Cover-Bild Liefern
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25,00
inkl. MwSt
  • Verlag: Tropen
  • Themenbereich: Belletristik - Belletristik: zeitgenössisch
  • Genre: Romane & Erzählungen / Sonstige Romane & Erzählungen
  • Seitenzahl: 320
  • Ersterscheinung: 14.02.2026
  • ISBN: 9783608502633
Tomer Gardi

Liefern

Roman
Anne Birkenhauer (Übersetzer)

»Prallvoll mit Überlebenslust, Herzwärme und Witz.« Pieke Biermann

Sie sind überall, wir sehen sie jeden Tag. Egal ob in Delhi, Tel Aviv, Buenos Aires, Istanbul oder Berlin, überall schwirren sie durch die Städte: Essenslieferanten. Tomer Gardi verbindet ihre Geschichten zu einem weltumspannenden Gegenwarts-Epos. »Liefern« erzählt von Rassismus und Ausbeutung, von Liebe, Familie und der großen Sehnsucht nach Verbundenheit. So gegenwärtig, so international, so politisch und leichtfüßig zugleich war lange kein deutscher Roman.
Der Roman entstand in Zusammenarbeit mit Anne Birkenhauer, die auch den Teil »Mimesis« aus dem Hebräischen übersetzt hat.

Filmon, der aus Eritrea nach Tel Aviv geflüchtet ist, arbeitet als Lieferant. Er will genug Geld sammeln, um seiner Frau und Tochter nach Berlin zu folgen. Sein Job ist immer in Gefahr, er hat keine Arbeitserlaubnis und fährt unter falschem Namen. Seine Frau und Tochter lernen Deutsch bei Nina im Bildungszentrum, die zu einem Austauschsemester nach Delhi reist, wo sie sich in den Argentinier Ramón verliebt. Der Erzähler fährt nach Istanbul, um nach einer Gaunerei bei einem Literaturpreis das Preisgeld zu verprassen. Und in Buenos Aires muss Ramóns Mutter mit der Abwesenheit ihres Sohnes fertig werden. »Liefern« ist eine literarische Weltreise in sechs Episoden und eine Feier der Erzählkunst, wie sie nur Tomer Gardi veranstalten kann: tiefgründig und humorvoll, mit politischer Sensibilität und literarischer Verve.

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Lesejury-Facts

Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 12.04.2026

Tragisches Schicksal unzähliger Menschen

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Das Buch hat mich zutiefst berührt. Leider wüsste ich keinen Ausweg aus dieser Misere. Lieferkuriere auf Fahrräder, ob E-Bike oder klassisch auf Motorräder oder Kleinstwägen, gibt es mittlerweile auf ...

