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Veröffentlicht am 12.01.2026

Dunkler Tann

Rostiges Grab
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Im Wald Rostskogen, düster und mystisch, möchte ein ein Youtuber-Paar Bilder eines besonderen Lost Places aufnehmen, eines Ortes nämlich, an dem ein Mord geschehen ist. Mitten ins Vorhaben platzt aber ...

Im Wald Rostskogen, düster und mystisch, möchte ein ein Youtuber-Paar Bilder eines besonderen Lost Places aufnehmen, eines Ortes nämlich, an dem ein Mord geschehen ist. Mitten ins Vorhaben platzt aber plötzlich eine sagenähnliche Gestalt, in Händen einen abgetrennten Finger, geschmückt mit einem Ring. Tatsächlich gehört der Finger zu jener Frau, die zehn Jahre zuvor hier getötet worden ist und wiederum an das Graumädchen, eine uralte Moorleiche erinnert. Wer sonst, wenn nicht Leo Asker mit ihrem Team aus der Abteilung für hoffnungslose Fälle und verlorene Seelen, kann hier Licht ins Dunkel bringen?

Wie schon bisher besticht Anders de la Motte in seiner Leo Asker-Reihe durch die Atmosphäre, hier der dunkle Tann, und die speziellen Schauplätze, Lost Places, für die Martin Hill ausgewiesener Experte ist. Darüber hinaus soll die gewitzte Leonore ja eigentlich im ersten Untergeschoss des Dezernats für Kapitaldelikte ruhiggestellt werden, damit sie nicht wieder jemandem auf die Zehen treten kann, aber das ist mehr Wunschdenken vom Polizeipräsidenten, denn Leo findet immer einen Weg. Das hohe Tempo mittels häufiger Szenen- und Blickwechsel könnte Neueinsteiger vielleicht etwas irritieren, die Figuren rund um Leo sind nämlich alles andere als konventionelle Ermittler – wer sie und Askers Vorgeschichte kennt, tut sich vermutlich etwas leichter. Zu Beginn lesen wir düstere Legenden, die sich um Moorleichen und später um üble Jägerpartys ranken, zwischendurch bekommt das Graumädchen eine Stimme und auch Hills und Askers private Probleme werden geschickt in die Handlung eingeflochten. Knifflige Nachforschungen, vermeintliche Zusammenhänge und Personen, die ganz aus dem Hintergrund die Fäden ziehen, lassen die Spannung stets auf hohem Niveau halten und Leo möglicherweise die längst ersehnte Beförderung wieder verpassen. Wer weiß, wir müssen uns in Geduld üben bis zur Fortsetzung.

Sprachlich überzeugend, inhaltlich gut durchdacht, packende Kulisse – alles, was ein fesselnder Thriller bieten muss, somit spreche ich auch für Band Nummer 3 eine Leseempfehlung aus.

Veröffentlicht am 10.01.2026

Kruse kontert aus dem Krankenhaus

Lügen auf Friesisch
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Polizeichef Kruse muss ins Krankenhaus, lässt sich aber dennoch nicht davon abbringen, einen Ermittlungsfall zu leiten. Wer kann schon wissen, ob Michaela Greve und Ulf Weingärtner ordentliche Arbeit abliefern? ...

Polizeichef Kruse muss ins Krankenhaus, lässt sich aber dennoch nicht davon abbringen, einen Ermittlungsfall zu leiten. Wer kann schon wissen, ob Michaela Greve und Ulf Weingärtner ordentliche Arbeit abliefern? Aktuell liegt nämlich ein Mordfall vor, der Leiter des Restpostenmarktes in Husum wurde blutüberströmt gefunden. Pikantes Detail in dessen Lebenslauf: elegante Designerstücke im Zweitspind und der Verdacht auf geheime Liebschaften am Abend, während er seiner Familie geschäftliche Verpflichtungen vortäuscht.

