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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 01.12.2024

Bilder gehen viral

Zimtsterne im Schnee
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Paulina, eine ausgezeichnete Konditorin, hat Bäckerasthma und muss wohl oder übel an eine Umschulung denken. Ihr Bewerbungsvideo geht unbeabsichtigt viral. Gleichzeitig übersiedelt ihre WG-Mitbewohnerin ...

Paulina, eine ausgezeichnete Konditorin, hat Bäckerasthma und muss wohl oder übel an eine Umschulung denken. Ihr Bewerbungsvideo geht unbeabsichtigt viral. Gleichzeitig übersiedelt ihre WG-Mitbewohnerin Mia für eine gewisse Zeit ins Ausland und überlässt ihr Zimmer einem Bekannten, Patrick, vergisst jedoch in der Eile, Paulina darüber zu informieren. Missverständnisse nehmen ihren Lauf und sorgen für viel Lachen.

Hinter dem einladenden Titelbild verbirgt sich eine witzige, unterhaltsame Geschichte, die von Missgeschicken und Selbstironie getragen wird. Paulina und Patrick dominieren das Geschehen, einige kleinere Rollen runden das Ganze schön ab. Mit ihrem locker daherkommenden Schreibstil schafft Birgit Gruber stimmungsvolle vorweihnachtliche Szenen, in denen schon einmal der Backzucker aufs Näschen staubt, das Mehl nicht nur im Kekserlteig landet, sondern auch die Haarpracht sprenkelt. Die Handlung selbst ist zwar vorhersehbar, aber dennoch voller Humor und Heiterkeit. Somit sind entspannte Lesestunden garantiert.

Eine leichte, sympathische Romanze, die Paulina und Patrick bildhaft in Szene setzt und dem Leser so manches Schmunzeln ins Gesicht zaubert.

Veröffentlicht am 28.11.2024

Reise ins Dritte Reich

Wie Blätter im Sturm
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Alina, Viktor, Frank, Claire und Katharina haben eines gemeinsam: sie erleben als junge Erwachsene die Schrecken des Zweiten Weltkriegs. Wir erleben eine entschlossene Agentin, eine angehende Lehrerin, ...

Alina, Viktor, Frank, Claire und Katharina haben eines gemeinsam: sie erleben als junge Erwachsene die Schrecken des Zweiten Weltkriegs. Wir erleben eine entschlossene Agentin, eine angehende Lehrerin, die Flüchtlinge unterstützt, eine französische Wirtstochter, die deutsche Wehrmänner bewirten muss und wagemutige Soldaten, von denen es brutale Schlächter ebenso gibt wie jene, die auch im Feind etwas Gutes wahrnehmen und schon bald an der Sinnhaftigkeit des Blutvergießens zweifeln.

In zwölf größere Abschnitte gegliedert, spielt dieser bewegende Roman in den Jahren 1939 bis 1943, umrahmt von einem unglaublich brutalen Prolog und einem stimmigen Epilog und nimmt den Leser mit auf eine schreckliche Reise ins Dritte Reich. Schonungslos und offen beschreibt Anja Lehmann auch grausame Szenen, die sich nicht nur an der Front selbst abspielen. Zwischendurch gibt es allerdings auch warmherzige und hoffnungsvolle Episoden, welche ebenfalls durchaus glaubwürdig verfasst sind und dem Leser kurze Verschnaufpausen gönnen. Unterschiedlichste Blickwinkel werden beleuchtet, detailliert gezeichnete Charaktere in ihrer Entwicklung begleitet. Kurzweilig wechseln immer wieder die Schauplätze, an denen einander die einzelnen Figuren begegnen und deren eigene Geschichte geschickt mit jener der anderen Protagonisten verknüpft wird. Leider hemmen ein recht schwaches Lektorat und Korrektorat häufig den Lesefluss, der durch die einnehmende Handlung selbst durchaus gegeben wäre. Nichtsdestotrotz ist die Atmosphäre dieser schrecklichen Zeit bestens eingefangen und trägt dazu bei, diese Gräueltaten nicht in Vergessenheit geraten zu lassen.

