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Veröffentlicht am 12.09.2024

Hinter die Haustür geguckt

Verstoßen für die Freiheit
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In „Verstoßen für die Freiheit“ erzählt Zada Wagner (ein Pseudonym) die erschütternde Geschichte ihres Lebens in einer Parallelgesellschaft, mitten in Deutschland.

Zada wächst in einer arabischstämmigen, ...

In „Verstoßen für die Freiheit“ erzählt Zada Wagner (ein Pseudonym) die erschütternde Geschichte ihres Lebens in einer Parallelgesellschaft, mitten in Deutschland.

Zada wächst in einer arabischstämmigen, muslimischen Familie auf, in der die Tradition und die Meinung anderer wichtiger sind als das persönliche Glück. Als sie sich in einen deutschen Mann verliebt, geht sie ein großes Risiko ein und folgt ihren Gefühlen. Was sie erlebt, als dies bekannt wird, ist im Titel beschrieben – sie wird verstoßen und es beginnt ein steiniger Weg zu einer äußerlichen und später auch innerlichen Freiheit von dem, was sie als Kind erlebt hat.

Die Autorin hat dieses Buch in erster Linie für Frauen und junge Mädchen geschrieben, die heute in einer ähnlichen Situation leben. Es ist aber empfehlenswert für alle, die muslimische Traditionen – die nicht automatisch mit dem islamischen Glauben gleichzusetzen sind – verstehen und seltene, persönliche Einblicke in das Leben hinter der Haustür erhalten möchten. Denn Zada erzählt zwar in erster Linie ihre Geschichte, aber auch die Geschichte ihrer Cousinen, Freundinnen und vieler anderer Frauen. Ihr Schicksal ist kein Einzelschicksal.

Der Mut, den sie an den Tag legt, ist bewundernswert, auch die reflektierte Art, mit der sie über das Erlebte schreibt. Ein Highlight des Buches ist sicher, wie sie eines Tages, mitten in einer Depression, den trifft, der sie wirklich frei macht: Jesus Christus.

Insgesamt fand ich das Buch etwas zu langsam erzählt; der Fokus liegt sehr auf dem inneren Gefühlsleben der Autorin, viele Szenen werden sehr detailliert geschildert. Manche Entscheidungen in ihrem späteren Leben fand ich als Leserin schwer nachvollziehbar. Dennoch empfehle ich das Buch weiter – zeigt es nicht zuletzt, wie existierende Grundrechte Hunger nach Freiheit machen und durch gelebte Freundschaft Heilung geschehen kann.

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Veröffentlicht am 13.08.2024

Auch Schwarz auf Weiß sehr empfehlenswert!

Lebensliturgien
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Ich kannte den „Lebensliturgien“-Podcast, bevor ich mich in das neu erschienene, dazugehörige Buch vertieft habe, und war entsprechend gespannt auf die gedruckte Umsetzung. Der Untertitel verspricht „Heilsame ...

Ich kannte den „Lebensliturgien“-Podcast, bevor ich mich in das neu erschienene, dazugehörige Buch vertieft habe, und war entsprechend gespannt auf die gedruckte Umsetzung. Der Untertitel verspricht „Heilsame Ruhepausen im Alltag“ – und genau das erhält man auch.

Das Buch ist gegliedert in 5 Teile – oder auch „Staffeln“, wie sie parallel zum Podcast heißen. Es geht um „Beten“, „anders leben“, „KlosterPsalmen“, „Teresa erzählt“ und im letzten Teil sind Tageszeitengebete enthalten. Da ich ein eher visueller Mensch bin, haben mich die gedruckten Texte, die grafische Gestaltung und zugeordneten Fotos sehr abgeholt. Ich konnte dort verweilen, wo ich noch einem Gedanken nachspüren wollte oder direkt eine weitere „Folge“ lesen, wenn mich die vorherige nicht so angesprochen hatte.

Was ich an den „Lebensliturgien“ besonders mag, ist die gelungene Kombination aus Relevanz für das Heute und einem tiefen Verwurzeltsein in der christlichen Tradition. In der Staffel „Teresa erzählt“, in der es um Teresa von Avila geht, wird das besonders deutlich: Häppchenweise wird man mit hineingenommen in das Leben und Denken dieser großen Gottesfrau – und gleichzeitig herausgefordert, ihren Gedanken und Spuren im Heute nachzuspüren.