Ein spannender Kriminalfall erwartet die geneigte Leserschaft, allein der mürrische Kruse kann einem den Spaß an den teils schleppenden Ermittlungen vereiteln. Seine üble Laune und sein machohaftes Gehabe gegenüber Krankenhaus- und Polizeipersonal überspannen oft den Bogen und lassen den vermeintlichen Spaß zum Galgenhumor werden. Ein flotter Schreibstil und die abwechslungsreiche Motivsuche machen zwar einiges wieder wett, aber ein unangenehmer Beigeschmack bleibt leider erhalten.

Auffällige Charaktere, eine Polizistin, die ihr Potential nicht entfalten darf und viele Nebenschauplätze überlagern die spannenden Momente in diesem Regiokrimi. 3 Sterne.

Veröffentlicht am 08.01.2026

Schneewittchen

Die weiße Nacht
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Berlin, Hungerwinter 1946/47: Lou Faber streift wie so oft frühmorgens durch die bitterkalte Stadt, um Fotomotive zu finden und dann Abzüge ihrer Bilder an ein Magazin zu verkaufen. Als sie sich einer ...

Berlin, Hungerwinter 1946/47: Lou Faber streift wie so oft frühmorgens durch die bitterkalte Stadt, um Fotomotive zu finden und dann Abzüge ihrer Bilder an ein Magazin zu verkaufen. Als sie sich einer schneebedeckten Ruine nähert, entdeckt sie einen starren Körper – eine weibliche Leiche, die friedlich aufgebahrt im unschuldigen Weiß liegt und mit ihren schwarzen Haaren an Schneewittchen erinnert. Der eilig hinzugezogene Kommissar Alfred König sieht sich alsbald mit einer schwierigen Ermittlung konfrontiert, denn im unter den Besatzungsmächten viergeteilten Berlin und der Scheinheiligkeit nach dem verlorenen Krieg steht er vor einer Wand des Schweigens.

Aufregend und mit der großartigen Atmosphäre einer beklemmenden Vorweihnachtszeit zieht mich dieser Kriminalroman schon nach wenigen Sätzen in seinen Bann. Bis zum letzten Glockenschlag der Neujahrsnacht, welche das Ende dieses fesselnden Serienstarts markiert, kann ich das Buch nicht mehr aus der Hand legen und bin auch danach noch völlig überwältigt von den Schlag auf Schlag folgenden Geschehnissen und den verschiedensten Blickwinkeln, welche Anne Stern auf eloquente Art und Weise beleuchtet. Die furchtbare Zeit im zerbombten Berlin ist auf großartige Weise eingefangen, die Not an Essbarem und an Heizmaterial ist greifbar, die Überlebensstrategie eines jeden so individuell wie der einzelne Mensch selbst. Mittendrein in diese spannende Kulisse fügt sich alsbald ein höchst bemerkenswerter Mordfall, der schwer aufzuklären scheint, mangelt es doch der Polizei nicht nur an personellen, sondern auch an materiellen Ressourcen jeglicher Art. So ist es nicht zuletzt Lous Fotos zu verdanken, dass die Ermittlungen neue Anstöße bekommen, welche die Nachforschungen auf geschickt verdeckte Missstände während der Kriegsjahre lenken.

Überzeugende Figuren und penible Recherchearbeit lassen diesen Krimi zu einem überaus realistischen Zeitbild werden, das offene Ende schürt Ungeduld beim Warten auf die Fortsetzung. Klare Leseempfehlung für Freunde des Historischen Kriminalromans mit fundierten geschichtlichen Details!

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 07.01.2026

Weihnachtszauber

Die Farbe von Schneeflocken
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In der Kinderklinik treffen Letti und Matteo aufeinander, allerdings nicht als Patienten, sondern als freiwillige Helfer – wobei Matteo allerdings nicht ganz so freiwillig dabei ist. Mitten in den Vorbereitungen ...