Ein spannender, emotionaler Roman, den ich trotz der erwähnten Mängel weiterempfehle.

Veröffentlicht am 24.11.2024

Hochzeit im Herrenhaus

Nachtwald
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In einem etwas heruntergekommenen Herrenhaus im Westen Irlands, inmitten eines ungezähmt wuchernden Waldes, feiern zwei Paare ihren Hochzeitstag: Claire und George, Freya und Hudson. Mit dabei sind noch ...

In einem etwas heruntergekommenen Herrenhaus im Westen Irlands, inmitten eines ungezähmt wuchernden Waldes, feiern zwei Paare ihren Hochzeitstag: Claire und George, Freya und Hudson. Mit dabei sind noch Claires erwachsene Kinder Lizzie und Liam sowie die Köchin Mia. Und obwohl das riesige Haus so abgeschieden liegt, dass man es nur zu Fuß erreichen kann, taucht alsbald ein ungebetener Gast auf.

Hervorragende Zutaten für einen gelungenen Thriller, der sich auch durchaus stimmig und unheimlich anlässt: ein einsamer Ort, ein kleiner Kreis an Personen, eine düstere Stimmung. Sofort nehmen Triona Walshs flotter Schreibstil und ihre bildhaften Darstellungen der Handlung den Leser gefangen. Die Neugierde wird rasch geweckt, was sich hier noch zutragen wird, unheimliche Geräusche und Schatten im Wald führen nicht nur bei den Frauen in der Runde zu angespannten Nerven. Obwohl die Zahl der Figuren niedrig gehalten wird, fehlt ihnen – für meinen Geschmack – ein klares und kantiges Profil, irgendwann beginnt sich dann auch die Handlung etwas in die Länge zu ziehen und den Anstrich eines aufregenden Thrillers zu verlieren. Immerhin aber lenkt die Autorin geschickt den Blick des Lesers auf unterschiedliche mögliche Tatmotive, man weiß sehr lange nicht, wer welches Geheimnis hütet und wer versucht hat, den Fremden wieder loszuwerden.

Fazit: eine spannende Ausgangssituation, die viele Wendungen zulässt, sich allerdings zuweilen in Langatmigkeit verliert anstatt die Gänsehaut noch weiter zu steigern. 3 von 5 Sternen.

Veröffentlicht am 23.11.2024

Das Automobil

Die Zeit der Frauen – Die Jahre des Aufbruchs
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Milchzentrifuge, Waschmaschine, allerlei Gerät aus dem Hause Thiele erleichtert schon das Leben, nun wollen sich Carl Thiele und Rudolf Zenker an die Entwicklung eines Automobils heranwagen. Währenddessen ...

Milchzentrifuge, Waschmaschine, allerlei Gerät aus dem Hause Thiele erleichtert schon das Leben, nun wollen sich Carl Thiele und Rudolf Zenker an die Entwicklung eines Automobils heranwagen. Währenddessen gibt es in Berlin bereits einen Streik von Arbeiterinnen des Hotel Adlon, denn die Frauen fürchten, von den Maschinen ersetzt zu werden. Ob Katharina schlichtend eingreifen kann?

Einige Zeit ist vergangen, seit Katharina den elterlichen Bauernhof verlassen hat und in Gütersloh mit ihrem Mann Carl an der Modernisierung bestehender Geräte und an Neuerungen arbeitet. Zur Unterstützung mit Sohn Carl junior wird schließlich die junge Amelie als Kindermädchen eingestellt. Katharina sprüht vor Ideen und ist in vielen Dingen ihrer Zeit voraus, mit ihren oft unkonventionellen Entscheidungen kann sie aber stets punkten.

