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Veröffentlicht am 14.09.2018

Höllisch gut!

Luzifer junior – Teil 4: Der Teufel ist los
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Luzi vermisst immer noch seinen Vater, den Chef der Hölle. Außerdem fürchtet er, daß Onkel Gabriel sein Stellvertreter-Höllenjob auf Dauer zu viel wird! Er muss ihn unbedingt wieder finden. Wie gut, daß ...

Luzi vermisst immer noch seinen Vater, den Chef der Hölle. Außerdem fürchtet er, daß Onkel Gabriel sein Stellvertreter-Höllenjob auf Dauer zu viel wird! Er muss ihn unbedingt wieder finden. Wie gut, daß gerade jetzt der Ober-Tüftler der Hölle, Steven, einen neuen Hinweis hat. Luzifer senior ist in eine Radarfalle geraten, in der Bretagne. Für Luzi steht sofort fest, daß er dorthin muß. Natürlich sind seine Freunde Aaron, Lily und Gustav sofort entschlossen ihn auf der Suche zu begleiten, ebenso wie sein wandlungsfähiger Dämon Cornibus. Doch seine Freunde ausgerechnet vor den Weihnachtstagen von ihren Familien zu trennen erweist sich als komplizierter als Erwartet. Doch wo ein Wille da auch ein Weg und endlich können sie, mit Stevens neuesten Gimmicks ausgestattet, aufbrechen. Allerdings führen in Frankreich nicht alle Wege nach Rom, sondern nach Paris und da wollte Lily ja schon immer mal hin! Auch wenn dort Luzifer sen. nicht zu finden ist, schwelgen sie schon bald in ungeahnten Genüssen, erliegen diversen Missverständniss und lösen so manches Chaos aus. Es beschleicht Lily aber auch ein böser Verdacht: sie werden verfolgt!

Dieser Band bringt uns nun nicht nur Luzis Vater näher, wir kommen auch Lilys rätselhaften Kräften auf die Spur. Das ist ganz schön spannend und befeuert unsere Fantasie schon für die nachfolgenden Bände (wir hoffen, daß doch noch mehr als ein teuflisch guter Band folgen wird!). Außerdem lernen wir die Familien von Aaron, Gustav und Lilys Onkel besser kennen. Aaron ist ja schon auf Grund seines unglaublichen Wissens, seiner Intelligenz und seines Tourette-Syndroms eine Marke. Seine Eltern lieben ihn sehr, haben aber noch immer so ihre Probleme mit seiner Andersartigkeit, im Gegensatz zu seinen Freunden, die ihn so nehmen wie er ist und sich vor allem über seine Stärken freuen. Das ist richtig toll, es macht Kindern aber nicht nur Mut, sondern ist auch ein toller versteckter Appell an die Toleranz oder wie wir Rheinländer sagen: jeder Jäck is anders. Wäre doch auch langweilig, wenn wir alle gleich wären, dann wäre selbst ein Luzi nichts Besonderes mehr. Aber wer mit dem Sohn des Teufels unterwegs ist, der kann sicher sein, sich nicht zu langweilen. Denn trotz seiner Zeit im Internat, ist ihm noch vieles aus der Menschenwelt ganz fremd und Luzis Interpretation unser Welt, ist nicht nur für Kinder lustig. Diese Perspektivwechsel, kombiniert mit den Gepflogenheiten der Unterwelt, sind sehr reizvoll. Es gibt ja inzwischen viele Abenteuer Geschichten mit Helden, der Mythologie... aber Agenten aus der Hölle? Ja, man lernt sich dort unten auszukennen. Ein Onkel von Luzi ist Asrael, der Engel des Todes und als der uns letztens begegnete, rief meine Tochter sofort: Asrael, wie der Onkel von Luzi? Yep! Willkommen in der Hölle. Dem Ort, wo es für jede menschliche Sünde eine eigene passende Strafe gibt und wir lassen uns immer wieder überraschen, welche Gruppen es denn da unten noch so alles gibt, und was sie zur Strafe erleiden müssen. Das ist immer originell und mit Augenzwinkern, aber Vorsicht, Gefahr der mitlachenden autofahrenden Elternteile!