Das Buch hat mich zutiefst berührt. Leider wüsste ich keinen Ausweg aus dieser Misere. Lieferkuriere auf Fahrräder, ob E-Bike oder klassisch auf Motorräder oder Kleinstwägen, gibt es mittlerweile auf allen Kontinenten. Tomer Gardi lässt sie zu Wort kommen, lässt uns ihr hartes Leben durch ihre Augen sehen. Für mich hat der Perspektivwechsel von Seite Eins nun definitiv stattgefunden. “Mitbewohner des globalen Dorfes [that’s me], Perspektivwechsel! Hilft auch gegen Selbstmitleid! Auch gegen Aussichtslosigkeit! Erlöst von chronischem Purismus! Lindert Erbnabelschau! Lockert identitäre Fixationen! Hilft zudem gegen Opferglorie! Perspektivwechsel!” (S. 7) Egal, wie schlecht es uns geht, als Mitteleuropäer mit der richtigen Hautfarbe, als deutsche Staatsbürger, sind wir immer noch besser dran. Essenskuriere werden auf allen Kontinenten, in allen Städten aller Länder gnadenlos ausgebeutet. Um einen Job überhaupt zu ergattern, müssen sie hohe Kautionen zahlen, müssen substantielle Abgaben an windige Geschäftsleute zahlen, fahren immer gegen die Zeit, sind auf die Likes der belieferten Kunden angewiesen, auf die Betreiber diverser Imbissbuden und Restaurants, wo sie das Essen herholen. Das ist moderne Sklaverei. Ein Unfall, rachsüchtige Polizisten, und die Arbeit ist verloren oder auch das Leben.
Ich habe diese Kuriere mit verschiedenfarbigen eckigen Rucksäcken schon oft auf den Straßen gesehen, aber bisher nie über die Menschen nachgedacht, die dahinterstecken. Sie sind immer in Eile, kaum sieht man sie, sind sie schon vorbei. Oder ich sehe sie bei meinem Lieblingsitaliener, Inder, Chinesen, Dönerbetreiber, holen ihre Bestellungen ab und schon sind sie weiter. Sie strampeln buchstäblich gegen die Zeit und für positive Likes. Ich habe mir nie Gedanken gemacht, was sie mit dem kargen Lohn alles bewerkstelligen müssen: Erpresserische Abgaben an Betreiber, Miete, Essen, Zahlungen an die Familie im Herkunftsland oder in die neue Wahlheimat. Richtig Geld für Rücklagen bleibt nicht.
Das Buch beginnt mit Filmon, aus Eritrea, er jobbt in Tel Aviv, wird auch Kurierfahrer. Seine Frau und seine Tochter sind in Berlin. Er versucht alles, um nach Berlin einreisen zu dürfen. Wenn er in Deutschland ankommt, wird er auch kein besseres Schicksal haben. Als Essenskurier wird er im selben Hamsterrad sein wie in Tel Aviv. Jederzeit kann ihm und seiner kleinen Familie die Abschiebung drohen. Und dann?
Das Buch besteht aus Episoden, die lose miteinander verbunden sind. Gemeinsam ist ihnen allen, es sind Kurierfahrer, in Berlin, Delhi, Tel Aviv, Istanbul, Buenos Aires. Kurierfahrer, die am Existenzminimum darben. Nur das letzte Kapitel spielt in Kenia, aber nicht im Kurierfahrer Milieu, sondern Blumen Pflückerinnen in den Glashäusern. Die Frauen da haben es genauso schwer: Sie müssen im Akkord Blumen pflücken, mindestens 2.000 Rosen täglich für den Valentinstag in Europa. Hinzu kommt noch Beete bearbeiten und pflegen, so dass die Rosensträuche weiter blühen und treiben.
Das Titelbild mit dem Fahrer im Hamsterrad zeigt die Ausweglosigkeit dieser Menschen. Sie schuften und mühen sich, aber andere profitieren von ihrer Arbeit. Sie selber kommen nicht vom Fleck.
Das Buch hat mich ein wenig an Hans Falladas Romane erinnert. Dieselbe Ausweglosigkeit, derselbe Kampf ums Überleben der “kleinen einfachen” Leute.

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Veröffentlicht am 10.04.2026

Interessant

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Das Buch hat mir richtig gut gefallen. Schon das Cover fand ich interessant und aussagekräftig. Der Titel klang spannend. Beim Lesen wurde ich nicht enttäuscht. Das Buch war eine aufregende Lektüre, die ...

Das Buch hat mir richtig gut gefallen. Schon das Cover fand ich interessant und aussagekräftig. Der Titel klang spannend. Beim Lesen wurde ich nicht enttäuscht. Das Buch war eine aufregende Lektüre, die ich nur so verschlungen habe. Die Figuren sind interessant angelegt und auch der Schreibstil war angenehm und flüssig. Ich empfehle das Buch deshalb sehr gerne weiter.

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Veröffentlicht am 08.03.2026

Liefert im Nachgang

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Wie ich sie verfluch(t)e: mit leisen Elektrorollern fahren sie auf Radwegen und über Fußgängerbrücken, schneiden eine im Überholen von links und von rechts und bescheren damit mehrere Schrecksekunden - ...

