»Man sagt, man kann den Zustand eines Ortes daran erkennen, wie es seiner Wildnis geht. Und ich sage, da draußen stimmt was nicht.«
Flirrende Hitze, raschelndes Sumpfgras und tödliche Alligatoren, die lautlos durchs Wasser gleiten: Versunken in den Sümpfen Louisianas liegt das verwunschene Jacknife, in das sich niemand mal so eben verirrt. Als die Journalistin Loyal hierhin zurückkehrt, hofft sie, sich mit ihrer besten Freundin aus Kindheitstagen zu versöhnen. Doch bevor Loyal mit ihr sprechen kann, wird sie ermordet aufgefunden. Niemanden interessiert es, was mit der jungen Frau passiert ist, die schon immer als Außenseiterin galt. Also beginnt Loyal, selbst Fragen zu stellen. Als sie Geheimnisse zutage fördert, die einige lieber unentdeckt gelassen hätten, zieht sich auch für sie die Schlinge zu.
Ein Roman wie eine Naturgewalt: über den Mut einer Frau, sich nicht mit einfachen Antworten zufriedenzugeben, und einen besonderen Ort, der uns den Atem raubt.
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Die Journalistin Loyal kehrt nach zehn Jahren zurück in ihr Heimatdorf Jacknife, weil ihre Mutter Anzeichen von Demenz zeigt. Loyal hat in dieser Zeit keinen Kontakt mehr zu ihrer ehemaligen Freundin Cutter ...
Die Journalistin Loyal kehrt nach zehn Jahren zurück in ihr Heimatdorf Jacknife, weil ihre Mutter Anzeichen von Demenz zeigt. Loyal hat in dieser Zeit keinen Kontakt mehr zu ihrer ehemaligen Freundin Cutter gehabt, das will sie nun ändern. Doch bevor die beiden sich treffen können, wird Cutter ermordet aufgefunden. Die Polizei geht von Selbstmord aus, so dass Loyal selbst anfängt Fragen zu stellen. Dabei deckt sie Geheimnisse auf, die besser nicht benannt werden sollten...
Jacknife in Louisiana ist ein Ort, an dem jeder jeden kennt und wo sich kaum etwas ändert. Mit Loyal taucht der Leser in diese kleine Welt ein, in der Cutter und ihre Familie einen schlechten Ruf hatte. Und gleichzeitig taucht Loyal auch in ihre eigenen Erinnerungen ein, denn bevor ihr vor zehn Jahren den Absprung aus Jacknife gelang, hatte sie sich mit Cutter gestritten. Umso mehr fühlt sie sich nun berufen, das Geheimnis um Cutters Tod aufzudecken. Man spürt von der ersten Seite an, dass hier etwas Bedrohliches lauert, und diese Gefahr geht nicht nur von den Alligatoren aus, die hier überall unter der Oberfläche des Wassers auf Beute warten. Die Geschichte besticht durch ihre dichte Atmosphäre. Der Krimi-Anteil ist eher zurückhaltend, auch wenn Loyals Ermittlungen die Geschichte vorantreibt.
Mich hat die Geschichte schnell in ihren Bann ziehen können. Sehr gerne empfehle ich das Buch weiter und vergebe alle 5 möglichen Sterne.
Louisiana in den Südstaaten der USA: Endlose Sumpflandschaften, schwüle Hitze, Rassismus, Gewalt, korrupte Polizisten, toxische Männlichkeit, Bildungsprobleme, Rechtsextremismus, Trumpismus, ...
