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Veröffentlicht am 01.08.2018

Originell-kreative Vorlesegeschichten

Fritzi Flitzeflink
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Tief im Zweiflüssewald in einem Loch hoch oben auf einem Tannenbaum lebt Fritzi Flitzeflink. Was sie für ein Wesen ist, weiß niemand. Sie ist kein Tier, aber auch kein Mensch – vielleicht ein Kobold. Sie ...

Tief im Zweiflüssewald in einem Loch hoch oben auf einem Tannenbaum lebt Fritzi Flitzeflink. Was sie für ein Wesen ist, weiß niemand. Sie ist kein Tier, aber auch kein Mensch – vielleicht ein Kobold. Sie hat dichtes wuscheliges Fell und spielt am liebsten den ganzen Tag mit ihren Freunden, den Waldtieren. Sie besitzt etwas Zauberkraft, kann sie aber leider nicht kontrollieren, daher geht immer etwas daneben. Das wird dann verblüffend, manchmal schön und manchmal nervig. Lustig ist es mit Fritzi aber immer! Denn es sprühen nicht nur magische Funken aus ihren Fingern, die ganze Fritzi sprüht nur so vor aufregenden Ideen. Weil bei ihr immer was los ist, dürfen die Vorleser und Zuhörer ihr mit 12 Geschichten durch das ganze Jahr folgen. Es beginnt mit dem Frühjahrsputz, geht weiter mit einer abenteuerlichen Blattbootfahrt (ja wenn man nicht so groß ist, kann man auch auf Blättern über das Wasser rauschen), einem tückischen Stinkehüpfer (sowas wie ein selbstgebauter Flummi, mit stinkender Ladung), und endet im Winter natürlich mit einer nicht gewöhnlichen Schneeballschlacht, einer Schlittenfahrt und Schneegezauber. Kleine feine Geschichten aus dem Leben von Tierkindern im Wald, mit einem Schuß Magie, aber nur ein bißchen.

Es ist schön mit Fritzi das Leben im Wald rund um das Jahr zu entdecken. Da es sich um Vorlesegeschichten handelt, dürfen die Sätze ruhig etwas länger und abwechslungsreicher, als bei Erstlesebüchern sein. Dennoch sind die Geschichten wirklich gut verständlich, ohne Fremdwörter oder Bandwurmsätze. Meine Jüngste (damals noch 8) hat das Buch als eBook gelesen, um sich die Schrift zu vergrößern, weil beide Kinder gerne große Schrift mögen. In der Printausgabe ist die Schrift kleiner, aber für geübte Vorleser kein Problem, selbst für mich nicht.
Eigentlich sind es kleine Alltagsgeschichten, über Dinge die Kinder am meisten interessieren: Spielen und Abenteuer! Da es sich um kleine Waldbewohner handelt, können die Mütter auch unbesorgt sein, daß ihre Kinder nicht auf die Idee kommen werden, alle Spiele nachzumachen, da Blätter Menschenkinder weder durch die Luft, noch über Wasser tragen können. Dafür sind Kinder offensichtlich zu groß, aber davon zu träumen und es sich vorzustellen, das bleibt ihnen ja unbenommen!
Fritzis Freunde sind sehr unterschiedlich mit ganz unterschiedlichen Stärken und Schwächen. Da gibt es z.B. Mira Maus, Mauli Maulwurf und Schnecke Schneck. Der Tunichtgut, der die Kinder immer ärgert ist Magnus, ebenfalls eine Maus, aber natürlich lassen sich die Freunde von ihm nicht alles bieten und wehren sich, aber stets mit Köpfchen und niemals gemein, egal wie fies Magnus zuvor war. Das finden wir eine sehr schöne Botschaft in diesem Buch. Aber keine Sorge, nur zu Beginn spielt Magnus eine Rolle, es gibt auch viele Geschichten, in denen die Waldkinder einfach nur Spaß haben. Wir auch normalen Kindern, ist ihnen manchmal furchtbar langweilig, weil sie ja alles schon so oft gemacht und gespielt haben..... Zum Glück macht Langeweile kreativ und so fällt Fritzi immer wieder etwas Neues ein, so wie freispielenden Kindern immer wieder etwas einfällt, wenn sie sich nur lange genug gelangweilt haben.
Sehr schöne Geschichten, die aus der Masse der Neuerscheinungen hervorsticht, da sie mit Herz und nicht nach Schema-F geschrieben wurden. Sie bestechen einfach durch Originalität, statt durch Glitzer, auch wenn Fritzis Zauber Funken sprüht.

