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Veröffentlicht am 06.05.2026

Die weise grüne Schildkröte

Das Café am Rande der Welt
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Dies sehr bekannte Buch hat seinen absolut eigenen Flair, der auch beim wiederholten Lesen nicht verlorengeht. Die Bilder, die der Autor benutzt - Fragen auf einer Speisekarte, die Schildkröte, etc. - ...

Dies sehr bekannte Buch hat seinen absolut eigenen Flair, der auch beim wiederholten Lesen nicht verlorengeht. Die Bilder, die der Autor benutzt - Fragen auf einer Speisekarte, die Schildkröte, etc. - sind brillant und inspirierend.

Das Cover mit dem Café und Jons Auto, die stilisiert auf einem Schildkrötenpanzer als Berg getarnt stehen, und die anderen Bilder des Illustrators passen ganz wunderbar dazu.

Die Geschichte von Johns Selbstfindung und dem Sinn seines Lebens ist sowohl real als surreal und zieht die Lesenden unweigerlich in ihren Bann, denn sie bringt einen selbst zum Fragen und Forschen im eigenen Leben.

Die weise, grüne Meeresschildkröte gefällt mir besonders gut, sind doch Schildkröten eines meiner Lieblingstiere und in der hawaiianischen Kultur sowieso etwas ganz Besonderes. Und so lange ruhig und gelassen im Meer und in seinem Leben schwimmen zu können, ist einfach ein Traum.

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Veröffentlicht am 04.05.2026

Besuch aus der Zukunft in der Vergangenheit

Jetzt ist die beste Zeit von allen
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Was wäre, wenn du jemanden aus der Zukunft treffen würdest? Einfach so, plötzlich, mitten auf der Straße. Würdest du ihm glauben? Vor allem, wenn er dir sagt, dass er dir nichts aus der Zukunft verraten ...

Was wäre, wenn du jemanden aus der Zukunft treffen würdest? Einfach so, plötzlich, mitten auf der Straße. Würdest du ihm glauben? Vor allem, wenn er dir sagt, dass er dir nichts aus der Zukunft verraten darf, damit der „Verlauf der Dinge“ nicht verändert wird? Doch so ergeht es Michael und Gibby …

Es ist das Jahr 1999 im August. Michael und Gibby treffen Ridge mitten auf der Straße, wo er in seltsamer Kleidung und ziemlich verloren herumsteht und dann so tut, als kenne er sich aus. Als er ihnen später erzählt, er wäre der erste Zeitreisende aus der Zukunft, können sie es erst nicht glauben, aber alles spricht dafür, dass es stimmt.

Geschichten über Zeitreisende haben in der Sciencefiction-Literatur immer ihren ganz eigenen besonderen Reiz, denn wer möchte nicht wissen, wie das Leben früher war oder später sein wird.

Doch der Autorin glückt in diesem Jugendroman ein besonderer Schachzug: Die Zeit, in der der Roman spielt, ist nicht nur ein Stück aus der Zukunft – aus Ridges Zeit -, sondern auch - für uns heute - ein Stück aus der Vergangenheit, denn 1999 ist für heutige Jugendliche schon ganz schön weit weg.

Die Dinge von 1999 – Festnetztelefone, Videotheken, Videokassetten, Y2K, etc. – und die Sachen der Zukunft – EGG, RTM, Kompendium, etc. - sind fast gleich „exotisch“.

So müssen die Lesenden sich in zwei verschiedene Zeiten, die ihnen beide fremd sind, hineindenken und versuchen, mit den Protagonisten mitzufühlen und sie zu verstehen. Dadurch, dass die Hauptfiguren, verschieden alt und Junge und Mädchen sind, kann sich hier jeder/jede gut mit ihnen identifizieren.

Die drei Hauptfiguren sind sehr sympathisch mit ihren Stärken und Schwächen geschildert, vor allem Michael, der unter vielen Ängsten leidet. Aber natürlich gibt es auch die „Schurken“, hier vor allem zwei große Brüder und abwesende Elternteile. Durch das sehr real geschilderte Leben der Jugendlichen bekommt die Erzählung Tiefgang.

