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Veröffentlicht am 05.05.2024

Auf den Spuren der Vergangenheit

Der Schatz von Bellapais
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Erst seit wenigen Monaten ist Sofia Dorfpolizistin in Kato Koutrafas, einem heruntergekommenen Dorf im Landesinneren von Zypern. Nun kommt ihr Verlobter aus reichem britischem Hause endlich nach, die Schwiegermutter ...

Erst seit wenigen Monaten ist Sofia Dorfpolizistin in Kato Koutrafas, einem heruntergekommenen Dorf im Landesinneren von Zypern. Nun kommt ihr Verlobter aus reichem britischem Hause endlich nach, die Schwiegermutter plant eine fabelhafte Traumhochzeit, aber ein Toter in der nahen Kupfermine durchkreuzt fast die Vorbereitungen, Sofia ist nämlich voll und ganz mit den Ermittlungen beschäftigt.

Beinahe nahtlos schließt Band Zwei an seinen Vorgänger an, Kostas hat sich zu einem fürsorglichen Chef entwickelt, Sofia sich ziemlich gut in die Dorfgemeinschaft eingefügt. Mit der Leiche im Kupfersee ergibt sich ein interessanter Blick in Zyperns Vergangenheit, von der Großvater Giorgios genauestens zu berichten weiß, die türkische Besetzung im Jahre 1974 wird zum Schlüssel für die Polizeiarbeit. Als überaus passende Abrundung des Geschehens geht es natürlich genauso um Sofias Privatleben, das ich auch diesmal gerne mitverfolgt habe.

Großartige Figuren, spannende Aufklärungsarbeit – so kann einem ein Krimi gefallen. Auch für Teil Zwei rund um Sofia Perikles spreche ich eine Empfehlung aus, allerdings mit der Einschränkung, dass Teil Eins davor für ein deutlich intensiveres Leseerlebnis sorgt als es die diesmalige Schatzsuche alleine zustande brächte.

Veröffentlicht am 05.05.2024

Sofia Perikles

Tod am Aphroditefelsen
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Sofia Perikles hat ihr Studium in London abgeschlossen, nach vielen Reisen mit ihrem Vater, der als Botschafter schon die halbe Welt gesehen hat, wird ihr eine Stelle im Innenministerium in ihrer Heimat ...

Sofia Perikles hat ihr Studium in London abgeschlossen, nach vielen Reisen mit ihrem Vater, der als Botschafter schon die halbe Welt gesehen hat, wird ihr eine Stelle im Innenministerium in ihrer Heimat Zypern angeboten. Doch bei ihrer Ankunft am Flughafen in Larnaka gibt es erst einmal eine Überraschung: da die Kommunisten seit Kurzem an der Macht sind, wird politisch umstrukturiert und Sofia landet als Hilfspolizistin in einem heruntergekommenen Bergdorf nahe der türkischen Grenze. Ein verrauchtes Amtszimmer mit einem vor sich hin dösenden Inspektor lassen wenig Freude aufkommen bei der jungen Dame, die in Pariser Luxusmode angereist ist.

Hervorragende Wortspiele und auf den Punkt gebrachte Beschreibungen sorgen gleich zu Beginn dieses Krimis für beste Unterhaltung. Das Flair der Insel Zypern setzt Yanis Kostas in ein ganz spezielles Licht, denn als „schön“ kann man das verstaubte Dörfchen Kato Koutrafas mit seinen trockenen Brachen hinter den gänzlich verfallenen Häusern am Ortseingang wirklich nicht bezeichnen. Eine erbärmliche Armut breitet sich hier aus, die Anzahl der Schafe übersteigt jene der Einwohner beträchtlich. Doch wer länger verweilt, wird – wie auch Sofia – die Vorzüge dieses Landstriches erkennen können: ein wundervoller Blick aufs klare Meer, köstliche Speisen, die einen schon beim Lesen in Urlaubsstimmung versetzen und eine Gastfreundschaft, die ihresgleichen sucht. Schnell sitzt Sofia mit allen Nachbarn gemeinsam am Tisch, nur ihr Chef, Kostas Karamanlis, bleibt abweisend.

Ein Autounfall mit tödlichem Ausgang für die beiden Insassen ist dann Ausgangspunkt für Sofias Ermittlungen, welche sie in verschiedenste Teile der Insel führen, unter anderem auch in den türkischen Norden und so dem Leser die ganze Pracht Zyperns nahebringen. Politische Hintergründe, geografische Details und allerlei anderes Wissenswerte verpackt der Autor geschickt in diesen Krimi, der so viel mehr bietet als lineare Polizeiarbeit. Nein, es ist das Flair Zyperns, es sind die ausgezeichnet entworfenen Figuren, die hier durch die Handlung führen und Neugierde darauf wecken, wie es weitergeht, nachdem der Fall über interessante Spuren logisch abgeschlossen worden ist.

