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SofieWalden

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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 15.09.2020

Ein junger Palästinenser sucht eine Heimat und verliert die Eigene

Der Fremde aus Paris
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Midhat, ein junger Palästinener, verlässt seine Heimat und macht sich auf den Weg nach Frankreich, um dort Medizin zu studieren. Er erfährt eine Welt, die so ganz anders ist wie seine eigne und er stürzt ...

Midhat, ein junger Palästinener, verlässt seine Heimat und macht sich auf den Weg nach Frankreich, um dort Medizin zu studieren. Er erfährt eine Welt, die so ganz anders ist wie seine eigne und er stürzt sich hinein. Er will dazu gehören und ist zuversichtlich, das dies klappt. Tut es aber nicht, denn diese so anders lebenden und sozialisierten Menschen denken garnicht daran, ihn als ihresgleichen zu sehen und ihm trotzdem noch etwas von sich selbst 'zu lassen'. Und so macht er sich nach einigen Jahren mit der Erkenntnis, es nicht geschafft zu haben, auf zurück nach Hause. Doch auch dort erwartet ihn Fremde und verhaltene Ablehnung. Und so sehr er auch versucht, wieder angenommen zu werden und anzukommen in seiner eigenen Kultur, er heiratet und gründet eine Fanilie, wie der Vater es wünscht, endlich wieder ein zuhause zu haben, es scheitert.
Mir hat das Buch sehr gut gefallen, vor allem, weil die Geschichte mich zur Geschichte geführt hat, zur Geschichte der Palästinenser, in der Zeit vo r unserem Heute. Das war sehr interessant, ergreifend und so voller neuer Erkenntnisse. Und es hat dazu geführt, einen viel persönlicheren Blick auf die aktuelle politische und auch menschliche Dramatik des palästinensischen Volkes ermöglicht zu bekommen

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  • Erzählstil
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  • Charaktere
Veröffentlicht am 13.09.2020

Schräg und voller Ideen, eine runde Sache

Onkel Stan und Dan und das gar nicht lieblich-niedliche Mondabenteuer
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Dan, der Dachs lebt zusammen mit Onkel Stan und einigen sehr eigenen Lamas auf einer Farm in Schottland. Sie haben zusammen schon einige Abenteuer überstanden und einen richtig schlimmen Bösewicht zur ...

Dan, der Dachs lebt zusammen mit Onkel Stan und einigen sehr eigenen Lamas auf einer Farm in Schottland. Sie haben zusammen schon einige Abenteuer überstanden und einen richtig schlimmen Bösewicht zur Strecke gebracht. Jetzt erfreuen sie sich alle ihres schönes gemeinsamen Lebens bis zu dem Tag, als Dan die Dachsdame Miranda erblickt und sich unsterblich in sie verliebt. Er macht für die anderen kein Frühstück mehr und dabei ist das für alle der wunderbarste Anfang des Tages überhaupt. Er kauft irrsinnige Sachen im Internet, um seiner Liebsten zu gefallen und seine allerbesten Freunde und ihre kleinen Problemchen sind ihm jetzt total egal. Dass Miranda eine ganz böse Dachsperson ist, merkt er nicht, bzw. will er einfach nicht merken. Und dann ist da noch der Mond. Irgendetwas stimmt nicht mit ihm. Und gerade, weil er eigentlich der Ort ist, der dafür sorgt, dass Wünsche in Erfüllung gehen, muss er gerettet werden. Da hilft gar nichts. Onkel Stan zögert nicht lange und beschließt, dorthin zu reisen und eigentlich hätte er natürlich Dan mitgenommen. Aber der ist ja beschäftigt und so setzen sich die Lamazwillinge Sam und Sky mit auf die Metallplatte, die Onkel Stan gerade herangeschafft hatte und dann geht's ab zum Mond.
Ihr merkt schon, hier ist alles schräger wie schräg. Das kommt einem am Anfang, gerade wenn man diese 'Familie' noch nicht aus den beiden vorherigen Bänden kennt, schon ein bisschen too much vor. Aber wenn man sich an all die durchgeknallten Ideen und Ereignisse des Autors auf jeder Seite und rechts und links vom Geschehen gewöhnt hat, dann fängt das Lesen sehr schnell an, ganz viel Spaß zu machen. Und spätestens, wenn dann die eigentliche Geschichte auch so richtig Fahrt aufnimmt, sozusagen, im wahrsten Sinne des Wortes, dann ist man voll dabei. Da wird es einem keine Sekunde langweilig und um die nächste Ecke, sprich 'einmal umblättern', wartet schon wieder der nächste schräge Einfall in Bild und Schrift auf seine jüngeren und durchaus auch etwas älteren Leser darauf, bestaunt und belacht zu werden. Onkel Stan und Dan, klasse!

