der Burg von Carrickfergus aufgefunden. Ein Selbstmord? Oder doch ein Mord? Die Burg war über Nacht verschlossen, kein Weg führt rein oder raus. Sean Duffy, der katholische Bulle inmitten von Protestanten, bekommt es mit einem typischen locked-room-mystery zu tun, bereits dem zweiten in seiner Karriere. Er erkennt einige Ungereimtheiten und glaubt nicht an die Selbstmordtheorie. Liliy Bigelow begleitete eine finnische Delegation, die für neue Arbeitsplätze in Carrickfergus sorgen will. Gleichzeitig war sie an einer heißen Story dran, die Kindesmissbrauch enthüllen sollte und bis in hohe Regierungskreise führt…

Es ist bereits der fünfte Fall für Sean Duffy, dem katholische Bullen, der sich nicht immer seinem Chef beugt, sondern so ermittelt, wie er es für richtig hält. Gerade wurde Duffy von seiner Partnerin verlassen, da lernt er die Journalistin Lily kennen. Doch bereits am nächsten Tag ist sie tot. In Verdacht gerät zunächst der Burgwächter, da er als einziger die Möglichkeit hatte in die Burg hineinzugelangen. Als dann auch noch sein Vorgesetzter durch eine Autobombe stirbt, hat Duffy alle Hände voll zu tun, um die Wahrheit ans Licht zu bringen.
Die Dialoge sind bissig und witzig zugleich. Ironie kommt nicht zu kurz. Die Sprache gefällt mir sehr gut, auch wenn man sie nicht gerade als flüssig bezeichnen kann. Kurze prägnante Sätze, die manchmal nur aus einem Wort bestehen. Doch damit ist oft mehr gesagt, als unnötiges blabla.

Sehr spannend erzählt, der Zeitgeist der 80er Jahre ist deutlich zu spüren. Auch wenn es keine einfache Zeit für Nordirland war und ein Blick unters Auto zur Kontrolle, ob sich dort eine Autobombe befindet, nahezu obligatorisch war. Das Ende hat mir super gefallen, in jeder Hinsicht. Daher bin ich schon sehr gespannt, wie es im nächsten Fall weitergeht.

Veröffentlicht am 16.02.2017

Verwirrend und widersprüchlich, aber genial

Das Buch der Spiegel
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Der Literaturagent Peter Katz erhält den ersten Teil eines Manuskripts von dem Autor Richard Flynn. Darin beschreibt dieser seine Erlebnisse während seiner Studienzeit in Princeton im Jahr 1987. Damals ...

Der Literaturagent Peter Katz erhält den ersten Teil eines Manuskripts von dem Autor Richard Flynn. Darin beschreibt dieser seine Erlebnisse während seiner Studienzeit in Princeton im Jahr 1987. Damals wurde der angesehene Psychololgieprofessor Wieder ermordet, der Fall aber nie aufgeklärt. Flynn glaubt nun das fehlende Puzzlestück, das zum Mörder führt, gefunden zu haben. Doch das Manuskript endet an entscheidender Stelle. Peter ist fasziniert von der Geschichte und er fordert von Flynn die Fortsetzung an. Doch dieser ist mittlerweile seinem Krebsleiden erlegen und die Hinterbliebenen können das Manuskript nicht finden. Peter Katz lässt nun recherchieren, was damals wirklich geschehen war. Eine schwierige Suche, denn die Aussagen, der damals beteiligten Personen widersprechen sich gewaltig.