Eins beweist Autor Jochen Till auch in diesem Werk ganz klar: er hat Geschmack! Mit ihm würden wir sofort nach Paris reisen und Eclaris, Crèpes und Pain au Chocolat essen. Diese Tour durch Paris ist nicht nur witzig, sie leistet dem Interesse von Kindern an Land und Sprache sicherlich mehr Vorschub, also so manche geplante Schulaktion. Diese Folge zeugt von der Liebe des Autors für das Land und seine Köstlichkeiten, ebenso wie für seine Skepsis einiger allzu befremdlicher Spezialitäten. Außerdem lernt man einiges über die Sehenswürdigkeiten und seine Funktionen/Besonderheiten, denn Luzi ist ja was Kulturhistorie angeht noch ziemlich unbeleckt. Meine Tochter war total glücklich, mit ihrer 1. Fremdsprache Französisch im Vorteil zu sein (keine Sorge, man versteht die CD aber auch, ohne Französisch-Kenntnisse, es gab bei uns nur einen zusätzlichen Motivationsschub). Dabei ist sein Erzählstil so rasant-witzig, daß man sich fragt, wie man denn beim Lachen noch den Atem anhalten soll.

Christoph Maria Herbst ist eine tolle Wahl für dieses Hörbuch. Seine dämonischen Fähigkeiten hat er ja auf dem Bildschirm schon zur Genüge unter Beweis gestellt, aber er hat auch unweigerliche sprachliche Qualitäten als Portier, Hausmeister, oder Höllen-Agent. Da macht das Zuhören bei seiner Sprachakrobatik richtig Spaß. Trotz aller Rasanz der Handlung, kann man ihr aber auch immer gut folgen.

Eine Reihe, die bei uns ganz heiß begehrt ist, die CDs bei uns aufzutreiben, ist nicht immer so leicht, weil es 3 Zuhörerinnen im Haus gibt, die die Hörbücher über die Räume verteilen. Wir wünschen Jochen Till noch viele höllisch gute Ideen für weitere Bände, denn die vier bisherigen lieben wir!

Veröffentlicht am 11.09.2018

Macht einfach Spaß!

Mein Lotta-Leben. Da lachen ja die Hunde
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Dies ist nun schon die 14. Episode aus Lottas (6. Klasse), chaotisch-charmantem Leben. In der Schule steht zur Vorbereitung auf die nächstes Jahr beginnenden Praktika, das Thema „Die Berufe der Eltern“ ...

Dies ist nun schon die 14. Episode aus Lottas (6. Klasse), chaotisch-charmantem Leben. In der Schule steht zur Vorbereitung auf die nächstes Jahr beginnenden Praktika, das Thema „Die Berufe der Eltern“ an. Dazu sollen im Rahmen einer Projektwoche die Schüler eine Woche lang die Eltern die sich bereit erklärt haben, an ihren Arbeitsplätzen (auf-/heim-)gesucht werden. Dummerweise haben sich nicht genug Eltern gemeldet, so daß Lottas Vater, ein Grundschullehrer, sich nun doch noch nachträglich gemeldet hat. Wie peinlich! Aber immer noch besser als der Richter-Vater (superlangweilig) von Ober-Lämmer-Girl Berenike, oder Liv-Gretes Hundesalon-Mutter. Spannend versprechen dahingegen der Besuch bei Pauls Mutter auf dem Flughafen zu werden, wo sie als Leiterin der Security arbeitet und natürlich im Tierheim. Dort arbeitet Schulsozialpädagoge Herr Lobelius ehrenamtlich und Lotta und Cheyenne können endlich ihre Lieblingshunde Anton und Kalle in der Schulzeit besuchen! Denn leider wollen ja von beiden Freundinnen die Eltern auf gar keinen Fall den Hunden ein neues zu Hause geben! Die Armen, dabei sind die doch sooooo süß!