Für eine „Lebensliturgie“-Folge benötigt man ca. 10-15 Minuten – perfekt für die Auszeit am Morgen oder Abend. Auch die Tageszeitengebete im letzten Teil fand ich sehr ansprechend. Das Buch ist zudem gespickt mit QR-Codes, die zu den einzelnen Hör-Folgen und weiteren Folgen der einzelnen Staffeln führen, die es nicht ins Buch geschafft haben.

Ich empfehle dieses toll gestaltete Buch jedem, der sich nach Ruhe beim Beten und in der Gottesbegegnung sehnt. Es passt für alle Konfessionen und erinnert stellenweise an die Lectio365-App der 24/7-Prayer-Gebetsbewegung. Ich hoffe, dass es bald einen Folgeband gibt und werde es demnächst einer Freundin zum Geburtstag kaufen – ein super Geschenk für jeden, der (neu) mit Gott unterwegs ist.

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Veröffentlicht am 09.07.2024

Unfassbar gut und vielschichtig

Weil ich es will
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Was für ein unfassbar gutes, tiefes und vielschichtiges Buch!

Markus Hoffmann, Entwicklungspsychologe und Prior der „Bruderschaft des Weges“, hat mit „Weil ich es will“ einen wichtigen Beitrag zum Verstehen ...

Was für ein unfassbar gutes, tiefes und vielschichtiges Buch!

Markus Hoffmann, Entwicklungspsychologe und Prior der „Bruderschaft des Weges“, hat mit „Weil ich es will“ einen wichtigen Beitrag zum Verstehen und Begleiten von (ehemals) homosexuell empfindenden Menschen veröffentlicht. Die in dem Buch enthaltenen 39 Lebensberichte sind so unterschiedlich wie die Menschen, die sie geschrieben haben. Manche sind anonym, manche mit realem Namen veröffentlicht. Manche erzählen von Jahren offen gelebter Homosexualität, bevor ein Hinterfragen begann, manche haben ihre homosexuellen Empfindungen nie ausgelebt. Was das Buch so kraftvoll macht: Es sind persönliche Geschichten, keine Theorie. Es geht hier um individuell gelebte Entscheidungen, nicht um starre Regeln, „Spontanheilungen“ oder ein „Schema F“.

Was mich beeindruckt hat, war die Offenheit der Berichte. Viele berichteten von erlebten Traumata, von Irritationen, von tiefer Einsamkeit und Sehnsucht nach Zugehörigkeit und Verbundenheit. Da es so tief ging, konnte ich meist nur ein bis zwei Berichte lesen, bevor ich das Ganze wieder sacken lassen musste. So habe ich letztlich Monate mit dem Buch verbracht, aber keine Minute davon bereut.

„Weil ich es will“ ist ein feinfühlig geschriebenes, gut gegliedertes Buch, das neben selbst betroffenen Menschen auch eine wertvolle Lektüre für Seelsorger und Therapeuten ist. An vielen Zeugnissen zeigt sich ein Gewordensein, aber auch die Kraft innerer Heilungsprozesse, wenn man sich auf den Weg macht. Obwohl ich selbst nicht betroffen bin, haben mich etliche Beiträge tief berührt – Fragen der Identität beschäftigen uns Menschen einfach in jeder Lebenssituation. Am meisten beeindruckt hat mich der Bericht von „Isabell“, die als Frau geboren eine Geschlechtsumwandlung zum Mann vornehmen ließ, sich aber Jahre später doch wieder entschied, als Frau zu leben.

Ich empfehle „Weil ich es will“ von Herzen, denn wie Verleger Dominik Klenk im Nachwort schreibt: „Zwischen den Zeilen der einzelnen Geschichten [entsteht] ein Raum, in dem Menschen sich verorten können: umgeben vom Wort und von der Liebe Gottes, erfüllt mit dem Zuspruch von Gefährten, die ihr Anliegen teilen und ernst nehmen.“

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Veröffentlicht am 16.06.2024

Aus dem Leben gegriffen - kurzweilig und sehr zu empfehlen

Wenn Erwachsene beten, klingt das langweilig
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Seit 2017 schreibt Daniel Böcking eine Kolumne für das Magazin PRO über Gespräche mit seinen Kindern über den Glauben an Gott. Nun ist aus den Highlights dieser Kolumne ein kleines, aber feines Buch geworden, ...

