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Veröffentlicht am 20.01.2024

Fall Numero Eins

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Luc Verlain lebt als angesehener Commissaire in Paris, genießt seinen Ruf, gutes Essen, sein flottes Auto und nicht zuletzt die Frauen. Als sein Vater schwer erkrankt, lässt er sich zurück nach Bordeaux ...

Luc Verlain lebt als angesehener Commissaire in Paris, genießt seinen Ruf, gutes Essen, sein flottes Auto und nicht zuletzt die Frauen. Als sein Vater schwer erkrankt, lässt er sich zurück nach Bordeaux versetzen, seine Heimat am Atlantik. Aber statt dem erwarteten ruhigen Dienst bekommt er es dort sofort mit dem Mord an einem jungen Mädchen zu tun.

In leuchtenden Farben schildert Autor Alexander Oetker die Region Aquitaine, den rauen Atlantik, die beeindruckende Wanderdüne Dune du Pilat und den endlosen Seekiefernwald. Schnell verliert man sich zwischen den Seiten, die Lebensart im beschaulichen Dorf Lacanau-Océan ist nicht minder spannend als der Mordfall selber. Es braucht einige Reibereien, bis Luc seinen verdienten Platz im Team einnimmt, dass Kollegin Anouk heftig mit dem Neuen flirtet, ist auch keinen Moment lang zu übersehen. So entsteht aus einer hervorragenden Kulisse, durchaus eigenwilligen Figuren und einem logischen Ermittlungsfall ein wunderbarer Krimi, der den ersten Fall dieser bislang siebenteiligen Krimireihe darstellt.

Egal, ob in der passenden Reihenfolge, oder ein wenig durcheinander, Luc Verlain ist ein lebendiger Charakter, der für beste Unterhaltung sorgt und sich im Laufe der Zeit auch ganz ordentlich weiterentwickelt. Ich empfehle diese Serie jedenfalls sehr gerne weiter.

Veröffentlicht am 18.01.2024

Eine befremdliche Insel

Bermuda
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Ein stattliches Kreuzfahrtschiff gerät im bekannten Bermuda-Dreieck in einen gewaltigen Sturm. Den Untergang der Sea Quest überleben nur wenige Mannschaftsmitglieder und Passagiere. Eine bunt zusammengewürfelte ...

Ein stattliches Kreuzfahrtschiff gerät im bekannten Bermuda-Dreieck in einen gewaltigen Sturm. Den Untergang der Sea Quest überleben nur wenige Mannschaftsmitglieder und Passagiere. Eine bunt zusammengewürfelte Gruppe von Menschen aus verschiedensten Herkunftsländern findet sich auf einer unbewohnten Insel wieder und muss überlegen, wie sie bis zur erhofften Rettung überleben kann. Sonderbare Phänomene wie wild kreiselnde Kompassnadeln oder unheimliche Lichterscheinungen und grauenvolle Geräusche bei Einbruch der Nacht lassen Angst unter den Überlebenden aufkommen.

Mit einer Episode aus dem Jahre 1533 beginnt dieser spannende Mystery-Thriller, bevor wir an Bord des Kreuzfahrtschiffes Sea Quest gehen. Recht flott schreitet die Handlung voran und beschreibt die unglaublichen Ereignisse, welche während des tosenden Sturmes die Reisenden erschüttern. Und schon erwachen ein paar Überlebende am Strand einer Vulkaninsel. Fesselnd und spannend verlaufen die folgenden Tage, Thomas Finn vermag den Leser in einem steten Sog gefangen zu nehmen mit wissenschaftlichen Fakten und fantasiehaften Elementen. Detailgenaue Beschreibungen der unglaublichen Umgebung lassen alles sehr lebendig werden und das Geschehen wie einen schillernden Film vor den Augen des Lesers ablaufen. So ist es kein Wunder, wenn man Kapitel um Kapitel verschlingt und die Neugierde wächst, wie die Gruppe sich entwickelt, welche Überlebensstrategien entwickelt werden und welche Möglichkeiten es gibt, der Insel zu entkommen oder die Außenwelt zu kontaktieren. Der Schreibstil ist flüssig, auch wenn man etliche „eh“ durch „ohnehin“ oder „mit was“ durch „womit“ ersetzen könnte. Lange hält sich die Spannung auf konstantem Niveau, lediglich gegen Ende des Buches wird es etwas langatmig, aber das ist natürlich Ansichtssache.

Ein empfehlenswerter Schmöker für jene Leser, welche einsame Inseln, Gruppendynamik, ein wenig Physik und Maya-Kultur mögen, gekonnt verquickt mit mysteriösen, fantastischen Elementen.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 18.01.2024

Britisches Flair

Mit dem Schnee kommt der Tod
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Auf die südwestenglischen Insel St Michael’s Mount lädt Hilaria St Aubyn einige Gäste zum Weihnachtsfest. Sie sammelt im ausklingenden Jahre 1938 Spenden für jüdische Kinder. Noch bevor Pfarrer Hartley ...

Auf die südwestenglischen Insel St Michael’s Mount lädt Hilaria St Aubyn einige Gäste zum Weihnachtsfest. Sie sammelt im ausklingenden Jahre 1938 Spenden für jüdische Kinder. Noch bevor Pfarrer Hartley die Messe abhalten kann, wird er tot aufgefunden. Der Kreis der Verdächtigen ist klein, ist doch die Insel aufgrund der Witterung vom Festland abgeschnitten.