Auch nach 13 Folgen ist die 14. richtig turbolent. Wir kennen kennen ja noch nicht alle insbesondere die ersten nicht, aber das macht nichts, macht kommt wirklich schnell rein. Damit das noch besser gelingt, ist im Coverinlet ein witziges Personenverzeichnis und ein Steckbrief von Lotta Petermann (11 Jahre) abgedruckt, gestaltet mit den witzig bunten Kritzel-Zeichnungen von Daniela Kohl, deren Illustrationen die Comic-Buchvorlage so unverwechselbar machen. Die Kenner der Reihe können sich natürlich auf viele bekannte Personen und Stimmen freuen. Diesmal darf man Cheyennes weitere Familie kennenlernen, ihre kleine Schwester ist bei Lottas Papa auf der Schule, Vater Guido bittet zum Besuchswochenende und Oma Ramona treffen sie auf dem Flughafen, denn auch sie arbeitet doch. Auf den ersten Blick, sind sie tatsächlich so, wie man sich die Familie einer Cheyenne vorstellt. Aber wie es so ist im Leben, lohnt es sich, sie nicht alle nach ihrem Äußeren zu beurteilen, sondern sie einfach mal besser kennen zu lernen. Naja, einige zumindest. Mit Cheyenne habe ich mich ja anfangs auch sehr schwer getan, sie ist ja nicht gerade der intellektuelle Typ, aber Lotta stets eine loyale und gute Freundin, was man von den Lämmer-Girls nicht gerade sagen kann. Meine Tochter findet Cheyenne sehr unterhaltsam und lustig und die Hunde Anton und Kalle lieben sie ja auch.
Projektwoche klingt ja eigentlich super, keine Schule, aber natürlich dennoch Hausaufgaben, die Schüler müssen ja Berichte über die kennengelernten Berufe schreiben. Schade, daß bei den Punkten die sie abarbeiten müssen, der Punkt: Ausbild/vorausgesetzter Schulabschluß fehlt, das ist bei unseren Praktikanten nämlich ein durchaus wichtiger Punkt. Einige der vorgestellten Berufe erfordern ein Studium, andere noch nicht einmal eine abgeschlossene Berufsausbildung oder Schulabschluß. Das war so der mütterliche Gedanke, meine Tochter hat es nicht gestört, sie fand es nur tröstlich, daß Lotta und Cheyenne auch solche Aufgaben erledigen müssen. Sehr schön waren die Episoden im Tierheim. Rémy mit seinen Sprachschwierigkeiten sorgt wieder für Erheiterung und Berenike nervt mal wieder.
Lotta ist so herrlich unperfekt und menschlich, das macht sie so liebenswert, sie ist weit davon entfernt perfekt zu sein und hat dennoch ihre feste Clique die wilden Kaninchen und eine liebevolle Familie. Das macht ihre witzig-turbulenten Geschichten zu solchen Erfolgsgaranten. O-Ton meiner Tochter (11): Lotta-Leben ist bei uns total angesagt (es müssen ja in der Schule regelmäßig Buchvorstellungen geübt werden).
Offiziell ist diese Reihe kein Hörspiel, sondern ein Hörerlebnis, mit zahlreichen Sprechern für die einzelnen Personen und ganz vielen z.T. Sehr witzigen Geräuschen. Lotta wird wie immer von der jungen Katinka Kultscher gesprochen, die uns mit ihrer jungen Stimme auch die „Leonie Looping Reihe“ von Cally Stronk versüßt. Zahlreiche namenhafte Sprecher unterstützen sie dabei und machen es zu einem wirklich ganz besonderen Hörerlebnis für Mädchen von 8 – 11 Jahren!

Veröffentlicht am 11.09.2018

Märchenhaft magisch

Das Mädchen, das im Buchladen gefunden wurde
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Mit 5 Jahren betrat eine Familie den Buchladen von Netty Miller und verlässt ihn, ohne ihre Tochter. Nettys Sohn Michael, der nur wenige Jahre älter ist, findet sie und stellt sie in das Regal für Fundsachen ...

Mit 5 Jahren betrat eine Familie den Buchladen von Netty Miller und verlässt ihn, ohne ihre Tochter. Nettys Sohn Michael, der nur wenige Jahre älter ist, findet sie und stellt sie in das Regal für Fundsachen bzw. „Lost Property“ denn die Geschichte spielt in England. Als Netty sie dort entdeckt, nimmt sie sie herzlich bei sie auf und weil ihnen kein besserer Name einfällt, heißt das Mädchen fortan Property. Property schließt Netty und Michael sofort in ihr Herz und traut sich daher nicht, zuzugeben, daß sie mit 5 Jahren noch nicht Lesen und Schreiben kann (in England beginnt die Schule ja viel früher als bei uns). Sie liebt ihr Leben, doch als gute Beobachterin, merkt auch sie, daß es mit dem Buchladen bergab geht und ihr Leben immer ärmlicher wird. Da entdeckt Netty in der Zeitung, daß Mr. Montagomery seinen legendären Buchladen „Montgomerys Bücherparadies“ in London verlost. Warum sollte man so einen traumhaften Buchladen einfach verschenken, Property wundert sich. Als sie bei dieser Lotterie auch noch gewinnen und in den neuen Laden einziehen, wird es immer mysteriöser und das liegt nicht nur an der eigenwilligen Katze, die es als Beigabe obenauf gibt.