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  • Charaktere
Veröffentlicht am 10.09.2020

Wenn der Hund zum Herrchen wird und umgekehrt

Arthurs wildes Hundeleben
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Arthur ist gerade mal wieder richtig sauer auf seine Eltern, weil er sich doch so sehr einen Hund wünscht und Mama und Papa das einfach nicht erlauben. Er rauscht gerade zur Haustür herein, als er erfährt, ...

Arthur ist gerade mal wieder richtig sauer auf seine Eltern, weil er sich doch so sehr einen Hund wünscht und Mama und Papa das einfach nicht erlauben. Er rauscht gerade zur Haustür herein, als er erfährt, das heute Besuch erwartet wird. Man will ihm nicht verraten wer, und Arthur ist richtig gespannt. Aber es sind dann doch nur ein ehemaliger Kollege seines Vaters und dessen Frau und dann eben noch jemand, nämlich Lucky, ein total süßer weiß-schwarzer kleiner Hund. Und wie sich herausstellt, soll Lucky zwei Wochen bei Arthur wohnen und er soll auch ganz allein die Verantwortung für ihn haben, während seine Besitzer im Urlaub sind. Arthur ist natürlich total begeistert und macht sich gleich, mit guten Absichten, aber recht ungestüm, daran, mit Lucky 'viel Spaß zu haben'. Am ersten Abend sind dann Hund und Kurzzeitherrchen völlig ausgepowert und fallen, total müde, ins Bett bzw. ins Körbchen. Und dann kommt der nächste Morgen und sie haben, es ist kaum zu glauben, ihre Körper getauscht. Arthur fühlt sich wie Arthur, tapst aber auf vier Beinen durchs Leben und aus seinem Mund kommt nur noch Wau. Und Lucky versucht auf zwei Beinen das Gleichgewicht zu halten, er spricht Menschensprache und Arthurs Eltern bieten ihm Kakao und Schokocroissants an, obwohl Hunde doch auf keinen Fall Schokolade essen dürfen. Und das liegt daran, weil Lucky jetzt in Arthurs Körper steckt und Arthur sehr wohl so leckere Sachen essen darf.
Heftig, oder! Und irre und schräg und abenteuerlich, für beide und für uns Leser auch. Denn was da jetzt alles so abgeht, das ist schon superspannend und auch komisch. Arthur und Lucky 'denken' abwechselnd, was sie so fühlen und wie Herrchen und Hund sich so gegenseitig wahrnehmen , erst in ihrem eigenen Körper, dann im Körper des jeweils anderen. Dabei kann man dann auch noch ganz viel lernen, darüber wie man mit Hunden umgehen muss, damit die sich wohl fühlen und Mensch und Tier dann auch wirklich richtig gut miteinander können.
Ein Buch, das richtig viel Spaß macht. Und danach seid ihr alle, ja euch meine ich, ihr Vielleicht-Wunschhunde-Besitzer, zudem bestens gerüstet für diese Aufgabe, wenn dann tatsächlich mal ein Lucky oder Struppi oder wer auch immer bei euch Einzug hält.

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Veröffentlicht am 09.09.2020

Was in so einer Maus doch alles steckt und Freundschaft kann auch langsam wachsen

Der beste Notfall der Welt
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Die Väter von Ben und Gustav sind befreundet und als Bens Eltern wegfahren wollen, soll Ben die 12 Tage bei Gustavs Familie verbringen und welch besonders schöne Überraschung, bei Gustav im
Zimmer schlafen. ...