Marit Bernson wurde 1977 in Mecklenburg geboren und studierte in Kassel und Berlin. Mittlerweile lebt sie mit ihrem Mann und ihren zwei Kindern in Oberfranken, wo sie sich Kinderbücher, Liebesromane und humorvolle Geschichten ausdenkt.

Corinna Arauner, geboren 1982, ist Diplom-Designerin (FH) und freiberufliche Illustratorin spezialisiert auf Kinderbuch und Tierillustrationen. Sie lebt mit ihrem Mann und ihren zwei Kindern in Nürnberg. Ihre bunten Illustrationen sind wirklich sehr süß und ausdrucksstark, da konnten wir uns Fritzi und ihre Abenteuer noch viel besser vorstellen.

Wirklich kreativ-originelle Vorlesegeschichten: 5 von 5 Sternen.

Veröffentlicht am 01.08.2018

Ich habe noch viel gelernt!

111 Orte in der Provence, die man gesehen haben muss
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Südfrankreich ist wunderschön und daher bin ich fast jedes Jahr dort. Daher ist es an der Zeit, mal was neues zu entdecken, die Augen auf kleine, feine Details zu richten.

Die 111 Orte sind alphabetisch ...

Südfrankreich ist wunderschön und daher bin ich fast jedes Jahr dort. Daher ist es an der Zeit, mal was neues zu entdecken, die Augen auf kleine, feine Details zu richten.