Diese Geschichte hat meine 9-jährige Tochter auf Anhieb fasziniert. Sowohl der Name Property, als auch sein Kind in einem Buchladen und vergessen und es dann ins Regal zu den Fundsachen zu räumen! Na sowas! Ich finde das als Gedanken ja furchtbar traurig und auch andere Erlebnisse, die nun folgen, finde ich eher schwermütig, z.B. daß Familie Miller sich die Beheizung des Buchladens nicht mehr leisten kann und daher ohne Ende Tee kocht und auch an die Kunden verteilt. Aber sie hat Recht. Auch wenn sie immer ärmer werden und die Verhältnisse immer schwieriger, so haben sie doch einander und das Reich der Wörter, der Geschichten, der Bilder und der Fantasie! Da Property nie gelernt hat zu lesen (was mich persönlich schon gewundert hat, daß Michael und Property anscheinend nie in die Schule gehen) ist sie eine ausgezeichnete Beobachterin. Mit ihrem wachen Geist reimt sie sich einiges zusammen und stellt Fragen, die sonst anscheinend niemandem in den Sinn kommen. Natürlich lässt Property die Zuhörer an ihren Fragen und Verwunderungen teilhaben, so daß man sich mit ihr wundert und auf alles gefasst ist. Na ja, nicht ganz auf alles, denn was da letztendlich auf sie zu kommt, kann man nicht erwarten und vorher sehen, denn das legendäre „Montgomery Bücherparadies“ ist beispiellos, ebenso wie die dunklen Machenschaften, die sich um dieses ranken. Das ist sehr aufregend und geheimnisvoll! Doch Property ist in ihrer Grundeinstellung so positiv und Ilka Teichmüllers Stimme so warm, daß meine sehr empfindsame jüngste Tochter, die sich bisweilen bei CD's für 4 oder 6 – Jährige gruselt, jederzeit vollstes Vertrauen in den guten Ausgang der Geschichte hatte, daß sie sie gleich zum Einschlafen gehört hat.

Es ist eine sehr ungewöhnliche Geschichte. Sehr atmosphärisch, etwas märchenhaft, etwas magisch und auf jeden Fall sehr fantastisch, ohne gleich Fantasy zu sein, aber eben sehr fantasievoll. Das Gefühl, diese Geschichte irgendwo schon mal gehört zu haben, so ungefähr, überkommt einen nie. Dabei kann man bisweilen herrliche Zitate genießen und eine malerische Sprache.
Ebenso sympathisch wie Property sind auch Netty Miller und ihr Sohn Michael, die das Findelkind ganz selbstverständlich bei sich aufnehmen und das wenige teilen, was sie haben. Bei aller Traurigkeit über den Verlust ihrer Familie, aber auch wieder sehr beruhigend, denn Property fühlt sich sehr geborgen. Nicht jedoch, wenn die Schurken auftauchen, aber da wollen wir ja nicht vorgreifen.... Es ist auf jeden Fall eine Geschichte, die nicht nur für Bücherfans und Leseratten gedacht ist, sondern auch für Fans geheimnisvoller Spannung.

Ilka Teichmüller ist Theaterschauspielerin und Sprecherin für Funk, Fernsehen und Hörbücher. Den Gedanken ein Kind in einem Buchladen zu vergessen fand ich ja sehr traurig, als meine Tochter sich das Hörbuch wünschte, aber als ich las, daß Ilka Teichmüller es einliest, war ich dann einverstanden. In „Das Wolkenschloss“ gefiel sie mir persönlich noch besser, als in dieser Geschichte, doch laufen im Grand Hotel aber natürlich noch viel mehr Menschen herum, als selbst in Mr. Montgomerys Bücherparadies und somit mehr Möglichkeiten seine Wandlungsfähigkeit zu präsentieren. Warm und voll ist ihre Stimme aber auch hier, weswegen meine Tochter stets ein wohlig warmes Gefühl beim Zuhören hatte, auch wenn es gerade sehr spannend war.

Sylvia Bishop studierte an der Universität von Oxford und ist nun als Kabarettistin Teil des Duos „The Peablossom Cabaret“. Ihre Ideen für Geschichten schreibt sie am liebsten bei einer Tasse Tee und schummrigen Licht nieder. Wir wünschen ihr sehr, daß sie sich eine funktionierende Heizung leisten kann, anders als Familie Miller.