Wie ich sie verfluch(t)e: mit leisen Elektrorollern fahren sie auf Radwegen und über Fußgängerbrücken, schneiden eine im Überholen von links und von rechts und bescheren damit mehrere Schrecksekunden - Essenslieferanten. Zwar war mir klar, dass sie in prekären Lebensumständen leben, trotzdem waren sie mir ehrlichgestanden des Öfteren ein Ärgernis. Tomer Gardi hat dem Abhilfe verschaffen und liefert mit "Liefern" ein eindringliches Bild von den Menschen, die durch unsere Bequemlichkeit nicht nur prekär, sondern fast schon versklavt leben müssen.

Wir folgen im gesamten Buch, das sich aus mehreren Erzählungen zusammensetzt, schier zahllosen Schicksalen von Menschen, die liefern. Die ihr Glück in einem anderen Land oder einer anderen Stadt suchen und egal was ihr Hintergrund ist, sie finden sich zu dieser undankbaren Arbeit, die ihnen vor allem eines beschert: Stress. Und kaum Verdienst. Sie müssen kämpfen, um ihren Online-Status nach oben zu treiben, den jede schlechte Bewertung könnte ihnen zum Verhängnis werden und ihnen ihre Lebensgrundlage entziehen.

Aber wer glaubt, Gardi tut das mit erhobenen Zeigenfinger, der irrt. Die meisten Einzelschicksale werden humorig erzählt, wir lernen Lieferanten und Lieferantinnen aus und auf der ganzen Welt kennen, erfahren Momentaufnahmen aus ihrer Biographie, hetzen mit ihnen von Auftrag zu Auftrag, verweilen mit ihnen beim Fischen und beim Erzählen über ihr Leben, lernen andere Personen kennen, die die ein oder andere Berührung mit ihnen hatten, staunen über Absurdes und darüber, dass eine Geschichte dann plötzlich abbricht.

Die Figuren, die Gardi schildert, sind nicht zwangsläufig sympathisch, oft nerven sie sogar gewaltig - besonders zu Beginn, im ersten Kapitel "Indie-Go", in dem wir Filmon als Lieferant in Israel begleiten, dachte ich mir manchmal: ich werde dieses Buch nicht beenden können, die Art und Weise dieses Typen ist einfach nur nervig. Nächste Szene, nächste Protagonistinnen und es wurde besser. Ich kann nicht leugnen, dass das Buch bis zum Schluss ein kleiner Lesekampf war, teilweise war es etwas schwer, die Zusammenhänge zusammenzubekommen, ABER: das Buch hallt nach und erst nach Beendigung fand bei mir der Prozess der Begeisterung statt. Langsam dämmerte mir, wie genial der Autor die Zusammenhänge der Figuren global zusammenführt. Und wie gesellschaftskritisch er dabei agiert, unterschwellig, denn es muss erst sickern. Es gibt viele Leerstellen, Geschichten die begonnen und nicht fertig erzählt werden, aber die Lebensgeschichten, über die wir lesen, sind nur Einzelaufnahmen und alle teilen sie das selbe Schicksal: sie sind dem kapitalistischen System ausgeliefert.

Mein Fazit: "Liefern" ist ein rasanter Roman in Episoden, der es weiß, die unterschiedlichen Protagonist
innen fein miteinander zu verweben und ihre Gemeinsamkeiten unterschwellig herauszuarbeiten. Es ist ein kritisches Buch, dass erst verdaut werden muss, ehe es seine vollkommene Wirkkraft entfaltet. Eine klare Leseempfehlung, die aber Durchhaltevermögen voraussetzt.

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Veröffentlicht am 09.02.2026

Tiefgründig und humorvoll

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Der israelische Autor Tomer Gardi hat mit seinem neuen Buch, das den schlichten Titel "Liefern" trägt, einen globalen Roman geschrieben und lässt die Lesenden damit hinter die Kulissen eines ausbeuterischen ...

Der israelische Autor Tomer Gardi hat mit seinem neuen Buch, das den schlichten Titel "Liefern" trägt, einen globalen Roman geschrieben und lässt die Lesenden damit hinter die Kulissen eines ausbeuterischen Systems blicken.