Louisiana in den Südstaaten der USA: Endlose Sumpflandschaften, schwüle Hitze, Rassismus, Gewalt, korrupte Polizisten, toxische Männlichkeit, Bildungsprobleme, Rechtsextremismus, Trumpismus, Armut & White Trash - alles Dinge, die ich nicht mag. Trotzdem lese ich gerne Louisiana Romane. Vor den klassischen "Plantagen-Romanen" wie "Tiefer Süden" von Gwen Bristow bis zu den wirklich harten Thrillern von James Lee Burke über den Polizisten Dave Robicheaux. Dieser Roman von Anna Bailey ist auf jeden Fall mehr James Lee Burke (vermischt mit ein wenig Vibe vom Film "Big Easy") und kein romantischer Südstaaten-Roman à la "Vom Winde verweht". Im (fiktiven) Ort Jacknife in den endlosen Sümpfen des Atchafalaya Beckens tief im Süden von Louisiana ist das Leben hart und trostlos. Einziger großer Arbeitgeber ist eine Kunststofffabrik, die Luft und Wasser verpestet. Oder man arbeitet im Diner. Oder man jagt Alligatoren. Zum Essen und zum Verkauf der Lederhaut. Ein Ort, aus dem man weg will. Und das genau hat Loyal gemacht. Sie ist ihrem Vater nach Texas gefolgt, hat studiert und ist Journalistin in Houston geworden. Doch als ihre Mutter starke Anzeichen von Demenz entwickelt, kommt Loyal zurück nach Jacknife. Sie will hier nicht nur ihre Mutter unterstützen, sondern sich auch mit ihrer Kindheitsfreundin versöhnen. Dieser hatte sie mit einem Artikel in der örtlichen Gazette einen verbalen Schlag versetzt. Wobei man wissen sollte, dass dies wiederum daran lag, dass einer der Alligatoren auf der Familienfarm der Freundin Loyal die halbe Hand abgebissen und Cutter, die Freundin, dies einerseits schuld war und andererseits nicht angemessen reagiert hatte.
Doch es gibt keine Chance zur Versöhnung, denn Cutter wird tot aufgefunden. Schnell wird die Sache als Selbstmord zu den Akten gelegt, denn Cutter kam aus miesen Verhältnissen: Versoffene, früh verstorbene Eltern, ein gewalttätiger älterer Bruder und ein drogensüchtiger jüngerer Bruder. Das "normale" Schicksal in dieser Gegend, wenn die Perspektiven fehlen oder man das eigene Versagen mit den "Eliten", der Regierung und ähnlichem rechtsextremem Gedankengut rechtfertigt. Doch Loyal will Cutter endlich Gerechtigkeit zukommen lassen und stürzt sich zusammen mit Sasha, ihrem Kollegen von der örtlichen Zeitung, in eigene Ermittlungen. Sie geraten dabei in einem Sumpf aus Drogengeschäften, Gewalt und korrupter Polizei, was sie immer mehr in Gefahr bringt.
Doch es gibt auch Lichtblicke zwischendurch, das unterscheidet diesen Roman von den Thrillern von James Lee Burke. Mitmenschlichkeit, zarte Bande, unerwartete Rettungen. Und da ist vor allem Sasha, die für mich eigentliche Hauptperson. Ein liebenswert-chaotischer Typ, der offen schwul lebt (in den Südstaaten nicht gerade gern gesehen) mit einem großen Herzen und einer Menge Mut. Gemeinsam schaffen Sie es, die sorgsam verborgenen Geheimnisse aufzudecken. Das ist spannend beschrieben und vor allen Dingen sind es die bildhaften Beschreibungen der Landschaft, der Hitze, der Schwüle, der schwarzen Sümpfe mit den unzähligen Alligatoren und die vielen unterschwelligen Bedrohungen, die diesen Roman so herausragend machen. Atmosphärisch ist das Buch fulminant. Ich konnte die Landschaft fast spüren, mit solcher sprachlichen Wucht wird alles beschrieben. Bei den expliziten Gewaltszenen musste ich oft schlucken - aber durch den Wechsel mit zarten und schönen kleinen Szenen wurde es erträglich. Und: Es gibt (leichte) Lichtblicke zum Schluss.
Fazit
Ein Southern-Gothic-Roman, den ich empfehle. Nicht so filigran von der Erzählung wie die von Truman Capote, nicht so romantisierend wie Vom Winde verweht und nicht so hoffnungslos wie vieles von James Lee Burke. Statt dessen: Starke Landschaftsbilder und außergewöhnliche Charaktere, die immer auch eine weiche Seite haben. Erinnert insgesamt ein wenig an "Der Gesang der Flusskrebse" von Delia Owens und an "Soweit der Fluss uns trägt" von Shelley Road, beides Bücher, die ich sehr mochte.
Als sich die Nachrichten über wunderliches Verhalten ihrer Mutter häufen, kehrt Reporterin Loyal zurück in ihren Heimatort Jacknife in den Sümpfen Lousianas. Hier hat sie noch eine Schuld zu begleichen, ...