Die Geschichte ist ungemein spannend geschrieben und bringt durch den Wechsel der Zeiten – 1999 und 2199, die beide linear verlaufen – immer wieder neue Wendungen und neues Wissen hinein.

Ein sehr spannendes und interessantes Buch für alle die Sciencefiction, aber auch erzählte Geschichte lieben!

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Veröffentlicht am 29.04.2026

Wie kann ich damit umgehen?

Narbenmädchen
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Wovon sind Selbstwert und Selbstliebe abhängig? Und was geschieht, wenn wir beides nicht haben oder spüren? Wie gehen wir damit um? "Ein bewegender Roman über äußere und innere Narben - offen und ungeschönt" ...

Wovon sind Selbstwert und Selbstliebe abhängig? Und was geschieht, wenn wir beides nicht haben oder spüren? Wie gehen wir damit um? "Ein bewegender Roman über äußere und innere Narben - offen und ungeschönt" (Klappentext)

Mit fünfzehn kommt Lara zur "Kur". Sie kommt mit ihrem Leben bei ihren geschiedenen Eltern und ihren Stimmen im Kopf nicht mehr klar und hat angefangen sich zu ritzen, wobei "schneiden" für sie das treffendere Wort dafür ist.

In dieser Einrichtung lernt sie - fast ungewollt und wenig gelenkt - sehr viel über sich, Freundschaft, Schuld, Selbstwert und Selbstliebe.

Schonungslos beschreibt die Autorin Laras Geschichte und ihre Zeit in der "Kur", wie schwer alles für sie und ihre "Mit-Kurenden" ist, wie sie oft am Leben verzweifeln.

Und doch ist da am Ende bei ihr und ihren zwei neugewonnenen Freunden ein Hoffnungsschimmer, den sie sich gegenseitig geben, eine kleine Pflanze, die wächst und weiterwachsen will und sich gegen die bösen Einflüsterungen wehrt, weil sie lernen, dass da jemand ist, der sie sieht und versteht, „ein kleines Pflänzchen des Glücks, das aus dem Erdreich meines Herzens sprießt und sich langsam nach oben schiebt“.

Auch als Nicht-Betroffene kann man sich durch den Schreibstil der Autorin in Laras Gedankenwelt, ihr Be- und Empfinden gut hineinversetzen und ihr Verhalten nachvollziehen. Gerade im Teenageralter, wo sich junge Menschen ganz neu finden müssen, sind Störungen dieses Prozesses besonders intensiv und belastend. So war es auch bei Lara. Doch nun muss sie verstehen, dass sie sich selbst helfen muss, zwar mit Hilfe von außen, aber mit ihrem eigenen Willen zur Heilung.

Das Buch enthält vorne eine Triggerwarnung, aber auch den Hinweis auf mögliche Hilfe. Eine Auflistung von Hilfestellen erfolgt dann auf mehreren Seiten am Schluss des Buches.

Am Ende des Romans ist die Kur vorbei, aber nicht alles gut, denn Laras häusliches Umfeld hat sich nicht verändert und auch ihre Eltern sind noch nicht sehr viel verständnisvoller geworden, aber Lara hat begonnen, für sich selbst einzustehen, sich selbst anzunehmen und Hoffnung zu schöpfen.

Ein beeindruckend ehrliches, schonungsloses Buch über psychische Erkrankungen – unbedingt lesen.

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Veröffentlicht am 22.04.2026

Hase aus dem Hut ohne Zauberer?

Herwig und Elsie – Wo ist der große Zauberer?
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Ein Hase aus dem Hut ohne seinen Zauberer – wo gibt es denn so etwas? Das darf doch nicht sein, oder? Zumindest sieht das Herwig so, als sein Zauberer eines Morgens unauffindbar ist.

Als der Zauberer ...

