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SofieWalden

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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 14.02.2026

Sechs Sequenzen aus einem langen Leben und sie erzählen so viel

Tage des Lichts
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Sechs Tage, eine kurze Zeit, wenn man auf ein langes Leben zurückblickt, doch hier erzählen sie so viel. Die 19-jährige Ivy, so voller Lust auf das Leben, wohin es gehen soll, weiß sie noch nicht, aber ...

Sechs Tage, eine kurze Zeit, wenn man auf ein langes Leben zurückblickt, doch hier erzählen sie so viel. Die 19-jährige Ivy, so voller Lust auf das Leben, wohin es gehen soll, weiß sie noch nicht, aber das Aufwachsen in einer Künstlerfamilie gibt ihr das Gefühl von grenzenloser Freiheit und alles ist möglich. Doch dann kommt der Tag, der alles verändert. Ihr großer Bruder, den sie über alles liebt, stirbt bei einem Badeunfall. Der Schock, die Realität dieses Todes, machen ihr Angst und sie heiratet, mit dem tiefen Bedürfnis nach Sicherheit, einen älteren Freund und bekommt Kinder. Dann der zweite Tag des Lichts, Jahre später, eingezwängt in diese Ehe, trifft sie auf die damalige Freundin ihres Bruders und es entwickelt sich ein tiefe Beziehung. Es steht eine Entscheidung im Raum, doch es fehlt der Mut und die Verpflichtung siegt. Weitere Tage folgen und eine lange Zeit bleibt die Sehnsucht, den eigenen Bedürfnissen einen Weg zu bahnen, ohne Widerhall, bei sich selbst oder ihrem Gegenüber.
Dieses Geschichte, wir Leser begleiten sie, begleiten diesen Menschen, Ivy, berührend, verzweifelt, mutig und irgendwann doch mit der richtigen Entscheidung, wenn der Moment gegeben ist. Und es ist die poetische, leicht melancholische Sprache, die einem ihr Fühlen so nahe bringt. Man hofft, wartet, trauert mit, bis zum Ende.
Ein Erleben, das sich Zeit lässt. Und es ist besonders und ein wirkliches Leseerlebnis.

Veröffentlicht am 08.02.2026

Eine oft erzwungene Arbeit, existent auf der ganzen Welt

Liefern
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Liefern, ein Wort und so viel steht dahinter, Menschen, die gezwungen sind, die für uns so bequeme Dienstleistung, zu erbringen, überall auf der Welt. Dieses Buch erzählt von ihnen. In einzelnen Kapitel ...

Liefern, ein Wort und so viel steht dahinter, Menschen, die gezwungen sind, die für uns so bequeme Dienstleistung, zu erbringen, überall auf der Welt. Dieses Buch erzählt von ihnen. In einzelnen Kapitel erleben wir als Leser deren Leben mit, die Härte des Jobs, die oft mafiösen Hintergründe, das Muss, weil es keine andere Option gibt, um Geld zu verdienen, um, in vielen Fällen, ganz elementar, zu überleben. Man begleitet diese Ausfahrer und landet in Tel Aviv, Istanbul, Delhi und Buenos Aires. Und ein Liefern im übertragenen Sinne, die Akkordarbeit einer jungen Frau auf einer Rosenplantage in Afrika, für unseren Valentinstag, ist auch mit dabei.
Die gezeigten Schicksale, die Ausweglosigkeit, getrennte Familien, zerstörte Hoffnungen, gar die Existenzsicherung zum Preis des eigenen Todes, fassungslos echt und so verdammt brutal, hier wird einem als Leser nichts geschenkt. Man muss einfach hinsehen. Und genau das ist ja auch gewollt.
Es macht etwas mit einem, dieses Buch, geht tief in einen hinein, gerade weil vieles sicherlich weit weg ist und doch, mit dem Klingeln an der eigenen Haustür, so nah dran, am eigenen Leben, nur eben von der ganz und gar anderen Seite aus.
Das hier ist pur. Und gut, dass es geschrieben wurde.

Veröffentlicht am 08.02.2026

Ein komödiantisches Agententreiben, als der eiserne Vorhang eigentlich gefallen ist

Die Reise ans Ende der Geschichte
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Achtung, hier wird's schräg, erfrischend anders als man das von einem sogenannten Agententhriller erwartet und hoch amüsant. Anfang der 1990er-Jahre, der kalte Krieg ist vorbei und aus Ost-West-Verfeindung ...

Achtung, hier wird's schräg, erfrischend anders als man das von einem sogenannten Agententhriller erwartet und hoch amüsant. Anfang der 1990er-Jahre, der kalte Krieg ist vorbei und aus Ost-West-Verfeindung soll ein positives Miteinander werden, also Umbruch pur. Und für die Menschen wartet anscheinend ein Leben, auf dem ganz groß Freiheit steht. Auf einer Gartenparty in der russischen Botschaft in Rom trifft ein junger Dichter, groß im Kommen, auf einen Doppelagenten, der es allen noch einmal zeigen will. Es kommt zu einer Anwerbung des ahnungslosen Lyrikers, der ein Abenteuer sucht und die Sache sehr ambitioniert angeht. Was dann folgt, ist ein so ganz anderes Agententreiben. Kein Wunder bei zwei so konträren Protagonisten. Doch das macht zugleich auch den Reiz aus, bei 'dieser Reise ans Ende der Geschichte'. Das Spannungselement tritt hier eher in den Hintergrund. Aber die Weise, wie hier politische Hintergründe, Aufbruch und gleichzeitig festhalten an dem, was so lange war, beleuchtet wird, auf eine elegante und fast spielerische und vor allem extrem originelle Art, das hat schon was.
Es macht einfach Spaß, hier dabei zu sein.

