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Veröffentlicht am 30.04.2023

Kiki Holland

Mutterliebe
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Kiki Holland, investigative Journalistin mit Leib und Seele, wird nur als Ersatz für eine Kollegin zu einem Gerichtsverfahren geschickt, bei dem es um eine Mutter geht, die ihr Kind mit den eigenen Händen ...

Kiki Holland, investigative Journalistin mit Leib und Seele, wird nur als Ersatz für eine Kollegin zu einem Gerichtsverfahren geschickt, bei dem es um eine Mutter geht, die ihr Kind mit den eigenen Händen im Wald erstickt hat. Bei ihren gewagten Hintergrundrecherchen erfährt Kiki alsbald erschreckende Zusammenhänge.

Der Start ins Buch fällt leicht, der Prolog ist kurz, aber erschütternd – und schon ist es einige Monate später – der Prozess beginnt. Das Autorenduo Kim Selvig überzeugt durch einen flüssigen, fesselnden Schreibstil, die Figuren, insbesondere Kiki Holland selbst, sind sehr plastisch dargestellt, wirken authentisch und bunt zusammengewürfelt, sodass sich dem Leser ein lebhaftes Bild bietet. Der Mix aus Gerichtsverhandlung, einigen Gedanken der Angeklagten und Kikis Privatleben ist anfangs sehr gelungen, leider gibt es dann aber bis zur Urteilsverkündung eine Lücke bei den Gerichtstagen. Diese wird gefüllt mit sehr eigenwilligen Recherchemethoden der allseits bekannten Journalistin Holland, die sich bisweilen selber in Gefahr begibt und durch etliche Zufälle, die bald eher unglaubwürdig erscheinen, so manche Hintergrundinformation ans Licht befördert. Die Handlung selber ist dennoch durchaus abwechslungsreich und unterhaltsam, sodass man das Buch nur ungern aus der Hand legt.

Die Idee, die alles trägt und Ursachen begründet, ist gut gewählt und verständlich dargelegt, allerdings hat sich im letzten Kapitel ein schwerwiegender inhaltlicher Fehler eingeschlichen, der die Freude am Buch kurz vor dem Ende dann doch noch deutlich schmälert. Daher diesmal nur drei Sterne.

Titel Mutterliebe
Autor Kim Selvig
ASIN B0BHTQR5QL
Sprache Deutsch
Ausgabe ebook, ebenfalls erhältlich als Taschenbuch (432 Seiten) und Hörbuch
Erscheinungsdatum 25. April 2023
Verlag HarperCollins

Veröffentlicht am 30.04.2023

Ein trauriges Märchen

Soraya (Ikonen ihrer Zeit 8)
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Soraya, die Tochter einer Deutschen und eines persischen Fürsten, wächst erst in Persien, dann in Europa auf, wo sie eine tadellose Erziehung in namhaften Internaten für höhere Töchter genießt. Im Jahre ...

Soraya, die Tochter einer Deutschen und eines persischen Fürsten, wächst erst in Persien, dann in Europa auf, wo sie eine tadellose Erziehung in namhaften Internaten für höhere Töchter genießt. Im Jahre 1950 trifft sie auf den persischen Schah Mohammad Reza, in den sie sich augenblicklich verliebt und tatsächlich findet schon wenig später eine märchenhafte Hochzeit statt. Die ganze Welt ist entzückt über die bildschöne Braut mit den smaragdgrünen Augen und ihrem prächtigen Kleid, bestickt mit unzähligen Diamanten und einer zehn Meter langen Schleppe. Allerdings erschüttern politische Unruhen das Land und die Geburt eines sehnlichst erwarteten Thronfolgers bleibt aus.

Brigitte Janson hat für diesen zauberhaften Roman eingehend recherchiert und einen ausgezeichneten Mittelweg gefunden zwischen Realität und Fiktion. Eingehend schildert sie detailliert und glaubhaft einzelne Szenen und beschränkt sich dabei auf Wesentliches, auch wenn dadurch manchmal einige Monate übersprungen werden, sodass die Geschichte stets kurzweilig und interessant zu lesen ist. Sorayas Einsatz bei karitativen Projekten wird besonders deutlich hervorgehoben, der über Jahre und große Entfernung andauernde Kontakt zu ihrer Freundin in Deutschland ist sehr stimmig im Sorayas Welt eingebettet und gibt ihr Halt, wenn sie ihrem Platz als Prinzessin gerecht werden muss und Haltung bewahrt werden will, ungeachtet ihrer tatsächlichen Stimmung. Allerdings ist es nicht der Schah selbst, der sämtliche Entscheidungen trifft, sondern seine Familie, allen voran die Mutter, welche in gewissen Belangen die Fäden zieht und auf einen Thronfolger pocht, egal mit welchen Mitteln. Das Märchen nimmt eine traurige Wendung …

Ein angenehmer Schreibstil und das Herausgreifen wesentlicher Stationen in Sorayas Leben, vermischt mit einigen erdachten romanhaften Elementen, lassen die damalige Zeit lebendig werden und die Unterschiede der beiden Welten, zwischen denen sich Soraya bewegt, deutlich werden.


