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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 16.11.2025

Wuppertal

Hass ist meine Liebe
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In der schönen Stadt Wuppertal wird gestorben, im denkmalgeschützten Brunnen am Toelleturm oder auf der bunten Holsteiner Treppe. Unfall oder Mord, Vorsehung oder Serie – das müssen die beiden Kommissare ...

In der schönen Stadt Wuppertal wird gestorben, im denkmalgeschützten Brunnen am Toelleturm oder auf der bunten Holsteiner Treppe. Unfall oder Mord, Vorsehung oder Serie – das müssen die beiden Kommissare Mia Sommer und Björn Lassner rasch herausfinden. Es wird düster und spannend.

Der Auftakt dieser neuen Krimireihe vereint lokales Flair mit dunklen Ecken, schickt zwei glaubwürdige - weil überaus menschliche - Ermittler ins Rennen und überzeugt durch einen ausgefallenen und dennoch gut durchdachten Handlungsverlauf. Andreas Schmidts Schreibstil fesselt und bietet auch in den einzelnen Kapiteln nochmals kurze, knackige Blickwechsel, wodurch Spannung erzeugt und gehalten wird. Ermittlungen in alle Richtungen sind nötig, da die ersten Befragungen natürlich unbefriedigend verlaufen, ein Innehalten und Achten aufs Bauchgefühl lässt Mia an so mancher Zeugenaussage zweifeln. Ein klitzekleines bisschen Privatleben darf da und dort durchblitzen ohne vom Kriminalfall abzulenken und auch die Stadt Wuppertal selbst verleiht dem Roman eine anschauliche Kulisse, welche man schon nach wenigen Seiten nicht mehr missen möchte.

Neugierig auf eine mir bis dato noch fremde Stadt und überzeugt vom mörderischen Geschehen kehre ich sehr gerne auch beim nächsten Fall wieder zu Mia und Björn zurück. Ich bin gespannt, was da noch auf uns zukommt und empfehle dieses Buch sehr gerne weiter.

Veröffentlicht am 11.11.2025

Vermisst

Local Woman Missing – Du wirst sie nicht finden
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Meredith und ihre sechsjährige Tochter Delilah sind am Abend plötzlich nicht mehr zu Hause, Vater Josh und Sohn Leo stehen vor einem Rätsel, melden die beiden Familienglieder schließlich bei der Polizei ...

Meredith und ihre sechsjährige Tochter Delilah sind am Abend plötzlich nicht mehr zu Hause, Vater Josh und Sohn Leo stehen vor einem Rätsel, melden die beiden Familienglieder schließlich bei der Polizei als vermisst. Kein Nachbar hat etwas gesehen, niemand etwas gehört. Da kurz zuvor schon eine Frau aus der Siedlung verschwunden ist, ist die Vorstadt in Aufruhr.

Auf besonders fesselnde Weise erzählt Mary Kubica die Geschichte von Delilah, die elf Jahre nach der vermuteten Entführung ganz plötzlich wieder vor ihrem Wohnhaus steht. Die Abfolge der Szenen erfolgt in geschicktem Wechsel zwischen Jetzt und elf Jahren zuvor, wobei in der Vergangenheit nochmals in vor und nach dem Verschwinden von Meredith und Delilah unterteilt wird. Obendrein ergreifen unterschiedliche Figuren das Wort, sodass sich im Laufe der Zeit ein packendes Gesamtbild aus verschiedensten Perspektiven ergibt. Der flotte Schreibstil der Autorin tut sein Übriges zum perfekten Lesevergnügen, weshalb ich das Buch in einem Schwung durchgelesen habe.

Besonders Leos Abschnitte habe ich als sehr bewegend empfunden, denn der damals Vierjährige hat erst den Verlust von Mutter und Schwester verarbeiten müssen und sieht sich nun einer fremden Siebzehnjährigen gegenüber, an die er das Wort richtet. Aber auch sonst sind die Figuren sehr plastisch herausgearbeitet, sind die zwischenmenschlichen Beziehungen bestens dargestellt. Interessante Details aus der Nachbarschaft und aus Merediths Berufsleben als Doula lassen die Geschichte so richtig lebendig werden, packende Momente und spannende offene Kapitelenden heizen das Tempo stetig an. Wie alles schlussendlich zusammenhängt, welche Querverbindungen einer näheren Betrachtung standhalten und welche Vermutungen in einer Sackgasse enden, das ist tatsächlich sehr faszinierend dargelegt, ich war bis zum letzten Moment vom Sog des Buches begeistert.

Ein überaus abwechslungsreicher Thriller auf psychologischer Basis, der immer wieder Überraschungen bereithält und durch seine detaillierte Figurenzeichnung besticht. Beste Unterhaltung garantiert!

Veröffentlicht am 08.11.2025

Jetzt leben

Was die Zeit verschweigt
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Ruby hat ihre Krebserkrankung hinter sich gelassen, kann als Journalistin wieder Fuß fassen mit ihrem Beitrag zum französischen Filmfestival über die schillernde Schauspielerin Cécile, die 1942 spurlos ...

Ruby hat ihre Krebserkrankung hinter sich gelassen, kann als Journalistin wieder Fuß fassen mit ihrem Beitrag zum französischen Filmfestival über die schillernde Schauspielerin Cécile, die 1942 spurlos aus Paris verschwunden ist. Aber die Gefahr eines Wiederaufflackerns der Krankheit ist nie zu hundert Prozent gebannt, Ruby darf ihre Wünsche nicht aufschieben, sondern muss jetzt leben.

