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Veröffentlicht am 20.06.2025

Chancen und Gefahren der modernen Medizin - packender Jugendthriller

Thalamus
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Eben noch war der 17 jährige Timo mit dem Motorroller unterwegs zu seiner Freundin Hanna, um ihr ein Geschenk zu ihrem Halbjahresjubiläum, allen Witterungen zum Trotz, zu bringen, nun wacht er in einem ...

Eben noch war der 17 jährige Timo mit dem Motorroller unterwegs zu seiner Freundin Hanna, um ihr ein Geschenk zu ihrem Halbjahresjubiläum, allen Witterungen zum Trotz, zu bringen, nun wacht er in einem Krankenhausbett auf. Er hat ein schweres Schädel-Hirn-Trauma erlitten, kann nicht mehr Sprechen, nicht mehr Lesen und nicht mehr Gehen... Die Ärzte sind nach seiner OP aber zuversichtlich, dass er im Reha-Zentrum Markwaldhof sich schnell erholen und Fortschritte machen wird. Er teilt sich das Zimmer mit dem Wachkomapatienten Magnus, den sein Nachbar Carl vom Zimmer gegenüber, nur als „Gemüse „bezeichnet. Doch nachts steht Magnus auf, verlässt das Zimmer und droht ihn mit einem Kissen zu ersticken, sollte er anderen davon erzählen. Auch an sich selbst stellt er merkwürdige Veränderungen fest: nachts kann er aufstehen und ist viel fitter als tagsüber, manchmal kann er nachts sogar sprechen. Am nächsten Morgen ist alles wieder weg. Immer häufiger hört er eine unerklärliche Stimme in seinem Kopf, die ihn warnt und ihn teilweise Dinge tun lässt, die er nicht will. Trotz seiner Einschränkungen freundet er sich mit Carl und der ehemaligen Turmspringerin Mona an, die nach einem Unfall im Rollstuhl sitzt. Sie scheinen jedoch nicht zu bemerken, was um sie herum vor sich geht. Als Timo nachts einige Ärzte belauscht, wird ihm erst das Ausmaß der Gefahr bewusst, in der sie schweben. Doch wie soll er Carl und die anderen warnen, wenn er nicht Sprechen und nicht Schreiben kann?

Fremd im eigenen Körper, aller seiner bisherigen Fähigkeiten beraubt, Stimmen im Kopf und Gliedmaßen, die bisweilen einem fremden Willen gehorchen. Ein unvorstellbarer Albtraum, der nicht enden zu wollen scheint.

Es fängt ganz langsam an. Anfangs scheint es nur das Grauen, der unfallbedingten Einschränkungen zu sein doch nach und nach dämmert einem mit Timo, in dessen Kopf man sich bisweilen zu befinden scheint, dass es noch viel schlimmer, viel beklemmender ist. Timo macht immer mehr Fortschritte und nimmt zu immer mehr Personen im einsam gelegenen Markwaldhof auf. Einige wachsen ihm immer mehr ans Herz, denn eigentlich ist es für ihn unverständlich, warum Carl sich so viel Zeit und Mühe mit ihm gibt. Als die Lesefähigkeit zurück kommt, beginnt er wie Carl die Krankenblätter an den Betten seiner Mitpatienten zu lesen und ihm fallen Muster auf, die er sich nicht erklären kann.... je mehr er versteht, desto größer wird seine Angst, desto mahnender und fordernder die Stimme in einem Kopf.

Ein Jugendthriller, aus dem Bereich der Hirnchirugie und Nanobottechnik. Immer noch sehr modern und erschreckend und hoffnungsvoll zugleich. Da nicht alle die gleichen Vorkenntnisse haben, wird man behutsam und verständlich in dieses Thema eingeführt. Man begreift die Möglichkeit und die Risiken und die Macht des Geldes und die Gefahr des Suchts nach Ruhm und Geld. Während wir mit Timo persönliche Beziehungen zu seinen neuen Mitpatienten aufbauen und deren Einschränkungen und Fähigkeiten und Persönlichkeiten zu verstehen lernen, wird noch eine weitere Spannungsebene aufgebaut. Neben der neurologischen, eine persönliche. Hierbei weist die Autorin viel Gespür für die Würde und die inneren Nöte, der von ihr beschriebenen Jugendlichen.

