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Veröffentlicht am 02.02.2026

Gut so, wie man ist!

Starfish
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Sehr einfühlsam und in ungewohnter Textformation erzählt die Autorin von Ellie, einem kurvigen Mädchen, das in der Schule und von seinen Geschwistern gemobbt wird und dessen Mutter nur ihre Diäten im Kopf ...

Sehr einfühlsam und in ungewohnter Textformation erzählt die Autorin von Ellie, einem kurvigen Mädchen, das in der Schule und von seinen Geschwistern gemobbt wird und dessen Mutter nur ihre Diäten im Kopf hat.

Richtig wohl fühlt sich Ellie mittlerweile nur noch in ihrem Pool, in dem sie sein kann, wie sie ist und so viel Raum einnehmen kann, wie sie braucht, ihrem Papa und mit ihrer Freundin Viv. Diese zieht jedoch nach der Trennung der Eltern in eine andere Stadt, aber da steht plötzlich ihre neue Nachbarin Catalina vor ihr und möchte ihre Freundin sein.

Ellie hat nicht nur in der Schule unter dem Mobbing ihrer MitschülerInnen zu leiden, sondern auch zu Hause vor allem unter ihrem mobbenden Bruder und ihrer Mutter, die sie „immer reparieren“ will, so dass Ellie sich nicht von ihr geliebt und unterstützt fühlt.

Ein Lichtblick ist ihr Vater, der ihr treu zur Seite steht, was den ein oder anderen Ehekrach nach sich zieht. Nach unzähligen ÄrztInnen und TherapeutInnen, zu denen ihre Mutter sie zum Abnehmen schleppt, ist es ihr Vater, der eine Therapeutin findet, die Ellies Selbstwertgefühl behutsam aufbaut und ihr neuen Lebensmut schenkt.

Ellie erfährt dadurch eine Menge über sich selber, über Ausgrenzung und Mobbing ganz allgemein, sich adäquat zu verteidigen und zu wehren und über die Fähigkeit jemanden so zu akzeptieren (und zu lieben), wie er ist.

Das Buch ist konsequent aus Ellies Sicht in Ich-Perspektive geschrieben, was dem Lesenden ihre Gedanken und Gefühle ganz besonders nahebringt.

In dieser berührenden Coming-of-Age-Geschichte sind die einzelnen Kapitel wie Gedichte angeordnet mit stets dick gedruckten Überschriften. Diese Anordnung steigert das besondere Leseerlebnis noch weiter. Auch Ellie kann mit Worten umgehen: Sie ist eine Schriftstellerin und Dichterin.

Dies ist ein sehr besonderer (Jugend-)Roman, der uns in sehr einfühlsamer, behutsamer Weise die Gedanken und Gefühle eines Mädchens nahebringt, das von seiner Umwelt als anders und „veränderungspflichtig“ angesehen wird und nicht als großartig und liebenswert, so wie sie ist. Wie sie lernt damit umzugehen und zu sich selber zu stehen, ist hier brillant und für die Altersgruppe, aber auch Ältere, sehr passend erzählt.

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Veröffentlicht am 31.01.2026

LIefern - aber rackizacki!

Liefern
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Der Autor beschreibt in verschiedenen Settings Menschen auf fast der ganzen Welt, deren Arbeit das Liefern von Essen ist. Dabei nimmt er uns Lesende mit hinein in ihr Erleben, ihre Sorgen, Nöte und ihr ...

Der Autor beschreibt in verschiedenen Settings Menschen auf fast der ganzen Welt, deren Arbeit das Liefern von Essen ist. Dabei nimmt er uns Lesende mit hinein in ihr Erleben, ihre Sorgen, Nöte und ihr Privatleben.
Die einzelnen Geschichten und Schicksale werden vom Erzähler alle miteinander verbunden, indem meistens eine Person aus den Erzählungen davor wiederauftaucht. Dabei schreibt er immer konsequent aus der Sicht seiner Protagonisten heraus, meist auch in der Ich-Perspektive.
Fasziniert hat mich der verbindende Weitblick des Autors, denn mögen die Probleme für die Liefernden auch in jedem Land etwas anders gelagert sein, so wird doch überall von den Arbeitgebern und den Bestellenden vergessen, dass ein Mensch liefert und keine Maschine.
So entsteht die Ausbeutung der Kuriere und es entsteht ein Konkurrenzkampf unter ihnen, wer die nächste Lieferung bekommt, denn die Bezahlung ist immer zu knapp. Keiner kann sich einen Ausfall leisten. Hinzu kommen die Bewertungen im Internet, die immer gut sein müssen, um vom Chef nicht heruntergestuft zu werden.
„So gegenwärtig, so international, so politisch und leichtfüßig zugleich war lange kein deutscher Roman“ (Klappentext) und so einfühlsam die Lebensumstände einer „Berufsgruppe“ zeigend – da kann ich mich nur anschließen.