Veröffentlicht am 05.02.2026

Viel Amerika und dann die Menschen, die so unbedingt dazu gehören wollen

Real Americans
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Rachel Khongs Drei-Generationen-Roman, er beeindruckt, lässt die Leser teilhaben an dem großen Traum und dem nicht immer erfolgreichen Bestreben, Teil davon zu sein. Die studierte Biologin May verlässt ...

Rachel Khongs Drei-Generationen-Roman, er beeindruckt, lässt die Leser teilhaben an dem großen Traum und dem nicht immer erfolgreichen Bestreben, Teil davon zu sein. Die studierte Biologin May verlässt ihre chinesische Heimat, um für sich selbst und ihre zukünftige Familie ein freies erfülltes Leben zu ermöglichen. Ihre wissenschaftlichen Forschungen beschäftigen sich mit dem menschlichen Genom und sie führt Versuche durch. Ihre in Amerika geborene Tochter Lily, sie kann sich jedoch so gar nicht für diese Welt begeistern. Sie, schließt ein Studium ab, aber ihre Hoffnungen, in diesem, doch auch ihrem Land voranzukommen, scheitern. Rassismus und Vorurteile pflastern ihren Weg. Aber dann wird ihre dürftige Existenz plötzlich durchbrochen, von einem Mann. Es ist die große Liebe, doch Matthew kommt aus einer ganz anderen Welt, einer erfolgreichen Familie, die in der Medizinbranche viel Geld verdient und zur absoluten Oberschicht gehört. Und dann ist da Lily, die aus einer Einwandererfamilie kommt und nichts aufzuweisen hat. Aber es funktioniert, man heiratet und das Paar bekommt einen Sohn. 20 Jahre später lebt Lily mit ihrem Sohn Nick auf einer vor dem Bundesstaat Washington gelegenen Insel. Der Wunsch des Jungen, seine Identität zu erforschen, wird ihm zunehmend wichtiger. Aber seine Mutter schweigt, so dass er selbst per Genanalyse nach seinen väterlichen Wurzeln sucht. Und was er dann erfährt, ist prägend, für alles, was sein Sein und die Beziehung zu seiner Familie ausmacht.

Dieses Buch, es ist berührend, in seiner Gefühlswelt, die wir Leser zu verkraften haben. Und es ist ein so absolutes Real America, mit der gravierenden Hypothek, Einwanderer zu sein. Man tut alles dafür, zugehörig zu sein und die Hoffnung darauf ist groß. Doch viel ist davon nicht geblieben, erloschen ist sie aber nicht. Aber auch die positiven, die freudigen Erlebenszeiten haben ihren Platz und auch hier lebt man mit.
Ein großer Roman und der Kampf seiner Protagonisten um ihren Platz, das hallt lange nach.

Veröffentlicht am 26.01.2026

Ein Ermittler der anderen Art, aber es wird

Minnesota
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Jo Nesbø stellt uns hier seinen neuesten Ermittler vor, nicht gerade ein Vorzeigemensch, aber damit war ja auch nicht zu rechnen. Bob Oz hat schwere Zeiten hinter sich. Nach dem Tod seiner Tochter entleidet ...

Jo Nesbø stellt uns hier seinen neuesten Ermittler vor, nicht gerade ein Vorzeigemensch, aber damit war ja auch nicht zu rechnen. Bob Oz hat schwere Zeiten hinter sich. Nach dem Tod seiner Tochter entleidet ihm alles. Übrig bleibt nur sein Beruf und der Fall, der ihm dann unterkommt, er verbeisst sich regelrecht darin, Suspendierung hin oder her. Ein mutmaßlicher Serienkiller mit Rachemotiv, das ist sein Mann, den zu Strecke zu bringen, Oz alles gibt. Nach einem eher langsamen Beginn, was die Spannung betrifft, geht es so richtig ab. Nichts von dem, was man als Leser vermutet, ist dann wirklich so, überraschende Wendungen zuhauf, ohne je den Faden zu verlieren und das große Intermezzo ist kunstvoll zu einem absolut schlüssigen grandiosen Abschluss gebracht.
Nesbø, wieder einmal ein wahrer Meister seines Fachs. Mit einem Thriller der Extraklasse im Gepäck unterhält er sein Publikum erneut aufs Beste.
So muss ein Krimiroman sein und dessen abgehalfterter Ermittler ist einem inzwischen tatsächlich so richtig ans Herz gewachsen. Von mir aus darf er wiederkommen.