Ein wirklich außergewöhnliches Buch, das der rumänische Autor E.O. Chirovici hier abgeliefert hat. Eingeteilt in drei Abschnitte beginnt es mit dem Erhalt des Manuskripts aus der Sicht von Peter Katz. Danach wechseln die Erzählperspektiven zu John Keller, einem befreundeten Journalisten von Peter, der für ihn recherchiert und als dritte Sichtweise zu dem damals ermittelnden Polizisten Roy Freemann. Dabei geht es nicht nur um die Aufklärung des Mordes von damals, vielmehr wird aufgezeigt, wie unterschiedlich Wahrnehmungen sein können und dass Erinnerung manipulierbar sind. Auch im Laufe der Zeit verändert sich die Wahrnehmung und hat man das, was man als Erinnerung gespeichert hat wirklich so erlebt? Die Aussagen der betroffenen Personen von damals sind jedenfalls äußerst widersprüchlich und als Leser steht man der Aufgabe gegenüber die Wahrheit herauszufinden. Vieles wirkt verwirrend auf den Leser, gerade wenn er glaubt, endlich eine Lösung gefunden zu haben, so wird wenige Seiten später dem ganzen wieder komplett widersprochen.
Herausragend fand ich die schon fast geniale Konstruktion des Buches. Schwächen hingegen zeigt das Ende, weil hier doch noch einige Fragen offen bleiben.

Roman steht auf dem Cover, doch das Buch kann durchaus als Krimi durchgehen, insbesondere was das Spannungsniveau anbelangt. Kann ich gerne weiterempfehlen mit vier Sternen.

Veröffentlicht am 10.02.2017

Bedrückend

Glücksmädchen
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Mitten im Zentrum Stockholms verschwindet die kleine Lycke spurlos. Die 8jährige wurde von ihrer Stiefmutter zu einem Tennistraining gebracht, das eigentlich gar nicht stattfand. Niemand hat etwas gesehen, ...

Mitten im Zentrum Stockholms verschwindet die kleine Lycke spurlos. Die 8jährige wurde von ihrer Stiefmutter zu einem Tennistraining gebracht, das eigentlich gar nicht stattfand. Niemand hat etwas gesehen, die erste Suche bleibt erfolglos. Ellen Tamm, Kriminalreporterin beim Fensehsender TV4 wird auf die Sache angesetzt. Dabei ist Ellen schwer belastet, da vor vielen Jahren ihre Zwillingsschwester Elsa, die damals auch acht Jahre alt war, verstarb. Dieses Erlebnis hat Ellen bis heute nicht verwunden und so setzt sie nun alles daran nicht nur Lycke, sondern auch ihren eigenen Frieden zu finden.

„Glücksmädchen“ ist das Debüt von Mikaela Bley. Das Buch heißt im schwedischen Original schlicht „Lycke“, was so viel wie Glück bedeutet. Doch Lycke ist alles andere als ein Glücksmädchen. Die Eltern Helena und Harald sind geschieden und teilen sich das Sorgerecht, doch eigentlich ist jeder der beiden hauptsächlich mit sich selbst beschäftigt. Auch ihre Stiefmutter Chloe kann Lycke nicht ausstehen und ist permanent eifersüchtig auf Lycke und die vorherige Partnerin ihres Mannes. In der Schule ist Lycke ebenfalls nicht sehr beliebt, die einzige Anerkennung bekommt sie bei Mona, dem Kindermädchen.
Mit Ellen, der Protagonistin konnte ich leider nicht so richtig warm werden. Nicht nur die Trauer über den Verlust der Schwester belasten sie. Zudem hatte sie mit ihrem aktuellen Chef beim Fernsehsender eine Beziehung, die scheiterte und ebenfalls noch nicht ganz verwunden ist. Traurig auch, dass die Medien sich so wenig um das verschwunde Mädchen selbst kümmern, vielmehr geht es darum gute Quoten zu erzielen.

Erzählt wird aus den verschiedenen Perspektiven von Ellen, Helena, Chloe und Mona. Dabei lichtet sich langsam der Schleier über das wahre Geschehen. Geschickt streut die Autorin dabei Informationen, aus denen sich langsam erahnen lässt, was mit Lycke geschehen ist. Auf gewisse Weise wirkt jeder ein wenig verdächtig mit seinem Verhalten, umso überraschender ist dann das Ende. Dennoch fand ich das Buch spannend geschrieben, gerade wegen der ständig wechselnden Sichtweisen.

Psychothriller steht auf dem Cover, aber dem kann ich nicht so ganz zustimmen. Vielmehr ein bedrückender Krimi mit Protagonisten, die leider nur allzu oft der Realität entsprechen. Meiner Meinung nach hätte die Geschichte noch Potential nach oben gehabt, daher nur vier Sterne.