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Veröffentlicht am 24.01.2026

Heimatsuche

Halber Stein
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In sehr ruhigem Erzähltempo schreibt die Autorin in ihrem Debütroman, der hier als Taschenbuch wiederaufgelegt wurde, von einer Rückkehr ins Dorf der Großmutter.

Sines Eltern sind mit ihr aus Siebenbürgen ...

In sehr ruhigem Erzähltempo schreibt die Autorin in ihrem Debütroman, der hier als Taschenbuch wiederaufgelegt wurde, von einer Rückkehr ins Dorf der Großmutter.

Sines Eltern sind mit ihr aus Siebenbürgen in Rumänien wegen des Kommunismus und der Enteignungen nach Deutschland ausgewandert. Obwohl Sine als Kind bei Besuchen bei ihrer Großmutter, als die Familie selbst noch in Siebenbürgen wohnte, immer glücklich war, hört sie mit zunehmendem Alter in Deutschland auf, den Vater bei seinen Besuchen zur Großmutter zu begleiten. Allerdings besucht die Großmutter sie in Deutschland. Ihre eigene Ausreise wird verhindert.

Jetzt ist die Oma verstorben und Sine kehrt mit ihrem Vater (die Mutter kann sie beide nicht begleiten) in ihr Dorf zurück, um die Beerdigung zu organisieren und den Nachlass zu ordnen.

Dort trifft Sine auf ihre glückliche Kindheit und ihren Freund aus Kindertagen. Sie beginnt sich zu fragen, warum sie nicht mehr hingefahren ist, da sie jetzt gleich ein Heimatgefühl ergreift und sie sich sichtlich wohlfühlt. Aber auch Traurigkeit überkommt sie angesichts des Verlustes der Oma und der ungenutzten Zeit.

Das alles erzählt die Autorin in einem sehr ruhigen, unaufgeregten Stil mit ausführlichen Landschafts-, Gefühls- und Gedankenbeschreibungen, alles in Ich-Perspektive aus Sines Sicht. Dies gerät ihr aus meiner Sicht oft zu langatmig, so dass über Seiten für die Geschichte nichts Relevantes geschieht. Dies schmälerte für mich den Lesegenuss, denn zwischendurch beschreibt die Autorin durchaus behutsam und gefühlvoll, wie sich Begegnungen und Bekanntschaften entwickeln.

Ich konnte mich jedoch dadurch sehr gut in Sine hineinversetzen, habe nur oft nicht verstanden, dass Fragen nicht ausgesprochen und wichtige Dinge nicht angesprochen wurden. Sine sucht ihre Wurzeln und fragt sich, wo sie eigentlich hingehört.

Immer wieder springt die Autorin in der Zeit, lässt Sine sich an ihre Kindheitserlebnisse erinnern oder trägt ihr Begebenheiten aus dem Leben ihrer Großmutter durch ihren Vater und andere Dorfbewohner zu. Auch in ihres Vaters Leben und Erleben bekommt sie neue Einsichten.

Ein ruhiger, poetischer Roman über das Heimatfinden, Dazugehören und Erinnern.

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Veröffentlicht am 20.01.2026

Worte sind wichtig!

Hazel sagt Nein
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In ihrem Debütroman greift die Autorin das wichtige Thema Machtmissbrauch auf. Der Direktor einer Highschool in Riverburg, Maine macht sich an die neuzugezogene, achtzehnjährige Schülerin Hazel über den ...

In ihrem Debütroman greift die Autorin das wichtige Thema Machtmissbrauch auf. Der Direktor einer Highschool in Riverburg, Maine macht sich an die neuzugezogene, achtzehnjährige Schülerin Hazel über den Sommer im Schwimmbad heran, ruft sie zu Schulbeginn in sein Dienstzimmer und versucht sie zu sexuellen Handlungen zu bewegen, indem er sie in Hinsicht auf ihren Schulabschluss erpresst.