Wer sich noch nie Gedanken über die Essenslieferanten mit ihren großen eckigen Rucksäcken auf dem Rücken gemacht hat - hatte ich bisher auch nicht - dem lege ich Liefern sehr ans Herz. Die prekären Verhältnisse, in denen sich das Arbeiten in verschiedenen Ländern, für unterschiedliche Lieferdienste abspielt, kann man sich mit etwas Phantasie noch selber zusammen reimen. Welche menschlichen Schicksale sich dahinter verbergen erzählt dagegen Tomer Gardi auf berührende Weise. Wie Schlaglichter erscheinen seine Geschichten, die in den Metropolen der Welt angesiedelt sind. Kurierfahrer sind Menschen mit Privatleben, mit zum Teil qualifizierten Ausbildungen oder aber mit der Sehnsucht nach einem besseren Leben.
Das Buch ist an keiner Stelle langweilig oder rührselig. Im Gegenteil: oft humorvoll besteht Tomers Kunst darin, die globale Vernetzung der Menschen in kleinen letztendlich zusammenhängenden Geschichten aufzuzeigen. Sein Verdienst ist es nicht nur, eine sehr angebrachte Kritik gegenüber einem unwürdigen System zu üben, sondern auch Menschen sichtbar zu machen, die in unserem Alltag einfach da sind und zu gern übersehen werden.

Liefern: ein wichtiges Buch, von dem in diesem Jahr noch viel zu hören sein wird.

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Veröffentlicht am 05.02.2026

Liefern

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Wie oft haben wir uns schon spätabends eine Pizza liefern lassen, egal ob es gewittert oder schneit, nie haben wir darüber nachgedacht, wie es den Pizzaboten wohl ergeht. In diesem Buch wird uns klar und ...

Wie oft haben wir uns schon spätabends eine Pizza liefern lassen, egal ob es gewittert oder schneit, nie haben wir darüber nachgedacht, wie es den Pizzaboten wohl ergeht. In diesem Buch wird uns klar und ohne viel Beschönigung die Arbeit und das Leben dieser Essenslieferanten dargestellt. Es führt uns von Berlin nach TelAviv, Istanbul, Dehli und Bunos Aires. Filmon aus Eritrea kennt seine eigene Tochter nicht, die mit seiner Frau in Berlin lebt. Bis heute hat er das Geld noch nicht beisammen, obwohl er als Lieferant für verschiedene Lokale tätig ist. Ramon verunglückt bei einer dieser Fahrten tödlich, sie müssen schnell sein, das Essen darf nicht kalt werden, aber im Straßenverkehr wird auf die E-Bike- oder Motorradfahrer mit ihren Boxen keine Rücksicht genommen. Ein anderer junger Mann wollte studieren, es klappte nicht und so verdient er sich als Fahrradkurier seinen Unterhalt. Das Buch zeigt uns die schwierige Situation wie diese Menschen schuften müssen. Sie dürfen sich keine Fehler erlauben, haben teils alte Fahrräder. Eine wirklich sehr an die Substanz gehende Tätigkeit. Andernteils wirkt das Buch auch ein wenig amüsant, erzählt es uns doch von zwei jungen Männern in Berlin, die nach Istanbul reisen, um sich einer Haartransplantation zu unterziehen. Und am Ende erzählt uns das Buch von einer Rosenplantage in Afrika, wo die Menschen unter Akkord die Rosen schneiden und pflegen müssen, damit wir für den Valentins- oder Muttertag schöne und günstige Rosen haben. Mich hat das Buch tief berührt und Einblicke in das tägliche Leben der Essenslieferanten gegeben, die für den Mindestlohn sieben Tage in der Woche schuften müssen. Der Autor erzählt uns schnörkellos das harte Leben dieser Menschen. Die einzelnen Abschnitte sind alle sehr lebensnah. Das minimalistische blaue Cover zeigt uns einen Lieferanten auf dem Weg zu einem Kunden.

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