Dieses atmosphärisch dichte Hörbuch hat den Nerv meiner Tochter getroffen, die sich nicht mit so lästigen Fragen abgibt wie: warum ist das Jugendamt nicht eingeschaltet worden? Warum kann sie immer noch nicht lesen? Für die Magie dieser Geschichte sind solch pragmatische Fragen wenig förderlich, denn sie lebt von der Fantasie. Wer „Penelop und der funkenrote Zauber“ und ähnliche Hörbücher mag ist hier goldrichtig und wird sicherlich verzaubert werden.

Märchenhafte Spannung ab 8 Jahren, der meine Tochter gerne 5 von 5 Sternen gibt.

Veröffentlicht am 08.09.2018

Unglaublich vielseitig und inspirierend

Kokosöl
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Nach dem letzten Alea Aquarius Band war ich überzeugt, wir brauchen mehr Naturkosmetik und die lässt sich sicher nicht immer so kompliziert herstellen, wie früher in der Hobbythek von Jean Pütz. Mit den ...

Nach dem letzten Alea Aquarius Band war ich überzeugt, wir brauchen mehr Naturkosmetik und die lässt sich sicher nicht immer so kompliziert herstellen, wie früher in der Hobbythek von Jean Pütz. Mit den aktuellen Verteufelungen von Kokosöl, fiel mir dann ein, daß wir ja auch noch ein fast volles Glas Bio-Kokos-Öl haben, dessen Geschmack einer Tochter toller völlig missfiel, der Geruch der anderen Tochter und mir, aber sehr gut. Die Konsistenz ist sehr speziell, daraus lässt sich doch sicher was machen! Und siehe da, wer sucht, der findet, in meinem Fall: „Kokosöl“ von Laura Agar Wilson.

Dieses Buch bietet 200 Kochrezepte und Anwendungstipps für Gesundheit und Schönheit. Das stimmt nicht ganz, es bietet auf Neudeutsch auch Life-Hacks, also Anwendungsgebiete, die mir im Traum nicht eingefallen wären, wie z.B. quietschende Scharniere mit Kokosöl zu schmieren und ähnliches. Man sieht, es dreht sich also nicht alles nur um die orale Anwendung eines Öls mit mehrfach gesättigten Fettsäuren, sondern viele andere Möglichkeiten. Ein Löffelchen Kokosöl hin und wieder, wenn man Kokosnussgeschmack mag, wird einen sicher nicht umbringen, aber es sollte wohl besser nicht das Hauptöl in der Küche verwendet werden. Das Buch gliedert sich daher wie folgt:
Einleitung, Ernährung, Gesundheit, Haushalt, Beauty, Register.

In der Einleitung wird allgemein auf die Eigenschaften und Besonderheiten von Kokosöl eingegangen, das z.B. antibakterielle, entzündungshemmende und pilzhemmende Wirkungen hat. Natürlich ist es auch fettend. Bei oraler Anwendung bevorzuge ich persönlich andere Öle, z.B. für antibakterielles Öl-ziehen (flüssige Öle sind von der Konsistenz her auch besser dazu geeignet, meines Erachtens), aber man kann dieses Öl ja auch hervorragend äußerlich anwenden. Mir persönlich schwebt eine Kombination mit Ringelblume vor, für die ich hier jedoch leider kein Rezept gefunden haben (das nicht bereits fertiges Ringelblumenöl verwendet), vielleicht bietet sich es aus einem Grund nicht an, mir fällt aber kein offensichtlicher ein. Das schöne am Kokosöl ist: es wird in unseren Graden nicht ranzig, wenn man es im Schraubglas im Dunkeln aufhebt. Es gibt z.B. auch einige Einkaufstipps z.B. für Sheabutter, aber leider nicht für Kakaobutter. Beides habe ich persönlich nicht auf Anhieb in der Alnatura-Abteilung von dm gefunden (ich stand etwas unter Zeitdruck, vielleicht gibt es dort ja doch).

Der Ernährungsteil wurde von uns nicht getestet, weil ein Kind den Kokosgeschmack nicht mag. Da es sich um mehrfach gesättigte Fettsäuren handelt, bin ich da nun auch nicht ganz so traurig drüber. Das andere Kind fand allerdings einige der Rezepte, z.B. Pfannkuchen mit Blaubeeren und gerösteten Kokosraspeln sehr verlockend. Die Rezeptauswahl ist auf jeden Fall sehr vielfältig und bunt gemischt.