Ein überaus unterhaltsamer Krimi eröffnet diese neue Reihe rund um Sofia Perikles. Ich empfehle dieses Buch sehr gerne weiter und bin schon gespannt auf Band 2.

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Veröffentlicht am 03.05.2024

Naturgewalten

Das letzte Feuer
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Ein karges Bergdorf, Schmalhänse die Bewohner, Steine, Disteln, Ziegen deren Umgebung. Es ist trocken, aber sicher. Als der eigenwillige Fluss eingedeicht wird, lockt das Tal. Ob man dort glücklicher wird?

Extrem ...

Ein karges Bergdorf, Schmalhänse die Bewohner, Steine, Disteln, Ziegen deren Umgebung. Es ist trocken, aber sicher. Als der eigenwillige Fluss eingedeicht wird, lockt das Tal. Ob man dort glücklicher wird?

Extrem verdichtet, mit knappen Bildern, aber umso wortgewaltiger beschreibt Maria Borrély die Naturgewalten, welche die betagte Pélagie Arnaud wohl am besten kennt. Starrsinnig in den Augen ihrer Nachbarn bleibt sie allein mit Ziegen und Hühnern am schroffen Berg, während alle anderen, einer nach dem anderen, ein neues Leben beginnen. Wohnhütten, Gasthaus, Schule und Kirche – Aufschwung, der Natur, dem tosenden Wasser abgetrotzt. Dennoch vergisst man die alte Pélagie nicht.

Prägnant und klar auf den Punkt gebracht erzählt Borrély von der Entwicklung der Dorfbewohner und noch viel mehr von der Natur, welche wohl immer das letzte Wort hat. Einzelne Szenen, kurze Episoden beherrschen das Feld, dennoch entsteht bald ein monumentales Gemälde, welches auf diesen knapp 150 Seiten mehr als beeindruckt. Dies liegt sicherlich an der fesselnden Wortwahl der Autorin, gewiss aber auch an der sorgfältigen Übersetzung durch Amelie Thoma. Als Leser ist man gefordert, genau hinzusehen, ja zwischen den Zeilen zu lesen, sonst könnte man die ein oder andere Blüte zwischen den Disteln übersehen.

Ein ebenso knapper wie beeindruckender Roman, der zum Leben im Einklang mit der Natur mahnt. Ein Leseerlebnis eher ungewöhnlicher Art.

Veröffentlicht am 02.05.2024

Polizeireporterin Gianna Pitti

Was der See birgt
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Am Gardasee liegt eine Leiche, das Gesicht brutal eingeschlagen. Polizeireporterin Gianna Pitti ist sogleich zur Stelle und stellt erschrocken fest, dass sie den Toten kennt und sogar noch am Abend zuvor ...

Am Gardasee liegt eine Leiche, das Gesicht brutal eingeschlagen. Polizeireporterin Gianna Pitti ist sogleich zur Stelle und stellt erschrocken fest, dass sie den Toten kennt und sogar noch am Abend zuvor getroffen hat.

Aufgrund der überaus lesenswerten Südtirol-Krimis von Lenz Koppelstätter habe ich mich schon sehr auf diese neue Reihe am Gardasee gefreut. Vom Schreibstil her gefällt mir das neue Buch auch recht gut (bis auf den inflationär verwendeten Ausdruck „ab und an“), drei unterschiedliche Blickwinkel geben Einblick ins Geschehen und sorgen für Abwechslung, Leserbriefe an die Zeitungsredaktion lockern das Ganze immer wieder auf. Interessant und durchaus erfrischend ist die Tatsache, dass die Kriminalisten kaum zu Wort kommen, der Fokus liegt hier eindeutig auf der Polizeireporterin Gianna Pitti, deren Onkel Francesco Marchese Pitti-Sanbaldi und der Chefredakteurin Elvira Sondrini, die auf eigene Faust Nachforschungen anstellen. Diese sind nicht ungefährlich, geraten doch ein Museum mit bizarren Feierlichkeiten, Geheimbünde wie der der Freimaurer oder das ungeklärte Verschwinden von Giannas Vater, einem angesehenen Investigativjournalisten, ins Zentrum ihrer Aufmerksamkeit. Und genau hier liegen auch meine Kritikpunkte: erst ergeht sich der Autor in Alltagsroutinen und langatmigen Vorstellungen der drei Hauptpersonen, die zwar ganz gut vorstellbar sind, aber bei mir keinerlei Neugierde wecken auf weitere Krimiabenteuer. Während der Ermittlungsfall nur stockend vorangeht, kommt es zu immer unübersichtlicheren Handlungssträngen, die über lange Zeit eher uninteressant und langatmig wirken, bis dann endlich im letzten Drittel alles an Fahrt aufnimmt und die einzelnen Fäden zusammengeführt werden. Einige Details, wie beispielsweise die Rolle des mysteriösen Urlauberpaares, werden recht eilig abgehandelt, sodass sie möglicherweise auch untergehen könnten neben den eher ausschweifenden Rezitationen von Onkel Francesco.

