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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 15.08.2018

Sehr lecker, sehr einfach!

Brot backen mit Emmer, Einkorn und Co. im Brotbackautomaten
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Dieses Backbuch richtet sich explizit an Brotbackautomateninteressierte. Es werden daher zwar Tipps für den Kauf von Brotbackautomaten gegeben, und welche Unterschiede es gibt, aber keine Kaufempfehlung ...

Dieses Backbuch richtet sich explizit an Brotbackautomateninteressierte. Es werden daher zwar Tipps für den Kauf von Brotbackautomaten gegeben, und welche Unterschiede es gibt, aber keine Kaufempfehlung für ein bestimmtes Produkt ausgesprochen. Aus diesem Grunde werden keine Backzeiten und keine Temperaturangaben in diesem Buch getroffen. Es soll hier gezeigt werden, wie leicht es ist in den Alltag das Backen von Brot wie selbstverständlich einzubauen und nicht immer nur Hefeweißbrote, sondern auch ganz unterschiedliche Sorten.

Neben den Entscheidungshilfen für den Kauf eines Brotbackautomaten, werden auch die verschiedenen Urkornsorten deren Besonderheiten und Geschmack vorgestellt. Dem folgen Mehle deren Entdeckung sich lohnt (z.B. Nussmehle oder Stärkemehle) und vom Getreide zum Mehl. Hier werden Begriffserklärungen gegeben, über die ich bisher nie nachgedacht habe so handelt es sich bei Mehl, Dunst, Graupen, Gries, Grütze, Flocken etc. um Feinheitsgrade. Es wird auch auf die verschiedenen Mehltypen in Deutschland, Schweiz und Österreich hingewiesen und auf die Zutaten für Urkornbrote hingewiesen. Hier findet sich ein Grundrezept für Sauerteig, woran ich mich bisher nie herangetraut habe, weil es immer als zu aufwendig bezeichnet wurde. Das ist aber in der Tat Quatsch. Es ist sehr einfach, man braucht nur eine sehr große Schüssel mit Deckel (damit kein Dreck reinfällt) und 4 Tage Zeit um die Schüssel Stehen zu lassen und jeden Tag 100 g Mehl und 100 ml Wasser beizufüttern). Das Produkt kann man nun 1 Woche im Kühlschrank lagern. Allerdings ist 4 Tage Herrichtzeit bei 1 Woche Lagerung dann doch etwas unpraktisch, vorallem, ist es ja dann wirklich viel Zeugs, so viel braucht man für die Rezepte nie! Ich würde daher das nächste Mal nur 50 g Mehl und 50 ml Wasser testen. Das Wetter war in diesem Sommer optimal, das wurde wirklich sehr säuerlich und treibstark mein Produkt und wollte unbedingt die weitere Küche erobern (meine Schüssel war zu klein). Im Winter werde ich die Schüssel wohl auf die Heizung stellen müssen. Ich habe auch zwei Brote mit selbstgezüchtetem Natursauerteig gebacken. Man sollte den Sauerteig immer aus der Kornsorte zu bereiten, aus der man das Brot backen möchte, man kann einen fertigen Ansatz aber auch „umfüttern“ was ich gemacht habe, weil es mir dann doch zu sehr Verschwendung war, meinen Roggensauerteig weg zu werfen, um ein Dinkelsauerteigbrot zu backen. So konnte ich dann doch noch etwas mehr mit meiner Unmenge an Sauerteig anfangen, da mich an diesem Punkt das Buch (wie auch andere Teilnehmer der Leserunde) etwas ratlos zurückließ.