Die 111 Orte sind alphabetisch geordnet und sie beginnen daher mit den größten Städten des hier dargestellten Teils der Provence: Aix-en-Provence (3 Orte) , Arles (6 Orte) und Avingnon (4 Orte). Arles bildet dabei den Schwerpunkt. Es ist auch wirklich wunderschön, allerdings sollte man vorher wissen, daß das Parken dort nicht sehr leicht ist, wir haben dort inzwischen unseren speziellen Parkplatz gefunden, da die Durchfahrt der Altstadt mit großen deutschen Limousinen an einigen Stellen fast unmöglich ist. So schön Arles auch ist, es ist im Sommer unglaublich heiß, man benötigt unglaublich viel Wasser, viele Ruhepausen oder einen der seltenen bewölkten Tage. Als Kind habe ich dort fast immer befürchtet verdursten zu müssen und meinen Kindern geht es heute auch bisweilen noch so. Sehr schön finde ich Ort Nr. 4 „Die Alycamps“ eine alte römische Begräbnisstätte von der Rilke und Hugo von Hoffmannsthal bereits schwärmten. Klingt jetzt erst mal nicht so spektakulär, allerdings sollte man wissen und das verschweigt der Autor, daß es sich um von der UNESCO anerkanntes Weltkulturerbe handelt. Dort wird übrigens die Modeschau des Hauses Gucci 2019 stattfinden, da es sich um die Geburtsstadt des legendären Designers Christian Lacroix handelt. Die Zahlungen von Gucci für dieses Privileg an die Stadt, soll für den Erhalt der Vielzahl römischer Stätten verwendet werden. (Diese Info stammt aus einer aktuellen frz. Frauenzeitschrift, nicht diesem Buch).
Da Frankreich außer Mode natürlich auch noch Kunst, Musik und Kultur zu bieten hat, gefiel mir der Blick in das Internierungslager in der Ziegelei von Les Milles bei Aix-en-Provence in welcher bedeutende Exilkünstler wie Lionel Feuchtwanger, Max Ernst und Golo Mann interniert waren. Dank der Vichy-Regierung sind auch im unbesetzten, freien Süden zeitweise bis zu 3.000 Menschen jüdischer Herkunft dort interniert und teilweise von dort mit Zügen nach Auschwitz deportiert worden. Die wenigsten haben dies überlebt. Gegenüber der Ziegelei kann man noch einen der historischen Eisenbahnwaggons sehen, die zur Deportation nach Auschwitz genutzt worden.
Dieser Leitfaden wendet sich aber nicht nur den Toten zu, sondern auch alljährlichen Highlights und somit Ort Nr. 79 der Mont Ventoux, der härtesten Bergetappe der Tour de France, an dem schon einige scheiterten oder zusammenbrachen und dessen Bezwingung so viele Gemüter beschäftigt hat, daß ich über diesen Ort letztes Jahr einen wirklich spannenden Krimi aus der Radrennwelt gelesen habe.
Mit 8 Orten liegt das Hauptaugenmerk wohl auf Marseille, das heutzutage auch wirklich für Besuche deutlich besser geeignet ist, als in meiner Kindheit. Die Stadt hat in den letzten Jahrzehnten einiges für einen Imagewandel, weg von der schmuddeligen Hochburg der Kriminalität vom Mittelmeer getan. An die lange Geschichte der Kriminalität erinnert Ort Nr. 66, mit dem legendärsten Gefangenen der Stadt, dem Graf von Monte Christo aus dem Meisterwerk von Alexandre Dumas dem Älteren, dem die Flucht von der Gefängnisinsel Ile d'If dem Ort des berrüchtigten Chateau d'If gelang. Da Marseille am Meer liegt, ist das Klima dort auch im Sommer deutlich erträglicher als im Hinterland und es gibt dort auch deutlich mehr zu entdecken, als man meint.

Die Auswahl ist sehr vielfältig und bunt gemischt, so das für jeden Geschmack eine Menge zu entdecken ist. Allerdings ist das abgedeckte Gebiet auch sehr groß und reicht für mehrere Urlaube, wobei man die zu besichtigen Orte auch im Hinblick auf Jahreszeit und Klima wählen sollte.

Was ich sehr schade finde und was bei mir zu einem Punkt Abzug führt, ist das einige Highlights, die im Vorwort erwähnt werden, wie z.B. der Pont du Gard, das gigantische Aquedukt, daß das römische Nimes mit frischem Gebirgswasser versorgte, oder die unendlich scheinenden Strände der Camargue überhaupt nicht aufgeführt sind. Da er sie offensichtlich zur Provence mitzählt, ist es ausgesprochen merkwürdig, sie außen vor zu lassen, sofern er nicht einen weiteren Führer für die Camargue, das Languedoc-Rousillon plant. Aber dann hätte er sie auch im Vorwort unerwähnt lassen sollen. Na gut, Ort Nr. 60 Les-Saintes-Maries-de-la-Mer gehört zur Camargue, da es sich aber so fernab der übrigen hier aufgezählten Orte befindet, ist es nicht im Kartenanhang zu finden. Wer diesen Ort besuchen möchte, sucht im Kartenmaterial vergeblich, er wird sich keinen Eindruck von seiner Lage machen können. Solche Pannen dürfen eigentlich nicht passieren.

Wirklich sehr interessant für alle, die die Provence schon kennen und neue Inspirationen suchen, für Neulinge eine facettenreiche Ergänzung zu klassischen Reiseführern.

Veröffentlicht am 01.08.2018

Schade, daß die Reihe endet

Das wilde Uff, Band 4: Das wilde Uff braucht einen Freund
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Das wilde Uff ist ein blaues, langhaariges Urzeitwesen mit Krallenfüßen ähnlich eines Huhns. Es ist 66 Millionen-Jahre alt und ganz schön verfressen und schwingt gerne und springt. Die letzten Jahrmillionen ...