Der Gesundheitsteil ist für mich nicht ganz offensichtlich vom Beautyteil zu unterscheiden, z.T. überschneidet es sich für meinen Geschmack. Teilweise wird die orale Aufnahme von Kokosöl empfohlen, was ich vermeiden möchte, teilweise sind es aber auch wirklich Kleinigkeiten, die es sich auszuprobieren lohnt: So lässt sich die Ohrmuschel sehr milde mit Kokosöl reinigen, auch bei Haustieren. Es gibt ein einfaches Rezept für Magnesium-Körperbutter, welches insbesondere nach dem Sport hilfreich ist. Das Einreiben mit Kokosöl soll bei juckenden Windpocken, bei Milchschorf oder gereizten Brustwarzen helfen. Das finde ich jetzt nicht unlogisch, kann ich aber gerade nicht ausprobieren. Auch die Hilfe bei frischen Tatoos oder das Rezept für Salben gegen Ekzeme kann ich jetzt gerade nicht testen, aber es ist wirklich eine reichhaltige Einsetzbarkeit zu erkennen, auch für Menschen, die einfach nur ihre Altbestände verbrauchen möchten. Auch das Rezept für eine Creme bei Sonnenbrand und kühlende Aloe-Vera-Kokoscreme klingt interessant. Testen werde ich auf jeden Fall den Peeling-Riegel für raue Haut. Auch im Beautyteil folgen noch andere Peelingrezepturen, was ich deshalb besonders interessant finde, da in konventionellen Peelings meistens Kunststoffmikropartikel verwendet werden, die unsere Umwelt sehr stark belasten, anders als zum Beispiel Kaffeesatz oder Rohzucker als Peelingteilchen. In der Aromatherapie ist Kokosöl eine sehr geeignete Trägersubstanz für aromatische Öle. Daher wird auch dieser Einsatz mit verschiedenen Rezepten angeregt.

Der Haushaltsteil ist der kürzeste Anwendungsbereich, aber auch hier sind der Autorin diverse Möglichkeiten eingefallen wie z.B. zur Holzpflege, Rostentfernung, festsitzenden Ringen oder klemmenden Reißverschlüssen. Neben Einsatzweisen bei Haustieren z.B. für eine Wurmkur oder zur Hufpflege (brauchen wir alles nicht) finde ich allerdings den Einsatz zur Herstellung von Knetmasse und als Mittel gegen Läuse. Ja, da hilft es tatsächlich und die anschließend empfohlene Haarspülung mit Apfelessig-Wasser ist sicher auch ohne vorherige Kopfläuse empfehlenswert. Kokosöl erstickt die Läuse, so daß es auch nicht zu Resistenzbildungen wie bei diversen Mitteln auf Rezept kommen kann.

Mein Lieblingsteil war natürlich der Beautyteil, denn um die Naturkosmetik, aber auch Naturheilmittel ging es mir ja gerade. Als großer Gegner von Treibgasen (meistens geht es auch ganz wundervoll anders, warum also nicht einfach darauf verzichten, wenn es doch unnötig ist!), fand ich die Rezepte für Rasieröl und Rasiercreme toll.
Die Herstellung von Badebomben ist so kinderleicht, daß ich sie sofort mit meiner Jüngsten Tochter ausprobiert habe. Ganz schnell, kinderleicht und eigentlich auch ziemlich sauber, sofern man nachher nicht das Kind unbeaufsichtigt in der Nähe des aushärtenden Kokosöls zurücklässt (unsere Badebomben sind nun besonders reich an natürlichem, getrocknetem Lavendel! Gesichtsmasken, Gesichtsreinigung, Peeling, Creme, Haarspülung, Shampoo, was das Herz begehrt! Die Rezepte beschränken sich auf einige wenige erlesene Zutaten, wobei ich ganz besonders die flüssige Olivenölseife sehr interessant fand. Nach der werde ich nun wirklich aktiv auf die Suche gehen. Oft werden ätherische Öle verwendet, wobei ich dann immer an meine Chemielehrerin denken muss (sie war super, bei ihr habe ich fürs Leben gelernt. Danke!), die vor diesen gerade bei sensiblen Menschen warnte, da sie allergieauslösend sein können, daher sollte man sie im Zweifel weglassen.