Jens Wawrczeck leiht dem lange Zeit stummen Timo in seinen Gedanken, eine eindringliche Stimme. Man spürt seine Verzweiflung. Der letzte Moment, an den er sich erinnern kann,war doch perfekt, und nun... Man spürt aber auch Timos wachsene Stärke, seinen Mut und seine Ohnmacht. Diese sich immer wieder abwechselnden Gefühle schafft er problemlos mit seiner nie alternden Stimme zu vermitteln, ebenso wie das Gefühl für Gefahr. Mit der Zeit spitzt sich die klaustrophobische Situation immer weiter zu bis sie gegen Ende ihren Höhepunkt in einem großen Showdown findet. Diese schier ausweglose Situation, dieses Drängen und der unbedingte Wille, dieses schier unausweichliche Schicksal aller abzuwenden, wird von ihm stimmlich super vermittelt.
Ein Jugendthriller, der bewegt und nachdenklich stimmt, bewegend gelesen!

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Veröffentlicht am 19.06.2025

Leander heiratet...

Lautlose Feinde
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Einen Tag vor der Hochzeit von Leander Lost, dem Asperger autistischem Austauschkommissar aus Hamburg und Soraia Rosado, der Schwester seiner Vorgesetzen, geschieht im Hinterland von Fuseta ein Mord. Das ...

Einen Tag vor der Hochzeit von Leander Lost, dem Asperger autistischem Austauschkommissar aus Hamburg und Soraia Rosado, der Schwester seiner Vorgesetzen, geschieht im Hinterland von Fuseta ein Mord. Das Opfer ist ein Zollbeamter, der am Flughafen von Faro arbeitet und kurz darauf erhält dessen Tochter eine Lösegeldforderung für ihre entführte 9 jährige Tochter Maria. Hat André Bento sterben müssen, weil er seine Enkelin schützen wollte? Dabei erscheint auch noch ein Mitarbeiterin der Internen Ermittlungen am Tatort und überträgt die Leitung ausgerechnet Miguel Duarte, da gegen Gracia Rosado, wegen tödlicher Schüsse ermittelt wird. Miguel sieht endlich seine große Chance gekommen, hat aber gleichzeitig Angst vor einer Entscheidung.... Warum sollte jemand die Tochter einfacher Gemüsehändler entführen und 250.000,- € erpressen, sofern sie nicht an Organhändler verkauft werden soll? Leander mit seinem gnadenlos logisch, analytischen Verstand bemerkt schnell sämtliche Ungereimtheiten, im Tatmuster, wenn auch nicht die zwischenmenschlichen Feinheiten. Als es den Ermittlern gelingt Maria zu befreien, kann entspannt und ausgelassen endlich die Hochzeit gefeiert werden. Nur, das der Nebel über der Algarve Leanders und Soraias Abflug in die Flitterwochen verhindert und als dann weitere Leichen auftauchen ist das ganze Team in Alarmbereitschaft.

Dies ist der 7. Fall rund um den GNR in Fuseta und er eignet sich nicht zum Einstieg, auch nicht mithilfe des Klappentextes, der wenig mit dem tatsächlichen Inhalt zu tun hat.

Die Hochzeit auf der Gasse vor der Casa Rosado ist ebenso herzlich wie portugiesisch und Leander staunt immer wieder, dass so etwas in Hamburg nie möglich wäre... Auch wenn Leander fast schon gerührt ist, kommt durch die Erzählweise in Rückblicken und Zeitsprüngen, dennoch keine Sentimentalität auf, auch wenn sie echt schön ist... Diese Hochzeit bringt sie alle einander noch näher... und dank des Wetters, müssen die Ermittler auch nicht auf ihren Senor Lexico verzichten, dem Details auffallen, auf die sonst niemand achtet und der jederzeit Unmengen an scheinbar nutzlosem Wissen abspulen kann. Ohne diese Eigenschaft, wären sie aber wohl auch nie so stutzig geworden und hätten nach Verbindungen gesucht, die tunlichst verborgen bleiben sollten. Hier geht es um viel Größeres und das merkt auch die Presse bald, die Miguel eifrig zur Dokumentation seiner Heldentaten ständig einlädt.

