Profilbild von coala

coala

Lesejury Star
offline

coala ist Mitglied der Lesejury

Melde dich in der Lesejury an, um dich mit coala über deine Lieblingsbücher auszutauschen.

Anmelden

Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 26.06.2017

Willkommen in der Dunkelheit

Das Geflecht
0

Bei einer verbotenen Party in einem stillgelegten Bergwerk stürzen zwei Jugendliche in eine unerforschte Höhle. Durch Zufall ist die Höhlenforscherin Tia Everdeen in der Stadt, die zugleich ihre Hilfe ...

Bei einer verbotenen Party in einem stillgelegten Bergwerk stürzen zwei Jugendliche in eine unerforschte Höhle. Durch Zufall ist die Höhlenforscherin Tia Everdeen in der Stadt, die zugleich ihre Hilfe bei der Bergung anbietet. Sie ist im Bereich der Höhlenkletterei eine Expertin, verlässt sie sich durch ihre Blindheit doch ganz auf ihre verbliebenen vier Sinne. Schnell ist der erste Jugendliche geborgen. Doch das Mädchen Dana sitzt in einer Felsspalte fest und die Bergung verzögert sich. An der Erdoberfläche sammeln sich die Suchmanschaft und Angehörige. Doch nicht jeder möchte, dass alle unversehrt an die Oberfläche zurückfinden. Gerade als sich der Freund von Dana verzweifelt zurück in die Höhle stürzt, um seine Freundin zu retten, bricht der Eingang zusammen und 4 Menschen sind in der Dunkelheit gefangen. Sie müssen sich schleunigst einen neuen Ausweg suchen, denn sie sind nicht sicher in den unerforschten Gängen des Bergwerkes...

Mit „Das Geflecht“ legt Andreas Laudan ein solides Werk vor. Dadurch dass die Handlung in völliger Dunkelheit meterweit unter der Erdoberfläche spielt, stellt sich von ganz alleine ein beklemmendes Gefühl ein. Auch die Thematik des Buches besticht durch Aktualität. Durch die sehr realistischen Beschreibungen der Protagonisten ist der Leser nah am Geschehen. Besonders die blinde Tia beschreibt ihre Empfindungen sehr realitätsnah, kann sie sich doch von jeher nicht auf ihre Sehkraft verlassen. Sie ist es auch, die trotz der Blindheit der Handlungen immer einen Schritt voraus ist uns selten im Dunkeln tappt. Diese Weitsicht nimmt man ihr jedoch in jeder Situation ab, hat sie sich doch alleine durch das Leben gekämpft. Auch die anderen Personen im Buch sind sehr gut dargestellt, wenn auch sie teilweiße etwas flach bleiben. Besonders bei den 4 Verschütteten merkt man jedoch im Verlauf der Handlung eine deutliche Charakterentwicklung. Auch die Beziehung der Protagonisten zueinander wird realistisch dargestellt und entwickelt sich weiter.

Der Schreibstil von Laudan ist fesselnd und flüssig zu lesen. Die Handlung war gut durchdacht und aufgebaut, aber leider für den geübten Thriller-Leser nicht sehr innovativ und teilweiße recht vorhersehbar. Spannung war zwar vorhanden, jedoch hatte das Buch teilweise ein paar Längen. Diese fielen jedoch durch den konstanten Sichtwechsel zwischen den vielen Protagonisten nicht sehr auf. Wer nervenzerreißende Spannung von Anfang bis Ende sucht, ist mit diesem Buch sicherlich falsch beraten. Sucht man jedoch einen gut recherchierten Thriller, aus dem nicht an jeder Ecke Blut tropft und sämtliche Eckel-Grenzen überschritten werden, findet an diesem Buch Freude. Eine angenehme Abwechslung zum aktuellen Horror-Trend.

