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Veröffentlicht am 13.05.2024

Warum?

Das Haus der Lügen
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Kajsa Coren ist Journalistin und kümmert sich gerne um das „Warum?“. Warum werden Täter zu Tätern, Opfer zu Opfern? Was ist zu welchem Zeitpunkt schiefgegangen in deren Leben? Als sich eine Freundin aus ...

Kajsa Coren ist Journalistin und kümmert sich gerne um das „Warum?“. Warum werden Täter zu Tätern, Opfer zu Opfern? Was ist zu welchem Zeitpunkt schiefgegangen in deren Leben? Als sich eine Freundin aus Studientagen meldet und erzählt, vergewaltigt worden zu sein, ist Kajsa alarmiert. Ihr Ehemann Karsten leitet die Ermittlungen und stößt nicht nur auf weitere Sexualdelikte, sondern auch auf einen Knochenfund in einem abgelegenen Waldstück.

Schön ist das Wiedersehen mit Kajsa Coren, die nach einer schweren Erkrankung mit Dokumentationsfilmen ihren Lebensunterhalt verdient. Während ihr Privatleben mittlerweile in geordneten Bahnen verläuft, ist sie umso mehr besorgt um ihre Freundin Anki und gewährt ihr sogar Unterschlupf bei sich zuhause. Die polizeilichen Nachforschungen gestalten sich nicht ganz einfach, findet man doch vom Täter kaum eine Spur, etliche Medikamente im Schrank verleiten hingegen zur Annahme, dass Anki am sogenannten Münchhausen-Syndrom leiden könnte – Aufmerksamkeit erzwingen durch das Erfinden von Beschwerden. Auch die Nachbarn geben sich bedeckt, niemand will etwas gesehen oder gehört haben, irgendwie scheinen aber alle etwas zu verbergen.

Trude Teige beschwört mit ihren Szenen in der kleinen Siedlung eine ganz besondere Atmosphäre herauf, düster, geheimnisvoll. Die Bewohner verbergen sich hinter vorgezogenen Gardinen, zum Reden sind die wenigsten bereit. Vergewaltigung, Münchhausen-Syndrom, Entwicklungsstörungen und einige andere brisante Themen verpackt Trude Teige mit Leichtigkeit in einen spannenden Kriminalroman, den man durch seinen flotten Schreibstil nur ungern aus der Hand legt. Verschiedenste Verdachtsmomente keimen auf, werden aber genauso schnell widerlegt und lösen nicht nur bei Anki Resignation aus. Erst einige Überraschungen und Wendungen später erkennt man verblüfft den Täter, obwohl Teige schon zwischendurch immer wieder einige Szenen zu seiner Persönlichkeit einstreut.

Spannende und vielfältige Themen, bekannte und neue Figuren, welche sich logisch weiterentwickeln – so präsentiert sich ein weiterer Fall aus der Krimireihe Kajsa Coren, welche mich bisher stets begeistert hat. So auch dieser Band, den ich ebenfalls gerne weiterempfehle.

Veröffentlicht am 12.05.2024

Wurzeln

Limonensommerliebe
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Cara wächst ohne Vater auf und öfter als ihr lieb ist, wird sie daran erinnert, dass etwas in ihrem Leben fehlt. Nach dem Zusammentreffen von beruflichen Problemen mit einem unerklärbaren Anruf aus Italien ...

Cara wächst ohne Vater auf und öfter als ihr lieb ist, wird sie daran erinnert, dass etwas in ihrem Leben fehlt. Nach dem Zusammentreffen von beruflichen Problemen mit einem unerklärbaren Anruf aus Italien fliegt Cara kurzerhand an die Amalfiküste, um den wenigen Spuren nachzugehen, welche sie möglicherweise ihren väterlichen Wurzeln näherbringen.