Die Väter von Ben und Gustav sind befreundet und als Bens Eltern wegfahren wollen, soll Ben die 12 Tage bei Gustavs Familie verbringen und welch besonders schöne Überraschung, bei Gustav im
Zimmer schlafen. Bei Freunden wäre das ja echt eine supertolle Sache, aber es gibt da nun mal ein kleines Problem. Ben und Gustav können so gar nicht miteinander und das sieht alles doch nach 'etwas schwierig' aus. Und irgendwie geht die Misere auch schon gleich los, denn Bens Vater fährt auf dem Weg zu Bens vorübergehender Bleibe eine Maus an. Das ist aber doch gar nicht so schlimm, sondern der Anfang von etwas richtig Gutem, denn nun haben Gustav und Ben eine gemeinsame Aufgabe und die heißt 'Maus wieder gesund pflegen'. Und dann geht es richtig ab, denn Maus ist gar nicht einfach Maus, sondern eine ganz schön phantastische Kreatur und das ist die weitere Geschichte dann im wahrsten Sinne des Wortes auch. Und man glaubt es kaum, die beiden Jungen packen die Sache gemeinsam an und erleben ein sagenhaft gutes Abenteuer. Spannend, witzig und sehr freundschaftlich, bei dieser Geschichte ist von allem etwas dabei.
Für coole Jungs, die meinen, in Büchern steht nur Mädchenkram und für noch coolere Mädchen, die magisch angehauchte Abenteuer mögen und die das (vielleicht) sowieso alles viel besser hinbekommen hätten, ist das hier ein superschönes Lesevergnügen und ehrlich gesagt, den Eltern hats auch gefallen.

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Veröffentlicht am 08.09.2020

Ein kurdischer Vater, eine deutsche Mutter und jede Menge Erleben dazwischen

Die Sommer
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Leyla ist die Tochter eines kurdisch-syrischen Vaters, der nach Deutschland geflüchtet ist und einer deutschen Mutter. Die kleine Familie lebt in Deutschland, aber jedes Jahr im Sommer reist der Vater ...

Leyla ist die Tochter eines kurdisch-syrischen Vaters, der nach Deutschland geflüchtet ist und einer deutschen Mutter. Die kleine Familie lebt in Deutschland, aber jedes Jahr im Sommer reist der Vater mit der Tochter in seinen Heimatort zurück, um Zeit mit seinen dortigen Angehörigen zu verbringen. Leyla liebt diese Sommer, in denen sie geliebt und umsorgt in der Wärme der syrischen Verwandten verbringt. Als es dort dann Krieg gibt, geht das natürlich nicht mehr und die Welt der inzwischen heranwachsenden Tochter wird komplizierter. Ihr Vater kann die Ereignisse nur noch von Deutschland aus verfolgen. Er macht sich große Sorgen um die Eltern und Geschwister und seine eigenen Erlebnisse, die ihn zur Flucht bewogen haben und sein eigenes Fluchtdrama kommen wieder in ihm hoch. Und er erzählt seiner Tochter davon. Das Alles nimmt auch Leyla selbst sehr mit und sie ist geradezu fassungslos, dass in Deutschland das Leben einfach weiter geht und es niemanden interessiert, was ihre Verwandten in Syrien erleiden müssen. Sie stellt sich die Frage, wer sie ist, als was sie sich fühlt und dies in mehr wie einer Hinsicht. Dazu der tägliche Rassismus, den sie immer bewusster wahrnimmt und der starke Emotionen in ihr auslöst, das alles ist schon sehr erdrückend. Und dann erlebt sie die Flüchtlingspolitik ihres eigenen Heimatlands so unmittelbar, das Verschieben von 'ihren Menschen' und die unsagbare Machtlosigkeit dem gegenüber, was ja anscheinend nun mal Gesetz ist, aber nach ihrem Empfinden nicht Recht.
Das ist harter Stoff und eigentlich würde man erwarten, mehr Nähe, mehr ganz nah dran an dieser Geschichte, die ja eigentlich die Geschichte der Familie der Autorin und ihr selbst ist, kann es nicht geben. Aber genau das ist hier nicht der Fall und das ist auch der Grund, warum 'dieser Roman' nicht so wirklich befriedigend funktioniert. Ich bin mir sicher, dieses 'sich zurück nehmen' und Neutralität bewahren ist eine bewusste Entscheidung der jungen Schriftstellerin gewesen, aber diese Coolness ist hier nicht angebracht. In unserem täglichen Leben ist das Gefühle nicht zeigen gang und gäbe, aber in der Literatur, da macht es gerade bei diese Art von Roman ausgesprochen Sinn, mutig zu sein und echt, denn sonst verliert man den Leser auf dem Weg, den man mit ihm gehen will. Und genau das ist hier ein bisschen passiert, nicht im ersten Teil des Buches, aber danach.
Aber trotzdem bin ich mir sicher, man wird bald wieder von etwas von Ronya Othmann lesen, dann etwas älter, etwas selbstbewusster und mit etwas mehr Mut zum eigenen Gefühl.

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