Insgesamt sind meine – zugegebenermaßen recht hohen – Erwartungen an diesen Serienstart leider nicht erfüllt worden. Möglicherweise liegt es an den drei wesentlichen Figuren, die mich nicht zum Miträtseln verführen konnten, möglicherweise auch an der Handlung, die mich nicht für sich einnehmen konnte. Bevor ich die Gardasee-Krimireihe aber komplett abschreibe, sehe ich mir auf jeden Fall die Informationen zu Band Zwei an.

Veröffentlicht am 02.05.2024

Diletta

Die Zitronenblüten von Amalfi (Kleine Läden in Amalfi 3)
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Neben den Lokalen ihrer beiden Freundinnen führt Diletta ein kleines feines Geschäft, in dem sich alles um Zitronen dreht. Das Leben in Amalfi ist perfekt, allein der unerfüllte Kinderwunsch trübt den ...

Neben den Lokalen ihrer beiden Freundinnen führt Diletta ein kleines feines Geschäft, in dem sich alles um Zitronen dreht. Das Leben in Amalfi ist perfekt, allein der unerfüllte Kinderwunsch trübt den Sonnenschein in Dilettas und Ezios Ehe. Als ein Urlauber aus England sich für Zitronenplantagen interessiert, hilft die junge Frau gerne mit Informationen weiter und verspürt prompt Schmetterlinge im Bauch. Was ist es, das ihn so anziehend wirken lässt, während Ezio sich zuletzt immer mehr in Stummheit zurückgezogen hat?

Eine wundervolle Reise in die Kleinstadt Amalfi an der Südwestküste Italiens steht dem Leser bevor, wenn er dieses Buch zur Hand nimmt. Traumhafte Strände, steile Klippen, frischer Fisch und ein Gläschen Limoncello warten nur darauf, begierig aufgenommen zu werden. Auch wer die Basilika Sant’Andrea mit ihrer gestreiften byzantinischen Fassade noch nie gesehen hat, hat diese aufgrund der Beschreibungen schnell bildhaft vor Augen. Man kann gar nicht satt werden von all den Farben und Gerüchen, vom Azurblau des Meeres, das nahtlos in den Himmel übergeht, vom Duft der echten Amalfi-Zitrone, die in all ihren Facetten beschrieben wird. Mit Leichtigkeit gelingt es Roberta Gregorio, ein vollkommenes Urlaubsflair zwischen ihre Zeilen zu pinseln und dennoch ein sehr tiefgreifendes und schmerzhaftes Thema in diesem Roman unterzubringen, nämlich jenes des unerfüllten Kinderwunsches bzw. der Fehlgeburt. „Liebe allein reicht manchmal nicht“ (kindle, Pos. 155) müssen sich Diletta und Ezio eingestehen und einen Weg für die Zukunft finden.

Liebevolle Worte in einer harmonischen Sprachmelodie verzaubern einen beim Lesen, ein sympathisches Damentrio und andere lebendig gezeichnete Figuren führen durch diese Geschichte voller scheinbarer Widersprüche und Sackgassen. Kann man aus dem Labyrinth Amalfis überhaupt wieder unbeschadet herausfinden? Hält Gott für ein Gebet in der Basilika die Tür zum richtigen Pfad offen? Oder ist das Herz in einem drinnen der Fleck, der die Wahrheit kennt? Selbst mitunter unschlüssig, welches Ende ich mir für diesen Roman während all der Kapitel im Jetzt und in der Vergangenheit wünschen soll, Roberta Gregorio hat die beste Variante gefunden für den Abschluss dieser Trilogie. Und auch wenn natürlich schon ein wenig vorweggenommen ist, ich kann nicht umhin, nun auch die beiden Vorgängerbände zu lesen.

Ein fabelhafter Roman mit einer ausgewogenen Mischung aus traumhafter Atmosphäre, ernsthaften Überlegungen und erfrischenden Lösungen – einfach perfekt! Nicht zuletzt ist die Gestaltung des Buches mit den „Zitronensprüchen“ an jedem Kapitelanfang mehr als gelungen. Diesen Roman muss man einfach lieben!

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