Teils mit Cara, teils mit ihrer Mutter Anna fünfundzwanzig Jahre zuvor, verbringt der Leser spannende Stunden im schönen Süditalien am klaren blauen Tyrrhenischen Meer. Ein besserwisserischer Zitronenplantagenbesitzer und ein reicher Sportwagenfahrer kreuzen Caras Wege, die Suche nach der berühmten Stecknadel im Heuhaufen scheint aussichtslos. Neben einer durchsetzungsstarken Nonna (Großmutter) darf natürlich die Amalfi-Zitrone ebensowenig fehlen wie Limoncello, Torta Caprese und andere regionale Köstlichkeiten, die quirlige Stimmung und das heitere Lebensgefühl des Südens. Die Geschichte ist logisch angelegt und enthüllt dem Leser und Cara erst nach und nach wesentliche Geheimnisse aus der Vergangenheit. Auch wenn die Figuren sehr schön und durchaus glaubwürdig beschrieben sind, so könnte das Ganze noch ein bisschen lebendiger und emotionaler sein. Dennoch handelt es sich um einen lesenswerten Roman, der tiefergehende Themen aufgreift und Generationenkonflikte ans Licht bringt.

Fazit: ein schönes Buch mit herrlicher (Urlaubs)Kulisse und ernsthaftem Hintergrund.

Veröffentlicht am 10.05.2024

Politkrimi

Waldeck
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Deutschland, 1964: Journalist Ferdinand Broich braucht nach der letzten Niederlage eine erfolgversprechende Geschichte. Als eine alte Frau anruft und erzählt, dass sie einen ehemaligen SS-Arzt gesehen ...

Deutschland, 1964: Journalist Ferdinand Broich braucht nach der letzten Niederlage eine erfolgversprechende Geschichte. Als eine alte Frau anruft und erzählt, dass sie einen ehemaligen SS-Arzt gesehen hätte, entwickelt sich jedoch alles anders als erwartet. Silvia, in wenigen Tagen volljährig, entdeckt ein Geheimnis aus der Vergangenheit ihres Vaters und steckt in der Zwickmühle, wie sie auf seine Lügen reagieren soll. Und schließlich geht es auch noch um Mine, die ihre Schwangerschaft verheimlicht, um nicht aus dem Elternhaus gejagt zu werden.

Etliche historisch belegte Details geben diesem Kriminalroman seine ganz besondere Note. Eine Welt zwischen Aufbruch und Schwelgen in Vergangenem lässt Heimbach hier lebendig werden, eine Welt, in der Hitleranhänger auf Kommunisten und sogenannte „Gammler“ treffen, eine Welt, in der sich Konflikte zwischen Generationen ergeben, zwischen jenen, die immer noch Kriegszeiten verherrlichen und anderen, die sich mit Gitarre und Gesang von den Alten abgrenzen. Die Ruine Waldeck mit einem der Realität nachempfundenen Festival und bekannten Namen wie Reinhard Mey oder Katja Ebstein passt gut ins Geschehen, stellt sie doch eine Zuflucht dar für die beiden jungen Frauen auf der Suche nach Freiheit und Unabhängigkeit. Bestens gewählt sind auch alle anderen Personen, die der Handlung Authentizität und Glaubwürdigkeit verleihen und wie nebenbei vieles aus der damaligen Zeit erzählen. Der Krimi in seinen unterschiedlichen Handlungssträngen ist komplex und tiefgründig, grenzt sich ab vom Üblichen, indem er ohne Ermittler auskommt und einfach einen Spiegel der Zeit darstellt.

Ein hervorragendes Buch mit spannendem Inhalt – Geschichte auf den Punkt gebracht, und das in formvollendeter Sprache. Interessante und wahrlich vergnügliche Lesestunden darf man mit Waldeck verbringen, weshalb ich gerne eine Empfehlung für diesen ganz besonderen Kriminalroman ausspreche.

Veröffentlicht am 07.05.2024

Der Anfang ...

Loreley - Die Frau am Fluss
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Am Rhein, 1801 – 1828: Die Waise Julie muss sich als geduldete Magd im Wirtshaus ihres Vormunds verdingen, bis sie vom Pfarrer sogar aus dem Ort gewiesen wird. Mit einem dreifachen Witwer wird sie stromabwärts ...