Gestaltung: die Gestaltung empfinde ich als sehr ansprechend. Es ist ein handliches, broschiertes Format mit Farbfotos auf jeder Doppelseite. Da die einzelnen Seiten mehrere Rezepte immer mind. 2 aufführen ist nicht jedes Rezept bebildert, dies ist aber auch wirklich nicht immer nötig. Z.T. Dienen sie nur der Anschauung zur besseren Orientierung bei der Durchsicht z. B. Bei der Abbildung einer Frau beim Abschminken, z.T. sind sie aber wirklich auch sehr appetitanregend oder sie machen Lust auf das sofortige Ausprobieren. Da viele Rezepte nur wenige Zutaten benötigen, die man oft auch zu Hause hat oder sich auf Kokosöl an sich beschränken, ist das auch ohne weiteres möglich.

Fazit: Entgegen des großen YouTube Erfolges einer Professorin, die Kokosöl als reines Gift bezeichnet, gibt es viele interessant und völlig ungefährliche Einsatzmöglichkeiten, die ich gerade im Hinblick auf die rückfettenden Eigenschaften des bei Zimmertemperatur festen Öls bei Menschen mit trockener Haus, sehr attraktiv finde. Ähnlich wie beim Palmöl, dessen Einsatz in Kosmetikartikel aufgrund der riesigen Anbauflächen in tropischen Gebieten, dürfte mein aus Sri Lanka stammendes Bio-Kokosöl ökologisch nun auch nicht unbedingt das gelbe vom Ei sein. Es gilt daher wie bei den meisten Dingen im Leben: man möge es mit Bedacht verwenden und sparsam.
Auch jenseits des Verzehrs ist Kokosöl vielfältig einsetzbar. Wer es aufgrund der aktuellen Diskussion nicht mehr in der Küche verwenden mag, der findet hier jedoch viele unbedenkliche und empfehlenswerte andere Einsatzmöglichkeiten und kauft dann sogar vielleicht, wie ich, noch neues nach.

Ja, ich weiß, Kokosöl enthält vielfach ungesättigte Fettsäuren, dennoch ist es nicht grundsätzlich giftig, sondern hat auch sehr positive Eigenschaften, weshalb ich es mit 4 von 5 Sternen sehr gerne weiterempfehle.

Veröffentlicht am 08.09.2018

Witzig, spannend und voller Wahrheit

Minus Drei und die wilde Lucy - Die blöde Sache mit dem Ei
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Minus Drei ist bekümmert. Eigentlich war sein Leben doch richtig toll, aber nun wird sich alles ändern. Er hat im Schlafzimmer seiner Eltern ein schlecht verstecktes riesiges Ei entdeckt. Niemand redet ...

Minus Drei ist bekümmert. Eigentlich war sein Leben doch richtig toll, aber nun wird sich alles ändern. Er hat im Schlafzimmer seiner Eltern ein schlecht verstecktes riesiges Ei entdeckt. Niemand redet mit ihm darüber, aber er weiß genau was das bedeutet: Demnächst sind sie nicht mehr zu Dritt! Wie sollen sie denn Familie Drei sein, wenn sie nicht mehr nur Drei sind? Wozu brauchen seine Eltern denn doch ein Kind, wo sie doch schon ihn und Lucy haben? Dann haben die doch gar nicht mehr genug Zeit für ihn. Wo soll das Baby überhaupt hin? In sein Zimmer ganz bestimmt nicht und seine Spielsachen wird er auch nicht hergeben! Minus wird immer trauriger, wenn er darüber nachdenkt und vor lauter Traurigkeit vergisst er ganz mit Lucy zu spielen. Die kann das Trübsal nicht mehr länger mit ansehen und bei der ersten sich ihr bietenden Gelegenheit, ergreift sie die Initiative.