Als sich die Nachrichten über wunderliches Verhalten ihrer Mutter häufen, kehrt Reporterin Loyal zurück in ihren Heimatort Jacknife in den Sümpfen Lousianas. Hier hat sie noch eine Schuld zu begleichen, eine Sache zu klären mit ihrer ehemals besten Freundin Cutter. Doch noch ehe die beiden sich auch nur begegnen können, wird Cutter tot aufgefunden. Zusammen mit ihrem Kollegen Sasha stellt Loyal Nachforschungen an, die sie tief in die eigene Vergangenheit, in den Sumpf menschlicher Schwäche und Versagens und letztendlich in große Gefahr führt.
Mich hat dieser Roman einfach umgehauen. Beim Schlüsselwort „Sümpfe“ hatte ich unterschwellig einen Aufwasch der Flusskrebse erwartet, aber keineswegs! Die Atmosphäre dieser Geschichte legt sich beim Lesen heiß und klebrig auf meine Haut und auf mein Empfinden. Die Charaktere sind eigensinnig, abstoßend, hässlich und doch zutiefst menschlich und schön. Für die Wunden, die sie mit sich herumtragen, gibt es kein Pflaster, sondern die Narben bleiben offen. Loyal und Sasha stochern tief im Sumpf und es stellt sich überraschend heraus, dass die wahren Bestien nicht die Alligatoren sind, sondern die Menschen.
Diese Geschichte zeichnet ein Sittenbild einer wilden, isolierten Gegend, geprägt von einer Fabrik, die Gifte in den Fluss leitet, von Alligatoren, Armut und Korruption, radikalen-kriminellen Vereinigungen – und mittendrin Menschen auf der Suche nach Wahrheit und Verbundenheit.
Grandios und grob, phänomenal und aufwühlend, von mir gibt es eine Leseempfehlung!
Von wusl
Es war einfach klar, dass "unsere letzten wilden Tage" genau mein Beuteschema ist. Ich fühlte mich erinnert an Bücher von Greg Iles und einen Film wie "Mississippi Burning". Die Geschichte spielt ...
Von wusl
Es war einfach klar, dass "unsere letzten wilden Tage" genau mein Beuteschema ist. Ich fühlte mich erinnert an Bücher von Greg Iles und einen Film wie "Mississippi Burning". Die Geschichte spielt in Louisiana, dort, wo die Menschen der rauen Natur und den Alligatoren trotzen. Wo die Polizei nicht unbedingt dein Freund und Helfer ist und man Vorsicht walten lassen sollte, wem man vertraut.
Jacknife heißt der Prt om den die Journalistin Loyal zurück kommt um ihre kranke Mutter zu unterstützen. Als ihre Jugendfreundin ermordert wird, beginnt die Reporterin zu recherchieren und bringt sich damit selbst in Gefahr.
Mir hat Gefallen, wie die Autorin mit den spröden Menschen in dieser Gegend agiert. Wie die feuchte Hitze zu spüren ist und die düstere Grundstimmung in einer Gegend, in der scheinbar niemand mehr an eine bessere Zukunft glaubt.
Das wunderschöne Cover mit den leuchtendwarmen Farben gefällt mir und passt gut zur Geschichte.
Der Sprachstil der Autorin ist bildlich und rauh, angelehnt an die Umgebung und die von ihr geschaffenen ...
Das wunderschöne Cover mit den leuchtendwarmen Farben gefällt mir und passt gut zur Geschichte.
Der Sprachstil der Autorin ist bildlich und rauh, angelehnt an die Umgebung und die von ihr geschaffenen Charaktere.
Loyal und Cutter sind zwei Protagonisten, die unterschiedlicher nicht sein könnten und doch waren sie mal sehr gute Freundinnen.
Die Geschichte beginnt spannend, direkt mit dem Tod von Cutter, der viele Fragen aufwirft.
Durch gekonnte Rückblicke erfährt der Leser mehr über die Beziehung von Loyal zu Cutter und ihren Brüdern , deren schwieriger Kindheit, finanziellen Nöten und wie sie dem entfliehen wollten.
Korrupte Polizisten und andere " böse Jungs" machen Ihnen das Leben schwer.
Die Geschichte bleibt spannend bis zum Ende und klärt das Rätsel um Cutters Tod, welches ich so nie vermutet hätte.
Fazit: Fesselnder Roman im rauhen Louisiana