Dieses Mal ist der Fall besonders kompliziert, da bis auf unsere Freunde aus Fuseta, die wir auch dieses Mal noch besser mit ihren Eigenheiten kennenlernen, niemand ist, wer sie oder er zu sein vorgeben. Bei den wechselnden Identitäten verliert man schon mal leicht den Überblick. Es ist zwar schön, dass es im Klappcover nicht nur wieder zwei Übersichtskarten von Fuseta und Umgebung gibt, sondern auch ein Personenverzeichnis für die Nebencharaktere.... Doch jede einzelne Tarnidentität ist aufgeführt, ohne zu verraten, wer dahinter steckt, da ist wirklich höchste Konzentration geboten. Auch beim zweiten Hören ist es nicht wirklich offensichtlich und man muss sich stets mentale Notizen machen....

Sehr gut gefällt mir, dass Leander Lost mit seinen Eigenheiten als Asperger Autist sehr sympathisch dargestellt wird. Er wird nie lächerlich gemacht, auch wenn man manchmal über seine Eigenheiten lachen muss, aber nicht gehässig, sondern eher im Sinne von „so so“.

Das Thema ist dieses Mal nicht ganz so politisch brisant, wie bei den ersten Bänden, es führt uns aber deutlich vor Augen, dass die Welt in den letzten Jahren leider kein sicherer Ort geworden ist. Bisweilen ist es fast unmöglich die Guten von den Bösen zu unterscheiden. Leander, Graciana, Carlos, Soraia, Sarah, Isadora... mal ausgenommen... Sie haben wie alles Rosados ein großes Herz am rechten Fleck. Die Welt wäre ein besserer Ort, gäbe es mehr Menschen wie sie. Sehr süß finde ich auch immer wieder Leanders Überlegungen, was er alles von Soraia gelernt hat, was sich ihm mit Logik nicht erschließt.... Es folgt eine Arabesque, die es in sich hat... da ich das Fuseta-Feeling aber lieber, habe ich Andreas Pietschmann wieder sehr gerne zugehört. Er hat extra für Leander einen ganz speziell emotionslosen Tonfall. Bei den vielen falschen Identitäten, ist es aber unmöglich, dass jeder Charakter eine eigene Stimme erhält... denn die Identitäten, sprechen ihren Tarnungen entsprechend...

Internationale Verwicklungen, die es in sich haben...

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Veröffentlicht am 16.06.2025

Tragende Gefühle

Alles, was wir tragen können
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Was können wir eigentlich alles tragen? Helen Docherty und Brizida Magro zeigen es uns. Auf jeder Seite finden wir Kinder in allen möglichen Situationen, die etwas tragen. Mal im konkreten, mal im übertragenen ...

Was können wir eigentlich alles tragen? Helen Docherty und Brizida Magro zeigen es uns. Auf jeder Seite finden wir Kinder in allen möglichen Situationen, die etwas tragen. Mal im konkreten, mal im übertragenen Sinne.

Mit diesem Bilderbuch geht die Autorin Helen Docherty auf die Ängste ihrer ältesten Tochter ein und beantwortet sie ebenso liebevoll, wie auch achtsam und für Kinder ab 4 Jahren verständlich. Wir werden getragen und können selbst tragen. Mit unseren Armen und Händen und in unserem Herzen. Wir alle können das, egal wie groß wir sind und wo wir herkommen oder wie wir aussehen. Tragen und Getragenheit, Getragen werden und lassen, im wörtlichen und übertragenen Sinne! Natürlich geht es hier vor allem aus Erlebnisse eines kindlichen Horzionts. Man kann jede Menge Kissen tragen, oder seinen Teddy, die Decke, in die man gekuschelt ist, einen von der Sonne gewärmten Stein voller Erinnerungen in der Hand, oder die Gießkanne, mit der man die Sonnenblumen wässern und ihnen so das Leben retten kann.