Das Lichtkornroggensauerteigbrot war schön kross, aber leider zu feucht (das lag an meiner zu kleinen Schüssel, da habe ich am 4. Tag die Zutaten geraten, statt sie abzuwiegen), dennoch von der Familie genehmigt. Für unseren Konsum war es etwas zu groß. Das helle Ur-Dinkel-Sauerteigbrot war dann perfekt, nachdem ich aus dem alten Fehler gelernt habe und ich soll es unbedingt noch mal backen. Das werde ich für beide Brote auf jeden Fall tun. Den Hinweis, daß es sich immer noch empfiehlt Trockenhefe beizufügen, fand ich sehr hilfreich. Auch sehr gut gefallen hat mir für alle Rezepte der Brühstückansatz, um die Brote griffiger und länger haltbar zu machen, in dem man einen Teil der Zutaten einige Stunden zuvor mit heißem Wasser übergießt, damit diese schon etwas ausquellen können. Es verbessert wirklich sehr gut die Struktur des Brotes.


Sehr gut schmeckte meiner Familie auch das Ur-Dinkel-Vollkornbrot, mit Apfelessig zum Säuern des Brotes mit Trockenhefe. Außerdem lassen sich die Urkornmehle auch einfach gut wie gewohnt verarbeiten, so daß ich ein Ciabatta mit Ur-Dinkel und Emmer unter Verwendung eines Brühstücks kreiert habe (das Prinzip des Brühstücks wird sehr gut erklärt), was ebenfalls sehr gut ankam.


Einige Rezepte hatten mir zu viele verschiedene Zutaten, so viel Platz zum Lagern von verschiedenen Mehlen und Süßungsmittel (Argavendicksaft, Honig und Zuckerrübensirup) haben wir nicht, daher habe ich sie erst gar nicht ausprobiert, auch wollte ich mich nicht auf die Suche nach Backferment begeben.


Hilfreich finde ich auf S. 48ff. Die möglichen Fehlerquellen, wenn das Brot mal nicht so ausfallen sollte, wie man es sich vorstellt. In einigen Fällen werden auch Abhilfemöglichkeiten präsentiert, damit man den gleichen Fehler nicht zweimal macht.


Sehr gut hat mir die Erklärung der Basics gefallen, so daß man die Grundprinzipien versteht und entsprechend Rezepte abwandeln kann. Mein Brotbackautomal ist schon älter und die Knethaken lassen sich nicht mehr gut lösen, weshalb ich dann die letzten 3 Brote im Ofen gebacken habe, anhand von Erfahrungswerten. Mit Erfahrung kann man also auch gut im Ofen backen, z.B. wenn man einen Thermomix zu Hause hat. Für blutige Anfänger ist es aber nicht wirklich zu empfehlen, die Brote im Ofen zu backen. Man benötigt dann schon Rezepte die einem verraten wie lange man Brote welcher Größe wie lange auf welcher Stufe bei welcher Temperatur backt. Im Automaten muß man ja nur Größe und Bräunungsgrad eingeben. Wer also vorhat per Hand zu backen und keine Erfahrung hat, der sollte wohl ein anderes Buch wählen. Wer aber bereits einen Brotbackautomaten hat und nicht immer auf Fertigbrotbackmischungen zurückgreifen möchte, der ist bei diesem Buch gut bedient. Wer selbst backt, weiß stets was in seinem Brot enthalten ist, gerade in Zeiten von steigenden Nahrungsmittelunverträglichkeiten ist dies ausgesprochen wichtig.


Ein Buch, das bei uns nun Einzug in den Alltag gefunden hat, aus dem wir aber sicher auch noch neue Rezepte ausprobieren werden, wie z.B. aus der Rubrik süße Gebäcke aus Urgetreide. Da immer mehr Freunde von uns aus Gründen der Verträglichkeit von Weizen abkommen und auf Dinkel umsteigen, ist es sehr reizvoll auch ein paar süße Rezepte zur Verfügung zu haben.


Die Auswahl an Rezepten ist zwar mit 50 recht begrenzt, aber dennoch sehr ausgewogen und variabel. Sehr gut nicht nur für den Einstieg für Brotbackautomatenkäufer geeignet.


Dieses Buch darf definitiv bleiben und meiner Freundin, die mich nach den Urkornsorten fragte, werde ich es wirklich empfehlen.

Veröffentlicht am 07.08.2018

Flätschermäßig spannend und witzig!