Das wilde Uff ist ein blaues, langhaariges Urzeitwesen mit Krallenfüßen ähnlich eines Huhns. Es ist 66 Millionen-Jahre alt und ganz schön verfressen und schwingt gerne und springt. Die letzten Jahrmillionen hat er schlafend in einem Steinbruch verbracht, bis der rothaarige Lio ihn zufällig im Steinbruch auf der Suche nach einer abgestürzten Drohne fand. Dort war Prof. Othenio Snaida auf Forschungsexpedition nach genau solch einem Wesen, um es zu erforschen und auszustellen. Mit allerhand List und Tücke, gelingt es Lio und seiner Familie Uff geheim zu halten und Prof. Snaida von der Erforderlichkeit der Geheimhaltung zu überzeugen. Vor allem gelingt das Tante Ulrike, in die der Professor sich unsterblich verliebt, so sehr, daß nun sogar die Hochzeit ansteht. Während nun alles so schön sein könnte, jetzt das das Uff sich langsam auch an die Verhaltensregeln in Menschenhäusern gewöhnt, droht neuer Ärger. Uff ist langweilig, weil er das Haus nur versteckt in Lios Rucksack verlassen darf und ihm Artgenossen als Gesellschaft fehlen. Erstaunlicherweise empfängt er gerade jetzt per Quassel (einer urzeitlichen Uff-Verständigungsform mittels Funkwellen, die über die Ohren gesendet und empfangen werden) Signale. Ist er doch nicht allein? Uff möchte sofort los, nach Artgenossen suchen, aber Lio bremst ihn, da nun der amerikanische Forscher Prof. McDenver dem Uff auf der Spur ist und nicht unterschätzt werden darf.

Dies ist der 4. und letzte Band der Reihe rund um das wilde Uff, die für meine Töchter mittlerweile zum Sommerurlaub dazugehört. Das blaue zottelige Uff ist nicht nur witzig und unberechenbar, es hat auch ein großes Herz, so daß man es trotz all seiner Pannen und Katastrophen einfach gern haben muss. Dieser Abschiedsband ist emotionaler und etwas melancholischer als die übrigen Bände, die vor allem von Chaos und Kuddelmuddel geprägt sind. Klar, das Uff, wäre nicht das Uff, wenn es nicht wieder eine Spur der Verwüstung hinter sich herziehen würde, aber mittlerweile isst es nicht mehr unkontrolliert das Geschirr der Familie Peppel oder reißt sämtliche Lampen herunter. Vater Peppel ist ein lausiger Handwerker, dem Uffs Spuren sehr zu schaffen machten, gerade weil das Familienbudget sehr angespannt ist. Dies ist nun alles einfacher, ebenso wie das angespannte Verhältnis zum fiesen Vermieter Herr Winz, der mit ihnen im Haus legt. Wir fanden es toll, daß er trotz allem wieder mitspielte, wenn auch in einer kleineren Rolle, dafür tritt diesmal Lios Schulfreundin Lotta verstärkt auf den Plan, um das Uff-Schlamassel mit ihren vielen Einfällen zu entwirren. Immerhin gilt es die geheimnisvollen Quassel-Signale zu deuten und eventuell ein zweites Uff zu finden, ehe dem skrupellosen Prof. McDenver dies gelingen kann. Gerade das Wiederauftauchen bestimmter Personen aus den vorherigen Teilen, hat zu echt lustigen Momenten geführt, auch wenn es dieses Mal mehr spannend als lustig war. Da dies der letzte Band der Serie ist, empfiehlt es sich auch deshalb nicht mit diesem hier anzufangen. Wir selbst sind beim zweiten Band eingestiegen und das ging sehr gut, aber mit dem 4. und letzten Band wäre schade, da nimmt man sich doch einiges an Vergnügen, da die Bände auf einander aufbauen.
Die Schrift ist noch angenehm groß mit recht großem Zeilenabstand, so daß das Lesen nicht anstrengt, selbst Kinder ohne Leseroutine nicht. Dafür gibt es noch verstreut zahlreiche witzige, plakative Illustrationen von Benedikt Beck, der schon als Kind davon träumte Comiczeichner zu werden. Sollten die kleinen Leser dann die Geschichte beendet haben, könne Sie Punkte bei Antolin abräumen, wo dieses Buch gelistet ist.