Nach einem fesselnden Prolog beginnt dieser britische Krimi mit dem für solche Romane typischen Flair. Die Personen werden vorgestellt und Hilaria samt ihren Freunden, welche den Wohltätigkeitsverein unterstützen, versammeln sich nach und nach auf der Burg. Marlene Dietrich ist ebenfalls zum Fest geladen und steht stellvertretend für jene, welche das Naziregime klar abgelehnt haben, sodass auch der gesellschaftliche Hintergrund gut abgebildet wird. Der Mix an unterschiedlichen Figuren ist gelungen und abwechslungsreich, aber die Handlung plätschert eher lau dahin, sodass keine rechte Spannung aufzukommen vermag. Selbst der Mord geschieht wie nebenbei, sodass er beinahe inmitten anderer Beschreibungen untergeht.

Gesellschaftliche Konventionen und das Flair der Zeit sind recht gut eingefangen, auch die Handlung an sich ist interessant. Trotz allem fehlt es da und dort an fesselnden Elementen und Dynamik. Eine Empfehlung an jene Leser, welche Krimis in geschlossener Umgebung und die britische Atmosphäre Agatha Christies lieben.

Veröffentlicht am 16.01.2024

Winterzauber

Fräulein Gewürzzauber - Zimtküsse und Honigduft
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Lenas Glück scheint himmelhoch – ihre Zuckerbäckerei läuft großartig, Max ist kürzlich zu ihr ins Stadthaus gezogen, Weihnachten steht vor der Tür. Über Lena Sonnenschein und Max Himmelreich – welch malerische ...

Lenas Glück scheint himmelhoch – ihre Zuckerbäckerei läuft großartig, Max ist kürzlich zu ihr ins Stadthaus gezogen, Weihnachten steht vor der Tür. Über Lena Sonnenschein und Max Himmelreich – welch malerische Namen – brauen sich jedoch dunkle Wolken zusammen, als Max‘ alles vereinnahmende Tante sich selbst einlädt und ein Backwettbewerb Sand ins Getriebe einer wunderbaren Beziehung streut. Dazu kommen noch Geheimnisse aus einem alten ledernen Rezeptbüchlein von Lenas Ururgroßmutter Elvira …

Ähnlich dem sehr ansprechenden Titelbild finden sich auch im Buchinneren sehr schöne Illustrationen, welche den ohnehin schon sehr malerischen und bildhaften Schreibstil von Stephanie Marzian noch einmal unterstreichen. Schnell ist man als Leser gefangen in einem Winterzauber mit duftenden Haselnüssen und samtigem Zimtpulver, dessen wohltuender Wärme man sich mit einer Tasse Kakao nur zu gerne hingibt. Natürlich kann auch bei Fräulein Sonnenschein und Herrn Himmelreich nicht alles eitel Wonne sein, hinterhältige Intrigen dürfen nicht fehlen, die Zuversicht und ein romantischer Blick nach vorne behalten aber stets die Oberhand. Das Leben wird als Torte beschrieben, welche Freundlichkeit, Hilfsbereitschaft und Herzensgüte als Zutaten braucht (kindle, Pos. 3314), das passt doch hervorragend zwischen all die köstlichen Kekse, Kuchen und Pralinen, die Lena mit viel Gefühl und Liebe auf den Tisch zaubert. Auch der Rat „Wenn du Sorgen hast, iss Schokolade. Wenn du noch mehr Sorgen hast, iss einfach noch mehr Schokolade. (kindle, Pos. 962) entlockt mir ein wissendes Schmunzeln.

Überaus liebevoll werden sämtliche Figuren beschrieben, das zahme Eichhörnchen Ruprecht passt entzückend zum romantischen Rahmen. Dieses Buch bietet jedenfalls einige entspannte Stunden, aufgrund der 24 Kapitel sogar in Form eines Adventkalenders. Mir haben die pickrosa Glasuren und schokosüßen Pralinen samt fruchtigen Honigfüllungen gut gemundet, sodass ich mich auf eine Fortsetzung im kommenden Advent freue.

Veröffentlicht am 14.01.2024

Jäger und Gejagte

Rachejagd - Gequält
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Anna Jones und ihre Freundin Natalie werden in ihrer Studentenzeit von einem Geisteskranken entführt und gequält. Während Anna ihrem Peiniger entkommen kann, wird Natalie wenige Tage später ermordet aufgefunden. ...

Anna Jones und ihre Freundin Natalie werden in ihrer Studentenzeit von einem Geisteskranken entführt und gequält. Während Anna ihrem Peiniger entkommen kann, wird Natalie wenige Tage später ermordet aufgefunden. Nun, drei Jahre danach, erhält Anna einen Brief des Täters – die Jagd von damals geht weiter.

Ein fesselnder Schreibstil, der sich flüssig liest und flott von einem Schauplatz zum nächsten führt, eine Handlung, die für Nervenkitzel und Gänsehaut sorgt – so präsentiert sich Teil Eins dieser packenden Trilogie. Die Figuren sind plastisch und lebensnah, der durchtriebene und durchaus intelligente Täter der Gejagten stets einen Schritt voraus und bald weiß man ohnehin nicht mehr, wer vertrauenswürdig ist und wem man besser nicht alles erzählen sollte. Überraschungen und unvorhersehbare Wendungen halten die Spannung auf einem hohen Niveau, ein bisschen Blut muss der Leser aushalten während der etwa 450 Seiten. Das Ende beantwortet viel, aber nicht jedes Detail, sodass man auf jeden Fall den nächsten Band lesen muss.

Mich haben Nica Stevens und Andreas Suchanek in allen Belangen überzeugt mit diesem Thriller, den ich gerne weiterempfehle.