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Veröffentlicht am 16.12.2024

Thomas Mann in Nidden

Gefährliche Betrachtungen
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Nach der Verleihung des Literaturnobelpreises lässt sich Thomas Mann ein Sommerhäuschen in Nidden auf der Kurischen Nehrung errichten. Aufgrund politischer Ereignisse – der Nationalsozialismus erstarkt ...

Nach der Verleihung des Literaturnobelpreises lässt sich Thomas Mann ein Sommerhäuschen in Nidden auf der Kurischen Nehrung errichten. Aufgrund politischer Ereignisse – der Nationalsozialismus erstarkt – bereitet Mann eine Rede vor und muss alsbald feststellen, dass nach der Begegnung mit dem Übersetzer Zydrunas Miuleris (Müller) drei Seiten in Form eines Faksimiles verloren gegangen sind. Entschlossen und mutig begeben sich Mann und Müller auf die Suche nach den wichtigen Blättern mit brisantem Inhalt.

Beschaulich liegen die Dünen da, schaukeln die Fischerkähne auf den Wellen der Ostsee, schmiegen sich die Strandkörbe in den warmen Sand. Idyllisch scheint dieses Fleckchen Erde zu sein, aber das Ende der Weimarer Republik wirft seine Schatten voraus und vor diesem Hintergrund gerät Thomas Mann in die Rolle von Sherlock Holmes mit Müller als Watson. Gewiefte Überlegungen werden angestellt, raffinierte Methoden ersonnen, um den Dieb der Niederschrift ausfindig zu machen. Aber ganz so einfach, wie erhofft, läuft die Suche nach dem Täter natürlich nicht ab.

Der Text ist eher nüchtern gehalten, erzählt wird diese spezielle Kriminalgeschichte aus der Sicht des über achtzigjährigen Müller, der sich knapp sechzig Jahre später an den Sommer 1930 erinnert. Details aus Thomas Manns Leben und Zitate aus verschiedenen seiner Werke fließen in die Handlung ebenso ein wie die historische Entwicklung der Gegend rund um das Haff. Ostpreußische Begriffe wie der „beschworkene“ (bewölkte) Himmel lassen das Ganze richtig authentisch werden und das Detektivgespann auf unterhaltsame Weise ans Werk gehen. Im Nachwort gibt es dann noch andere wissenswerte Erklärungen zur Verquickung von Historie und Fiktion, sodass das Buch dadurch schön abgerundet wird.

Veröffentlicht am 15.12.2024

Der Deich bricht

Nachtflut
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An der Ostseeküste spitzt sich die Unwetterlage zu, ein Sturm fegt übers Land, die Wellen tosen, der Deich droht zu brechen. Hilfsmannschaften vom THW eilen von einem Ort zum nächsten und versuchen, die ...

An der Ostseeküste spitzt sich die Unwetterlage zu, ein Sturm fegt übers Land, die Wellen tosen, der Deich droht zu brechen. Hilfsmannschaften vom THW eilen von einem Ort zum nächsten und versuchen, die Dörfer zu evakuieren, sofern die Bewohner nicht ohnehin schon längst geflohen sind. Allein in der Nähe der JVA Seeberg sind noch Elisa und ein älteres Paar in ihren Häusern, bei der Verlegung der Strafgefangenen droht ein Aufstand. Ob die drei Menschen in Gefahr schweben? Wer ist gefährlicher? Die Flut oder die Entkommenen?

Mit einer fröhlichen Geburtstagsfeier an Bord eines Segelschiffes fängt die ganze Geschichte an, mit spannenden Momenten während der Flutkatastrophe geht es fesselnd weiter. Durch die unterschiedlichen Perspektiven bleibt das Tempo stets hoch, der flotte Schreibstil passt zum Geschehen, lediglich mehrere „eh schon“ im Mittelteil fallen etwas störend auf. Die Figuren in Stina Westerkamps Thriller sind gut charakterisiert, dennoch schwer zu durchschauen, hütet doch jede von ihnen irgendein Geheimnis. Dazu kommen Tagebucheinträge einer Unbekannten, welche wiederum neue, anfangs nicht einzuordnende Fragen aufwerfen. Abwechslungsreiche Kapitel und unvorhersehbare Ereignisse fügen sich zu einem lesenswerten Ganzen, dessen Ende dann aber doch noch etwas offen lässt.