Titel Soraya
Autor Brigitte Janson
ASIN B09XFH97VJ
Sprache Deutsch
Ausgabe ebook, ebenfalls erhältlich als Taschenbuch (368 Seiten)
Erscheinungsdatum 26. Jänner 2023
Verlag Ullstein

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 30.04.2023

Klotten an der Mosel

Mörderfinder – Mit den Augen des Opfers
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Bei seinem dritten Fall verschlägt es Max Bischoff nach Klotten an der Mosel, da Hauptkommissarin Eslem Keskin persönlich um Hilfe bittet. Eine an Krebs verstorbene gute Freundin hinterlässt sonderbare ...

Bei seinem dritten Fall verschlägt es Max Bischoff nach Klotten an der Mosel, da Hauptkommissarin Eslem Keskin persönlich um Hilfe bittet. Eine an Krebs verstorbene gute Freundin hinterlässt sonderbare Tagebucheinträge, zudem gab es im Dorf zweiundzwanzig Jahre zuvor einen ungeklärten Vermisstenfall.

Ebenso spannend wie gewohnt, beginnt dieser dritte Fall, auch die Auflösung kommt unerwartet, allerdings gibt es im Hauptteil einige Längen. Nicht nur Max Bischoff stellt Fragen, aufgrund eines aktuellen Mordes ermittelt auch die hiesige Polizei und so werden stets dieselben Einwohner mehrfach interviewt, niemand scheint einen Schritt weiterzukommen. Die Meinungsverschiedenheiten zwischen den wesentlichen Figuren sind passend, aber manchmal vielleicht ein bisschen zu viel des Guten, zu sehr lenken sie von der eigentlichen Handlung ab, die leider nicht so recht vorankommt. Dennoch sind die Hintergründe interessant, die Personen sehr gut charakterisiert und der Schreibstil wie immer flüssig und ansprechend. Den Leser zu überraschen, das schafft Strobel allemal und so ist auch dieser Band der Reihe Mörderfinder trotz allem lesenswert.

Ich habe den Ausflug an die Mosel jedenfalls genossen und warte neugierig auf einen weiteren Fall mit Max Bischoff.


Titel Mörderfinder - Mit den Augen des Opfers
Autor Arno Strobel
ASIN B0BJNP5JY2
Sprache Deutsch
Ausgabe ebook, ebenfalls erhältlich als Taschenbuch (352 Seiten)
Erscheinungsdatum 22. Februar 2023
Reihe Mörderfinder
Verlag Fischer

Veröffentlicht am 29.04.2023

Mord ohne Motiv

Mörderfinder – Die Macht des Täters
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Katharina Baumann, Polizistin in Max Bischoffs ehemaliger Dienststelle KK11, sucht einen Privatermittler, da ihr Neffe des brutalen Mordes an einer jungen Frau beschuldigt wird. Tatsächlich sprechen alle ...

Katharina Baumann, Polizistin in Max Bischoffs ehemaliger Dienststelle KK11, sucht einen Privatermittler, da ihr Neffe des brutalen Mordes an einer jungen Frau beschuldigt wird. Tatsächlich sprechen alle Indizien gegen den 22jährigen, während Baumann von seiner Unschuld überzeugt ist. Noch bevor Bischoff sich in den Fall einarbeiten kann, nimmt sich der mutmaßliche Täter das Leben, ob als Eingeständnis seiner Schuld oder aus Verzweiflung, ist unklar.

Mit einem packenden Prolog eröffnet Arno Strobel Max Bischoffs zweiten Fall als privater Analytiker und Ermittler. Die Umstände des Mordes sind rätselhaft, die Fakten scheinen klar und doch passt nichts zusammen, ein Motiv ist schon gar nicht zu finden. Noch bevor Bischoff irgendwelche Informationen zusammentragen kann, stößt er auf Widerstand bei der neuen Leiterin des KK11, Kriminalrätin Eslem Keskin, die keinesfalls mit einem Zivilisten zusammenarbeiten will. Allein Ex-Kollege Horst Böhmer lässt ihm so manches Wissen zukommen, aber auch mit diesen Angaben gibt es kaum ein Fortkommen.