Veröffentlicht am 26.06.2017

Alles ist besser als wegzusehen

Elefanten sieht man nicht
0

Als sie Julia und Max zum ersten Mal auf dem Spielplatz begegnet, fallen Mascha zugleich diese merkwürdigen Flecken bei den beiden auf, die sie sich einfach nicht erklären kann. Durch Zufall blickt sie ...

Als sie Julia und Max zum ersten Mal auf dem Spielplatz begegnet, fallen Mascha zugleich diese merkwürdigen Flecken bei den beiden auf, die sie sich einfach nicht erklären kann. Durch Zufall blickt sie dann eines Tages durch das Fenster vom Haus der beiden und kann nicht glauben was sie sieht. Ihre schlimmsten Befürchtungen werden bestätigt. Sogleich berichtet sie ihren Großeltern von ihrer grausamen Entdeckung, aber wer glaubt schon einer 13-jährigen. Es scheint jedoch, als ob das ganze Dorf eine Ahnung hat, nur jeder schaut weg. Doch Mascha kann einfach nicht wegschauen und beschließt zu handeln. Denn alles ist besser, als wegzusehen'

Elefanten sieht man nicht! Lieber wegschauen, ehe man selber Probleme bekommt. So scheint es jedenfalls die Gemeinde zu sehen, in der die Großeltern von Masha wohnen. Das Setting, welches Susan Kreller zeichnet, erscheint leider allzu real. Und man fragt sich nicht nur einmal, warum wird nur weggeschaut. Des Öfteren möchte man Personen einfach nur wachschütteln und ihnen die Augen öffnen. Durch die kindliche Unbekümmertheit und Weltsicht wird das schwierige Thema Kindesmisshandlung sehr schonend und trotzdem realistisch präsentiert. Die recht einfache Kindersprache spitzt die Schwere dieses Verbrechens noch zu. Die etwas kindlich unbeholfenen Beschreibungen der Situation durch Julia und besonders Max appellieren sehr an das Mitgefühl. Mascha beweist als einzige mit ihren 13 Jahren Zivilcourage und versucht auf ihre Weise zu helfen.

Ein Buch welches durch seine Aktualität besticht! Nicht nur durch das Thema Kindesmissbrauch, welches leider immer wieder in den Medien vertreten ist. Ebenso wird Zivilcourage immer häufiger diskutiert, auch wenn dies durch einen tragischen Vorfall ausgelöst wurde. Schau hin und blicke nicht weg, möchte bei jedem Kapitel erneut schreien. Kreller wirft interessante Fragen auf, die jeder nach dieser Lektüre für sich selber beantworten muss. Ein Buch welches auch noch Tage nach dem Beenden nachwirkt und zum Nachdenken anregt.

Veröffentlicht am 26.06.2017

Bewegend und absolut fesselnd

Boys Love
0

Mamiya ist Redakteur bei einer Zeitschrift und freut sich über seinen ersten großen Auftrag. Dafür soll er das berühmte Highschool-Model Noeru interviewen, der ebenso ein begabter Maler ist. Als er Noeru ...

Mamiya ist Redakteur bei einer Zeitschrift und freut sich über seinen ersten großen Auftrag. Dafür soll er das berühmte Highschool-Model Noeru interviewen, der ebenso ein begabter Maler ist. Als er Noeru trifft, ist er jedoch schockiert. Noeru ist unfreundlich, protzig und alles andere als kooperativ. Es stellt sich heraus, dass er jede Nacht im Bett eines anderen Mannes verbringt und für seinen ausschweifenden Lebensstil auch die Schule vernachlässig. Mamiya jedoch lehnt die sehr eindeutigen Annäherungsversuche Noerus vehement ab. Vielmehr ist er betroffen, wie dieser Junge Mensch sein Leben wegwirft. Er erkennt die Einsamkeit hinter Noerus Handlungen und versucht hinter seine harte Schale zu dringen. Nach und nach beginnt Noeru langsam Vertrauen zu Mamiya zu schöpfen und öffnet sich ihm gegenüber. Und Mamiya erfährt die tragischen Umstände, die zu Noerus Verhalten führen, bis das Schicksal erneut grausam zuschlägt.