Michael Petrowitz Jahrgang 1972 studierte an der Deutschen Film- und Fernsehakademie Berlin. Neben Kinderbüchern schreibt er Drehbücher und arbeitet als Dozent für Drehbuch schreiben und Dramaturgie. Inspirationen liefern ihm seine 5 Kinder, 4 Schildkröten und seine Frau. Platz für ein Uff hätten sich auch noch.

Ein schönes Ende einer tollen Reihe, von der wir traurig Abschied nehmen. 5 von 5 Sternen.

Veröffentlicht am 01.08.2018

Ein Klassiker, stets aktulell

Als Hitler das rosa Kaninchen stahl
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Nach der DDR wollte ich mich auf Grund der Kinderfragen gerne mit ihnen mit dem 3. Reich beschäftigen, ein Thema, das in meiner Kindheit allgegenwärtig war, heute aber wohl von einigen vergessen wird. ...

Nach der DDR wollte ich mich auf Grund der Kinderfragen gerne mit ihnen mit dem 3. Reich beschäftigen, ein Thema, das in meiner Kindheit allgegenwärtig war, heute aber wohl von einigen vergessen wird. Fast alles was ich fand war ab 12 Jahren und schon gar nicht als Hörbuch erhältlich... Doch Judith Kerr wurde im Juni 95 Jahre alt und in „Als Hitler das rosa Kaninchen stahl“ erzählt sie von ihrer Kindheit von 1933 an, als die Familie aus Deutschland floh. Auch dieses Buch wird ab 11/12 Jahren empfohlen, als Hörbuch ist es aber bereits ab 9 Jahren sehr zu empfehlen.

Die 9 jährige Anna wächst in Deutschland ziemlich priviligiert auf. Ihr Vater ist ein berühmter Schriftsteller und Journalist und ihre Mutter eine Pianistin. Wie gut, daß sie loyales Personal haben, denn besonders praktisch veranlagt sind Annas Eltern nicht. Doch Annas Vater sieht die Entwicklung in Deutschland 1933 sehr kritisch und macht sich keine Illusionen. Von einem Bewunderer, erhält er den Hinweis, daß ihm der Pass abgenommen werden soll, sollte Hitler an die Macht kommen und so verlässt zuerst er heimlich Deutschland über Prag, während seine Familie am Tag vor der Wahl möglichst unauffällig über Stuttgart in die Schweiz ausreisen soll. Diese Entscheidung erwies sich als goldrichtig. In Zürich steigen sie in einem edlen Hotel ab und gehen davon aus, daß alles so weitergeht wie bisher, doch die Schweizer Zeitungen trauen sich nicht, Artikel des bekannten Hitler-Gegners zu veröffentlichen, die Neutralität halt. So kommt es, daß sie erst das edle Hotel verlassen und in einem Dortgasthof absteigen. Im Dorf und in der Dorfschule leben sich Anna und ihr älterer Bruder Max gut ein, doch als das Geld immer knapper wird, flüchtet die Familie nach Frankreich und Anna und Max landen in einem Land, in dem sie kein Wort verstehen, vorerst. Als es ihnen so richtig gut dort gefällt, müssen sie jedoch vor der Wirtschaftskrise erneut fliehen, nach London. Lange bevor die Nazis auch in Paris einmarschieren und sie dort in Gefahr wären.