Die Übersetzung aus dem Englischen von Claudia Koch ist sensibel. Sie schafft es, die kurzen einfachen Sätze sowohl verständlich, als auch harmonisch klingen zu lassen. Es ist das Zusammenspiel von Text und Bild das den kleinen Zuhörern und Bildbetrachtern die volle Bedeutung der kleinen Szenen rund um das Tragen und Getragen werden nahe bringen. Sie erfassen es ganz instinktiv.

Meinem Mann, der sofort ganz angetan war von diesem wunderschönen Bilderbuch gefiel sofort das Spiel mit dem Wort „tragen“ und dass die Kinder auf dem Cover und im Buch ganz unterschiedlich aussehen. Endlich wurde auch mal an die rotblonden mit Sommersprossen gedacht! Aber nicht nur sie sind hier vertreten, denn die Menschheit ist so unterschiedlich, wie alles was man (in sich) tragen kann. Die Illustrationen von Brizida Magro sind freundlich und farblich harmonisch. Sie versprühen eine Atmosphäre der Geborgenheit und der Gewissheit „das alles gut wird“. Sie sprechen sofort an und sind modern und kindgerecht gehalten. Schon auf den ersten Blick können Kinder die Botschaft der Bilder erfassen.

Ganz sicher ist jedoch doch: Du wirst immer getragen, ganz liebevoll von Deinen Eltern! Und zum Schluss lässt es sich prima Einschlafen, getragen von der Gewissheit, das die Liebe der Eltern einen durch die Träume und die Nacht tragen.

Ein Bilderbuch ab 4 Jahren, dass Vertrauen schafft, Mut schenkt und ganz viel Liebe.

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Veröffentlicht am 14.06.2025

Wenn die Vergangenheit, die Gegenwart nicht los lässt....

Die Sommergäste. Der Martini-Club 2
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Jedes Jahr im Sommer kommen die reichen „Sommerfrischler“ aus Boston und New York und bevölkern für maximal 4 Monate im Jahr ihre imposanten Villen am Maiden Pond in Purity Maid. Die Häuser der Einheimischen ...

Jedes Jahr im Sommer kommen die reichen „Sommerfrischler“ aus Boston und New York und bevölkern für maximal 4 Monate im Jahr ihre imposanten Villen am Maiden Pond in Purity Maid. Die Häuser der Einheimischen wirken wie Hütten daneben und dennoch nennen sie sie in liebevollem Understatement ihre „Cottages“. Die Sommergäste bleiben unter sich, doch ihr Geld wird von den Einheimischen dringend gebraucht. Wie groß die Kluft zwischen ihnen ist, wird deutlich, als die 15 jährige Zoe, aus dem elegantesten Cottage spurlos verschwindet. Zuerst halten alle ihre Mutter für hysterisch, doch als ihr Rucksack an der Interstate gefunden wird und das Handy in einem Truck auftaucht, wird die Gegend auf den Kopf gestellt und vom Grund des Sees wird eine menschliche Leiche geborgen. Schnell fällt der Verdacht auf Maggie Birds Nachbarn Luther, den ehemaligen MIT Professor, dessen Enkelin im Winter entführt wurde und wofür Maggie verdächtigt wurde. Maggie und ihren Freunden vom „Martini Club“ allesamt Ex-CIA Agenten ist sofort klar, dass Luther unschuldig ist. Niemals könnte er dies der neuen Freundin seiner Enkelin Kelly antun. Doch das ist nicht Luthers einziges Problem und Maggie und ihre Freundin fühlen sich weit entfernt vom Ruhestand.

