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Veröffentlicht am 26.12.2024

Wenn der Berg sich zu Wort meldet

Kohle, Stahl und Mord: Das 13. Opfer
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In Conraths neuestem Roman werden in einem Stollen der Zeche Ludwig in Essen nach Erdbewegungen die Knochen von zwölf Bergleuten gefunden, die 34 Jahre zuvor bei einer Explosion ums Leben gekommen waren ...

In Conraths neuestem Roman werden in einem Stollen der Zeche Ludwig in Essen nach Erdbewegungen die Knochen von zwölf Bergleuten gefunden, die 34 Jahre zuvor bei einer Explosion ums Leben gekommen waren und nie gefunden worden sind. Die große Überraschung bei dem Fund ist, dass es ein 13. Opfer gibt – mit einem Kopfschuss. Der Bergmann Werner Flemming, der damals das Unglück überlebte, findet den Schädel und ist retraumatisiert. Kommissarin Elin Akay übernimmt den Fall mit ihrem Kollegen Holger und arbeitet mit ihrer Freundin Jana Fäller, einer forensischen Psychiaterin zusammen. Auch Janas Vater war Bergmann, ist aber inzwischen verstorben. Die Ermittlungen gestalten sich langwierig und schwierig, zumal Oberstaatsanwalt Küppersbusch die Polizisten aus zunächst unerfindlichen Gründen immer wieder ausbremst. Das Opfer wird schon bald identifiziert – Rudolf Mergent, ein gefährlicher Mann, der zahlreiche Kumpel um ihre Ersparnisse betrogen hat. Die Zeugen erinnern sich nach der langen Zeit nicht oder wollen nicht aussagen. Immer wieder gibt es neue Verdächtige, die ein Motiv gehabt haben könnten, sei es Geld oder Liebe.
Mir hat die spannende, wendungsreiche Geschichte sehr gut gefallen. Die Auflösung konnte ich nicht erraten. Neben der gut konstruierten Krimihandlung beeindruckt mich die hervorragende Charakterzeichnung und die gute sprachliche Qualität des Romans, aber auch die kenntnisreiche, gut recherchierte Darstellung des Bergbaus mit seinen immer drohenden Gefahren und den mystischen Elementen der Arbeit unter Tage. Ich habe einiges gelernt, was ich nicht wusste, obwohl ich mein ganzes Leben lang in der Region gelebt habe. Ein sehr empfehlenswerter Roman.

Veröffentlicht am 23.11.2024

Ein Roadtrip mit Selbstfindung

Das perfekte Grau
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In Salih Jamals Roman “Das perfekte Grau“ nehmen vier sehr unterschiedliche Personen einen schlechtbezahlten Job in einem heruntergekommenen Hotel an der Ostsee an: die etwas ältere, aber sehr attraktive ...

In Salih Jamals Roman “Das perfekte Grau“ nehmen vier sehr unterschiedliche Personen einen schlechtbezahlten Job in einem heruntergekommenen Hotel an der Ostsee an: die etwas ältere, aber sehr attraktive Engländerin Mimi, die junge Novelle mit ihren vielen Tätowierungen, die immer wieder zu viel trinkt, der Afrikaner Rofu, dem man ein Ohr abgeschnitten hat und der Erzähler (D)Ante, ein Dieb. Alle sind in ihrem Leben aus unterschiedlichen Gründen gescheitert, alle sind auf der Flucht - auf der Suche nach einer neuen Heimat und nach einer Lebensperspektive. Irgendwann verlassen sie das Hotel und machen sich mit einem gestohlenen Boot auf den Weg, danach nehmen sie auch den Zug oder laufen tagelang zu Fuß. Später ist ihr Ziel Salzburg und dann Altötting, der Heimatort von Novelle. Im Laufe der Reise öffnen sie sich gegenüber den anderen und erzählen einander ihre Geschichte. Vor allem Novelle, Rofu und Mimi sind traumatisiert von ihrer Vergangenheit, aber auch während der Reise passieren noch schlimme Dinge. Allmählich entwickeln sich in der Gruppe Freundschaft und Nähe. Sie vertrauen einander und übernehmen Verantwortung für die anderen. Sie erkennen sich selbst, verstehen vor allem, dass man nicht ewig vor den Dämonen in seinem Inneren auf der Flucht sein darf und sehen neue Perspektiven für ihr Leben.
Der Autor behandelt in seinem Roman eine Reihe von Themen, zum Beispiel Missbrauch und Gewalt in Beziehungen, das Schicksal der Flüchtlinge, Homophobie und vor allem die Bedeutung von Empathie in unserem Leben. Wir dürfen nicht egoistisch nur um uns selbst kreisen, sondern müssen Verantwortung übernehmen, uns fürsorglich um andere kümmern. („Mitgefühl wurde zu Fürsorge und Toleranz zu Selbstlosigkeit.“ S. 184). Es geht in diesem Buch jedoch nicht nur um ernste Themen. Auch für Humor und Sprachwitz ist Platz, zum Beispiel in Rofus sprachlichen Missverständnissen, die auf mangelnder Beherrschung der deutschen Sprache beruhen. Gut haben mir auch die vielen tiefsinnigen Gedanken und Lebensweisheiten gefallen. Ein ungewöhnlicher, nicht immer leicht zu lesender, aber dennoch empfehlenswerter Roman.