Dies ist die Geschichte einer langen Flucht, einer Flucht derer, die auf ihr Recht zur Meinungsäußerung bestehen, die sich zwar bereitwillig an Landessitten anpassen, aber sich nicht verbiegen lassen wollen. Auch wenn Annas Vater ein großer Schriftsteller, aber in Alltagsdingen völlig unbeleckt ist, so erweist er großen Weitblick. Durch die frühe Flucht sowohl aus Deutschland, als auch aus Frankreich, mußte die Familien nie besonders große Gefahren durch die Nazis erfahren. Dadurch hat Anna trotz der ständigen Neuanfänge, eine schöne und sehr aufregende Kindheit. Sie kann sich mit dem Gedanken anfreunden keine Heimat mehr zu haben und ein Flüchtling zu sein, solange die Familie zusammenbleibt. Judith Kerr bringt Gedanken über Familie, Flucht, Entbehrungen und Herausforderungen wunderbar für Kinder und Erwachsene auf den Punkt! Die Gräueltaten des dritten Reichs werden zwar erwähnt, aber nicht in der Deutlichkeit, daß Kinder ab 9 Jahren es nicht verkraften können. Dafür wird die Geschichte aber auch immer wieder durch sehr lustige Momente aufgelockert. Wir haben dieses Hörbuch im Frankreichurlaub alle zusammen gehört und Annas Mühen beim Französisch lernen, hat die Kinder ganz nachhaltig beeindruckt, immer wieder mußten sie lachen und zitierten sie. Aus dem Grunde suchte ich ein Hörbuch, damit wir es wiederholt gemeinsam hören können, damit die Gefühle, die Erlebnisse, die Geschichte besser haften bleibt. Auch heute gibt es Flüchtlinge, die hier bei uns ganz neu anfangen müssen. Unsere Jüngste saß lange neben einem Flüchtlingsmädchen und hat von ihr viel gelernt, sie konnte in Frankreich ganz herrlich ohne Worte mit französischen Kindern spielen. Sprache ist wichtig, sie zu lernen ist schwierig. Anna und Max sind sehr intelligente Kinder und in ihrer Familie wird viel Wert auf Bildung gelegt. Doch auch für sie ist es eine sehr anstrengende Herausforderung eine neue Sprache zu lernen und es macht sie so unendlich müde, das Anna bisweilen der Mut zu verlassen droht. Aber sie gibt trotzdem nicht auf, so wie ihre Mutter sich redlich bemüht die Aufgaben einer Hausfrau zu lernen. Einmal wird es für die Familie brenzlig, daß hat die Kinder wirklich bewegt, so wie auch eine traurige Nachricht aus der alten Heimat, aber solange die Familie zusammenbleibt, wird alles gut. Daher ist dieses Buch noch immer aktuell, es macht Kindern begreiflich, wie schwer es erst für unbegleitete minderjährige Flüchtlinge aus einem anderen Kulturkreis bei uns ein muß. Sie sind nicht alle Verbrecher, sie sind vor allem Opfer, Opfer eines Konfliktes, für den sie nichts können. Das macht dieses Werk nicht nur sehr persönlich, sondern immer noch aktuell, es zeigt, wie Geschichte sich wiederholt.

Sascha Icks liest mit unglaublich warmer, ausdrucksstarker Stimme. Es ist wohl gerade auch ihrer warmen Klangfarbe zu verdanken, daß unsere Jüngste niemals Angst verspürte. Sie hatte zwar die Gewissheit, daß Anna es schaffen würde, denn immerhin ist es das Alter Ego von Judith Kerr, die noch heute in London lebt und dort zahlreiche Kinder- und Jugend- und Drehbücher veröffentlicht hat, doch hätte ja auch ihrer Familie auf der Flucht etwas passieren können, oder der Bombenhagel in London hätte sie treffen können. Wir vier waren uns alle einig, daß Sascha Icks eine wirklich hervorragende Wahl als Sprecherin dieses ungekürzten Hörbuchs ist. Die Tonqualität ist wirklich ausgezeichnet, wir hatten auch zu viert im Auto keinerlei Verständnisschwierigkeiten durch Lautstärkeschwankungen. Die Lautstärke ist gleichbleibend, Höhen und Tiefen, werden alleine durch die deutliche und klare Stimme der studierten Otto-Falckenberg-Schülerin erzeugt.