Mir gefällt sehr gut, dass Tess Gerritsen nach der chicen Rechtsmedizinerin Maura Isles und der toughen Detective Jane Rizzoli nun eine deutlich reifere, aber dennoch nicht minder gerissene Heldin geschaffen hat. „Rentner“ haben ebenso wie Hausangestellte den Vorteil für die meisten Menschen nahezu unsichtbar zu sein. Wer sie sieht, vergisst sie ebenso schnell wieder, was sehr praktische ist, wenn man sich irgendwo unbefugt Zugang besorgen möchte. Mit ihren beruflichen Spezialkenntnissen haben sie der örtlichen Vize-Polizeichefin Joe einiges voraus, nicht nur, dass sie bessere Martinis mixen und besser kochen können.

Alte Wunden reißen auf, Vorurteile werden hervorgekramt und alte Geschichten werden von den reichen Städtern natürlich wieder gegen die Einheimischen verwendet. Wenn die örtliche Polizei nicht sofort darauf anspringt, liegt das natürlich daran, dass auch sie Hinterwäldler sind.... Doch der „Martini Club“ glaubt nicht, dass es so einfach ist.

Das Verschwinden von Zoe und und das der Frau, die einst die Leiche im See war, liegen Jahrzehnte auseinander und doch ist der Martini Club überzeugt, dass ein Zusammenhang besteht, zumahl auch zuvor schon eine junge, schöne Frau aus dem Umfeld dieser Sommergäste spurlos verschwand – viel zu spurlos...

Neben vieler Ungereimtheiten, die sowohl dem Martini-Club als auch Polizeivize Joe Kopfzerbrechen bereiten, sorgen die gewitzten Rentner völlig unbemerkt von den Behörden für Sicherheit für ihre Freunde. Auch dieser Nebenschauplatz ist richtig spannend und lässt die Ex-Agenten zeigen, dass man jederzeit mit ihnen rechnen muss. Es verbindet aber auch beide bisherigen Fälle locker miteinander, so dass man die Hintergründe von Purity besser kennenlernt. Dafür sorgt aber auch die geächtete Familie Einheimischer, die seit einem Skandal vor 50 Jahren, von allen ausgegrenzt werden. Als Maggie und Co. Von diesem Schicksal hören, sind sie irritiert über die Hintergründe. Hier zeigt Tess Gerritsen, dass sie es noch immer versteht hinter das Offensichtliche zu blicken und scheinbar unzusammenhängende Geschehen miteinander zu verbinden. Da hier die Ermittler etwas in die Jahre gekommen sind, gibt es weniger rasante Verfolgungen, was der Spannung aber keinen Abbruch tut. Brenzlig und verzwickt wird es alle Mal.

Auch wenn ich denke, dass Nina Petri jünger als Maggie Bird ist, passt ihre energische „no-nonsense“ Stimme ausgesprochen gut zur pragmatischen Ex-Agentin und Martini-Liebhaberin mit Herz und Nerven wie Stahlseile. Beherzt und voller Spannung hat sie mich an die Geschichte gefesselt, die mir schnell klar machte, dass nichts so ist, wie es scheint – eigentlich typisch für einen Tess Gerritsen Thriller.

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Veröffentlicht am 04.06.2025

Schlaue Detektivgeschichte für Leseanfänger

Detektivagentur Christie & Agatha – Ein Beweisstück verschwindet
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Die Zwillinge Christie und Agatha (10) wachsen in Torquay Anfang des 20. Jahrhunderts auf. Die ruhige Agatha, die später mal Schriftstellerin werden möchte, hat stets ihr Notizbuch zur Hand, während ihre ...