Der Manga, der auf einem japanischen Film basiert, besticht durch eine Intensität, wie sie bei Büchern selten zu finden ist. Mit sehr zarten und gefühlvollen Zeichnungen hat Kaim Tachibana eine Liebesgeschichte gezeichnet, die sich sehr langsam entwickelt. In kleinen Schritten nähern sich die beiden an und es ist nicht wie so oft die große Liebe auf den ersten Blick. Besonders Noeru hat eine sehr tragische Vergangenheit, die erst nach und nach aufgearbeitet werden muss. Die beiden Hauptfiguren wachsen einem sehr ans Herz, da ihre Handlungen durch die Hintergründe nachvollziehbar und realistisch erscheinen.

Die Tragik der Geschichte zeigt sich in langsamen Schritten und wird intensiver von Seite zu Seite. Die am Anfang noch etwas leichte Handlung entwickelt trotz der wenigen Seiten eine erstaunliche Tiefe. Der Manga verpackt eine beträchtlich ernste und melancholische Geschichte, die man so wahrscheinlich nicht erwartet. Die unerwarteten Wendungen in der Geschichte sind dramatisch. Selten vermag ein Manga solch starke Gefühle hervorzurufen, das der ein oder andere Leser sicherlich zum Taschentuch greifen muss.

Veröffentlicht am 26.06.2017

Fesselnder Bericht über die Katastrophe von Tschernobyl und die Geheimdienstarbeit zu Zeiten des kalten Krieges

Ich war im Sarkophag von Tschernobyl
0

"Sie waren vier. Der Ingenieur. Der Physiker. Der Sicherheitsoffizier. Der General. Der erste starb nach vier Minuten. Einer hat überlebt. Er hat dieses Buch geschrieben."

Passend zum 25. Jahrestag der ...

"Sie waren vier. Der Ingenieur. Der Physiker. Der Sicherheitsoffizier. Der General. Der erste starb nach vier Minuten. Einer hat überlebt. Er hat dieses Buch geschrieben."

Passend zum 25. Jahrestag der atomaren Katastrophe von Tschernobyl erscheint der Bericht dieses Überlebenden: Anatoly N. Tkachuk. Durch die die Atomkatastrophe in Japan gewinnt das Buch leider an trauriger Brisanz und Aktualität.

Die erste Hälfte des Buches beschäftigt sich allerdings mit den Geheimdienstaktivitäten zu Zeiten des kalten Krieges. Man taucht ein in die Geschichte eines russischen KGB Offiziers, der ausländische Spione überwacht und die undichten Stellen im eigenen System sucht. Er schildert die Zeit nach der Katastrophe aus nächster Nähe und berichtet über die Schrecken in der Bevölkerung. Tkachuk wiederum gehört zu den Geheimdienst-Offizieren, die die Gefahren nach der Katastrophe einschätzen müssen. Dafür begibt er sich in die Tiefen des Kernkraftwerkes.

Das Buch gleicht mehr einem Roman denn einem Fachbuch und liest sich daher sehr angenehm. Durch den etwas anderen Stil vermag das Buch trotz des sehr schweren und bedrückenden Themas zu fesseln. Abseits der üblichen Berichte über den Atomunfall von Tschernobyl bekommt man im Buch den Bericht eines Überlebenden, der vor Ort war. Erschreckend real klärt das Buch über die Gefahren von Atomkraft und die Schwerwiegenden Folgen auf. Ebenso bekommt man einen sehr interessanten Einblick in die Geheimdienstarbeit zu Zeiten des kalten Krieges und das ständige Klima des gegenseitigen Misstrauens und der Vorurteile.