Leicht und entspannt fließen Susanne von Bergs Zeilen dahin, ebenso mühelos scheinen die Figuren im Roman mit jeder sich abzeichnenden Schwierigkeit umzugehen. Vielleicht schwingt da doch zu viel Euphorie mit, denn da und dort fühlt man sich eher wie in einem illusorischen Märchen denn in der harten Realität. Wie bereits im ersten Teil der Reihe bei Carl und Katharina fühlt sich für mich auch hier zwischen Franz und Amelie die Entwicklung etwas überstürzt an. Nichtsdestotrotz wird das Bild der damaligen Zeit gut widergespiegelt und herrscht im Roman eine sehr angenehme Atmosphäre vor, welche für gemütliche Lesestunden sorgt.

Da und dort scheint die Brille etwas zu rosa zu sein, mit den überaus sympathischen Charakteren bietet aber auch Band 3 gute Unterhaltung.

Veröffentlicht am 22.11.2024

Glühwein im Strandkorb

Schneeglitzernd verliebt
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Weihnachten steht vor der Tür und Svantje kehrt von einer kleinen Geschäftsausreise auf die Nordseeinsel Nortrum zurück. Leider nicht besonders erfolgreich, die Wintermonate ohne Touristen werden wohl ...

Weihnachten steht vor der Tür und Svantje kehrt von einer kleinen Geschäftsausreise auf die Nordseeinsel Nortrum zurück. Leider nicht besonders erfolgreich, die Wintermonate ohne Touristen werden wohl schwer werden für sie und ihr zauberhaftes Cafe, in dem sie auch hübsche Dekoartikel vertreibt. Ganz in Gedanken über ihr Leben als Alleinerziehende mit Sohn Linus versunken, lenkt sie ihren alten Caddy Richtung Zuhause, als sie auch schon in einen Straßengraben schlittert. Und da taucht plötzlich, wie gerufen, ein freundlicher, aber eher wortkarger Helfer auf, ein Mann mittleren Alters, der ihr schon auf der rauen Fährüberfahrt aufgefallen ist.

Liebevoll beschreibt Karin Lindberg die winterliche Insellandschaft und setzt sympathische Personen drauf, die – wie im echten Leben – mit allerlei Problemen zu kämpfen haben. Svantje sehnt sich nach einer Schulter, an die sie sich lehnen kann, denn auch nach einigen Jahren auf Nortrum ist sie zwar nicht unbeliebt, aber dennoch eine „Zugezogene“. Lediglich mit Wiebke verbindet sie eine tiefe Freundschaft und natürlich zu deren Oma Griet und dem Kindsvater Thore. Wer „Nordisch verliebt“ bereits gelesen hat, weiß, von wem die Rede ist, aber auch Neueinsteiger finden sich schnell zurecht auf der kleinen Insel.

Ein wenig Weihnachtsstimmung, ein leichter Trauernebel rund um einen Schwerkranken, die Last von früheren Verletzungen und leuchtende Kinderaugen, eine ganze Menge Gepäck schleppt der Weihnachtsmann da herbei, um diese wunderbare, glitzernde Geschichte zusammenzustellen und den Leser mitzunehmen in diese winterkalte Welt, in der der Glühwein im Strandkorb nicht fehlen darf. Karin Lindberg versteht es geschickt, ein paar tiefergehende Themen auf locker-leichte Art zu verpacken, sodass trotzdem das Gefühl von Sehnsucht und Geborgenheit überwiegt und man sich selber fallen lassen kann, um ganz in seinen Gedanken über Wiebke und Nils aufzugehen.

Der empfindsame Schreibstil Lindbergs, ihre zarte Zeichnung von entstehender Zuneigung und Liebe, die wunderbare Kulisse am Meer, die hübsche weihnachtliche Dekoration durch Svantjes Hand, welche man stimmungsvoll vor Augen hat – ich kann nur schwer Abschied nehmen von diesem schönen Buch. Wer also Lust hat auf kuschelige Unterhaltung – Schneeglitzernd verliebt lesen und als Geschenk unter den Christbaum legen für einen lieben Menschen.

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