Ein spannendes Szenario, das für packende Lesestunden sorgt und jedenfalls gut unterhält.

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Veröffentlicht am 14.12.2024

Weihnachtsbraut

Kiss the Right Bride
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June hat mit drei Freundinnen eine Hochzeitsagentur gegründet und arbeitet gerade an dem sehr heiklen Auftrag der Ms. Balliagie, Tochter des künftigen Bürgermeisters. Diese wünscht nur die exquisitesten ...

June hat mit drei Freundinnen eine Hochzeitsagentur gegründet und arbeitet gerade an dem sehr heiklen Auftrag der Ms. Balliagie, Tochter des künftigen Bürgermeisters. Diese wünscht nur die exquisitesten Arrangements, June tüftelt an einer kreativen, köstlichen und winterglitzernden Torte für das Brautpaar, das genau am 24. Dezember vor den Altar treten möchte. Als sie, mit ihrer Probetorte unterwegs, angerempelt wird, blickt sie nicht nur auf den traurigen Rest der süßen Pracht am Boden, sondern auch in wunderschöne bernsteinfarbene Augen. Die kennt sie doch? Warum ist Ryder wieder in Manhattan?

Spritzig und voller Elan präsentiert sich diese Liebensgeschichte im Winter, der die Kälte und der Schnee aber nichts anhaben können, ganz im Gegenteil, funkeln die Eiskristalle und spiegeln das unschuldige Weiß der Braut schön wider. Durch einige eingestreute Rückblenden erfahren wir als Leser, warum June enttäuscht ist von Ryder und warum sie dennoch Sehnsucht verspürt nach diesem attraktiven Mann, umgekehrt sieht es nicht viel anders aus. Aber für Ryders Zukunft sind schon die Weichen gestellt und das Spiel um Missgeschicke und Missverständnisse nimmt seinen Lauf.

Mit wunderbaren winterlichen Szenen fesselt Hartig die Leser an ihre Zeilen, schildert erfrischende Episoden und heiße Momente. Ihr Schreibstil fließt angenehm dahin und lädt dazu ein, sich von der Geschichte ganz einnehmen zu lassen.

Ein wunderbarer Roman für die Vorweihnachtszeit, der kurzweilig ins winterliche Manhattan entführt und glitzernde und glühende Lesestunden garantiert. Von mir gibt es eine Leseempfehlung!


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Veröffentlicht am 12.12.2024

Walfängerfamilie

Die Spur der Sehnsucht
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Wir schreiben das Jahr 1775, als Sventje auf der Insel Borkum wieder einmal allein auf die Geburt eines Kindes wartet, während ihr Ehemann Lian monatelang auf Walfang vor Grönland unterwegs ist. Nicht ...

Wir schreiben das Jahr 1775, als Sventje auf der Insel Borkum wieder einmal allein auf die Geburt eines Kindes wartet, während ihr Ehemann Lian monatelang auf Walfang vor Grönland unterwegs ist. Nicht zum ersten Mal eilt ihr Gutsherr Valentin von Halversberg zu Hilfe, aber für persönliche Gefühle darf kein Platz sein, liegen doch tiefe Gräben zwischen Sventjes und Valentins gesellschaftlichem Stand, zudem ist Sventje auch verheiratet.