Spannend und mysteriös sind die Details, die nach und nach aufkommen, Bischoff selbst wird aufgrund seiner kruden Theorien von kaum jemandem mehr ernst genommen und schlittert in einen gefährlichen Zustand, scheint unter Erfolgsdruck und Schlafmangel zu leiden. Interessante neue Figuren und ein fesselndes Hintergrundthema lassen auch diesen zweiten Fall wieder zu einem tollen Leseerlebnis werden und Vorfreude aufkommen auf einen weiteren Teil der Mörderfinderreihe.

Titel Mörderfinder, Die Macht des Täters
Autor Arno Strobel
ASIN B09JVSTHCB
Sprache Deutsch
Ausgabe ebook, ebenfalls erhältlich als Taschenbuch (368 Seiten)
Erscheinungsdatum 9. März 2022
Reihe Mörderfinder
Verlag Fischer

Veröffentlicht am 16.04.2023

In Württemberg

Die russische Herzogin (Die Zarentöchter-Saga 3)
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Die russische Zarentochter Olga lebt seit etlichen Jahren mit ihrem Ehemann, Thronfolger Karl, im württembergischen Stuttgart. Ihr Patenkind Wera in Petersburg ist ein schwieriges und stürmisches Kind, ...

Die russische Zarentochter Olga lebt seit etlichen Jahren mit ihrem Ehemann, Thronfolger Karl, im württembergischen Stuttgart. Ihr Patenkind Wera in Petersburg ist ein schwieriges und stürmisches Kind, niemand wird der Kleinen Herr und so entsteht die Idee, dass Olga, selber kinderlos geblieben, sich des neunjährigen Wildfanges annehmen soll. Nach einer langen Reise kommt Wera in deutschen Landen an und versetzt sogleich alle Erwachsenen in Angst und Schrecken. Erst nach und nach kann sich Olga in das ungestüme Wesen hineinversetzen, aber ob sie das Kind tatsächlich zu einer würdigen Großfürstin wird erziehen können?

Wie gewohnt, erzählt Petra Durst-Benning warmherzig und gefühlvoll. Bestens recherchiert und mit romanhaften Elementen ergänzt, schildert sie das Leben Olga Romanowas, der Tochter des Zaren Nikolaus I. in ihrer neuen Heimat, nachdem deren Jugendjahre bereits Eingang gefunden haben in den Vorgängerband „Die Zarentochter“. Mit der Unterstützung von Kinderheimen und anderen wohltätigen Veranstaltungen füllt Olga ihre Tage, viel Freude bereitet ihr ihre Sommerresidenz, die sie selber nach südländischen und russischen Vorbildern mitgestaltet hat. Eine große, neue Herausforderung wartet auf sie, als Wera in Stuttgart eintrifft, ganz anders, als man sich eine Tochter der Zarenfamilie vorstellt. Gar nicht willens, sich an die ungewohnte Umgebung und fremde Gepflogenheiten anzupassen, lehnt sich Wera auch hier gegen alles auf, was von ihr verlangt wird.

Bildhaft und gut vorstellbar verpackt die Autorin Olgas und Weras Biografie in diesen Roman, realistische Szenen erwachen vor des Lesers geistigem Auge und rasch verliert man sich im herrschaftlichen Leben am Hof im 19. Jahrhundert. Der Gegensatz zum Dasein der einfachen Bediensteten könnte größer nicht sein, recht anschaulich arbeitet Durst-Benning dies am Beispiel der Wäschertochter heraus, mit der sich Wera irgendwann anfreundet. Detaillierte Beschreibungen von Stuttgart, dem Württemberg, dem Rosensteinpark und etlichen anderen Schauplätzen lassen das Lesen zu einem wahren Vergnügen werden, wunderschöne Örtlichkeiten, die Trost spenden sollen, wenn das Leben sich von seiner düsteren Seite zeigt. Davon nämlich bleiben Olga und Wera keineswegs verschont, auch wenn sie sich manchmal etwas naiv das Offensichtliche schönzureden versuchen.

Nach „Die Zarentochter“ habe ich mich schon auf diese Fortsetzung der Geschichte gefreut, welche ebenfalls für unterhaltsame und interessante Lesestunden bürgt.

Titel Die russische Herzogin
Autor Petra Durst-Benning
ASIN B0050K1OEG
Sprache Deutsch
Ausgabe ebook,
ebenfalls erhältlich als Taschenbuch (512 Seiten), Geb. Buch und Hörbuch
Erscheinungsdatum 17. Februar 2012
Verlag Ullstein
Reihe Die Zarentöchter-Saga, Teil 3

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