Durch sehr einprägsame und tiefsinnige Gedanken, die an Aktualität auch die nächsten 25 Jahre nicht verlieren, überzeugt das Buch an vielen Stellen. Aufgelockert wird alles durch viele Fotos, Dokumente und Zeitungsberichte. Auch auf die aktuellen Geschehnisse und Planungen bezüglich des Reaktors wird eingegangen. Man bekommt einen sehr guten Einblick in die Vergangenheit und einen Ausblick auf die Zukunft.

Ein fesselndes Buch, welches durch einen authentischen Augenzeugenbericht über die Atomkatastrophe von Tschernobyl aufklärt und auf die Gefahren und Folgen von Atomkraft hinweist.

Veröffentlicht am 26.06.2017

Lehrerkind welcher Stufe bist du?

Lehrerkind
0

Bastian ist ein Lehrerkind der Stufe 3 - bedeutet: "Kinder dieser unheilvollen Verbindung zweier Lehrer, die dann noch in den zweifelhaften Genuss kommen, auf der Schule der eigenen Eltern ihre Zeit abzureißen, ...

Bastian ist ein Lehrerkind der Stufe 3 - bedeutet: "Kinder dieser unheilvollen Verbindung zweier Lehrer, die dann noch in den zweifelhaften Genuss kommen, auf der Schule der eigenen Eltern ihre Zeit abzureißen, haben nichts zu lachen. Konstant nichts zu lachen."

Und getreu diesem Motto berichtet er ohne Schamgefühl über sämtliche Stationen seiner Kindheit. Überzeugte er schon als Kleinkind als perfekter Klugscheißer, entführt er uns durch sämtliche Stationen seiner Schullaufbahn. Vom Tag, als sich seine Schultüte auf den Schulhof übergab bis zum Sportunterricht, der für den dicklichen Bastian sämtliche Vorstufen zu Hölle bereit hielt. Kein Tiefpunkt seines Lebens wird ausgelassen. Dazu zählen ebenso das erste Date sowie der Bildungsurlaub im russischen Hinterland. Auch das alltägliche Leben mit zwei Lehrern kommt nicht zu kurz und wir nehmen teil an den teilweise recht fragwürdigen Erziehungsexperimenten seiner Eltern. Mit Beendigung der Schule hat das Leiden jedoch kein Ende, denn auch der Zivildienst und die ersten Versuche, selber der Lehrer zu sein, werden beleuchtet und bieten weiterhin viel komödiantisches Potential.

Besonders all die Lehrerkinder da draußen werden sehr viele Parallelen zu ihrem eigenen Leben finden, auch wenn sie nicht gleich mit 2 Pädagogen-Eltern bestraft sind. Und auch all die anderen Glücklichen, die von diesem harten Schicksal verschont wurden, werden viele Situationen aus der eigenen Vergangenheit wiedererkennen. Es werden doch ebenso sämtliche traumatische Erlebnisse geschildert, die ein dickes Kind während der Schulzeit überleben muss. Dabei reiht sich eine Peinlichkeit an die andere. Dies ist zum einen die Stärke des Buches, da man oft mit dem Schmunzeln nicht mehr aufhören kann. Auf der anderen Seite ist dies jedoch auch die Schwäche, da nicht wirklich eine Handlung, geschweige denn Spannung aufkommen will. Man kann das Buch getrost nach der Hälfte aus der Hand legen, und hat das Gefühl, trotzdem nichts verpasst zu haben. Prinzipiell wird jedes Klischee bedient und teilweise wirkt alles etwas zu überspitzt. Die leichte Sprache aus dem Alltag erleichtert jedoch den Lesefluss, sodass man zügig voran kommt. Eingeschobene Analysen verschiedener Lehrertypen lockern die Geschichte auf, wissen jedoch nur teilweise zu überzeugen.

Insgesamt ein amüsantes Buch mit leichten Schwächen, welches sicherlich bei so vielen Erinnerungen an die eigene Schulzeit hervorruft. Man endet auf jeden Fall mit dem beruhigenden Gefühl, dass das eigene Leben doch herrlich normal verlaufen ist.