In der Kinderklinik treffen Letti und Matteo aufeinander, allerdings nicht als Patienten, sondern als freiwillige Helfer – wobei Matteo allerdings nicht ganz so freiwillig dabei ist. Mitten in den Vorbereitungen für ein zauberhaftes Weihnachtsfest im Krankenhaus muss die 16jährige Letti erfahren, was der wahre Grund für Matteos Anwesenheit ist, die anfängliche Zuneigung zu dem um ein Jahr älteren Burschen verflüchtigt sich im Nu. Nicht nur ihre unterschiedlichen Lebenswelten, sondern auch diese Geheimniskrämerei droht alles an den neuen Gefühlen zu zerstören.

Mit wunderbaren Perspektivwechseln zwischen Lettis und Matteos Sicht und hübschen Symbolen zu den Kapitelanfängen weckt Larissa Schira recht schnell die Neugierde auf die Geschehnisse in dieser vorweihnachtlichen Geschichte. Während Letti aus einer scheinbar heilen Familie ausbrechen möchte und daher den Freiwilligendienst in der Kinderklinik antritt, bleibt Matteos Motiv noch unklar. Fest steht jedoch, dass es vielschichtige Spannungsfelder gibt, sei es Lettis Ablehnung jedweden Weihnachtstrubels während Matteo munter Last Christmas vor sich hinträllert, seien es die konträren Herkunftsfamilien, aus welchen die beiden Teenager stammen. Aber nicht nur untereinander, auch innerhalb ihres ganz persönlichen Umfeldes bauen sich die dunkel dräuenden Wolken langsam zu einem Gewitter auf. Ob da der Weihnachtsmann oder das Christkind noch helfen können?

Viele sympathische Figuren müssen (fast zu) viele Probleme auf einmal lösen. Mit einem empathischen und warmherzigen Schreibstil lässt die Autorin Kinderherzen höher schlagen und erwartungsvolle Augen leuchten, nicht nur bittere Medizin, sondern auch Liebe, Zuversicht und Hoffnung können heilen. Ein Roman über Mut und Vertrauen, besonders für junge Leser.

Veröffentlicht am 06.01.2026

Bei Tag und bei Nacht

He Sees You When You´re Sleeping
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Bei Tag ist Chloe die zuverlässige Influencerin und Markenbotschafterin für hochwertigen Schmuck, bei Nacht jedoch verwandelt sie sich in eine leidenschaftliche Femme fatale auf ihrem Account von Dark ...

Bei Tag ist Chloe die zuverlässige Influencerin und Markenbotschafterin für hochwertigen Schmuck, bei Nacht jedoch verwandelt sie sich in eine leidenschaftliche Femme fatale auf ihrem Account von Dark Secrets. Sie hat alles im Griff und hält diese beiden Welten strikt auseinander, was sie aber nicht weiß: jemand kennt dieses dunkle Geheimnis und beobachtet Chloe schon lange. Vor dem Weihnachtsfest tritt dieser Jemand aus seinem Schatten.

Eine weihnachtlich passende Rahmenhandlung umgibt die Geschichte vom süßen Mädchen von nebenan und von Jack, dem freundlichen Feuerwehrmann. Die düsteren Seiten der beiden kommen aber immer mehr zum Vorschein. Stimmungsvolles Lichterfunkeln versteckt sich immer wieder hinter geheimnisvollen Szenen abgründiger Leidenschaft, wobei die erotischen Momente stets lebendig, aber nie geschmacklos werden. Gut gelungen sind neben den typischen Darstellungen eines Dark Romance – Romans auch die beiden Hauptfiguren mit ihren zwei Seelen in der Brust, da die reizende Schmuckfluencerin, dort die ruchlose Verführerin, da der hilfsbereite Nachbar in Uniform, dort der besessene Stalker. Alta Hensley schreibt fesselnd im wahrsten Sinne des Wortes und bringt die (nicht immer ganz logische) Geschichte zu einem runden Abschluss.

Aufregende Lebenswelten sorgen für abwechslungsreiche Unterhaltung – Triggerwarnung und Alterslimit beachten!