Judith Kerr, Jahrgang 1923 verarbeitete in „Als Hitler das rosa Kaninchen stahl“ ihre eigenen Kindheitserinnerungen, die 1971 erstmals erschien. Wie ihre übrigen Bücher schrieb Judith Kerr auch dieses Buch weder auf Deutsch oder Französisch, sondern auf Englisch.

342 Minuten haben wir den 5 CD's gebannt gelauscht, mehr als einmal. Es ist eine sehr gute Wahl, um sich mit Kindern dem Thema 3. Reich anzunähern, aber auch um sich die Bedeutung einer Flucht zu verinnerlichen.

Von uns erhält es das Prädikat besonders wertvoll!

Veröffentlicht am 13.07.2018

Hab Mut! Man ist nie zu jung oder zu alt, um was zu ändern!

Die Bremer Stadtmusikanten - was wirklich geschah: Oskar ganz nach oben
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Habt Ihr auch schon mal in Bremen vor der Statue der Bremer Stadtmusikanten gestanden und gestaunt, wie sie das hinbekommen haben? Wenn wir im Sportunterricht Menschenpyramiden erschaffen sollten, war ...

Habt Ihr auch schon mal in Bremen vor der Statue der Bremer Stadtmusikanten gestanden und gestaunt, wie sie das hinbekommen haben? Wenn wir im Sportunterricht Menschenpyramiden erschaffen sollten, war es auf jeden Fall alles andere als einfach und die Tiere im Märchen waren doch alt! Das war wohl auch der Grund für Gerlis Zillgens mach genauer nachzuforschen, wie das eigentlich wirklich war....

Hundejunge Oskar sitzt nichts ahnend zu Hause und knabbert an einem Knochen, als ihm seine Eltern, zwei berühmte Forscher nach Neufundland reisen müssen, er solle solange zu Opa nach Bremen, dort werde er auch eine Zeitlang zur Schule gehen. In Bremen ist es alles andere als schön. Opa hängt mit seinen alten Kumpels, die wie er ihre Arbeit verloren haben, weil sie zu alt sind, träge und frustriert in seinem Haus herum. Die Eselin, die dicke Katze und der alte Hahn fühlen sich ebenso nutzlos wie Oskars Opa. Am nächsten Tag in der Schule kommt es noch schlimmer. Er ist der Neue, kennt niemanden und hat keine Freunde. Klar, daß die zwei Klassenrabauken Rambo und Honda ihn drangsalieren, sobald er es mit dem Bockspringen bei ihm nicht klappt. Nur das zarte Pudelmädchen Tiramisu lässt sich von den zwei Rüpeln nicht einschüchtern und ist sogar nett zu Oskar. Mit ihr gemeinsam entwickelt er einen Plan, wie man es den zwei Klassentyrannen mal so richtig zeigen kann und Opa und seine Freunde müssen dabei mit machen. Tiramisu erweist sich als ziemlich unerbittliche Trainerin, aber trotzdem werden die alten Lebensgeister wieder wach!

