Berührend, lebensklug und voller Menschlichkeit
Fünf, sechs, sieben, achtMit „Fünf, Sechs, Sieben, Acht“ erzählt Ewald Arenz eine berührende Geschichte über das Älterwerden, das Loslassen und die Frage, was bleibt, wenn ein wichtiger Lebensabschnitt endet.
Anton ist leidenschaftlicher ...
Mit „Fünf, Sechs, Sieben, Acht“ erzählt Ewald Arenz eine berührende Geschichte über das Älterwerden, das Loslassen und die Frage, was bleibt, wenn ein wichtiger Lebensabschnitt endet.
Anton ist leidenschaftlicher Stepptänzer, Musik und Tanz sind sein Leben. Umso härter trifft ihn die Kündigung seines Postens am Theater – ausgerechnet seine Tochter Emma soll künftig die Choreografien übernehmen. Obwohl er stolz auf sie ist, überwiegen zunächst Wut, Enttäuschung und die schmerzhafte Erkenntnis, dass er vielleicht doch älter geworden ist, als er sich eingestehen möchte.
Besonders gefallen hat mir, wie feinfühlig Arenz Antons innere Zerrissenheit beschreibt. Gleichzeitig holen ihn Erinnerungen an seine erste große Liebe ein und der Wunsch wächst, sie wiederzufinden. So wird die Geschichte nicht nur zu einer Auseinandersetzung mit dem Alter, sondern auch mit der eigenen Vergangenheit, verpassten Chancen und den Sehnsuchtsorten, die man ein Leben lang im Herzen trägt.
Das Buch liefert keine einfachen Antworten, regt aber zum Nachdenken an. Es geht um das Akzeptieren nachlassender Leistungsfähigkeit, um die Frage, was man sich innerhalb einer Familie schuldet, und darum, dass auch im Herbst des Lebens noch neue Möglichkeiten entstehen können. Gerade die Vater-Tochter-Beziehung zwischen Anton und Emma fand ich besonders gelungen und emotional erzählt.
Mit Anton selbst konnte ich nicht immer mitfühlen, da er stellenweise etwas egozentrisch wirkt. Dennoch macht genau das ihn auch authentisch und menschlich.
Ewald Arenz schreibt gewohnt lebendig, poetisch, humorvoll und gleichzeitig nachdenklich. Sein Gespür für Menschen und ihre Emotionen ist beeindruckend – mit einer scheinbaren Leichtigkeit bringt er große Lebensthemen auf den Punkt. Ein warmherziger Roman, der zeigt, dass jeder Lebensabschnitt seinen eigenen Wert hat.