Seit 2017 schreibt Daniel Böcking eine Kolumne für das Magazin PRO über Gespräche mit seinen Kindern über den Glauben an Gott. Nun ist aus den Highlights dieser Kolumne ein kleines, aber feines Buch geworden, das es in sich hat.

Der Austausch des Autors mit seinen vier Kindern (zu Beginn der Kolumne sind es noch drei, im vorletzten Beitrag sind sie 3, 7, 10 und 11 Jahre alt) über Gott, den Glauben, (christliche) Umgangsformen und viele weitere Themen ist mal witzig, mal nachdenklich, mal Mut machend – und manchmal alles gleichzeitig. „Aus dem Leben gegriffen“ ist eine sehr gute Umschreibung und ich mag einfach die unverkrampfte Art des Autors. Bei manchen Kinderfragen schreibt er offen, dass er nicht so recht weiß, was er seinen Kindern sagen soll, und manchmal lässt er sie selbst zu Wort kommen.

Die insgesamt 28 kurzen Kapitel sind nicht zuletzt ein Stück Zeitgeschichte, denn sie erstrecken sich natürlich auch über die Coronazeit, die in manchen Beiträgen sehr präsent ist.

Ich habe beim Lesen der einzelnen Beiträge häufiger laut aufgelacht, von anderen war ich berührt. Kurz nach dem Lesen habe ich mir das Buch gleich nochmal zum Verschenken gekauft. Es eignet sich super für Christen, genauso wie für Menschen, die (noch) nichts mit dem christlichen Glauben anfangen können, aber auf der Suche sind. Ich würde es einer Religionslehrerin ebenso schenken wie einem Mechatroniker mit kleinen Kindern. Großes Kompliment – und gerne mehr davon!

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Veröffentlicht am 15.06.2024

Ein spannender Zeitreise-Roman

Anastasis: Gefährliche Rückkehr
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Was für eine spannende Idee! – so dachte ich, als ich die Beschreibung von „Anastasis“ las: Eine dubiose Organisation möchte mittels Zeitreise den Tod von Jesus Christus verhindern.

Und spannend ist dieser ...

Was für eine spannende Idee! – so dachte ich, als ich die Beschreibung von „Anastasis“ las: Eine dubiose Organisation möchte mittels Zeitreise den Tod von Jesus Christus verhindern.

Und spannend ist dieser über 500 Seiten starke Roman von Lydia Schwarz auf jeden Fall! Die meisten Charaktere sind vielschichtig, es gibt mehrere Nebenhandlungen, Interessenkonflikte und etliche Situationen, wo ich mir überhaupt nicht vorstellen konnte, wie es jetzt noch weitergehen soll.

Mir hat gut gefallen, wie die Autorin in das antike Israel eintaucht und ganz nebenbei historische Fakten in die Handlung eingeflochten hat. In einem Interview der „Literarischen Hausapotheke“ erzählt sie von den Hintergründen und Recherchen in Zeiten von Corona (sehr zu empfehlen!). Auch die Art, wie Jesus beschrieben wird, ist überzeugend, respektvoll und berührend.

Nun muss sich allerdings jeder Autor auch ein Stück weit an seinen früheren Werken messen. Die „Kreuzträgerin“-Trilogie fand ich schlichtweg genial. „Anastasis“ ist immer noch sehr, sehr gute und tiefgehende Unterhaltung auf hohem Niveau – und doch empfand ich insbesondere den „Bösen“ im Buch als zu eindimensional, etwas zu gewollt. An ein paar Stellen sind mir außerdem kleine Ungereimtheiten aufgefallen. Auch die Umschlaggestaltung ist diesmal nicht so hochwertig wie bei den anderen Büchern der Autorin. Daher vergebe ich nicht die höchstmögliche Bewertung.

Fazit: „Anastasis“ ist ein spannender Zeitreise- und Zukunftsroman, der sich um die wichtigste Person der Weltgeschichte dreht. Leser mit einem christlichen Hintergrund werden daran ihre Freude haben.

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