Leider ein gängiges Szenario in der ganzen Welt und auch von ihm schon erfolgreich durchgeführt, aber mit Hazels mutiger Reaktion hat er nicht gerechnet: Sie sagt einfach „Nein!“

Was dieses „Nein“ in Hazels Leben und in dem ihrer Familie, aber auch in dem des Direktors und seiner Familie, ja in der ganzen Kleinstadt, aber auch in weiteren Teilen des Landes auslöst, hat keiner geahnt.

Der Schreibstil der Autorin ist mitreißend, so dass ich gar nicht aufhören wollte zu lesen und immer wissen wollte, wie es weitergeht. Ihre Protagonisten, vor allem die vier Mitglieder der Familie Greenberg Blum, finde ich sehr lebensnah und glaubwürdig dargestellt – keine ganz heile Familienwelt, aber doch nahe dran, auch wenn die einzelnen Personen mehr miteinander über das, was sie im Innersten betrifft, reden sollten.

Doch auch die Randpersonen werden so beschrieben, dass sie authentisch wirken. Die Steigerung der Ereignisse im zweiten Teil mag uns hier wie ein überdrehter Hype vorkommen, scheint aber für Amerika passend zu sein. Auch die Rechtsprechung lässt für unsere Verhältnisse einiges zu wünschen übrig.

Am Ende des dritten Teiles und im vierten finden alle in die Realität zurück, die Handlung wird geerdet. So findet auch die Familie durch gemeinsame Erlebnisse wieder ganz zueinander und auch ihren Frieden. Der Kreis des Buches schließt sich vom Titel „Hazel sagt Nein“ zum letzten Satz „Hazel sagte Ja“.

Die Kapitel sind nicht nur nummeriert, sondern haben auch alle eine Überschrift, die mal deutlich, mal subtil den Inhalt des Kapitels vorwegnimmt. Das war neu für mich. Ich finde es aber gut gemacht und es hat mich nicht beim Lesen gestört oder zu viel vorweggenommen.

Neben dem Missbrauchsthema spricht das Buch noch andere wichtige Themen, wie Antisemitismus, ADHS, Eheprobleme, etc. an, ohne sie groß zu vertiefen. Das kann sich jetzt wie zu viel für ein Buch anhören, passt aber zur Geschichte und der Familie.

Der Kreis des Buches schließt sich vom Titel „Hazel sagt Nein“ zum letzten Satz „Hazel sagte Ja“.

Ein lesenswerter Roman zum Thema #Me too mit dem Mut, gegen Missbrauch anzugehen!

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Veröffentlicht am 14.01.2026

Viel erstes, gut aufgemachtes Wissen über Wälder

Wieso? Weshalb? Warum? Erstleser, Band 17 - Im Wald
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Dieses Buch aus der Reihe „Wieso? Weshalb? Warum?“ beschreibt in einfachen, prägnanten Sätzen vieles Wissenswerte über den Wald hier und anderswo für Erstleser in vier Kapiteln (Was ist ein Wald?, Wie ...

Dieses Buch aus der Reihe „Wieso? Weshalb? Warum?“ beschreibt in einfachen, prägnanten Sätzen vieles Wissenswerte über den Wald hier und anderswo für Erstleser in vier Kapiteln (Was ist ein Wald?, Wie funktionieren Bäume?, Wie hängt im Wald alles zusammen?, Weshalb ist der Wald in Gefahr?) mit Unterkapiteln.

Mit dabei sind tolle, naturgetreue Zeichnungen der Illustratorin, aber auch Fotos, was eine gute Mischung ergibt. Die Illustrationen sind immer in naturgetreuen Farben als umrandete Zeichnungen gehalten und stets kleiner als der Text. Sie bebildern ihn, stellen aber teilweise auch etwas darüber hinaus dar, was dann in oder am Bild noch beschrieben wird.

Aufgelockert wird das Ganze durch Leserätsel am Ende jedes der vier größeren Kapitel, eine Stickerseite, ein Leselotto zum Ausschneiden und ein Lesequiz ganz am Ende des Buches. Natürlich fehlen auch die Lösungen zu den Rätseln nicht.

Ein kleiner, lustiger, comicartiger Fuchs begleitet die Erstleser darüber hinaus auch noch durch das Buch.
Positiv hervorzuheben ist, dass das Buch auf Wälder weltweit eingeht und dadurch schon für die jüngsten Lesenden den globalen Zusammenhang herstellt.

Es macht Freude, durch dieses Buch zu blättern, die Fotos und Zeichnungen zu betrachten und sich „nebenbei“ Wissen über Wälder anzueignen!

Ein tolles Buch zum Vor- und Selberlesen!

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