Flätscher (4)
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Flätscher, das coolste und schlauste Stinktier der Stadt ist zurück! Diesmal ist er in argen Nöten! Spitzenkoch Bode, der Vater seines Detektiv Assistenten Theo und zuverlässiger Lieferant von Flätschers ...

Flätscher, das coolste und schlauste Stinktier der Stadt ist zurück! Diesmal ist er in argen Nöten! Spitzenkoch Bode, der Vater seines Detektiv Assistenten Theo und zuverlässiger Lieferant von Flätschers Leibspeise Semmelknödeln ist verreist und das ohne den von seinem Sohn erbetenen Semmelknödelvorrat da zu lassen! Flätschers Magen knurrt, er ist der Verzweiflung nahe, wie soll ein Detektiv so denken können? Doch auch Theo hat es nicht leicht, immer wenn sein Vater verreist, behält Haushälterin Hannelore ihn stets im Auge. Keine Semmelknödel, keine Freiheit! Äußerst schlecht gelaunt begibt sich Flätscher auf den Wochenmarkt, wo er sich früher auch mit Lebensmitteln versorgt hat. Während er die Reste von Hildas-Fischköppe-Stand verspeist macht der gerissene Detektiv, ohne aktuellen Auftrag, eine Entdeckung: immer mehr Wochenmarktbesucher vermissen ihr Portmonnaie und ihre Schlüssel. Als sich auch Hannelore und Theo dem Stand eines windigen und höchst verdächtigen Wunderpastenverkäufers nähern, wird Flätscher misstrauisch und versteckt sich unter dem Stand. Dabei fällt sein Blick auf eine Kiste mit unerwartetem Inhalt! Ein klarer Fall für den Meisterdetektiv und seine Helfer!

Flätscher is back! Und das ist auch gut so! Autorin Antje Szillat und Illustrator Jan Birck sind ein eingespieltes Team. Da stimmt einfach das Zusammenspiel von Text und Bild auf jeder Seite dieses Comic-Romans für junge Lesemuffel und Jungdetektive. Denn dies ist einer von Flätschers spannendsten Fällen und er und Theo machen dabei eine ganz unglaubliche Entdeckung, die wahrscheinlich den Fortgang der nächsten Bände erheblich beeinflussen wird. Aber psst, streng geheim!
Sehr schön finden wir als weibliche Leser, daß die Rolle von Cloe der Zwergwieseldame, die nicht nur eine begnadete Sängerin, hinreißend schön und lieblich ist, sondern auch die Sekretärin und gute Seele der Detektei, immer mehr zum heimlichen Star aufsteigt. Während Flätscher versucht sie zu beschützen, rettet sie ihn. Herrlich! Hierdurch gewinnt die Reihe dicke Sympathiepunkte bei den weiblichen Lesern. Die garstige Knesemeier und Haushälterin Hannelore eignen sich ja nicht wirklich als Identifikations-Figuren für weibliche Leser.
Außerdem lernen alle Leser, egal welche Alters und welchen Geschlechts noch einen Trick, um Angst abzubauen, den Theo verrät. Woher er den Trick hat? Na, aus den Comic-Romanen der Rick-Reihe der Autorin. Wem das Konzept gefällt und nach 4 Bänden noch nicht genug hat, aber immer noch keine Lust auf „normale“ Bücher ohne Anleihen aus der Comic-Sprache und Sprechblasen und lustigen Illustrationen, dem wird somit empfohlen einfach mit die Rick-Reihe der Autorin weiter zu lesen (geschickte Eigenwerbung im Buch, Frau Autorin!)
Das Konzept dieser Reihe? Flätscher ist ein echtes Großmaul und so spricht und denkt er „verträufelt nochmal“. Er hat seine ganz eigene, liebenswert großspurige Sprache, ist ja wohl logissimo! Schon an seinen charakteristischen Sprachschöpfungen ist Flätscher eindeutig zu erkennen. Meine Töchter lieben das und sprechen fast schon mit, ist ja wohl stinkologisch! Wegen der vielen farbigen Illustrationen von Jan Birck in der Buchvorlage waren wir ja sehr skeptisch, ob das Konzept als Hörbuch eigentlich aufgeht. Wie soll der Sprecher Erkki Hopf denn bloß den Comic-Style von Jan Birck und eine unschlagbaren Illustrationen umsetzen. Na ja, so ganz ohne weiteres geht es tatsächlich nicht. Das Buch wurde für audiolino mit Antje Szillat umgeschrieben, um die Illustrationen hörbar zu machen. Erkki Hopf ist es tatsächlich auch gelungen, den großmauligen Knödelgierigen Ermittler zum Klingen zu bringen. Facettenreich bringt der Ohnesorg-Theatermime die verschiedenen tierischen Helden plus Theo und die fiese Knesebeck zum Leben. Zwergwieseldame Chloe natürlich mit französischen Akzent n’est-ce pas! Sehr lebendig und lustig, finden wir.
Wer möchte, daß die Kinder nur sprachlich ausgefeilte Sätze lesen, die sie eins zu eins in Schulaufsätze übernehmen könnten, sollte wohl andere Geschichten wählen. Wer aber möchte, daß sein Lesemuffel endlich mal Spaß am Geschichtenerzählen hat, der ganz gewiss sein, freudiges Gegiggel der Kinder zu hören. Es könnte passieren, daß die Kinder anschließend anders reden und eventuell auch noch nach dem Comicroman fragen, um ihn zu lesen. So soll es ja sein, diese Reihe ist spannend, lustig und soll Lust auf Bücher wecken!