Am Rhein, 1801 – 1828: Die Waise Julie muss sich als geduldete Magd im Wirtshaus ihres Vormunds verdingen, bis sie vom Pfarrer sogar aus dem Ort gewiesen wird. Mit einem dreifachen Witwer wird sie stromabwärts in Sankt Goar verheiratet und nimmt mutig und entschlossen ihr Schicksal an. Weitere Handlungsstränge befassen sich mit der älteren Elisabeth, welche Julie ein wenig unter ihre Obhut nimmt und Johann, der seine gesamte Familie verloren hat.

Eine melodievolle Sprache, nahe gehende Schicksale, harte Arbeit und der wunderschöne Rhein – wie kann man bei diesem Buch vorbeigehen? Gar nicht. Eine sehr schön erzählte Geschichte erwartet den Leser, die Figuren sind realistisch und glaubwürdig, die Härte des Lebens zur damaligen Zeit recht gut greifbar. So ist es nur allzu verständlich, dass man Kapitel um Kapitel verschlingt, Zusammenhänge sucht zwischen den Handlungssträngen um Julie und Johann. Und dann gibt es auch noch Geheimnisse, die aber nur teilweise aufgeklärt werden. Fortsetzung folgt …

Gut recherchierte Details zur damaligen Zeit und historische Personen sorgen für Lebendigkeit und lassen die Legende um Loreley wieder erwachen. Ich bin schon sehr gespannt, wie es weitergeht, denn der einzige Wermutstropfen ist das offene Ende dieses Buches.

Veröffentlicht am 06.05.2024

Dorfpolizistin wider Willen

Zyprische Geheimnisse
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Durch politische Umstände ist Sofia nach ihrem Jusstudium in London nicht im zyprischen Innenministerium, sondern in einem verstaubten Bergdorf nahe der türkischen Grenze als einfache Dorfpolizistin gelandet. ...

Durch politische Umstände ist Sofia nach ihrem Jusstudium in London nicht im zyprischen Innenministerium, sondern in einem verstaubten Bergdorf nahe der türkischen Grenze als einfache Dorfpolizistin gelandet. Sehr schnell jedoch hat sie sich hier eingelebt und gleich spektakuläre Fälle gelöst. Diesmal geht es um Traditionen, Tierschutz und noch einiges mehr.

Ein wunderschöner Strand, ein ernstes Thema – Schildkröten und Naturschutz. So zeigt sich der Einstieg in den dritten Teil der zypriotischen Krimis. Landschaftliche Eindrücke, eine gewitzte Ermittlerin und auch sonst sehr liebevoll gezeichnete Figuren voller Lebendigkeit und Charme, sofort ist der Leser wieder gefangengenommen von der beeindruckenden Insel Zypern und der klug durchdachten Handlung. Der Schreibstil Alexander Oetkers gefällt mir immer wieder aufs Neue, flott fließen die Zeilen dahin, entstehen prächtige Bilder vor meinem geistigen Auge. Auch wenn ich Zypern noch nie besucht habe, fühle ich mich sofort irgendwie daheim in Kato Koutrafas mit den gastfreundlichen Nachbarn und den köstlichen Vorbereitungen aufs Osterfest. Andere Vorgänge auf der Insel hingegen wirken eher befremdlich oder gar abstoßend und müssen daher von Sofia und ihrem auf den ersten Blick eher knurrigen Chef Kostas Karamanlis aufgedeckt werden.

Selbstverständlich ist diese Geschichte komplett und in sich abgeschlossen, und somit allein gut lesbar, die höchst interessante persönliche Entwicklung der Hauptfiguren könnte aber doch zu einem großen Teil verloren gehen und das wäre sehr schade. Ich empfehle also nicht nur Teil Drei der Zypernserie, sondern unbedingt die gesamte Reihe von Anfang an.

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