Die Zwillinge Christie und Agatha (10) wachsen in Torquay Anfang des 20. Jahrhunderts auf. Die ruhige Agatha, die später mal Schriftstellerin werden möchte, hat stets ihr Notizbuch zur Hand, während ihre wildere Schwester Christie nie ohne technische Gimmicks anzutreffen ist. Ihr könnte ja ansonsten langweilig werden, wie heute beim Teebesuch der strengen Nachbarin Mrs. Trellis. Diese ist so angetan von der „wohlerzogenen“ Agatha, dass sie sie zu einem Teebesuch bei den Duponts einlädt, zu dem auch Sir Arthur Conon Doyle und ein gewisser Sir Alexander Fleming (ebenfalls ein Schotte) eingeladen sind. Sir Alexander Fleming möchte wohl seine neueste wissenschaftliche Entdeckung präsentieren. Doch kaum hat Agatha ihr Sandwich verputzt, ist der gute Doktor entsetzt: seine wissenschaftliches Beweisstück, ein Sandwich bestrichen mit Schimmelsaft ist verschwunden! Dabei hatte er es doch extra geschützt unter eine Glasglocke gelegt! Dank der Anwesenheit des berühmten Kriminalschriftstellers sollte sich dieses Mysterium schnell aufklären lassen, denkt Agatha. Tatsächlich redet dieser jedoch nur von Feen, die ihre Hand im Spiel haben müssen. Beherzt nimmt Agatha die Ermittlungen auf, um die Fördergelder für Sir Alexander zu retten, denn seine Entdeckung könnte für die ganz Menschheit von Bedeutung werden, wenn man seinem Assistenten glaubt.

Ein spannender Krimi für Leseanfänger mit historischem Bezug, bei dem die Jungleser neben dem spannenden Rätsel auch noch etwas erfahren, was früher für Kinder gar nicht selbstverständlich war: Infekte mittels Antibiotika zu heilen, war vor dieser Entdeckung unmöglich. Viele Kinder und Erwachsene starben damals an Krankheiten, die heute ihren Schrecken verloren haben. Das erfährt man ganz nebenbei und am Ende des Buches gibt es dann noch eine Übersicht über die historischen Persönlichkeiten, die die Zwillinge hier treffen und einen Überblick über die zugrundeliegenden Fakten.

Hauptsächlich geht es aber um den Spaß mit den ungleichen Zwillingen und die Erleichterung, darüber, dass es heutzutage selbstverständlich ist, dass man Kinder nicht nur sieht, sondern auch hört. Klingt nicht so spaßig, oder? Zum Glück sind die Eltern der Mädchen nicht so verstaubt, immerhin verfügt ihre Mutter auch über ganz besondere Fähigkeiten, da verwundert es wenig, wenn ihre Töchter besonders gut logisch kombinieren können.

Die Schrift ist schön groß, wenn auch mit Serien und nicht in Fibelschrift. Dadurch fällt es leichter nicht in der Zeile zu verrutschen und die Leseanfänger können sich schon wie „richtige“ Leser fühlen. Die Geschichte wird zwar mit zahlreichen Illustrationen von Roberta Tedeschi geschmückt, weist aber wie „richtige“ Bücher auch richtige (kurze) Kapitel mit Überschriften auf. Der Text ist für Kinder gut verständlich und die Sätze nicht zu lang. Lesen soll ja nicht anstrengen und daher peppen die Dialoge die Story noch mal zusätzlich auf. Mit Humor, denn die Erwachsenen sind bisweilen etwas seltsam und Beobachtungsgabe lässte Pip Murphy ihre jungen Heldinnen, dieses Rätsel lösen, das für die Menschheit von großer Bedeutung gewesen wäre, wäre es denn so gewesen. Als Agatha Christie Fan musste ich diese Reihe natürlich kennenlernen!

Eine schöne neue Reihe für Leseanfänger, die gerne ermitteln, aber ohne das es blutig ist. Zum Schluss bekommen die Schwestern noch Verstärkung durch den gleichaltrigen Auguste Dupont, so dass ich schätzte, dass wir ihn im nächsten Band wiedertreffen werden. Dadurch wird diese neue Reihe auch für Jungen interessant. Altersgerecht ist die Geschichte zwar kniffelig, aber absolut gewaltfrei und unblutig.

Ein schöner fiktiver Blick in vergangene Ermittlungen. Für alle Leseanfänger/innen die gerne Detektivgeschichten mögen und sich vielleicht noch für vergangene Zeiten interessieren.

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