Veröffentlicht am 07.08.2018

Ist es wirklich ein Traum Prinzessin zu sein, oder ein Albtraum?

Prinzessin undercover - Geheimnisse
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Eleanor Woolfson, genannt Ellie ist die Prinzessin von einer kleinen alten Monarchie. Bisher ist sie öffentlich nicht in Erscheinung getreten und das möchte sie vorerst auch vermeiden, sie liebt es „normal“ ...

Eleanor Woolfson, genannt Ellie ist die Prinzessin von einer kleinen alten Monarchie. Bisher ist sie öffentlich nicht in Erscheinung getreten und das möchte sie vorerst auch vermeiden, sie liebt es „normal“ zu sein, wild, frei und rebellisch. Daher setzt sie ihren Willen durch und bricht mit der Familientradition das Internat E. zu besuchen, wo man sie perfekt schützen könnte, es um ihre Anonymität jedoch geschehen wäre. Sie entscheidet sich das Internat Rosewood inkognito zu besuchen, lediglich von ihrem mit ihr aufgewachsenen, gleichaltrigen Beschützer (Partist) Jamie begleitet.
Charlotte (genannt Lottie) Pumpkin hingegen, träumt wie ihre verstorbene Mutter davon eine Prinzessin zu sein. Zu ihrem 7. Geburtstag bekam sie ein Diadem geschenkt und sie setzt all ihren Ehrgeiz daran den Traum ihrer Mutter zu erfüllen und ein Stipendium für das Elite-Internat Rosewood zu ergattern. Auf Rosewood werden die zwei Mädchen die ungleicher nicht sein könnten, Freundinnen. Als Lottie Ellie offenbart, welche seltsame Drohungen und „Geschenke“ sie seit ihrer Ankunft im Internat erhält, legt Ellie ihre wahre Identität offen, es ist klar, daß jemand Ellie nach dem Leben trachtet, aber nicht weiß, wer die wahre Prinzessin ist. Mutig und mit vereinten Kräften versuchen Ellie, Lottie und Jamie den Komplott aufzudecken und die Gefahr für Ellie zu bannen.
Anfangs wird die Geschichte in zwei Erzählsträngen erzählt, in dem von Lottie und dem von Ellie, bis diese sich wirklich anfreunden und zu einer Einheit werden. Das finde ich erzählerisch geschickt gemacht.
Die wilde raue Ellie, die Rebellin, die gerne auf die Hofetikette pfeifen würde und lieber Rockkonzerte als Adelsbälle besuche würde, habe ich auf Anhieb gemocht. Lottie war mir hingegen etwas zu rosa und naiv, lebt mir zu sehr in einer Märchenwelt, dennoch ist sie liebenswert und durchaus sympathisch, aber halt sehr brav (das bin ich ja schon selbst ;)).
Man begleitet die Mädchen und ihren persönlichen Beschützer durch den Internatsalltag, wobei das Internatsleben nicht so sehr im Vordergrund steht wie die Bedrohung von unbekannter Seite, die das Leben der Mädchen in Gefahr bringt. Gut gefällt mir, daß bei Mädchen Stärken und Schwächen habe, aber keine von beiden ist ein Superstar und kann alles. Sie sind stets auf Hilfe und Unterstützung angewiesen. So ist es auch mehr eine Geschichte über Freundschaft und Verschwörung, als eine Internatsgeschichte.
Die Geschichte ist schön und hat mir gut gefallen, aber völlig mitgerissen hat sie mich leider nicht. Vielleicht liegt das an der gekürzten Lesefassung. Mit 5 CD’s und über 6 Stunden Laufzeit ist die Geschichte zwar nicht verstümmelt worden, aber einige Nebenrolle sind doch ziemlich blass geblieben. Dadurch habe ich sie als Hauptverantwortliche der Intrige gleich ausschließen können, was ein wenig die Spannung aus der Geschichte nahm.
Sehr gut gefallen hat mir jedoch die Idee, daß die Reichen und Ganz schön Reichen von klein auf eigene, speziell für sie ausgebildete Beschützer (Partisten) wie Leibeigene der loyalsten Sorte zur Seite gestellt bekommen und Doubles genannt Porter, ihre Identität vorspiegelt, um eventuelle Angriffe auf sich umzuleiten. Dieses auf die Spitze Treibens des Mottos der Musketiere „Einer für alle, alle für einen“ und ihre Bedeutung für eine noch junge Freundschaft, fand ich wirklich interessant. Daher bin ich schon gespannt, wie es im 2. Teil weitergehen wird.