Von der ersten Seite weg zieht Jaane Janssen ihre Leser in den Bann der Ostfriesischen Inselwelt und einer Geschichte, die zwar fiktiv, aber ganz und gar nicht unrealistisch ist. Die Angst der Frauen um ihre Männer auf rauer See, das stete Alleinsein mit den Kindern, die Armut, der Mangel an Nahrungsmitteln, all das und noch viel mehr findet Eingang in diese Welt des 18. Jahrhunderts und lässt Sventjes Alltag zwischen den Zeilen so lebendig werden, als wäre man selbst bei ihr. Ganz anders geht es da im Gutshof zu, allem Anschein nach herrschen hier Überfluss und Wohlstand, aber auch Eiseskälte und Strenge, sodass es niemanden wundert, wenn die einfachen Leute untertänigst ihren Zehnt abliefern. Bildreich und gefühlvoll schildert die Autorin die unterschiedlichen Lebenswelten, auch das Dasein auf der Fleute der Walfänger wird eindrucksvoll und bestens recherchiert zu Papier gebracht. So nimmt es nicht wunder, dass man als Leser mit allen Figuren mitfiebert und auf Dinge hofft, die ohnehin aussichtslos scheinen. Auch das Ende des spannenden Buches lässt etliche Möglichkeiten offen, sodass man nur voller Neugierde auf die Fortsetzung warten kann.

Die Spur der Sehnsucht – ein wunderbarer historischer Roman, der durch sorgfältige Recherche ebenso punktet wie durch bestens vorstellbare Figuren und eine bewegende Handlung, die so lebendig dargestellt wird, dass man sich deren Sog kaum entziehen kann. Ich empfehle dieses Buch sehr gerne weiter und freue mich auf Band 2!

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Veröffentlicht am 09.12.2024

Funktionieren müssen

Das Glaskind
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Maya ist das älteste von drei Geschwisterkindern und kümmert sich schon in ihrer Kindheit um ihren Bruder Tobi, der durch das Autismus Spektrum geprägt ist. Als ihre Mutter nach einem Unfall schwer verletzt ...

Maya ist das älteste von drei Geschwisterkindern und kümmert sich schon in ihrer Kindheit um ihren Bruder Tobi, der durch das Autismus Spektrum geprägt ist. Als ihre Mutter nach einem Unfall schwer verletzt ins Krankenhaus eingeliefert wird, muss Maya in Hamburg alles liegen und stehen lassen, ihren Job als Ärztin für Neugeborene pausieren, um Tobi in München zu unterstützen. Wie lange kann sie diese ewige Bürde noch verkraften?

Neben den beiden Brüdern, einer mit Beeinträchtigung, einer als süßes Nesthäkchen, wird Mayas Dasein als selbstverständlich angesehen, ja, sogar ihre Mithilfe als “große Schwester“ eingefordert. Maya wird zum sogenannten Glaskind, zu einem Kind, durch das alle hindurchsehen, weil andere scheinbar mehr Aufmerksamkeit benötigen. Stefanie Gregg verwebt dieses wichtige und ernste Thema spielerisch in eine authentische Handlung, bei der alle Beteiligten zu Wort kommen und so schlussendlich das Unmögliche möglich wird. [„Es gibt immer verschiedene Möglichkeiten, auch bei einem nicht lösbaren Konflikt.“ kindle, Pos. 2566.] Greggs Figuren sind trotz der knappen Charakterisierung sehr gut vorstellbar, insbesondere deren Gefühlswelt wird überaus gut vermittelt. Auch die Schwierigkeiten, mit welchen Menschen mit Autismus Spektrum immer wieder konfrontiert werden, sind bestens zusammengefasst und mit Leichtigkeit ins Geschehen eingebettet. Interessant und gut gelungen ist die Darstellung der Vergangenheit, welche als Zwischenkapitel oder auch nur durch Mayas Erinnerungen immer wieder aufflackert, sodass der Leser die Lebensrealität der jungen, engagierten Ärztin gut nachvollziehen kann. Die Geschichte selbst ist schon bewegend, das Ende übertrifft das Ganze dann aber nochmals und der Ausblick in die Zukunft lässt den Leser schlussendlich sehr zufrieden zurück.

Stefanie Gregg hat dieses schwierige Thema „Glaskinder“ perfekt umgesetzt und mit ihrem angenehmen Schreibstil in einen lesenswerten Roman verwandelt, der unter die Haut geht. Ich vergebe gerne fünf Sterne und eine Leseempfehlung.

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