Diese Geschichte zum Vorlesen und Selberlesen spielt mit den Fantasien der Kinder. Denn Märchen, so wie sie Kindern erzählt werden, werfen ja doch einige Fragen auf und sind bisweilen ziemlich gruselig. Hier werden keine gefährlichen Räuber verjagt, denn welches Kind ist schon bösen Räubern begegnet? Keins, eben, aber fiese Mitschüler kennen Kinder schon, leider. Doch wie soll man diesen begegnen? Sich bloß nicht unterkriegen lassen, wie die gewitzte Tiramisu dem eingeschüchterten Oskar zeigt und gemeinsam ist es sowie so viel leichter, mit Freunden traut man sich viel mehr. Tiramisu gibt Oskar aber nicht nur Selbstvertrauen, sie bringt auch Schwung in die frustrierte Rentnergang. Denn nachdem sie das Problem der zwei Schulhofrabauken analysiert haben, entwickeln sie einen listigen Plan, zu dessen Umsetzung sie die Hilfe der „Großen“ brauchen, doch die sind leider völlig aus der Form. Da hilft nur Übung und die fällt gerade am Anfang richtig schwer! Aber mit der Zeit wird es immer leichter und die Senioren sind auch echt stolz auf ihre beachtlichen Erfolge. Aber auch Oscar wird von Tiramisu nicht geschont. Ihre Trainingsmethode ist dabei sehr speziell und witzig, denn es erklärt mit frechem Augenzwinkern ein Wort, über das sich nicht nur Kinder bislang gewundert haben. Dabei macht Tiramisu auch den jungen Lesern Mut und Sport zum Durchhalten an. Auch Lesen ist anfangs anstrengend, fällt aber dann immer leichter!
Selbst ihre Kölner Wurzeln lassen sich beim Schulsport deutlich erkennen, gerade jetzt in wilden Fußballzeiten wird einigen großen oder kleinen Fußballfans auffallen, daß das Maskottchen des 1. FC Köln sich in die Geschichte hineingeschmuggelt hat. Keine Sorge, es ist nur ein kleines Bonbon am Rande und wird auch sicher Fußball uninteressierten nicht auffallen und nicht stören, für die anderen ist es weiter nur ein lustiges Extra.
Das Ende ist richtig klasse und lebensfroh! Es wird für alle eine sehr gute Lösung gefunden, die alle glücklich macht. Es wird den jungen Lesern vermittelt: hab Mut, trau Dich, halte durch Du schaffst es. Es lohnt sich in jedem Alter zu „kämpfen“, man ist nie zu alt oder zu jung, um etwas zu verändern.
Das Buch richtet sich an geübte Erstleser, das heißt, daß die Seiten wunderbar farbig illustriert sind, allerdings auch schon ordentlich Text auf den Seiten steht. Verwendet wird auch keine Fibelschrift und die Schrifttypen sind auch deutlich kleiner als in der Fibel oder auch im Lesebuch für das 2. Schuljahr. Die Seiten sind an und für sich schön groß, da wäre wirklich noch genug Raum für etwas größere und dickere Drucktypen, gerade wenn man bedenkt, daß Kinder oft weitsichtig sind. Die lesenden Kinder sollten also wirklich schon Spaß am Lesen gewonnen haben. Die lustige Geschichte, die mitten ins kindliche Forscherherz trifft, wird ihren Lesewillen belohnen.
Ach ja, was ich immer wieder vergesse, das Buch ist auch bei Antolin gelistet, wer also von der Schule her dort angemeldet ist, kann hiermit weitere Punkte sammeln.

Sowohl die Geschichte, als auch die umwerfenden Illustrationen von Katja Jäger sind wirklich toll. Witzig, frech und kurzweilig. Da aber aller Anfang schwer ist, ziehe ich einen Stern für den Schrifttypus und die Schriftgröße ab, weil meine Töchter anfangs Serifenschrift komplett verweigert haben und beide nun einhellig der Meinung sind, die Schrift wäre zu klein für Anfänger. Das ist ein Punkt, der uns sehr wichtig ist, weil meine Kinder deswegen ganz oft auf ebooks umsteigen, um die Schrift zu vergrößern und es hier nur die wunderschöne Printausgabe gibt, bei der es diese Möglichkeit leider nicht gibt.

Daher leider nur gute 4 von 5 Sternen, die Geschichte und die Illustration verdienen 5.