Das wahre Highlight dieses Hörbuches war für mich jedoch Sprecherin Monika Oschek, die u.a. aus der ARD-Serie „Charité“ bekannt ist. Sie schafft es Ellie und Lottie vielschichtig von einander akustisch abzugrenzen. Während Ellie sehr viel rauer und unbezähmbarer klingt, ist ihre Verkörperung von Lottie viel weicher und angepasster, wobei unter ihrer braven Schale der Kampfgeist einer Löwin, äh Wölfin lauert.

Die Schauspielerin Monika Oschek, u. a. bekannt aus der ARD-Serie "Charité", spielt ihre Rollen alles andere als süßlich und sticht als charismatischer Typ hervor. Eine ideale Voraussetzung, den vielschichtigen Persönlichkeiten von Ellie und Lottie stilvoll gerecht zu werden.

Die Tonqualität ist einwandfrei, ohne Schwankungen oder „Veratmer“ mit angenehm gesetzten Tracks.

Ein schönes Hörbuch das ich ab 11 Jahren gut und gerne weiterempfehle mit 4 von 5 Sternen.

Veröffentlicht am 06.08.2018

Braune Gesinnung hinter elitärer Fassade

Elitewahn
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Dies ist der 2. Fall für die selbstständige Gärtnerin Malie Abendroth und ihre Freundin, die Archivarin und Umweltaktivistin Lioba Hanfstängl.
Malie ist glücklich über ihren neuen Auftrag, den Park der ...