Veröffentlicht am 18.11.2024

Geschehnisse im Dunkeln

Das Haus der Bücher und Schatten
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Der neue Roman von Kai Meyer spielt auf zwei Zeitebenen, 1913 und 1933. Die Geschichte beginnt mit dem Jahr 1933. Kommissar Cornelius Frey wurde aus dem Polizeidienst entlassen, weil er nach einem Massaker ...

Der neue Roman von Kai Meyer spielt auf zwei Zeitebenen, 1913 und 1933. Die Geschichte beginnt mit dem Jahr 1933. Kommissar Cornelius Frey wurde aus dem Polizeidienst entlassen, weil er nach einem Massaker an fünf Nazis nicht – wie gefordert – Kommunisten als Täter lieferte, sondern korrekt ermittelte. Inzwischen arbeitet er als Nachtwächter im Graphischen Viertel in Leipzig. Eines Abends verhindert er den Selbstmord eines jungen Mädchens, das sich Undine Malatesta nennt, in Wirklichkeit Emilie Abel heißt. Einen Tag später wird sie zusammen mit Freys früherem Kollegen Zirner erschossen aufgefunden. Frey wird wiedereingestellt, soll aber erneut Kommunisten als Täter dingfest machen. Auf die Wahrheit kommt es nicht an.
Auf der zweiten Handlungsebene reist die junge Lektorin Paula mit ihrem Verlobten Jonathan ins Baltikum, um im Auftrag des Verlegers das neueste Manuskript des berühmten Autors Aschenbrand abzuholen, der sich auf dem Landsitz einer reichen Familie einquartiert hat. Im Haus lebt zu der Zeit nur die Haushälterin Rasa. Es sind gefährliche Zeiten, denn man rechnet mit dem baldigen Angriff der Russen.
Der Roman erzählt vor dem historischen Hintergrund von damaligen Verbrechen gegen die Einheimischen im Baltikum und aktuellen Taten im Zusammenhang mit Judenhass, Okkultismus, Verschwörern aller Art und seltsamen Freimaurerlogen, die u.a. junge Mädchen ausbeuten. Auch die ermordete Amelie war in diesem Milieu tätig. Frey geht verschiedenen Spuren nach, gerät selbst in lebensbedrohliche Situationen und kann den Fall schließlich lösen. Dadurch werden für den Leser auch die personellen Verquickungen der geschilderten 20 Jahre auseinanderliegenden Ereignisse deutlich. Der Roman ist überwiegend spannend und klärt den Leser nicht nur über Geschehnisse im Zusammenhang mit den Baltendeutschen in Livland auf, sondern schafft auch wieder gekonnt mit Hilfe seiner besonderen Sprache eine düstere, teilweise mystische Atmosphäre. Mir hat das Buch insgesamt trotz einiger Längen gut gefallen.

Veröffentlicht am 18.11.2024

Geld regiert die Welt

Wir finden Mörder (Wir finden Mörder-Serie 1)
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Amy Wheeler arbeitet als Personenschützerin bei Maximal Impact Solutions und ist zu Beginn des Romans Bodyguard für die berühmte, sehr reiche Schriftstellerin Rosie d´Antonio, die ins Visier des russischen ...