Ein Hase aus dem Hut ohne seinen Zauberer – wo gibt es denn so etwas? Das darf doch nicht sein, oder? Zumindest sieht das Herwig so, als sein Zauberer eines Morgens unauffindbar ist.

Als der Zauberer Hokus van Pokus stirbt, hinterlässt er seinem Hasen, den er immer aus dem Hut gezaubert hat, eine magische Brille, einen Zauberstab, seinen Hut, sein Zauberbuch und einen Brief mit ermunternden Worten.

Herwig, der Hase, versteht aber nicht, dass Hokus gestorben ist, und will ihn suchen gehen. Er hat aber große Angst, weil er - außer beim Zaubern im geschützten Hut – sein Zuhause noch nie verlassen hat. Doch da trifft er Elsie, eine Elefantendame, die ihren Freund sucht, und so unterstützen sie sich gegenseitig.

Diese Geschichte ist mit so viel Liebe und Humor erzählt, dass einem manchmal fast die Tränen kommen – die Lachtränen, wenn z. B., die Elefanten toben (S. 84/85,) oder die wirklich traurigen, wenn Hokus Schwester im Café allein am Tisch sitzt (S. 52). Schon die Namen der beiden ProtagonistInnen sind einfach lustig!

Das Buch ist in dreizehn Kapitel unterteilt, die altersgerecht nicht länger als zehn Seiten und flüssig und kurzweilig zu lesen oder vorzulesen sind.

Die lustigen Illustrationen untermalen den liebevollen, humorigen Schreibstil und lassen einen ebenfalls oft schmunzeln, wie man schon auf dem Cover sieht. Dabei sind Herwig und Elsie in Mimik und Gestik stark vermenschlicht dargestellt. Die Bilder sind in den Text eingestreut und laufen parallel zum Text. Sie sind alle dünn schwarzumrandet und in realistischen Farben gehalten.

Dieses Buch erzählt in neuem, lustigem Gewand eine Freundschaftsgeschichte der besonderen Art, vor allem auch, dass man neue FreundInnen oft dort findet, wo man es nicht vermutet, gerade wenn man sich auf den (neuen) Weg macht. Das macht Mut!

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Veröffentlicht am 20.04.2026

Entschleunigung

Heimkehr nach Morioka
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Die siebzehnjährige Mio flieht, nachdem sie in der Schule gemobbt wird und auch mit ihren Eltern nicht mehr richtig klarkommt, zu ihrem Großvater aufs Land. Dieser betreibt dort eine Spinne-, Webe- und ...

Die siebzehnjährige Mio flieht, nachdem sie in der Schule gemobbt wird und auch mit ihren Eltern nicht mehr richtig klarkommt, zu ihrem Großvater aufs Land. Dieser betreibt dort eine Spinne-, Webe- und Färberei von Schafwolle.

Als sie anfängt, sich mit dieser Handwerkskunst zu beschäftigen, kommt sie langsam zur Ruhe und auch zu sich selbst. Je mehr dies geschieht, verändern sich auch ihre Beziehungen zu ihren Eltern und anderen Menschen. Aber auch deren Beziehungen entwickeln sich weiter.

In diesem Buch der leisen, sanften Töne beschreibt die Autorin, wie ein Orts- und damit Perspektivwechsel eine Seele gesunden lassen kann. Manchmal ist es nötig, sich selbst aus allem herauszunehmen, nicht mehr funktionieren und sich für alles rechtfertigen zu müssen, um eine neue Sicht auf sich selbst und die Alltagsdinge zu bekommen.

Der ruhige Schreibstil und die wunderbaren Beschreibungen des Handwerks und der Landschaft lassen die Lesenden selber zur Ruhe kommen und über die wichtigen Dinge des Lebens nachdenken.

Ein feiner, leiser Roman über die Entwicklung einer Familie in der Krise im heutigen Japan, ein Plädoyer für das offene, ehrliche, entschleunigte Miteinanderreden- und leben.

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