Dies ist der 2. Fall für die selbstständige Gärtnerin Malie Abendroth und ihre Freundin, die Archivarin und Umweltaktivistin Lioba Hanfstängl.
Malie ist glücklich über ihren neuen Auftrag, den Park der Schlossanlage des Eliteinternats Schloss Waldesruh am Bodensee umzugestalten. Die Schüler sind wohlerzogen und gehen ihr mit ihrem jungen Sport- und Biologielehrer Malte Jansen kräftig zur Hand. Doch Malte Jansen fühlt sich im Internat immer unwohler und äußert Malie gegenüber, daß er den Eindruck habe, daß an der Schule mit militärischen Drill und rechtem Gedankengut gearbeitet würde. Eigentlich könne er es nicht mit seiner Einstellung vereinbaren dort zu arbeiten und überlegt, seine Beobachtungen zu melden. Doch dazu kommt er nicht mehr, er wird tot in seinem Internatszimmer aufgefunden.
Lioba erhält als Archivarin im Umweltamt eine schriftliche Anfrag eines emeritierten Professors, der sich für die Güter jüdischer Familien rund um Konstanz interessiert. Er möchte daher Einblick in die Bauunterlagen von Schloss Waldesruh nehmen, um mehr über den Bauherren zu erfahren.
Lioba kniet sich für den reizenden älteren Herren gerne in ihre Aktenberge und fördert erstaunliches zu Tage. Als sie sich mit ihm treffen will, um die neuesten Erkenntnisse auszutauschen, findet sie den Professor tot in seinem Wohnzimmer. Wem gehörte nur die 2. benutzte Kaffeetasse auf dem Tisch?

Malie ist Halbasiatin, liebt die fettarme asiatische Küche, asiatische Kampfsportarten und überhaupt Sport im Allgemeinen. Dazu veranstaltet sie in ihrer alten Villa gerne entgeltliche exklusive Dinners, für die Lioba schon mal gerne Probeessen darf. Da Lioba seit dem Mordanschlag auf sie in Band 1 deutlich an Gewicht zugelegt hat, will Malie sie mit gemeinsamem Sport und bewußter Ernährung zur Gewichtsreduktion animieren. Aus diesem Grunde wird in diesem Buch viel Sport getrieben und gekocht. Lioba bewundert Malie dafür, daß sie essen kann was sie will und nicht zunimmt. Aber ehrlich, wer so viel Boden umgräbt, Sport treibt und sich wie beschrieben ernährt, kann gar nicht zunehmen, schon gar nicht in dem Alter. Ich finde die Protagonistinnen schon sympathisch, aber da ist mir Malie dann doch etwas zu belehrend. Für mich ist es unerklärlich, wie sie sich als Gärtnerin solch eine freistehende Villa am Bodensee leisten kann und wie sie als Halbasiatin und Gärtnerin an einen derartigen Auftrag kommt. Ich hätte angenommen, daß eine Einrichtung mit solch rechter, elitärer Gesinnung dann doch eher einen blonden Landschaftsarchitekten engagiert. Aber auch nicht alle im Internat sind Malie gegenüber wohlgesonnen und beurteilen sie nach ihrer Leistung, sondern sind mehr oder wenig offen rassistisch ablehnend. Gerade mit dem Tod von Malte Jansen wird die Stimmung ihr gegenüber nicht unbedingt besser, schon gar nicht, weil sie bisweilen unangekündigt in verschiedenen Teilen des Internats auftaucht und Reden belauscht, die nicht für ihre Ohren bestimmt sind. Mir persönlich liegt die idealistische Umweltschützerin Lioba mehr, da mir Malie einfach etwas zu glatt und perfekt ist.

Da dieser Bodenseekrimi im Milieu moderner rechter Parteien mit mehr oder weniger faschistischen Ansichten spielt und es auch um das Schicksal der großen Vermögen während des 3. Reichs emigrierter Juden geht, wird in der Erzählperspektive auch mit Rückblenden gearbeitet. Wie war es für den Sohn der ehemaligen Schlossherren damals, als in Deutschland die Synagogen brannten? Was ist inzwischen aus ihm geworden und aus seinem Freund, dem Sohn des Gutsverwalters? Der historische Teil und Liobas Recherchearbeit zu dem Schicksal jüdischer Emigranten gefällt mir ausgezeichnet. Die Feinheiten der nationalsozialistischen Steuerverwaltung waren mir in ihrer Perfidie nicht bekannt. Mir wurde mal gesagt, daß kein Volk den Völkermord so akribisch organisiert hat, wie die Deutschen. Ein Aspekt, der einem beim Lesen gerade dieses Krimis immer wieder bewusst wird. Durch die gründlich Verwaltung und Buchführung ist es aber auch wiederum möglich Ungereimtheiten aufzufinden, wenn man erst einmal danach sucht.