Amy Wheeler arbeitet als Personenschützerin bei Maximal Impact Solutions und ist zu Beginn des Romans Bodyguard für die berühmte, sehr reiche Schriftstellerin Rosie d´Antonio, die ins Visier des russischen Chemie-Oligarchen Wassili Karpin geraten ist. Sie leben auf einer kleinen Insel vor der amerikanischen Westküste. Dann werden innerhalb kurzer Zeit ganz in der Nähe drei Influencer, Kunden von Amys Firma ermordet und Amy versteht, dass sie selbst in größter Gefahr ist. Währenddessen erhält ihr Chef Jeff Nolan bedrohliche Botschaften von einem Unbekannten namens Francois Loubet. Amy und Rosie verlassen die Insel und begeben sich auf eine lange Reise, die sie nach St Lucia, Irland, den New Forst und nach London führt. Amy hat inzwischen ihren Schwiegervater Steve um Hilfe gebeten, einen pensionierten Kommissar, der gelegentlich als Privatdetektiv arbeitet und ansonsten seinen Ruhestand in einem kleinen Ort genießt, vor allem das wöchentliche Pub-Quiz. Steve ermittelt für sie in Dubai, gerät selbst in Lebensgefahr und findet heraus, wer hinter den Auftragsmorden steckt. Es geht um Geldwäsche, wobei riesige Summen von Mittelsmännern um die Welt transportiert werden.
Der Leser hat etwas Mühe, den zahlreichen Handlungselementen und den vielen Spuren zu folgen, vor allem bei der Personenvielfalt den Überblick zu behalten. Die Charakterisierung der wichtigsten Figuren ist gelungen, und es gibt witzige Dialoge und Episoden. Ich finde allerdings den Auftakt dieser neuen Krimireihe von Richard Osman wirr und nicht besonders spannend und längst nicht so gelungen wie die Romane um den Donnerstagsmordclub. Vor allem stört mich die sprachliche Qualität der Übersetzung ganz entschieden: rausspitzen, wepsig, sündteuer, ableugnen, selbe Tasche, Irrsinns-Massel, in der Umgegend, zurzeit, sonst wie erbeuten, Fez haben, eine dermaßene Ehre, auf den Rücken klapsen, usw. usf. Soll das Deutsch sein? Für mich ist das Buch eine Enttäuschung.

Veröffentlicht am 18.11.2024

Der Geschmack von Blut

The Killer Profile
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Midnight Jones ist Datenanalystin bei der Firma Necto Corporation in London. Sie wertet psychometrische Tests aus, mit denen das Verhalten und die Kompetenzen von Bewerbern getestet werden können. Eines ...

Midnight Jones ist Datenanalystin bei der Firma Necto Corporation in London. Sie wertet psychometrische Tests aus, mit denen das Verhalten und die Kompetenzen von Bewerbern getestet werden können. Eines Tages stößt sie zum ersten Mal überhaupt auf das Profil K., das Profil eines Serienkillers. Als sie ihre Vorgesetzte darüber informiert, glaubt man ihr nicht und erinnert sie an die Vertraulichkeitsvereinbarung. Wenn sie mit irgendjemand darüber spricht, verliert sie ihre Existenzgrundlage und die Möglichkeit, sich weiterhin um ihre seit der Geburt psychisch und körperlich behinderte Zwillingschwester Dawn zu kümmern. Ihre Eltern haben die jungen Mädchen vor Jahren sich selbst überlassen und reisen seitdem um die Welt. Dann geschehen in ihrem Viertel innerhalb kurzer Zeit zwei grausame Morde an jungen Frauen und Midnight begreift, dass sie das nächste Opfer sein könnte, weil sie den Täter eventuell identifizieren könnte. Midnight kann sich nun verstecken oder fliehen, entscheidet sich aber dafür, weiter nach dem Mörder zu suchen, um zu verhindern, dass weitere Frauen getötet werden. Irgendwann informiert sie dann doch die Polizei, aber auch hier nimmt man sie nicht ernst, weil sie längst als Verrückte mit Wahnvorstellungen diskreditiert worden ist.
Der Leser verfolgt ihre Suche, bei der sie selbst in Lebensgefahr gerät und sieht die Geschehnisse auch aus der Sicht des Täters. Die Beschreibungen der grausamen Videos, die Teil des Tests waren und nun den Psychopathen zu Nachahmungstaten inspirieren, sowie die Details der beiden Morde sind harte Kost. Mir war das teilweise zu viel des Guten. Überwiegend spannend ist der Thriller jedenfalls.