Im Wechsel von zwei Zeitebenen (1940er-Jahre und 2025) und den unterschiedlichen Blickwinkeln aus Ruby Sichtweise und jenen von Sylvia und Hauptmann Otto Wolfgang, geht es abwechslungsreich dahin, am Ende gibt es noch einen kurzen Ausblick auf die Zukunft. Während Ruby recherchiert, flicht Mary Ellen Taylor Szenen von mutigen Menschen im Krieg ein, erzählt von der Besatzung der französischen Hauptstadt Paris, lässt die Schneiderin Sylvia mit ihrem Tagebuch zu Wort kommen, um so das Leben Céciles zu rekonstruieren. Auch der Hauptmann hat einiges zu berichten, was Cécile und Sylvia erst später bewusst geworden ist. Es geht um Macht, Widerstand, Kollaboration, nie weiß man, wer vertrauenswürdig ist und wer nur den Schein wahrt. Auch damals musste man im Jetzt leben, die einzelnen Momente von Glück und Unbeschwertheit nützen, denn schon am nächsten Tag könnte alles anders sein. Besonders gut gelungen ist diese Spiegelung durch Rubys Kampf gegen den Krebs und ihre positive Einstellung zu der Möglichkeit, schon bald am Ende ihres Lebens angekommen zu sein. Dennoch spürt man in den Zeilen der Autorin Rubys Mut, sich auf jeden Tag neu einzulassen.

Auch wenn mir die Personen der Kriegszeit ein wenig distanziert begegnet sind, sind die Einzelheiten rund um das besetzte Paris anschaulich in die Handlung eingeflochten, Ruby ist für mich die tragende Figur quer durch den gesamten Roman, (nicht nur) ihre Geschichte ist lesenswert.


Veröffentlicht am 06.11.2025

Trubel in der Passerstadt

Die Welt in Meran - Walzerblut
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Wir schreiben das Jahr 1872, Menschen aus unterschiedlichsten Gesellschaftsschichten und ebenso unterschiedlichsten Beweggründen tummeln sich in Meran. Sei es, dass sie als Kurgäste im Ort sind, sei es, ...

Wir schreiben das Jahr 1872, Menschen aus unterschiedlichsten Gesellschaftsschichten und ebenso unterschiedlichsten Beweggründen tummeln sich in Meran. Sei es, dass sie als Kurgäste im Ort sind, sei es, dass sie den passenden Ehepartner zu finden hoffen, aber auch Ärzte und Baumwollarbeiter trifft man hier an. Nur hinein ins Vergnügen, wessen Wege wird man kreuzen?

Interessante Zeitungsartikel oder Briefauszüge stehen jedem einzelnen Kapitel voran, so erfährt man gleich zu Beginn, dass zur damaligen Zeit die Liste der ankommenden Gäste veröffentlicht wird, um Einladungen für Antrittsbesuche auszusprechen. Die Sitten und Gepflogenheiten im 19. Jahrhundert sind genauestens recherchiert, die persönliche Vorliebe der Autorin für die Gegend spürt man immer wieder durchblitzen. Die illustre Personenschar ist anfangs etwas herausfordernd, das Personenverzeichnis am Ende des Buches hilft jedoch, den Überblick zu bewahren. So erfahren wir von Adeligen ebenso wie von Kindern in der Fabrik, manch einer hütet ein Geheimnis, am Maskenball verbirgt fast jeder sein wahres Gesicht. Abwechslungsreich und bunt geht das Treiben her, ein wenig vermisse ich allerdings bewegende Gefühle, welche auf den Leser überspringen. Nichtsdestotrotz ist die Atmosphäre von Ort und Zeit gekonnt eingefangen und weckt Lust auf mehr.

Ein unterhaltsamer Start in die beginnende Reihe rund um die Passerstadt, die Neugierde ist geweckt.

Veröffentlicht am 05.11.2025

Widerstand

Sturmtage
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1932 in Berlin: Wohlbehütet wächst die in sich zurückgezogene Johanna von Fehrsburg auf einem Gutshof auf, aus ihrem Schneckenhaus kommt sie erst langsam heraus, als sie ihren Bruder Karl-Georg in Berlin ...

1932 in Berlin: Wohlbehütet wächst die in sich zurückgezogene Johanna von Fehrsburg auf einem Gutshof auf, aus ihrem Schneckenhaus kommt sie erst langsam heraus, als sie ihren Bruder Karl-Georg in Berlin besucht. Der junge SPD-Abgeordnete kämpft entschlossen gegen den aufstrebenden Nationalsozialismus, wodurch sich auch Johanna bald dem Widerstand anschließt und für die Untergrundzeitschrift „Sturmtage“ Karikaturen zeichnet. Auch der Norweger Sven gehört der Gruppe an und hilft seiner Mitstreiterin schließlich bei der Flucht aus Deutschland.

Inspiriert vom Schicksal eines Familienmitglieds und gestützt auf sorgfältige Recherchen schreibt Sibel Daniel von einer Liebe mitten im politischen Umbruch. Während zu Beginn des Romans viel Zeit verstreicht, um die Figuren zu beschreiben und die geschichtlichen Gegebenheiten darzustellen, ändert sich nach der Flucht die Atmosphäre im Buch, lässt endlich mehr Emotionen zu, sodass Johanna mit ihren zwiespältigen Gefühlen ganz in den Mittelpunkt rückt. Ab diesem Moment hat mich das Buch wirklich erreicht, gefesselt und berührt, obwohl auch die ersten Kapitel durchaus interessant, aber eben etwas zu nüchtern sind, was die Nähe zu den einzelnen Personen betrifft. Ein angenehm flüssiger Schreibstil führt durch die Handlung, wie es weitergeht, erfahren wir im Folgeband „Sturmtage - Augenblick der Wahrheit“. Darauf bin ich natürlich schon gespannt.

Detaillierte Recherche kennzeichnet diesen leider sehr realitätsnahen Roman, die Liebesgeschichte kommt eher knapp daher.