Auch menschlich hat dieser Krimi viel zu bieten, hier liegen Tragödie und große Freundschaft nah beieinander, ohne daß es kitschig wird. Dafür wird dem Leser aber auch Wohlstandsverwahrlosung, Standesdünkel, rechte Überheblichkeit und die Macht von Geld aufgezeigt. Eine wirklich interessante Mischung, auch wenn man den Vorgängerband nicht kennt.

Für mich lag der Reiz gerade in der von den zwei Freundinnen ausgegrabenen Geschichte der Bodenseeregion, zu Zeiten des 3. Reichs. Die Krimispannung lässt etwas auf sich warten, wobei ich mich bei den Nachforschungen zur Geschichte überhaupt nicht gelangweilt habe. Der Showdown wird allerdings selbst für mich als absoluten Handymuffel etwas unglaubwürdig. Es gibt Momente, da gehe selbst ich nicht ohne Handy aus dem Haus. Wenn ich nachschnüffeln wollte, wo ich nicht wirklich willkommen bin, würde ich niemals alleine und ohne Handy hingehen, dass ist selbst für Kampfsportler unverantwortlich in Zeiten in denen im Darknet alles erhältlich ist. Allerdings werden offene Fragen geklärt und es gibt auch ein zum Teil sehr versöhnliches Ende, was mir wiederum gut gefallen hat.

Die Autorinnen Liliane Skalecki und Biggi Rist sind inzwischen ein eingespieltes Team und haben mindestens 5 Krimis gemeinsam geschrieben, oft mit brisantem politisch/historischen Hintergrund, allerdings zu ganz unterschiedlichen Themen.

Ein guter Krimi der mir einige gut recherchierte Aspekte deutscher Geschichte vor Augen führte.

4 von 5 Sternen.

Veröffentlicht am 05.08.2018

Auch Freundschaft braucht Regeln

Bim, die Zauselmaus: Das Freundschaftsfest (Lesenlernen mit Spaß + Bim 2)
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Bim die Zauselmaus ist ein Ableger der Abenteuerreihe „Im Zeichen der Zauberkugel“ in der Bim sich zum heimlichen Liebling der Kinder entwickelt hat. Daher eine eigene Reihe mit Bim für jüngere Kinder, ...

Bim die Zauselmaus ist ein Ableger der Abenteuerreihe „Im Zeichen der Zauberkugel“ in der Bim sich zum heimlichen Liebling der Kinder entwickelt hat. Daher eine eigene Reihe mit Bim für jüngere Kinder, um mit viel Spaß Lesen zu lernen. In Band 1 hat Bim sich aus dem Haus von Alex, in welchem er wohnt gewagt und seine neuen tierischen Freunde, die er in allerlei misslichen Situationen getroffen hat, kennengelernt. Auf dem Dachboden haben es sich der witzige Hamster Lutz, der starke Degu Arnie, der verschlafene Siebenschläfer Schnarchibald, das dichtende Frettchen Sonnett bei Bim gemütlich gemacht. Sie planen und bauen gemeinsam ein kuscheliges Nest für alle. Als sie gerade fertig sind und stolz ihr Werk bewundern, geht plötzlich ein Nusshagel auf sie nieder. Mutig gehen die Freunde der Quelle des Nussregens nach und entdecken ein fremdes Eichhörnchen, das sie mürrisch und herausfordernd ansieht. Während Arnie den Eindringling fortjagen will, setzt Bim auf Freundlichkeit. Geduldig erfährt er den Namen des abweisenden Neulings und lädt ihn zum Essen ein. Das gefällt den anderen gar nicht, aber Eichhörnchen Brutus ist völlig überrascht, so viel Freundlichkeit kennt es nicht und kann auch nicht wirklich damit umgehen. Eine Geschichte über eines Widerspenstigen Zähmung und wahre Freundschaft.