Dies ist bereits der 4. Band der Reihe um Minus Drei und die wilde Lucy, wobei es bereits 5 Bände rund um Minus 3 gibt. Minus Drei und die wilde Lucy ist die Reihe mit mehr Text und immer noch sehr vielen wundervollen Illustrationen der Autorin. Beide Reihen eignen sich bestens zum Vor- und Selberlesen, wobei die Reihe um Minus Drei (natürlich auch mit seinem „Haustier“ dem Urmädchen Lucy) eben für noch jüngere Selbstleser gedacht ist und auch die Konzentrationsspanne beim Zuhören noch kürzer sein kann. Minus Drei ist ein Dinosaurierjunge, der einzige Sohn der Familie Drei und sie leben alle zusammen in Farnheim, einem kleinen Örtchen von dem eine Übersichtskarte im Inneneinband abgedruckt ist. Viele der Nachbar und Freunde der Familie haben auch Haustiere, wenn auch sonst außer Minus einen Ur-Menschen hat. Herr Fossil liebt seinen Tyrannosaurus Rex T.R. über alles und Frau Meso ihren nicht ganz so gut erzogenen Triceratop Topsi.
Diese Reihe hören meine Töchter immer noch sehr gerne, obwohl sie ab 6 Jahren ist. Sie ist einfach witzig und verbirgt immer heimliche Wahrheiten aus dem Kinderalltag. Da meine älteste Tochter sich aber immer über das Foto des Sprechers Andreas Fröhlich beschwert hat (keine Ahnung, was damit sein soll) und meine Nichte (5) abends eines der Bücher vorgelesen war, sind wir nun auf das Buch umgestiegen, da ich die Illustrationen von Ute Krause auch wirklich immer toll finde. Reaktion: Beide Kinder waren empört, daß es kein Hörbuch war! Dennoch, die Illustrationen fanden sie auch richtig klasse und die werden nun auch immer wieder angeschaut, während man die Hörbücher hört. Als Autorin und Illustratorin der Bücher schafft Ute Krause es auch immer wieder, daß die Illustrationen perfekt zum Text passen. So kann man sich die Abenteuer in Farnheim bestens vorstellen!
Die Geschichte ist wirklich ab 6 Jahren, ohne Alterbegrenzung nach oben und wirklich sehr gut geeignet mit altersgemischten Kindergruppen gelesen zu werden bzw. gehört, was sehr praktisch ist, wenn man mehrere Kinder hat eventuell auch zu Besuch.
Man muß kein großer Dinosaurier-Fan sein, um diese Reihe zu lieben. Es schadet aber auch nicht. Wir haben übrigens nicht mit den Bänden 1 der Reihe begonnen, so daß wir aus Erfahrung sagen können, daß ein Quereinstieg durchaus möglich ist. Man sollte nur wissen, daß Haustier Lucy ein Ur-Mensch ist und mit Minus nicht sprechen, sondern nur gestikulieren kann. Ein Umstand, der für Kinder sehr viel leichter zu akzeptieren ist, als für Erwachsene.
Diesmal geht es um das Thema: große Veränderung, ein Geschwisterchen steht ins Haus! Die Frage: wie sage ich es meinem Kinde, scheinen die Eltern Drei ebenso wenig für sich gelöst zu haben, wie Minus diese nagende Eifersucht. Themen, die für Kinder sehr real sind und auch schon oft angesprochen. In diesem Buch allerdings ausgesprochen witzig und spannend. Denn die wilde Lucy ist in der Umsetzung ihres Planes Minus von den Sorgen um das blöde Ei zu befreien außerordentlich gründlich. Wobei die Sorge seiner Eltern um das Ei, Minus erstmals dazu veranlasst, die Angelegenheit mal aus einer anderen Perspektive zu betrachten: nicht nur, wie fühlt er sich mit der Existenz des Eis, sondern was bedeutet es, und insbesondere sein Verlust, für seine Eltern!
Liebe ist ein Gefühl, das sich vermehrt, wenn man es teilt, das muß letztendlich auch Minus einsehen und mit ihm die jungen Leser oder Zuhörer. Aber bis zu dieser Erkenntnis, hat man schon eine Menge gelacht und mitgefiebert.
Die Schrift ist schön klar und fettgedruckt. Sie ist auch größer und somit auch sehr gut für ältere Vorleser geeignet. Allerdings steht schon recht viel Text auf jeder einzelnen der rund 80 Seiten, so daß ein Selbstleser schon sicher sein sollte und vor allem gerne lesen. Für unsichere und ungeübte Leser, mag es anstrengend und ermüdend zu sein, so viel lesen zu „müssen“ ehe sie umblättern können, diese sollten dann besser zur „Minus-Drei“-Reihe greifen. Aber wer aus dieser schon lesetechnisch herausgewachsen ist, oder gemeinsam mit erfahrenen Lesern liest, der ist hier goldrichtig!
Eigentlich schon das 9. Abenteuer rund um den kleinen Dinosaurier und sein Haustier, die wilde Lucy, aber immer noch ganz ohne Abnutzungserscheinungen. Immer noch witzig und spannend und jederzeit aktuell! Sehr zu empfehlen, nicht nur, wenn man gerade seinem Kind versucht zu erklären, daß ein Geschwisterchen unterwegs ist!
Begeisterte 5 von 5 Sternen.