Freundschaftsgeschichten für Kinder gibt es viele. Hier geht es aber mal um einen wirklich wichtigen Aspekt, den Kinder auch erst lernen müssen. Teilen. Zur Freundschaft gehört das Teilen dazu, denn wie Sonnett schon meint: „ Ein Essen schmeckt besonders dann, wenn man es mit Freunden teilen kann, und auch mit Glück ist's ebenso: Geteiltes Glück macht doppelt froh!“. Aber Freundschaft und Teilen sind kein Kommunismus. Nur weil Freunde untereinander teilen, heißt das nicht, daß sich jeder nehmen kann was er möchte. Dein und Mein bleiben bestehen, doch wer freundlich fragt, der erhält gerne von den Freunden etwas ab. Dies sollte sich aber auf Gegenseitigkeit beziehen und niemals dem Gebenden alles nehmen. Anders als beim Sterntaler wird hier schon in gewisser Weise auf Nachhaltigkeit geachtet. So regnet es keine Goldtaler vom Himmel, aber es wird eine solide Basis für echte Freundschaft und ein glückliches geregeltes Miteinander gesetzt. Denn funktionierende Gemeinschaften brauchen allgemeinverbindliche Regeln, die alle zu respektieren haben. Das klingt nun furchtbar trocken und für Kinder viel zu theoretisch, aber wenn es in Form von Nüsse werfenden diebischen Eichhörnchen erzählt wird, ist es für Kinder sehr gut nachvollziehbar und gar nicht langweilig. Wenn alle einander helfen, bleibt am Ende auch Zeit und Energie für eine tolle Party, ein Freundschaftsfest eben!

Wie schon Sonnetts Reim zeigt, geht es nicht nur um Regeln in der Gemeinschaft, sondern auch daran Spaß zu haben und jedes Tier hat seine eigenen Stärken und Schwächen. Sonnett ist zum Beispiel furchtbar vergesslich, sobald der Gedanke jedoch in Reimform verfasst ist, kann sie ihn sich prima merken, weshalb sie meist in Reimen spricht. Das kommt bei Kinder sehr gut an und bleibt nicht nur besser im Gedächtnis, sondern weckt auch die Freude am Spiel mit Sprache.

Als Buch, welches sich gezielt an Leseanfänger ab 6 Jahren richtet, ist die Geschichte von kurzen und einfachen Sätzen geprägt und bei Antolin zum Erwerb von Punkten gelistet. Gedruckt ist sie in großer Fibelschrift (die Schriftart der Lesebücher der 1. Klasse) mit einem hohen Anteil an farbigen Illustrationen. Hierbei wurde absichtlich eine andere Illustratorin als für die Hauptreihe engagiert, da diese Bilder spannend und geheimnisvoll wirken sollen, während für Leseanfänger fröhliche, farbenfrohe Bilder ansprechender sind. Elli Bruder lebt mit ihrem Mann und einem Stall voller Tiere in Norddeutschland und liebt es ganz besonders Tiere zu zeichnen.

Stefan Gemmel 1970 in Morbach geboren schreibt schon seit einiger Zeit erfolgreich Kinder- und Jugendbücher, die in 18 Sprachen übersetzt wurden. Neben Literaturprojekten und Schreibwerkstätten für Kinder, wagt er sich immer wieder an neue Weltrekordversuche auf dem Gebiet der Literatur Lesungen. Für seine ungewöhnlichen Lesungen, Lesenächten und Workshops, erhielt er zahlreiche Auszeichnungen, darunter „Lesekünstler des Jahres 2012“ - zu recht, wie wir finden, seine Erklärungen zu den unterschiedlichen Arten von Büchern, einschließlich Taschenbüchern, haben meine Töchter nachhaltig beeindruckt.

Eine wirklich schöne Reihe, von der nun auch gerade der 3. Band „Bim die Zauselmaus: Der gemeine Kuchendieb“ erschienen ist.

5 von 5 Sternen.